Drehzahlmesser am Motorrad nachrüsten: Eine ausführliche Anleitung

Drehzahlmesser, die heutzutage aus keinem Fahrzeug mehr wegzudenken sind, waren früher eine nicht besonders weit verbreitete Sonderausstattung. Außer Sie fahren einen Sportwagen, diese hatten ihn nämlich schon früh standardmäßig verbaut. Oldtimer mit einem Drehzahlmesser nachzurüsten ist aber ohne weiteres sogar für Laien möglich. Welche Vorteile die Nachrüstung bringt, worin sich elektrische und mechanische Geräte unterscheiden und wie man beim Nachrüsten vorgeht, erfahren Sie hier.

Was ist ein Drehzahlmesser?

Ein Drehzahlmesser misst, wie der Name vermuten lässt, die Drehzahl. Die Drehzahl wiederum gibt an, wie oft sich die Kurbelwelle um die eigene Achse dreht und das genau innerhalb von einer Minute. Angegeben in u/min oder rpm.

Zur Einordnung:

  • Flugzeugmotoren drehen mit 2.500 U/min
  • ältere englische Sportwagen drehen bis zu 5.000 U/min
  • italienische Sportwagen zum Teil 8000 Umdrehungen/min
  • Motorräder drehen auch mal bis 15000 U/min

Wofür braucht man einen Drehzahlmesser?

Verbrennungsmotoren haben zwei wichtige Eckdaten. Zum einen die maximale Leistung. Diese liegt immer bei einer konstruktiv bedingten Drehzahl an. Über diese Drehzahl hinaus zu drehen, ist nicht sinnvoll, mehr Leistung wird es nicht. Die zweite Kennzahl ist das maximale Drehmoment, das ebenfalls konstruktiv bedingt bei einer festen Drehzahl anliegt. Das Wissen um diese beiden Drehzahlen und die Relation zur aktuell anliegenden Drehzahl sind im Motorsport die wichtigste und einzig relevante Angabe. Das größte, mittig angeordnete und am besten abzulesende Instrument ist daher der Drehzahlmesser.

Der Drehzahlmesser hat nämlich noch ein weiteres lebenswichtiges Feature: Die rote Linie. Diese rote Linie ist eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. Der Motorentwickler hat diese rote Linie im Wissen um die verbauten Ventilfedern, die Konstruktion der Nockenwelle und die anliegenden Kolbengeschwindigkeiten gesetzt. Beim Ignorieren dieser roten Linie ist schnell mit schwerwiegendsten Motorschäden zu rechnen.

Der Drehzahlmesser, auch Tourenzähler genannt, findet sich bei den meisten Autos im Armaturenbrett in der Nähe des Tachos.

Verwendung von Drehzahlmessern

Kurz gesagt, wird ein Drehzahlmesser dazu verwendet, um anzuzeigen, ob der momentane Betrieb des Motors unbedenklich oder schadensträchtig ist. Dafür nutzt man die Skala am Drehzahlmesser, welche in mehrere Zonen unterteilt ist. Meist farblich in grün, gelb und rot markiert.

Drehzahlmesser im Tacho oder als Zusatzinstrument nachrüsten?

Das funktioniert in den meisten Fällen beides und die Entscheidung ist entweder eine optisch getragene oder eine, die der vorhandene Platz diktiert. Denn die meisten Klassiker haben schlicht keinen Platz für das Instrument vorgesehen, da Drehzahlmesser vor 40 Jahren kaum zum Standard in Kontinental-Europas Fahrzeugen gehört haben. Manchmal kann man den Drehzahlmesser anstelle einer bereits vorhandenen Uhr im Cockpit einbauen, die man stattdessen einfach ausbaut. Meist lässt sich das Nachrüsten aber nur in Form eines Zusatzinstrumentes in der Nähe des Tachos bzw. des Lenkrades realisieren. Dafür gibt es universell verwendbare Gehäuse, die entweder auf oder unter der Armaturentafel verbaut werden können.

Mechanische und elektrische Ausführungen: Unterschiede

Bei Drehzahlmessern wird zwischen mechanischen und elektrischen Ausführungen unterschieden. Wie oben bereit angemerkt, ist ein Nachrüsten nur auf elektrische Modelle möglich. Beide Varianten unterscheiden sich dabei grundlegend in ihrer Funktionsweise, also wie die Drehzahl gemessen wird, voneinander.

Beim mechanisch angetriebenen Drehzahlmesser dreht eine biegsame Welle einen Dauermagneten. Die Welle wird in der Regel über die Motorsteuerung gespeist. Durch die Drehbewegung werden Wirbelströme erzeugt, die das Anzeigeinstrument zur Darstellung der Drehzahl nutzt.

