Doppel X Motorrad Test: Ein umfassender Überblick

Seit Herbst letzten Jahres ließ Honda für Nacktfahrer einen neuen Stern namens X 11 am Bikerhimmel erleuchten. Die Zutaten waren partiell schon vorhanden.

Design und erste Eindrücke

»Nein, es war kein Unfall.« Honda-Pressesprecher Klaus Wilkniss beteuert, das Design der X-Eleven sei nicht irgendwie passiert, sondern ganz bewusst gewählt. Bewusst anders. Bewusst ungefällig. Die Welt sollte nicht einfach über die 1100er hinwegsehen können. Sie sollte hängen bleiben. Und das tut sie. Irritiert, entgeistert, schockiert.

»Allerdings legt sich das schnell«, erklären die Verantwortlichen. Man müsse dieses Motorrad erleben, damit umgehen. Fahren, fahren, fahren, dann erschließe sich alles. Der mächtige Tank, die monströse Kühlerabdeckung, das Trumm von Rahmen - mit jedem Kilometer wachse das Verstehen. Da darf man ja gespannt sein.

Als ich mit der X-Eleven ankomme, fällt ihm sein leicht süffisantes Grinsen aus dem Gesicht: »Mein Gott, was ist denn da passiert? War das ein Unfall?« Mir fällt schon gar nichts mehr zum Design der 11er ein. Ist doch eigentlich ganz okay. Hat so was Unverfälschtes. Markus überwindet sich, beginnt zu fotografieren. Erst mal den ganzen Buchstabensalat:

  • PGM-FI - steht für eine kennfeldgesteuerte Einspritzanlage, die den Verbrauch der Honda in äußerst geringen Grenzen hält.
  • HECS3 bezeichnet ein Abgasreinigungssystem, das sich aus einem Sekundärluftsystem plus zwei geregelten Drei-Wege-Kats rekrutiert und sogar die strenge Euro-1-Abgasnorm unterschreitet.
  • H.I.S.S. ist die Wegfahrsperre.
  • Dual-CBS heißt das Integralbremssystem, das bei Betätigung des Fuß- oder Handbremshebels beide Bremsen gleichzeitig aktiviert.

Motor und Leistung

Vor allem der aus der Doppel-X bewährte und durchaus kraftvolle Vierzylinder wurde für optimierten Drehmomentverlauf in der Spitzenleistung auf 140 PS reduziert. Power pur ab 2500 U/min ist garantiert. Bis zur maximalen Drehzahl kurz vor der 10000er Marke kein Schwächeln. Aufgrund des bulligen Drehmoments genügen der ix eleven locker 5 Gänge.

Die ersten Kilometer stehen ganz im Zeichen des von der CBR 1100 XX übernommenen Motors. Konsequent auf Durchzug getrimmt, hält der modifizierte Einspritzer ab Standgas bergeweise Drehmoment parat. Nahezu digital setzt er Bewegungen am Gasgriff in Vortrieb um und katapultiert die 257 Kilogramm schwere Honda völlig mühelos in höchst illegale Sphären. Hier in Frankreich, wo der Gesetzgeber ab 130 km/h keinen Spaß mehr versteht, lässt sich das Potenzial dieses Triebwerks nur erahnen.

Später allerdings wird das Tellert-Messgerät bestätigen, dass die X-Eleven rekordverdächtige Fahrleistungen zuwege bringt. Den Spurt von 60 auf 180 km/h beispielsweise erledigt sie in sensationellen 11,7 Sekunden. Im letzten Gang wohlgemerkt. Eine Doppel-X braucht dafür knapp fünf Sekunden mehr.

Letzter Gang heißt übrigens Fünfter. Gegenüber der CBR 1100 XX wurde eine Übersetzung eingespart. Tatsächlich aber kann die Fußarbeit auf der X-Eleven nahezu niedergelegt werden. Bei Bedarf erledigt sie auch das Anfahren im fünften Gang. Allerdings geriet die Gesamtübersetzung so kurz, dass man immer wieder mal nach einer höheren Fahrstufe sucht.

Tuning und Modifikationen

So sprach Christian Mende, Tuner und Ex-Rennfahrer grinsend gesagt: "Vollgas geht eigentlich nur auf der Geraden. Blödsinn? die auf eine mehrere hundert Meter lange Gegengerade hinausführt. Punkt für das Kommando Vollgas herauszufinden. die Curbs vorn auf der linken Seite an. entschlossen am Quirl. über 8000/min. werde ich eine PS-Angabe von Tuner Christian Mende anzweifeln. sechs Gänge. Bremspunkt etwa 230 km/h. Rennmotorrad draus machen. einfach zu kurz." Er muss es wissen.

Änderungen von unten nach oben: Die Kurbelwelle wird feingewuchtet. Laufkulturfördernde Verspannung der Primärräder eliminiert wird. Die Pleuel gleicht Mende im Gewicht an, und werden lediglich leicht nachgefräst.

Schwierig ist vor allem die Abstimmung von Einlass und Auslass. 42er Keihins erfordert. unangetastet, ebenso gibt es nach wie vor einen Luftfilter-Einsatz. geändert, zumal der Sprit in dem Fass wild herumschwappt.

Nichts auf dem Nachrüstmarkt. noch nicht optimal, und wissen bereits, wie es zu lösen ist.

Technische Details des Mende-Tuning

Das lackierten Monstrum von Mende musste einem links eingelassenen 100er- Rundlämpchen weichen, gut zu dem aggressiv hochgereckten 900er-Hinterteil passt, leicht und stark. Statt 164 PS bescheiden sich Mende mit 147 bis 155 Pferden. 1137 Kubik und 12,9:1 Verdichtung. Das verkraftet der Motor klaglos, er braucht nur Euro-Super.

