Das richtige Anzugsdrehmoment ist entscheidend für die Sicherheit und Funktionalität von Schraubverbindungen am Motorrad. Besonders bei der Lenkerklemmung ist Präzision gefragt, um ein sicheres Fahrgefühl zu gewährleisten. In diesem Artikel finden Sie eine detaillierte Übersicht über die empfohlenen Drehmomente, wichtige Hinweise und Tipps für die korrekte Montage.
Warum ist das richtige Drehmoment wichtig?
Schraubverbindungen sind kraftschlüssige Verbindungen, die fest sitzen sollten. Allerdings kann "nach fest" schnell zu "ab" führen. Das Beachten des Anziehdrehmoments ist aus folgenden Gründen besonders wichtig:
- Sicherheit: Nur mit dem richtigen Drehmoment ist garantiert, dass die Bauteile ausreichend fest sind und sich die Schraubverbindung nicht durch Vibrationen löst.
- Schutz der Bauteile: Zu fest angezogene Schrauben können Gewinde beschädigen oder sogar zum Bruch der Schraube führen.
- Funktionalität: Ein korrekt angezogener Lenker gewährleistet eine präzise Steuerung und ein sicheres Fahrgefühl.
Grundlagen des Anziehdrehmoments
Das Anziehdrehmoment wird in Nm (Newtonmeter) angegeben. Frühere Angaben waren mkp (Meterkilopond) oder mkg (Meterkilogramm). 1 Nm entspricht ca. 0,1 mkp/mkg.
Die richtigen Anziehdrehmomentwerte für die verschiedenen Baugruppen werden vom Fahrzeughersteller festgelegt und in den modellspezifischen Service- und Reparaturanleitungen veröffentlicht. Bei manchen Maschinen sind sie auch in der dem Fahrzeug beigelegten Betriebsanleitung abgedruckt. Im Zweifelsfall weiß der Markenhändler Bescheid.
Beispiel Suzuki GSF 1250 Bandit: Die Lenkerklemmung wird mit 23 Nm angezogen.
Basis-Anziehdrehmomente
Nachfolgend finden Sie normgerechte Basis-Anziehdrehmomente für Schrauben, die in Stahl oder Aluminium geschraubt und festgezogen werden.
Stahlschraube in Stahlgewinde (oder Stahlmutter auf Stahlbolzen):
- Schraube/Mutter M5 (SW* 7 oder 8): 5 bis 6 Nm
- Schraube/Mutter M6 (SW 8 oder 10): 9 bis 11 Nm
- Schraube/Mutter M8 (SW 12 oder 13): 22 bis 25 Nm
- Schraube/Mutter M10 (SW 14 oder 17): 44 bis 50 Nm
- Schraube/Mutter M12 (SW 17 oder 19): 77 bis 85 Nm
- Schraube/Mutter M14 (SW 19 oder 21): 95 bis 110 Nm
- Schraube/Mutter M16 (SW 22 oder 24): 125 bis 155 Nm
*SW = Schlüsselweite
Stahlschraube in Aluminiumgewinde (oder Aluminiummutter auf Stahlbolzen):
- Schraube/Mutter M5 (SW 7 oder 8): 3,5 bis 5,0 Nm
- Schraube/Mutter M6 (SW 8 oder 10): 6,0 bis 7,8 Nm
- Schraube/Mutter M8 (SW 12 oder 13): 14 bis 22 Nm
- Schraube/Mutter M10 (SW 14 oder 17): 25 bis 35 Nm
- Schraube/Mutter M12 (SW 17 oder 19): 45 bis 60 Nm
Normale Stahlschrauben: Haben keine Festigkeitsbezeichnung oder eine "4"-Markierung auf dem Kopf. Für sie gelten die niedrigeren Nm-Werte.
Höherwertige Stahlschrauben: Haben eine Festigkeitsbezeichnung oder eine "7"-Markierung auf dem Kopf. Für sie gelten die höheren Nm-Werte.
Kreuzschlitz- und Flansch-Schrauben/-Muttern:
- Schraube 5 mm mit Kreuzschlitzkopf: 4 Nm
- Schraube 6 mm mit Kreuzschlitzkopf: 9 Nm
- Flanschschraube 6 mm mit SW 8: 9 Nm
- Flanschschraube/-mutter 6 mm mit SW 10: 12 Nm
- Flanschschraube/-mutter 8 mm: 26 Nm
- Flanschschraube/-mutter 10 mm: 39 Nm
Spezifische Drehmomente für Lenkerklemmungen
Die Anzugsmomente für Lenkerklemmungen können je nach Motorradmodell und Lenkertyp variieren. Hier einige Beispiele und Hinweise:
- Rohrlenker: Klemmschrauben zur Befestigung des Rohrlenkers mit 18-21Nm gleichmäßig anziehen.
