DT Swiss Laufrad 27.5 Zoll Hinterrad Test: Eine Analyse

Muss es immer Carbon sein? Vor allem Enduro-Racer entscheiden sich beim Laufradsatz bewusst für Aluminium-Felgen. Denn Komfort und Zuverlässigkeit haben oberste Priorität.

DT Swiss EX 1700 SPLINE im Detail

Der DT Swiss EX 1700 SPLINE-Systemlaufradsatz ist das Aluminium-Flaggschiff der Schweizer Felgen-, Speichen- und Naben-Spezialisten. Das „E“ in EX 1700 steht dabei für Enduro und markiert den Einsatzbereich des 750 € teuren Modells, das für die härtesten Trails der Welt ausgelegt ist.

Unser Testchef Felix hat die Laufräder in seinem Cannondale Jekyll Race-Bike und auch einigen E-Mountainbikes knapp 1,5 Jahre auf Herz und Nieren geprüft. Mit 95 kg Kampfgewicht und rabiatem Fahrstil gab es vor allem für die Alu-Felgen keine Gnade.

Technisch setzt der Laufradsatz auf die aktuellen DT 350-Naben mit Ratchet-Zahnscheibenfreilauf. Der Wechsel des Freilaufkörpers (XD, Micro Spline, Shimano ASL) gelingt dadurch werkzeugfrei und mit wenigen Handgriffen. Auch bei der Bremsscheibenaufnahme bietet DT Swiss die Wahl zwischen CENTER LOCK und 6-Bolt. Unser Tester Felix hat sich bewusst für die minimal schwerere 6-Bolt-Version entschieden, um bei Problemen auf dem Trail auch mit dem Multitool an den Bremsscheiben hantieren zu können.

Wie der Beiname SPLINE schon andeutet, kommen Straightpull Competition-Speichen zum Einsatz, die ohne den klassischen J-Bend am Speichenkopf robuster sein sollen. Dafür muss man sie beim Nachziehen der Speichen und beim Zentrieren klemmen, damit sie sich nicht mitdrehen.

Das Highlight des Systemlaufrads ist die verbaute EX 511-Felge aus Aluminium mit 30 mm Innenweite. Bereits ab Werk ist in ihr das Tubeless-Felgenband verklebt und auch ein Ventil gehört zum Lieferumfang des EX 1700, der entweder als 29”- oder 27,5”-Variante angeboten wird.

Praxistest und Performance

Platten und Defekte an den Reifen sind für Felix ein absolutes No-Go. Deshalb setzte er beim EX 1700 ausschließlich auf Downhill-Reifen oder Reifen mit super robuster Enduro-Karkasse (Schwalbe Super Gravity, MAXXIS Doubledown) in Kombination mit Inserts wie CushCore. Alle Reifen sitzen sehr stramm und benötigen zum Aufziehen auf die Felge Gefühl und die richtige Technik, bei der der Reifen rundum ins Felgenbett gedrückt wird. Dafür lassen sie sich im Anschluss problemlos mit einer gewöhnlichen Standpumpe tubeless aufpumpen. Cool!

In den ersten Wochen auf dem Trail zeigten sich die hohe Verarbeitungsqualität und die Kompetenz, die DT Swiss in den Laufradbau steckt. Dabei trifft der Laufradsatz genau den Sweet Spot an Compliance, sodass er wenig Vibrationen an die Hände durchreicht und auch bei seitlichen Schlägen nicht verspringt. Dennoch liefert er bei Highspeed ausreichend Präzision, um der angepeilten Linie zu folgen.

Auf einigen EWS-Rennen musste der EX 1700 beweisen, dass er auch bei möglichst niedrigem Luftdruck im Reifen und richtig fiesen Steinfeldern durchhält: Denn ein Wechsel des Laufrads während des Rennens ist eigentlich ausgeschlossen. Über die zahlreichen Durchschläge beschwerte sich die super robuste EX 511er-Felge zwar mit einem lauten „Dong”, hält aber trotz zahlreicher Dellen nach wie vor die Luft.

