Liliput aus der DDR: Ein besonderes Dreirad

Das "Liliput Dreirad" war in der DDR das, was in der Bundesrepublik das "Kettcar" war.

Liliput hieß ein DDR-Dreirad, ein besonderes Dreirad: Es hatte hinten ein Rad, vorne zwei Räder, zwölf Zoll, luftbefüllt! Ohne Luftreifen bist du ausgelacht worden, das war wichtig.

Das Kinderdreirad "Liliput" mit Pedalantrieb und mit luftbereiften Rädern wurde in einem volkseigenem Betrieb in Haldenleben im Rahmen der sogenannten Konsumgüterproduktion hergestellt.

Hersteller war VEB Kinderspielzeuge Wedringen.

Erinnerungen an das Liliput-Dreirad

In Leipzig um 1980 waren wir drei Jungs in der Nachbarschaft und wir hatten Tretautos. Meine Kumpels fuhren Modelle aus DDR-Produktion. Die sahen aus wie Kettcars und wurden vermutlich auch für den Westen gebaut. Meine Karre war Eigenbau mit Kinderwagenrädern, vom Schmied zusammengeschweißt, aber sie lief. So weit war also alles in Ordnung für uns. Wäre da nicht das Liliput gewesen.

Ich bin nie dahintergekommen, wie die auf diese Dreiradform gekommen sind. Wahrscheinlich ging es darum, Material zu sparen. Und es gab eine DDR-Baumaschine, die ähnlich aussah: einen dreirädrigen Dumper, so nannte man bei uns einen Kipper. Und weil wir alle Dumperfahrer werden wollten, hätten wir alle gern ein Liliput gehabt.

Manchmal, wenn ich meine Oma auf dem Dorf besucht habe, kam ich in den Genuss. Den Jungen aus der Stadt mussten die anderen mal auf ihr Liliput lassen. Ein erhebendes Gefühl war das, schon weil man so hoch saß, das war ja, wie wenn du heute in einen SUV steigst.

Modelle und Varianten

Im Konsument-Versandhauskatalog Frühjahr/Sommer 1966 fand sich folgendes Angebot: "Dreirad, sehr stabile, gefällige Form, rot lackierter Stahlblechpreßrahmen, MDN 51".

Es gab Modelle, die noch beigefarbene Reifen und eine rot/weiße Lackierung trugen.

Ein älteres Modell aus den 1970ern war in Rot/weiß mit weißen Reifen. Von denen scheint kaum etwas überlebt zu haben, im Netz habe ich kein vergleichbares Exemplar gefunden.

Die Farbe Rot gab es aber auch im Original.

Probleme der Warenverfügbarkeit in der DDR

Als DDR-Bürger hatte man zumindest in den 1970er/80er Jahren kaum eine Chance, sich über das aktuelle Warenangebot (insbesondere Fahrräder) zu informieren (außer über die spärliche Auswahl, die direkt im Laden herumstand).

Offenbar waren zumindest in den 1970er/80ern nicht einmal Auflistungen der aktuell produzierten Ausstattungsvarianten verfügbar, jedenfalls sind derartige Kataloge oder Listen bisher nicht aufgetaucht. Eine ungefähre Ahnung davon, was tatsächlich produziert wurde, bekam man wohl nur auf der Leipziger Messe oder beim Blick auf Nachbars Grundstück.

Und dann wunderte man sich in der Parteizentrale noch, dass es oft schwierig war, den Bedarf der Bevölkerung realistisch zu ermitteln. Wenn die nicht einmal weiß, was überhaupt hergestellt wird, wie soll sie dann sagen können, was davon sie haben möchte? Ohje, lief schon allerhand schief damals.

Seit ein paar Jahren gibt es neue Liliputs, hergestellt in Fernost. Ein Freund von mir hat für seinen Sohn eines gekauft, es war nach ein paar Wochen kaputt.

Weitere Details und Zubehör

Ergänzend sind hier noch einige Details und Zubehörteile aufgeführt:

  • Felgenrad (Scheibenrad) und Achse: Scheibenrad für Handwagen (Bollerwagen), Anhänger, Laufräder oder ähnliches, sehr stabil, belastungsstark, mit Freilauf. Felgengröße: 12 1/2 Zoll, Farbe: Weiss, Material: Stahl, Achsenlänge: ca. 12.5 Zoll.
  • Fahrrad Reifen DSI Creme 47-203 B-Ware: Geeignet für Kinderfahrräder, Kinderwagen, Handwagen, Tretroller. Reifentyp: Drahtreifen, Laufradgröße: 12 Zoll, Größe: 12.5 x 1.75 x 2 1/4, ETRTO: 47-203 (Breite-Durchmesser im mm), Farbe: Creme.

Die Reifen sind für 12 Zoll Felgen konzipiert. Aufgrund der Höhe wird branchentypisch 12.5 Zoll angegeben von Herstellern. Bitte orientieren Sie sich daher an das ETRTO-Maß!

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