Steuerlich privilegierte Dreirad-Laster haben die Nachkriegswirtschaft einst ins Laufen gebracht, ob in Asien, Deutschland oder Südeuropa. Während sich aber kaum noch jemand an die erfolgreichen Kleinsttransporter von Tempo, Goliath oder Mazda erinnert, erhält die seit 70 Jahren gebaute Piaggio Ape bis heute begeisterten Applaus für ihr lautstark vorgetragenes Einzylinderlied. Vielleicht ist es das typisch italienische Gespür für einfache, aber unvergänglich lebensfrohe Formen, dem dieses nach einer fleißigen Arbeitsbiene benannte Vehikel seine anhaltende Beliebtheit verdankt. Vor allem aber verkörpert sie ein Stück Italien, ähnlich wie es Pizza, Pasta und Wein vermögen.
Mit diesem Zweirad motorisierten Unternehmer Enrico Piaggio und sein Chefingenieur Corradino d’Ascanio gleich nach Kriegsende ganz Italien. Den Anfang machte 1946 die Vespa (italienisch „Wespe“), das bis heute berühmteste Vehikel aus dem Hause Piaggio. Was der Vespa fehlte, war allerdings Platz für Gepäck und Fracht. Nach Vorbild der biblischen Schöpfungsgeschichte entnahmen Piaggio und d’Ascanio deshalb „der Vespa eine Rippe“, wie es die Firmenchronik formuliert. Fertig war das dreirädrige Gegenstück zum flinken Roller, und als 125-Kubikzentimeter-Zweitakt-Benziner stemmte die Ape offiziell bis zu 200 Kilogramm, wahlweise als Kastenwagen oder Pick-up. Im harten Arbeitsalltag konnten es auch einmal 500-Liter-Weinfässer oder schwerste Baumaterialien sein, die Biene erwarb sich schnell den Ruf einer unkaputtbaren Begleiterin. Genau so trat die Ape aus dem Schatten der Vespa und eroberte die ganze Welt.
Die Nachkriegszeit und die Entstehung der Ape
An diese Rolle eines nationalen Sympathieträgers und automobilen Botschafters italienischer Lebensart war bei der Entwicklung der Ape noch nicht zu denken. Für Piaggio ging es in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit schlicht ums Überleben. Das schon 1884 gegründete Unternehmen aus Pontedera in der Provinz Pisa hatte sich vom kleinen Handwerksbetrieb zum bedeutenden Flugzeugbauer und Rüstungsproduzenten entwickelt. Damit war es nach dem Zweiten Weltkrieg vorbei, denn das Werk lag in Trümmern, und die Alliierten untersagten Piaggio einen Neustart im Waffengeschäft. Was tun?
Enrico Piaggio, Sohn des Firmengründers Rinaldo, konzentrierte sich gemeinsam mit seinem bisherigen Flugzeugkonstrukteur d’Ascanio auf das Kleinstfahrzeuggeschäft. Genau diese Modelle fehlten der Ökonomie des Landes, um den innerstädtischen Transport, aber auch den Warenumschlag von Kleinunternehmen, Handwerkern und Bauern zu bewerkstelligen. Nur ein Jahr später präsentierte Piaggio einen serienreifen Prototypen der Ape, der sich als Vespa mit Ladefläche und entsprechendem Zweitakttriebwerk unter dem Fahrersitz vorstellte.
Die Erfolgsgeschichte der Piaggio Ape
Die Republik Italien hatte sich gerade eine Verfassung gegeben, als die knatternde Arbeitsbiene 1948 in den Handel kam. Erhältlich zu Preisen ab 170.000 Lire, war die Piaggio Ape preiswerter als alle anderen vergleichbaren Nutzfahrzeuge, aber erst die Ratenfinanzierung machte sie wirklich erschwinglich für Gemüsehändler, Kleinbauern und alle, die von einem motorisierten Untersatz träumten. Schließlich betrug das durchschnittliche Jahreseinkommen der Italiener damals nur 139.000 Lire. Wem der winzige Fiat Cinquecento unerreichbar kostspielig, zu klein für Heuballen oder zu groß für engste Gassen schien, der kaufte fortan eine Ape, zumal Piaggio das Programm permanent erweiterte.
Es war der Beginn einer unvergleichlichen Erfolgsstory, die bis heute andauert. Diese Biene hat es bisher allein in Europa auf über zwei Millionen Einheiten gebracht, was ihr den Titel „Meistverkauftes Dreiradfahrzeug aller Zeiten“ sichert. Darüber hinaus brachte die Ape aber auch Indien auf belastbaren Mini-Rädern ins 21. Jahrhundert. Denn im dortigen Werk Baramati ersetzte der Piaggio 1999 alte deutsche Lizenzkonstruktionen und avancierte zum erfolgreichsten Dreirad in ganz Asien. Mehr als 150.000 Kleinsttransporter liefert Baramati jährlich aus, von denen besonders originelle Konstruktionen sogar nach Europa kommen.
Die kulturelle Bedeutung der Ape
Meist handelt es sich dabei um Modelle im Retrolook, denn wie die Vespa und der Fiat 500 zitiert sich auch die Zweitakt-Biene am liebsten selbst. Tatsächlich gibt es ja auch genug Geschichten zu erzählen aus dem Leben dieses Motorrads mit Ladefläche, dessen ölige Duftwolken allmorgendliches Markenzeichen italienischer Marktplätze und Gewerbegebiete wurden, und dessen lautstarker Sound sogar die italienische Jugend infizierte. Mit der Ape vor die Dorfdisco oder das schicke Eiscafé fahren, die Gesetzgebung und trendige Designerklamotten für die Blechkiste machten es möglich.