Nach gut 10 Monaten musste der EX 1700 zum ersten Mal auf den Zentrierständer, obwohl er noch immer sehr rund lief. Doch die nächste Saison sollte er im Cannondale Jekyll Race-Bike von Felix weiter auf die Probe gestellt werden. Cannondale setzt am Hinterrad allerdings auf den Ai-Offset, bei dem die Felge um 3 mm nach rechts versetzt werden muss. Obwohl das Versetzen der Felge nicht ideal ist, steckte der EX 1700 auch mit Offset einige Einsätze in Finale Ligure, Les Orres und Co. klaglos weg. Einzig die Anzahl der Dellen in der hinteren Felge nahm stetig zu.

Mit einer gerissenen Speiche musste sich das Hinterrad auf einem Rennen seinem größten Härtetest unterziehen. Mit nur mehr 27 Speichen konnte der EX 1700 trotz ordentlichem Höhenschlag über die Ziellinie rollen. Respekt!

Nach 18 Monaten sind vor allem das Vorderrad und die Naben noch top in Schuss. Am Heck ist es allerdings Zeit für eine neue EX 511-Felge: Die alte hat ihren Ruhestand redlich verdient.

FR 1500 Classic im Test

DT Swiss präsentiert mit dem FR 1500 Classic einen Systemlaufradsatz für den harten Enduro- und Downhill-Einsatz. Er basiert auf der kürzlich vorgestellten FR 541 Alu-Felge und den bewährten 240er-Naben und wird in allen gängigen Laufradgrößen und Nabenbreiten verfügbar sein.

Am Namen des DT Swiss FR 1500 Classic-Laufradsatzes kann man mit etwas Know-how bereits viele Eigenschaften ableiten: Die beiden Anfangsbuchstaben „FR“ lassen auf das Einsatzgebiet und die Einordnung im Portfolio schließen. So steht das „F“ für Freeride und siedelt den FR 1500 Classic im Freeride- und Downhill-Segment an. Auf gut Deutsch ist er also für den harten Enduro- oder Downhill-Einsatz gedacht. Die Verwendung von zwei Buchstaben lässt dabei auf einen High End Alu-Laufradsatz zurückführen.

Die 4-stellige Zahl 1500 wiederum steht für einen Systemlaufradsatz mit der Kombination der hochwertigen 240er-Nabe und das „Classic“ am Ende deutet auf die Verwendung von J-Bend Speichen hin.

Der DT Swiss FR 1500 Classic-Systemlaufradsatz soll ab sofort verfügbar sein und schlägt mit 899 € zu Buche. Ihr könnt ihn sowohl als 29” als auch mit 27,5” oder im Mullet-Setup kaufen.

Gemäß seines Einsatzgebiets ist er auch in den gängigen Maßen verfügbar. Sprich, am Vorderrad könnt ihr eine 15-mm-Steckachse wählen - üblich bei Enduro-Bikes - oder eine 20-mm-Steckachse - wie sie bei DH-Bikes verwendet wird. Am Hinterrad stehen euch ein 148 mm breiter Boost-Standart, eine 150 mm oder 157 mm breite Nabe zur Verfügung. Alle Naben besitzen eine 6-Loch-Bremsaufnahme und an der Hinterradnabe das Ratchet EXP-System von DT Swiss. Freigegeben ist ein Systemgewicht von 140 kg, was für die meisten Fahrer mehr als ausreichend sein sollte. Farblich gibt es jedoch nur eine Decal-Variante zur Wahl.

Alle Systemlaufräder von DT Swiss werden von Hand gespeicht und zentriert und der Laufradsatz bringt in Kombination mit einem SRAM XD-Freilaufkörper ein Gewicht von 1.879 Gramm auf die Waage. Ausgeliefert wird er bereits mit einem montierten Felgenband und zugehörigen Tubeless-Ventilen.

Erstmals setzt DT Swiss am Vorder- und Hinterrad auf eine unterschiedliche Speichenanzahl, sprich auch auf unterschiedliche Felgen. So kommen am Vorderrad 28 und am Hinterrad 32 Speichen zum Einsatz.