Ein guter Zentner weniger als das Original, der leichten CBR 900 sehr ähnelt. Mende reduzierte den Durchmesser unter 90 Millimeter und übernahm er gleich mit.

Fahrwerk und Handling

Den X-Konstrukteuren gelang die Synthese aus Stabilität, Sportlichkeit und (für diese Gewichtsklasse) leichtem Handling. Der Brückenrahmen, der kurze Radstand, der knappe Nachlauf und nicht zuletzt das Fahrwerk selbst ließen bei mir keinen Zweifel aufkommen, dass die Maschine klar und zielsicher alle Straßenarten und Fahrsituationen meistert.

Ich fühlte mich sicher, nicht zuletzt auch wegen der, wenn auch für mich gewöhnungsbedürftigen, Dual-CBS-Bremsanlage. Ich hatte anfangs das Gefühl, ich müsse das Fußpedal sehr kräftig treten, um ausreichende Bremsleistung zu bekommen. Der rechte Druck kommt aber nach einigen Bremsmanövern. Dazu auch das Umdenken, dass der rechte Fuß auch (vor allem) die vorderen Stopper bedient. Bremsleistung bot die Anlage immer genügend. Nur die Dosierbarkeit und das Ertasten des Druckpunktes ließen meiner Meinung nach zu wünschen übrig.

In die Kurven, aber sobald man Gas anlegt, wird sie etwas steif. flottzumachen. zwischen den hinteren Umlenkhebeln. ein Öhlins-Federbein mit Höhenverstellung mit der originalen 1100er-Hebelei. umsetzen lassen. Kurven noch nicht besonders schnell bin.

Die Fahrwerksabstimmung der 11er liegt auf der straffen Seite. Und das ist gut. Bei der Power und dem Gewicht kann sie sich gar nichts anderes erlauben. Verantwortlich zeichnet die relativ hohe Dämpfung im sogenannten Lowspeed-Bereich, die allerdings dafür sorgt, dass die Fuhre selbst unter übelsten Bedingungen noch in der richtigen Spur bleibt.

Nicht zuletzt geht das präzise Fahrverhalten auch aufs Konto der serienmäßig montierten Michelin Macadam 90 X, Sonderspezifikation G und M. Die haftfreudigen französischen Pneus unterstützen die Talente der X-Eleven auf breiter Front, tun sich durch keinerlei Eigenmächtigkeiten hervor, verkneifen sich gar das Aufstellen beim Bremsen in Schräglage fast gänzlich.

Komfort und Alltagstauglichkeit

Weit nach vorne gebeugt nimmt man auf der bequem anmutenden Sitzbank Platz. Die Polsterung passt vorne wie hinten. Vorne fehlt bei den Gashandattacken jedoch der Widerhalt für den Po des Fahrers.

Schaltfaulen Fahrern kann dieses technisch hochentwickelte Motorrad genauso empfohlen werden wie Leistungspuristen oder Landstraßenräubern.

Entsprechende Gashanddisziplin vorausgesetzt, läßt es sich auch ganz entspannt mit der X 11 fahren.

Die X 11 im Vergleich

Honda warf 1997 die Doppel-X mit 164 PS als schnellstes Serienbike auf den Markt. Zwar schrumpfte die Leistung seit Einsatz einer Einspritzanlage auf 152 PS zusammen, doch verlor die Honda CBR 1100 XX Super Blackbird nichts von ihren bis dato von vielen XX-Fahrern geschätzten Allroundeigenschaften.

So konnte es ihr auch nichts anhaben, als die Hayabusa oder ZX 12 R erschien, die ihr in Punkto Leistung lässig das Rücklicht zeigen können. In Vergleichstests hat sie ihre Qualitäten stets mit erstklassigen Plazierungen unter Beweis gestellt.

Die Doppel-X hatte viele treue Anhänger gefunden und konnte sich gut gegen Konkurrenten behaupten. Leider ist in den letzten Jahren technisch so gut wie nichts passiert, und viele Fans sind abgesprungen, weil es woanders Neuheiten gab.

Technische Daten der Honda CBR 1100 XX

Hier sind einige technische Details der Honda CBR 1100 XX:

  • Motor: Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor
  • Hubraum: 1137 cm³
  • Nennleistung: 112 kW (152 PS) bei 9500/min
  • Max. Drehmoment: 119 Nm bei 7300/min
  • Getriebe: Sechsganggetriebe
  • Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Hohe Laufruhe
  • Gute Verarbeitung und Ausstattung
  • Vielseitigkeit

Nachteile:

  • Gewöhnungsbedürftiges Design
  • Bremsanlage könnte verbessert werden
  • Ergonomie nicht für jeden ideal

Zusammenfassung

Am Anfang war der Schock. Dann kam der Motor und mit ihm die Sympathie. Gegen Ende schließlich mochte ich die X-Eleven. Mit all ihren Verschrobenheiten. Weil sie auf jedes Blendwerk verzichtet und allein aus sich heraus lebt. Aus der Kraft ihres Vierzylinders, den Talenten des Fahrwerks und der ungeheuerlichen Präsenz ihres Designs. Richtig schön ist sie nicht. Das stimmt. Aber teuer: 18260 Mark. Allerdings lässt die X 11 auch nichts aus. Vom geregelten Drei-Wege-Kat übers Integralbremssystem ist alles dran.

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