So gab es das Dreirad ab 1969 als Einsitzer mit 49-Kubikzentimeter-Motor, womit dieser Piaggio als erstes Automobil Moped-Regularien genügte und zum Favoriten italienischer Jugendlicher aufstieg. Schneller, lauter und krawalliger: Die Zweitakt-Ape bot dasselbe Tuningpotential wie Vesparoller und kleine Crossmaschinen. Ein Hype, den Piaggio sorgsam pflegte und befeuerte. Etwa durch die 1994 lancierte Ape Cross in schrillen Signallackierungen und Offroad-Optik, aber auch mit bis dahin ungewöhnlichen Komfortfeatures wie einem Stereoradio.
Genügte den Ape-Fahrern doch über Jahrzehnte der alles übertönende Sound der Zweitakter, die direkt unter dem Fahrersattel montiert waren und Motorradfeeling vermittelten. Dazu passten die Kraftübertragung via Ketten und die charakteristische Lenkstange.
Erst 1968 spendierte Piaggio der Ape MPV ein richtiges Lenkrad, und 1983 gab es dann Rechts- und Linkslenkerversionen in einer von Stardesigner Giorgetto Giugiaro entworfenen Fahrgastzelle. Hinzu kamen damals 12-Zoll-Räder (der Anfang gelang mit zwergenhaften 8-Zoll-Rädern), und 1984 gewährte ein Selbstzünder ein ordentliches Drehmoment.
Dieser mit 0,4 Litern Hubraum weltweit kleinste Viertakt-Diesel-Direkteinspritzer war der Auftakt zu einer ganzen Serie erfolgreicher Bienen, die sich an neuer Klangfarbe und Duftnote zu erkennen gaben. Darunter 1990 die Ape Poker als erste vierrädrige Version des Transporters und die Ape Car Max mit herkulischer Tragfähigkeit von 900 Kilogramm.
Das Ende einer Ära in Italien
Nach 76 Jahren Produktion heißt es beim Hersteller Piaggio: „Basta“. Schuld seien die neuen EU-Normen, heißt es im toskanischen Pontedera bei Pisa. Zum Jahreswechsel werden die Bänder endgültig angehalten. Das Ende haben die Gewerkschaften publik gemacht.
Der Zweitakter der „Ape“ erfüllt geradeso die Norm Euro 4. Den Antrieb abgastechnisch zu optimieren wäre sehr aufwändig. Eine Umrüstung lohnt wohl auch nicht, weil das historische Gefährt in Europa nur noch wenige Abnehmer findet. Allerdings erfüllt das knatternde Dreirad auch längst keine Sicherheitsvorgaben wie Airbag, ABS oder ESP. Umgekippte Apes gehören seit Jahrzehnten zu den dramatischen Straßenszenen Italiens.
Piaggio stellt die Produktion eine Elektro-Modells in Aussicht. Entwickelt wurde der batteriebetriebene Kleintransporter zusammen mit dem chinesischen Jointventure Foshan.
Zwar wird die Ape aus Italien verbannt - doch sie lebt weiter. Das Modell ist in vielen Entwicklungsländern als „Tuktuk“ beliebt. In Indien prägen die oft - bienengerecht - schwarzgelb angestrichenen Dreiräd-Taxis das Straßenbild vieler Städte. Auf dem Subkontinent soll die Produktion im seit 1963 bestehenden Piaggio-Werk fortgesetzt werden.
Die klassische Ape hat einen Motor mit 150 Kubikcentimeter Hubraum. Es kamen aber auch Versionen mit 50er-Rollerantrieb auf den Markt. Die Nutzlast dieser Modelle beträgt immerhin 200 Kilogramm. Später wurde die Motorisierung erweitert. Ein Modell mit Dieselantrieb und 700 Kilogramm Nutzlast ist bis jetzt im Programm gewesen.
Die Piaggio Ape in der modernen Zeit
Fans hat die Transportikone weltweit. Gern wird sie jetzt aber zur Werbung benutzt. Die Tuning-Szene im Heimatland der Ape ist groß: tiefer gelegt, umlackiert oder mit leistungsstarken Motoren. Oder als fahrbarer Elektrogrill, als Espressobar und sogar als Openair-Kino mit kleiner Leinwand.
Die Zeitung «La Repubblica» urteilte, dass die Ape perfekt zum italienischen Nationalcharakter zwischen Individualismus und Familiensinn passe. «Man fühlt sich im Fahrerhäuschen allein wohl, mit Ware oder Handwerkszeug im Rücken. Aber man fährt darin auch zu zweit, enger aneinander und mit einem Hauch von Intimität.
Künftig baut Piaggio sein Dreirad jedoch nur noch in Indien - weil die Umweltauflagen der EU zu streng sind und wahrscheinlich auch, weil der Markt in Europa inzwischen zu klein. In Italien trösten sie sich einstweilen damit, dass noch einige Hundert Restposten made in Italy verkauft werden.
Ein zeitloser Mythos
Ape wurde der Öffentlichkeit am 23. Es steht also der 70. Geburtstag für dieses besonders sympathische Fahrzeug bevor, das auf der ganzen Welt bekannt und vielseitig wie kein anderes ist. Aber Ape ist ein unvermutet zeitgenössisches Produkt, das die Neugier und die Zuneigung zahlreicher Personen auf sich zieht, die dies in Veranstaltungen, Projekten, Blogs, auf Internet-Seiten und vielem mehr kundtun.
Kein Nutzfahrzeug auf der ganzen Welt hat eine mit Ape vergleichbare Geschichte: Deshalb haben wird beschlossen, Ihnen diese ganz genau zu erzählen!
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