Drehmomenttabelle für Fahrradschrauben: So ziehen Sie Schrauben richtig an

Jeder kennt den Spruch: „Nach fest kommt ab“. Die richtig dosierte Kraft schützt Zubehörteile, Schrauben und Gewinde vor Beschädigungen. Die meisten Schrauben am Fahrrad benötigen ein Drehmoment zwischen 2 Nm und 20 Nm. Beim Antrieb, der höheren Belastungen ausgesetzt ist, werden oft auch mal 40 Nm benötigt. Das kann bei manchen Rahmenmaterialien oder einem kleinen Gewinde schnell zu Beschädigungen führen. Am besten auch immer die Angaben des Herstellers beachten. Sicherheitshalber einen Drehmomentschlüssel verwenden.

Tipp: Am besten vor einer längeren Tour alle Schrauben checken und gegebenenfalls nachziehen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Ein Universaltool im Gepäck hilft dabei, Schrauben auch unterwegs nachziehen zu können.

Viele sind überrascht, wie sehr ihre Körperhaltung und die Handhabung des Werkzeugs das aufgebrachte Drehmoment beeinflussen. Wir haben in folgender Tabelle alle Drehmomente ohne Schmiermittel angegeben.

Wissenswertes zum Drehmoment

Versucht eine Kraft eine Schraube zu drehen, so wirkt auf die Schraube ein Drehmoment (M). Dieses Drehmoment ist um so größer, je größer die Kraft (F) ist, die auf die Schraube wirkt, und je länger der Hebelarm (l) ist, der senkrecht zur Kraftrichtung steht.

Werden Werkstücke miteinander verschraubt, dann liegen der Schraubenkopf und die Schraubenmutter auf der Oberfläche auf. Je nach der Festigkeit der verschraubten Werkstoffe wird ein Teil der Schraubenergie bei der Reibung von Schraubenkopf/Schraubenmutter mit der Oberfläche des Werkstückes in Wärme umgesetzt.

Aber nicht nur das zu verarbeitende Material beeinflußt das übertragbare Drehmoment auf die Schraubverbindung, sondern jede Beilag- oder Unterlagscheibe, jede Zahnscheibe oder Federring reduziert die zu übertragende Schraubenergie. Selbst die Längendehnung der Schraube oder der auf einer glatten oder rauhen Oberfläche des Werkstückes aufliegende Schraubenkopf haben einen Einfluß auf das übertragbare Drehmoment. Die Einsatzwerkzeuge sind in ihrer Form, Länge, Materialart und Härte sehr unterschiedlich. Selbst Sie übertragen nicht verlustlos.

Eine ungeschmierte Gewindeverbindung verliert etwa 50 % an Kopfreibung und 40 % an Gewindereibung. Dieser Prozentsatz kann durch die Verwendung eines reibungsarmen Schmiermittels erhöht werden. Der Reibungskoeffizient ist ebenfalls sehr variabel (normalerweise +/-20 %), was zu einer Prozessvariabilität führt. Und auch wenn die Anzugswerkzeuge oft sehr genau sind (z. B. +/-1 % bei einem kalibrierten Handdrehmomentschlüssel), beträgt die Abweichung vom aufgebrachten Drehmoment +/-10 bis +/-50 %.

Erfahrungsgemäß lässt sich eine geschmierte Schraube fester anziehen als eine trockene. Deshalb werden Anzugsmomente für einen trockenen Zustand angegeben.

Drehmomenttabelle für Fahrradteile

Die genannten Anzugsmomente sind Richtwerte. Bitte beachte für jedes Bauteil die genannten Werte des Herstellers.

