Dreiradroller erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, besonders bei Autofahrern, da sie oft mit dem regulären Autoführerschein der Klasse B gefahren werden können. Dieser Artikel beleuchtet, welche Aspekte beim Fahren von Dreiradrollern mit dem Autoführerschein zu beachten sind und vergleicht diese Option mit der B196-Führerscheinerweiterung für 125er-Zweiräder.
Führerscheinklasse und Dreiradroller
Viele Pkw-Führerscheinbesitzer haben unbeschränkten Zugang zum Dreirad-Kosmos, ganz gleich, mit welcher Motorleistung das jeweilige Fahrzeug versehen ist. Inhaber der Fahrerlaubnis der Klasse B, die mindestens 21 Jahre alt sind, dürfen im Inland dreirädrige Kraftfahrzeuge mit einer Motorleistung von mehr als 15 kW / 24 PS führen. Dazu zählen beispielsweise die beliebten Piaggio MP3-Modelle oder Peugeots Metropolis, die mit 39 respektive 36 PS antreten.
Wer den Pkw-Führerschein der Klasse B oder Klasse 3 vor dem 19. Januar 2013 erworben hat, darf nämlich alle dreirädrigen Kraftfahrzeuge fahren, auch mit Anhänger. Beim Umtausch in die Scheckkarte wird dies durch die Schlüsselzahlen 79.03 und 79.04 zu A1 und A ausgedrückt. Es handelt sich um Schlüsselzahlen der Europäischen Union, das heißt die Fahrberechtigung gilt in allen EU-Ländern.
Die ab dem 19. Januar 2013 erworbene Klasse B umfasst ebenfalls das Führen von dreirädrigen Kraftfahrzeugen, jedoch nur in Deutschland (Schlüsselziffer 194). Sofern das Kraftfahrzeug eine Motorleistung von mehr als 15 kW aufweist, ist zu beachten, dass die Fahrberechtigung für Dreiräder nur gilt, wenn der Inhaber der Fahrerlaubnis mindestens 21 Jahre alt ist.
Allerdings gilt dies ausschließlich in Deutschland - wer mit seinem starken Dreirad ins Ausland fährt, braucht den Motorradführerschein der Klasse A.
Vor- und Nachteile von Dreiradrollern
Vorteile
- Kein zusätzlicher Führerschein nötig: Wie bereits erwähnt, einen extra Führerschein oder eine Erweiterung braucht’s dafür nicht.
- Keine Hubraumbeschränkung: In Sachen Hubraum sind keine Grenzen gesetzt.
- Kaum Leistungseinschränkungen: Und auch bei der Leistung gibt es fast keine Einschränkungen. Nur wer nach dem 19. Januar 2013 den Autoführerschein gemacht hat, muss mindestens 21 Jahre alt sein - aber auch nur, wenn der Dreiradroller mehr als 15 kW (20,4 PS) Leistung hat.
- Erhöhte Sicherheit: Außerdem bieten die Dreiradroller durch ihre beiden Vorderräder vor allem im Herbst und Winter ein Haftungsplus und somit mehr Sicherheit. Das kann vor allem für Pendler interessant sein, die so viel wie möglich aufs Auto verzichten möchten.
Nachteile
- Eingeschränkte Wendigkeit: Wer vor allem deshalb vom Auto auf den Roller umsteigen möchte, um im Pendelverkehr zwischen den Autos durchzuschlängeln, sollte sich für ein zweirädriges Gefährt entscheiden. Die Dreiradroller sind definitiv zu breit.
- Höheres Gewicht: Und schwerer sind sie auch.
- Höherer Preis: Hinzu kommt, dass sie verhältnismäßig teuer sind.
- Geringere Auswahl: Außerdem ist die Auswahl nicht besonders groß. Aktuell gibt es 3 Hersteller, die Dreiradroller in Deutschland anbieten, insgesamt sind es 5 Modelle.
Vor- und Nachteile der Führerschein-Erweiterung B196
Vorteile
- Fahrdynamik: Sie dürfen ein Kraftrad pilotieren, was Fahrdynamik in Schräglage, wendiges Kurvenverhalten, einfaches Handling sowie Durchschlängeln im Verkehr, insbesondere im Stau, umfasst.
- Parkplatzsuche: Hinzu kommt die deutlich leichtere oder oft ganz entfallende Parkplatzsuche.
- Große Auswahl: Die Auswahl an Fahrzeugen ist riesig. Ob schickes Retro-Bike oder praktischer Alltagsroller - der Neufahrzeug-, aber auch der Gebrauchtmarkt bieten eine große Auswahl.
Nachteile
- Führerschein-Erweiterung notwendig: Es ist eine Führerschein-Erweiterung um die Schlüsselzahl B196 notwendig.
- Voraussetzungen und Hürden:
- Die Anwärter müssen mindestens 25 Jahre alt sein,
- seit mindestens 5 Jahren den Führerschein Klasse B haben
- und es sind neun 90-minütige Doppelstunden Fahrschule zu absolvieren - 4 in der Theorie und 5 in der Praxis. Kosten: je nach Region ca. 700 - 900 Euro.
- Beschränkungen bei Hubraum und Leistung: Mit dieser Führerschein-Erweiterung dürfen Autofahrer oder Autofahrerinnen dann lediglich Leichtkrafträder der 125er-Klasse pilotieren, also alles, was bis zu 125 cm³ Hubraum und maximal 11 kW (15 PS) Leistung aufweist. In Sachen Hubraum und Leistung sind also strikte Grenzen gesetzt.
Auswahl an Dreiradrollern in Deutschland
Hier ist eine Übersicht über einige der in Deutschland erhältlichen Dreiradroller (Preise können abweichen):
- Peugeot Metropolis: 399 Kubik, DOHC, 4 Ventile, 26,2 kW/35,6 PS, 135 km/h, 280 kg, ab 9.355 Euro ohne NK.