Die Namensgebung haben die J-Bend-Speichen durch den 90° gebogenen Speichenkopf. Sie sind auf eine größere Zug- und Druckbelastung ausgelegt. Gehalten werden die DT Competition-Speichen mit Alu-Nippeln und dem von DT bekannten PHR-System. Bei diesem sogenannten Pro Head Reinforcement System wird eine Art gewölbte Unterlegscheibe verwendet, welche die Nippel selbständig zum Felgenloch ausrichtet und dabei die Zugkraft auf eine größere Fläche verteilt.

Die verwendete FR 541-Felge hat eine Innenweite von 30 mm und basiert auf den bekannten EX-Felgen. Allerdings wurde an gewissen Stellen Material hinzugefügt oder eingespart.

Die verwendete 240er-Nabe zählt als MTB-Topmodell im DT Line-up und besitzt das bewährte Ratchet EXP-System. Dieses besitzt bei 36 Verzahnungen einen Eingriffswinkel von 10°.

Auf dem Trail sorgt der FR 1500 Classic-Systemlaufradsatz für eine angenehme Steifigkeit, die feine Vibrationen herausfiltert und dennoch genug Traktion und Präzision auf den Trail bringt.

Weitere Laufrad-Optionen im Überblick

Der Markt bietet eine Vielzahl an Laufrad-Optionen für unterschiedliche Ansprüche. Hier ein Überblick über einige Alternativen:

DT Swiss CR 1600 Spline

Stabiler Laufräder mit hohem zulässigem Fahrergewicht. Hochwertige Naben, breite Felge für Gravel- und Crossbereifung, aber auch für Straßenreifen ab 30 Millimeter.

Mavic Allroad S

Schwerer, aber fahrstabiler Laufradsatz mit hoher Gewichtsfreigabe. Geschlossene Tubeless-Felge ohne Felgenband.

Leeze AC 25 Allroad

Sehr leichter Laufradsatz mit hochwertigen Sapim-CX-Ray-Speichen und breiter, leichter Felge. Die Steifigkeiten sind unterm Durchschnitt, daher eher was für leichte Fahrer.

Ritchey Comp Zeta Disc

Preiswert, aber kein Leichtgewicht. Hohe Nabenflansche und stabile Speichen bringen Steifigkeit.

Shimano GRX WH-RX570

Einfaches Laufrad aus Shimanos ­Gravel-Gruppe mit durchschnittlichen Werten.

Veltec ETR Extradrei

Veltecs Satz ist perfekt aufgebaut und zeigt das geringste Gesamtgewicht im Alu-Testfeld. Auch der Wert bei der Trägheitsmessung ist im Vergleich Spitze.

Aluminium vs. Carbon: Eine Gegenüberstellung

Die Frage, ob Carbon oder Aluminium besser geeignet ist, hängt stark vom Einsatzzweck und den persönlichen Präferenzen ab. Carbonlaufräder bieten oft ein geringeres Gewicht und eine höhere Steifigkeit, was sich positiv auf die Beschleunigung und das Handling auswirken kann. Allerdings sind sie in der Regel teurer und können bei Beschädigungen schwieriger zu reparieren sein.

Aluminiumlaufräder sind robuster, günstiger und bieten oft einen höheren Komfort. Sie sind eine gute Wahl für Fahrer, die Wert auf Zuverlässigkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis legen.

Fazit

Der DT Swiss EX 1700 SPLINE ist zu Recht der Highend Alu-Laufradsatz für den Enduro-Einsatz von DT Swiss. Die 18 Monate Härtetest im Renneinsatz hat er klaglos weggesteckt. Denn vor allem am Hinterrad ist ein gewisser „Verschleiß“ von Felgen absolut in Ordnung. Die Qualität des EX 1700 SPLINE ist nicht nur in punkto Komponenten enorm hoch, sondern vor allem auch im Laufradbau selbst und rechtfertigt so das Preisschild von 750 €.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0