DT Swiss Laufrad Lager wechseln – Eine ausführliche Anleitung

Ein wenig Spiel in den Nabenlagern ist zunächst nicht tragisch, kann aber früher oder später größere Schäden nach sich ziehen. Zu fest eingestellte Lager können sich sogar selbst zerstören. Daher ist es wichtig, die Lager regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls zu justieren oder auszutauschen.

Lagerspiel kontrollieren und justieren

Das Lagerspiel lässt sich feststellen, indem man die im Rad montierte Felge quer zur Laufrichtung bewegt. Lässt sie sich leicht zur Seite drücken oder dreht sich das Laufrad schwergängig, sollte man das Lagerspiel justieren.

Konuslager

Bei klassischen Konuslagern wird das Lagerspiel mit den Achsmuttern eingestellt. Gehen Sie wie folgt vor:

  1. Lösen Sie zunächst die äußeren Muttern mit flachen Gabelschlüsseln, indem Sie beide gegeneinander verdrehen.
  2. Justieren Sie dann das Spiel mit den beiden inneren Muttern.
  3. Kontern Sie die Einstellung, indem Sie die äußeren Muttern wieder anziehen.
  4. Kontrollieren Sie erneut, da sich durch das Kontern das Spiel wieder verkleinern kann, und justieren Sie bei Bedarf nach.

Rillenkugellager

Auch bei manchen hochwertigen Laufrädern mit Rillenkugellagern lässt sich das Lagerspiel einstellen. Meist sind die Einstellmuttern mit einer kleinen Inbusschraube gesichert und können nach dem Lösen von Hand gedreht werden. In seltenen Fällen ist ein Stiftschlüssel nötig.

Lager pflegen und tauschen

Konuslager

Ruckelnde Konuslager lassen sich oft mit etwas Pflege reanimieren. Hier ist die Vorgehensweise:

  1. Schrauben Sie beide Muttern einer Seite von der Achse.
  2. Entnehmen Sie die einzelnen Lagerkugeln und die Achse.
  3. Säubern Sie alles gründlich mit entfettendem Reiniger.

Zeigen die Kugeln bereits Laufspuren, sollten sie erneuert werden. Weisen die Kugelbahnen Beschädigungen auf, muss die Nabe oder das ganze Laufrad ersetzt werden. Passt alles, versehen Sie die Kugelbahnen großzügig mit Fett und legen Sie die Kugeln in das Fettbett. Faustregel: Es gehört immer eine Kugel weniger hinein, als theoretisch Platz wäre.

Rillenkugellager

Drehen sich Rillenkugellager rau, oder ist für das Spiel keine Einstellmöglichkeit vorgesehen, müssen defekte Lager ausgetauscht werden. Hier ist die Vorgehensweise:

  1. Entfernen Sie die Abdeckkappen (gesteckt oder geschraubt).
  2. Schlagen Sie die Lager mit einer geeigneten Verlängerung nach außen heraus.
  3. Fetten Sie den Außenring der neuen Lager.
  4. Vergewissern Sie sich beim Einbau, dass sie nicht verkanten und bis zum Anschlag im Nabenkörper sitzen.
  5. Lassen sich die Lager nicht von Hand reindrücken, ist ein passendes, sauber abgesägtes Rundholz hilfreich, mit dem Sie die Lager vorsichtig mit leichten Hammerschlägen eintreiben.

Wichtig: Konuslager benötigen eine ordentliche Portion Fett, um reibungslos zu funktionieren.

Profi-Tipps für Laufräder und Naben

  • Schnellspanner oder Steckachse üben Druck auf die Lager aus und verringern das Lagerspiel. Kontrollieren Sie das Spiel deshalb immer bei montierten Laufrädern, justieren Sie bei Bedarf nach.
  • Ein weiches, sauberes Tuch verhindert beim Arbeiten mit Lagern, dass herunterfallende Kleinstteile wie Kugeln verschwinden.
  • Rillenkugellager sind nach DIN standardisiert und günstig im Maschinenhandel erhältlich (z.B. von SKF, FAG). Die Bezeichnung steht auf der Dichtung; Sie können die Lager auch ausmessen. Achten Sie auf doppelt gedichtete Lager (Zusatz “2RS”) und gute Qualität: teurere halten meist länger.

Freilaufkörper: Wahl und Wechsel

Der Freilaufkörper ist ein zentrales Element am Fahrrad, das die Kraftübertragung von der Kassette auf die Nabe ermöglicht. Beim Umbau, Upgrade oder Tuning spielt der Freilaufkörper eine wichtige Rolle. Er muss für die gewünschte Kassette geeignet sein und auf Ihre Hinterradnabe passen. Die meisten Nabenhersteller bieten Umrüst-Kits für die Montagestandards verschiedener Kassetten- bzw. Antriebshersteller an.

Umbau des Freilaufkörpers

Wie genau der Umbau des Freilaufkörpers vonstattengeht, ist von Nabenhersteller zu Nabenhersteller verschieden. Viele Hersteller wie Hope, DT Swiss, SRAM oder Shimano ermöglichen einen werkzeugfreien Umbau: Der Freilaufkörper ist einfach gesteckt. Ob das bei Deiner Nabe auch so ist oder wie ein Wechsel stattdessen funktioniert, verrät Dir die Bedienungsanleitung oder unser Service-Team.

Gängige Montagestandards

Hier eine Übersicht über die gängigsten Montagestandards und Kassettenkompatibilitäten:

Art des Freilaufs Welche Kassetten passen vom Profil? Wie viele Ritzel kann die Kassette haben? Spacer benötigt?
Shimano MTB (HG spline M) Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (SunRace, OneUp Components, u. a.) Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) Nein
Shimano Road (HG spline L) Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (Rotor, Miche, u. a.) Zwölffach-Road Nein
SRAM XD SRAM und div. Fremdanbietern (e*thirteen, KCNC, u. a.) Elf-/Zwölffach (MTB) Nein
SRAM XDR SRAM Zwölffach (Road) Nein
Campagnolo Campagnolo Ultra-Drive Neun-/Zehn-/Elf-/Zwölffach-Ultra-Drive Nein

Materialien von Freilaufkörpern

Freilaufkörper werden in verschiedenen Materialien angeboten:

  • Aluminium: Sehr verbreitet, leicht, aber anfällig für Kerben bei Verwendung mit Kassetten aus einzelnen Ritzeln.
  • Stahl: Robuster, aber schwerer.
  • Titan: Geringes Gewicht und Robustheit.

Funktionsweise von Freiläufen

An den meisten Fahrrädern sind Freiläufe entweder mit sogenannten Sperrklinken oder als Zahnscheibenfreiläufe konstruiert.

Sperrklinkenfreilauf

Ein Sperrklinkenfreilauf hat an dem Teil, der in der Nabe sitzt, mehrere kleine Sperrklinken, die von Federn nach außen gedrückt werden. Ein verzahnter Ring im Nabenkörper bildet das Gegenstück. Trittst Du in die Kurbel, greifen die Sperrklinken fest in die Verzahnung und bewegen so die Nabe mit.

Zahnscheibenfreilauf

Hier greifen während des Tretens zwei Zahnscheiben ineinander, die von Federn aufeinandergedrückt werden. Eine davon sitzt im Nabenkörper und die andere im Freilaufkörper. Anders als bei Sperrklinkenfreiläufen greifen bei Zahnscheiben immer alle Zähne gleichzeitig. Das sorgt für eine sehr große Kontaktfläche und macht die Freiläufe auch bei hohen Krafteinträgen sehr robust.

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