- Piaggio MP3 300/Sport: 278 Kubik, DOHC, 4 Ventile, 19 kW/25,8 PS, 120 km/h, 225 kg, 7.290/7.490 Euro inkl. NK.
- Piaggio MP3 400/Sport: 399 Kubik, DOHC, 4 Ventile, 26 kW/35 PS, 135 km/h, 257 kg, 9.590/9.590 Euro inkl. NK.
- Piaggio MP3 500 Sport Advanced: 493 Kubik, DOHC, 4 Ventile, 32 kW/44 PS, 145 km/h, 282 kg, 11.590 Euro inkl. NK.
- Yamaha Tricity 300: 292 Kubik, OHC, 4 Ventile, 20,6 kW/28 PS, k. A., 239 kg, ab 8.699 Euro inkl. NK.
Der Yamaha Tricity 300 im Detail
Der Yamaha Tricity 300 ist ein Dreirad-Roller, der auch von einem Teil der Autoführerschein-Inhabern gefahren werden kann. Der Tricity 300 ist Yamahas drittes Dreirad. Die Japaner kreuzten dafür ihr Dreirad-Konzept des 125er-Tricity-Rollers mit dem aufsehenerregenden Dreirad-Motorrad Niken.
Die Spurweite von 46 Zentimetern übertrifft der Tricity um einen Zentimeter, auch das vorgeschriebene Fußpedal, das alle Bremsen gleichzeitig betätigt, ist an Bord. Der Lenker liegt vielleicht eine Spur zu tief für das mit 79,5 Zentimetern Höhe recht niedrige Polster, das Trittbrett dagegen für Langbeinige etwas zu hoch, auch wenn der Kniewinkel grundsätzlich in Ordnung geht.
Gestartet wird mittels schlüssellosem Transponder-System: Mit dem Sender in der Tasche lassen sich über einen Drehknauf das Lenkschloss, die Zündung und über darunterliegende Tasten die Sitzbank und der Tankverschluss öffnen. Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder mit 292 Kubikzentimetern Hubraum zählt zu den modernsten Aggregaten des Segments mit einteiliger geschmiedeter Kurbelwelle und Semi-Trockensumpfschmierung. So stehen dem Tricity-Treiber ebenfalls 28 PS und ein Drehmoment von 29 Newtonmetern zur Verfügung, die mit dem Gewicht von 239 Kilogramm akzeptabel zurechtkommen.
Ein Sprintkönig ist der Tricity aber nicht, er erfreut eher mit seiner gleichmäßigen Leistung, die ihn maximal bis auf 126 km/h beschleunigt. Das hohe Gewicht kommt durch die Yamaha-eigene Neigetechnik Leaning Multi Wheel (LMW) an der Front zustande. Hier führen Tandem-Telegabeln die beiden Räder unabhängig voneinander. Während die hinteren Gabelholme die Führungsarbeit übernehmen, besorgen die vorderen die Dämpfung. Die Gabeln sind wie üblich über ein quer zur Fahrtrichtung angeordnetes Parallelogramm-Gestänge miteinander verbunden.
Angenehm präzise folgt er der vorgegebenen Linie und lässt sich auch von Bodenunebenheiten nicht von dieser abbringen - die Telegabeln dämpfen und federn so manche Unannehmlichkeit weg. Die mit 14 Zoll vergleichsweise großen Räder sorgen für viel Fahrstabilität und guten Abrollkomfort, die Fahrwerksabstimmung bietet insgesamt ein hohes Komfortniveau.
Erstmals bei Yamaha lassen sich die beiden Vorderräder arretieren. Das "Standing Assist-System", über eine Taste an der Vorderseite der linken Lenkerarmatur aktiviert, blockiert das Parallelogramm-Gestänge und hält den Roller beim Anhalten aufrecht - sofern die Geschwindigkeit unter zehn km/h gesunken ist. Allerdings bleibt die Feder- und Dämpfungsfunktion der beiden Doppelgabeln erhalten, dadurch kann die Front flexibel auf Bodenunebenheiten reagieren. Das erhöht den Komfort, die Sicherheit und macht das Rangieren leichter. Befinden sich die Räder nicht in perfekter Nulllage, vermittelt das System allerdings ein nicht sonderlich stabiles Gefühl. Zum Wiederanfahren sollte man nicht zu zögerlich Gas geben, damit sich ausreichend stabilisierende Kreiselkräfte für eine sichere Geradeausfahrt ergeben.
Zu so viel technischer Raffinesse gesellen sich gute Tourentugenden in Gestalt eines riesigen Staufachs unterm Sitz sowie bestem Wind- und Wetterschutz hinter der etwas zu hohen Scheibe. Alles kommt in hochwertiger Verarbeitung.
Yamaha Tricity 300: Technische Daten
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor/Getriebe | Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Einzylinder, 292 cm³ Hubraum, 20,6 kW/28 PS bei 7250 U/min 29 Nm bei 5750 U/min; vier Ventile/Zylinder, ohc, Einspritzung, CVT-Automatik, Fliehkraftkupplung, Riemen-Sekundärantrieb |
| Fahrleistungen und Verbrauch | Höchstgeschwindigkeit 126 km/h, 3,7 l/100 km |
| Fahrwerk | Stahlrohrrahmen; zwei 330-mm-Doppel-Telegabeln vorn (nicht einstellbar), 100 mm Federweg; Triebsatzschwinge hinten, zwei Federbeine (Vorspannung einstellbar), 84 mm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 2x120/70-14 (vorn) und 140/70-14 (hinten) |
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