Elektrische Drehzahlmesser funktionieren hingegen wie folgt: Bei dieser Variante wird ein Impuls an der Zündspule abgenommen. Abhängig von der Anzahl der Zylinder ergibt sich daraus die Drehzahl.

Von der Theorie in die Praxis: Was ist beim Drehzahlmesser nachrüsten zu tun?

Das Wichtigste vorne weg: Wenn es um das Thema Drehzahlmesser nachrüsten geht, muss gesagt werden, dass dies nur für elektrische Drehzahlmesser (DZM) gilt. Einen mechanischen DZM hat man oder man hat ihn eben nicht. Zudem ist er bei den meisten englischen Klassikern ohnehin schon verbaut. Wenn Sie einen Drehzahlmesser beim Oldtimer nachrüsten wollen, haben Sie also im besten Fall einen kontinentalen Klassiker in der Garage stehen, der auf einen elektrischen DMZ wartet. Zudem können wir Ihnen auch eine gute Nachricht übermitteln: Das Nachrüsten ist für Laien ein machbares Unterfangen!

Acht zu geben ist lediglich darauf, einen Drehzahlmesser zu verbauen, der zum Fahrzeug und dessen Zylinderzahl passt. Und auch optisch sollte das Gerät zu Ihrem Fahrzeug passen. Also bunte China-Bauten sollten Sie trotz der niedrigen Preise schon aus Respekt vor dem Fahrzeugtechnischen Kulturgut nicht verbauen.

Wenn sich eine passende Konsole zur Montage im Innenraum gefunden hat, sucht man einen dazu passenden Drehzahlmesser aus. Die meisten Konsolen bieten Platz für 2” Geräte, das Maß ist internationaler Standard. An den Drehzahlmesser, der entsprechend 51 oder 52 mm Durchmesser hat, müssen nur 2 Kabel angebracht werden:

  • Ein Kabel wird an Klemme 15, Zündungsplus angeschlossen. Das findet man professionell am Sicherungskasten, gebastelt auch am Radio. So bekommt der neue Drehzahlmesser seine Betriebsspannung. Wenn das Gehäuse aus Kunststoff ist und der Drehzahlmesser keine Masse bekommt, muss ein zusätzliches Massekabel gelegt werden.
  • Das zweite Kabel, das dem Gerät den Impuls gibt, wird fahrzeugseitig an Klemme 1, also an die Zündspule angeschlossen.
  • Bei einigen Geräten lässt sich die Beleuchtung mit der Fahrzeugbeleuchtung verbinden. Nutzt man diese Möglichkeit, kommt ein weiteres Kabel hinzu, meist an Klemme 58.

Zum Schluss noch die Zylinderanzahl einstellen und fertig ist das Drehzahlmesser-Nachrüsten.

Hinweise zur Installation

Es ist wichtig zu beachten, dass alle hier beschriebenen Schritte ohne Gewähr erfolgen und niemand die Haftung für Schäden übernimmt, die an Ihrem Motorrad, Ihnen oder dem Instrument entstehen könnten.

Einige zusätzliche Tipps und Informationen, die bei der Nachrüstung eines Drehzahlmessers hilfreich sein können:

  • Anschluss des Drehzahlmessers bei älteren Motorrädern: Bei älteren Motorrädern kann der Anschluss des Drehzahlmessers etwas komplizierter sein, da möglicherweise kein spezieller Anschluss vorhanden ist. In diesem Fall muss das Signal für den Drehzahlmesser direkt von der Zündspule abgenommen werden.
  • Drehzahlmesser zeigt falsche Werte an: Wenn der Drehzahlmesser falsche Werte anzeigt, kann dies verschiedene Ursachen haben. Eine häufige Ursache ist eine falsche Einstellung der Zylinderzahl. Es ist auch möglich, dass der Drehzahlmesser defekt ist oder das Signal von der Zündspule nicht korrekt empfangen wird.
  • Verwendung eines Drehzahlmessers mit Strommessung: Eine alternative Möglichkeit ist die Verwendung eines Drehzahlmessers, der den Strom der Zündleitung misst, wie z.B. das EDT8 von Stihl. Dieses Gerät erfordert keine großen baulichen Veränderungen am Motorrad und kann bis zu 16000 Umdrehungen messen. Wichtig ist, das Gerät auf einen 4-Takter einzustellen, da es sonst nur die halbe Drehzahl anzeigt.

Achtung: Bei Motorrädern mit zwei Zündspulen ist zu beachten, dass das Signal zum DZM abgefälscht werden kann, wenn jeder Zylinder eine eigene Zündspule hat.

Tabelle: Typische Drehzahlen verschiedener Motoren

Motortyp Typische Drehzahl (U/min)
Flugzeugmotoren 2.500
Ältere englische Sportwagen 5.000
Italienische Sportwagen 8.000
Motorräder Bis zu 15.000

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