- Stummellenker: Lenker-Befestigungsschraube 8 mm, 6 Stück, mit 30 Nm festziehen.
- Bucheli-Reparaturanleitung: Lenker-Befestigungsschraube 8 mm, 6 Stück, mit 30 Nm festziehen (S. 85).
- Haynes Manual: "Handlebar Mounting Bolts" 30Nm (S. 6.2).
Grundlagen richtiger Montage
Erste und wichtigste Voraussetzung zum korrekten Anziehen von Schrauben und Muttern ist, dass ihre Gewinde und Anlageflächen unbeschädigt und frei von Schmutz sind. Verschmutzte Schraubgewinde und solche, an denen Reste von Dichtmittel oder Schraubensicherung hängen, werden mit einer Messingbürste gereinigt. KEINE Stahlbürste benutzen, dadurch kann das Gewinde beschädigt werden. Schrauben mit verrostetem oder beschädigtem Gewinde müssen durch Neuteile ersetzt werden.
Schrauben, Muttern und Unterlagscheiben vor dem Einbau etwas einölen. Dazu normales Motoröl verwenden. An einigen Schraubverbindungen ist die Verwendung von flüssiger Schraubensicherung vorgeschrieben, z. B. "Loctite" in den drei Qualitäten "leicht", "mittelfest" und "hochfest". Am häufigsten wird "mittelfest" benötigt: wenn hohe Festigkeit verlangt wird, die Schrauben und Muttern aber auch ohne Zerstörung des Gewindes wieder gelöst werden sollen. Wichtig: Bei der Verwendung von Loctite müssen die Gewinde öl- und fettfrei sein.
Die Wahl des richtigen Drehmomentschlüssels
Um die vorgegebenen Anziehdrehmomentwerte exakt einhalten zu können, ist die Verwendung einen Drehmomentschlüssels zwingend erforderlich. Man unterscheidet zwischen den eher günstigen und heutzutage fast ausgestorbenen anzeigenden Drehmomentschlüsseln (mit Skala und Zeiger) und den auslösenden Modellen ("Knick- oder Knackschlüssel").
Empfehlenswerter sind Markenprodukte mit ¼- oder 3/8-Zoll-Antrieb und einem eher niedrigen Nm-Bereich, zum Beispiel von Proxxon (5-30 Nm mit ¼-Zoll-Antrieb) oder Fein (3-15 Nm) oder gar ein edles Profiteil vom Platzhirsch Hazet (5-60 Nm, 3/8-Zoll-Antrieb).
Ein guter Drehmomentschlüssel ist eine Anschaffung fürs Leben - vorausgesetzt, man beachtet die wesentlichen Bedienungstipps:
- Ein Drehmomentschlüssel ist ein sensibles Messwerkzeug und sollte auch IMMER so behandelt werden.
- Ein Drehmomentschlüssel ist nicht zum Lösen von Schrauben oder Muttern gedacht.
- Auslösende Drehmomentschlüssel sollten nach der letzten Benutzung immer entspannt, also auf den niedrigsten Skalenwert zurückgedreht werden.
- Ruhig und gleichmäßig arbeiten, den Drehmomentschlüssel nicht ruckartig benutzen.
- Das Werkzeug bei Nichtgebrauch sicher lagern - ein Sturz von der Werkbank ist Gift für die Mechanik.
- Regelmäßig zur Wartung geben.
Wichtige Hinweise zur Montage der Lenkerklemmung
- Bei der Montage der Lenkerklemmung nur darauf achten, ob die Klemmböcke einen Richtungspfeil haben oder unterschiedlich dick sind an den beiden Enden. Dann immer erst die Seite mit dem Pfeil festziehen oder die dickere Seite.
- Viele Schraubverbindungen dürfen nicht auf einmal mit dem endgültigen Anziehdrehmoment festgezogen werden. Der Hersteller schreibt dann ein "Voranziehdrehmoment" vor, das bei 30 bis 40 Prozent des endgültigen Wertes liegt.
- Kettenblatt-Bundmuttern sollen ebenso Schritt für Schritt nacheinander über Kreuz festgezogen werden wie die vielen Schrauben in einem Motorgehäusedeckel.
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