Bauteil Nm (Newtonmeter) Benötigtes Werkzeug
Abdeckkappe in Schaftrohrkralle 3-4 Ahead-Kralle
Bar Ends 15-17 Inbusschlüssel 8 mm
Bremshebel (Unterrohrmontage) 5-7 Inbusschlüssel 4 mm
Bremshebelschelle 2.5-3 Kreuzschlitzschraubendreher
Bremshebelschelle 6-8 Inbusschlüssel 4 mm
Bremszuggegenhalter 6-8 Inbusschlüssel 4 mm
Cantileverbremse - Belagfixierung 1-2 Kreuzschlitzschraubendreher
Cantileverbremse - Bremsschuh 8-9 Maulschlüssel 10
Cantileverbremse - Sockel 5 - 7 Inbusschlüssel 5mm
Cantileverbremse - Zugklemmung 6 - 9 Inbusschlüssel 5 mm
Cleats (SPD) 5 - 8 Inbusschlüssel 4 mm
Freilauf - Freilaufkörper 35 - 50
Freilauf - Kassette (Konterring HG) 30 - 50 Spezialwerkzeug
Innenlager Konus 60 - 70 Konusschlüssel 36 oder 40 mm
Innenlager Patrone 50 - 70 Spezialwerkzeug
Kettenblattschraube 6 - 11 Inbusschlüssel 6 mm
Kurbelschraube 35 - 50 Inbusschlüssel 8 mm und Kurbelschraubengegenhalter
Nabe - Achsmutter 20 - 40 Konusschlüssel 15
Nabe - Konus-Kontermutter 10 - 25 Konusschlüssel 13, 14
Nabe - Schnellspannhebel 9 - 12 Schnellspannhebel
Pedalachse 35 - 40 Inbusschlüssel 6 mm o. Pedalschlüssel 13
Sattelklemmung doppelt 8 - 14 Inbusschlüssel 4 mm
Sattelklemmung einfach 14 - 34 Inbusschlüssel 5 mm
Sattelstützeklemmung 8.5 - 11.5 Inbusschlüssel 5 mm oder Schnellspannhebel
Schaltbremshebel - Schelle 2.5 - 3 Kreuzschlitzschraubendreher
Schaltbremshebel - Schelle 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Schalthebel - Daumenschalter 2.5 Inbusschlüssel 3 mm
Schalthebel - Drehgriff 1.5 Inbusschlüssel 3 mm
Schaltwerk - Befestigungsbolzen 8 - 10 Inbusschlüssel 5 mm
Schaltwerk - Schaltröllchen 3 - 4 Inbusschlüssel 5 mm
Schaltwerk - Zugklemmung 4 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
Scheibenbremse - Bremsklotz 5
Scheibenbremse - Bremssattel 5
Scheibenbremse - Nabe (6-Loch-Aufnahme) 5
Seitenzugbremse - Bremskörper 8 - 10 Inbusschlüssel 5 mm, Maulschlüssel 10, 12, 13
Seitenzugbremse - Bremsschuh 5 - 9 Maulschlüssel 10 mm
Seitenzugbremse - Zugklemmung 5 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Steuersatz - A-Head-Klemmung 17 - 20 Inbusschlüssel 5 mm
Steuersatz - Klemmschraube Konus 20 - 30 Inbusschlüssel 6 mm
Steuersatz - Kontermutter 34 Konusschlüssel 32, 36, 40 mm
Umwerfer - Befestigungsschelle 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
Umwerfer - Lötsockel 7 Inbusschlüssel 5 mm
Umwerfer - Zugklemmung 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Sockel 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Bremsschuh 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Zugklemmung 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Vorbau - Lenkerklemmung 11 - 30 Inbusschlüssel 5 mm

Wichtige Hinweise

  • An Carbon-Rahmen ist besondere Vorsicht geboten. Bei Carbonrahmen oder Anbauteilen unbedingt Montagepaste (kein Öl) verwenden, um das Anzugsdrehmoment zu verringern.
  • Mit einer Schraubensicherung (z. B. Loctite) können Schrauben z. B. an Lenker- und Vorbauklemmungen gesichert werden.
  • Carobon oder Titan-Bauteile dürfen nicht geschmiert oder gefettet werden.
  • Drehmomentschlüssel sollten nicht zum Öffnen hartnäckiger Schrauben verwendet werden. Ein Drehmomentschlüssel ist ein Messwerkzeug und sollte auch dementsprechend behandelt werden.
  • Ein Drehmomentschlüssel sollte bei eingestellten 0 Nm gelagert werden.
  • Drehmomentschlüssel sollten übrigens nicht im unteren, sondern immer in der Mitte bis zum oberen Bereich eingesetzt werden. Denn bei einer Genauigkeit von 2 Nm sind das bei einem Nennbereich von 0 - 40 Nm nur 5 % (bei 40 Nm) - aber schon 40 % bei 5 Nm. Daher benötigt man in der Regel einen „kleinen“.
  • Einschraublänge ist die min. Wird dies nicht eingehalten kann es sein das das Gewinde im Bauteil zerstört wird.
  • Falls Sie die Hinweise des Produzenten haben verwenden Sie bitte die vorgeschriebenen Anziehmomente.

Aus den oben genanntem Inhalt können Sie erkennen das es gar nicht so einfach ist das richtige Drehmoment zu ermitteln. Ein kleine Abweichung im Reibfaktor (Öl, Fett, oder rauhe Oberfläche) und alles ist zum Teufel. Dies gilt auch für Steigung der Gewinde.

Das Bezeichnungssystem für Schrauben besteht aus zwei durch einen Punkt getrennte Zahlen. Die erste Zahl steht für die Nennzugfestigkeit [N/mm2], die zweite für die Streckgrenze Re bzw. 0,2-Dehngrenze Rp0,2. Diese Werte werden im allgemeinen im Maschinenbau durch die Konstruktion vorgegeben.

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