Die Ducati 944 ST2 wurde 1997 als erstes Modell der neuen Sport-Touring-Baureihe vorgestellt. Mit diesem Modell verliess Ducati den Weg der kompromisslosen Sportlichkeit.
Sie kombiniert eine tourentaugliche Sitzposition mit sportlicher Fahrwerks- und Motorentechnik. Die ST2 sollte der beliebten Allrounderin Honda VFR Paroli bieten. Knapp 2000 Ducati-Sporttourer sind laut Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) auf deutschen Straßen unterwegs.
Motor und Leistung
Das Herz der ST2 bildet der auf 944 Kubikzentimeter aufgerüstete Zweiventil-Motor. Der wassergekühlte Zweiventilmotor entstammte der glücklosen 907 i.e., brachte es mit mehr Bohrung aber auf 944 cm³ Hubraum. Dem altbekannten Vau wurde aber neben mehr Hubraum auch noch eine Wasserkühlung und eine elektronische Einspritzanlage spendiert.
Der 944 ccm große, wassergekühlte und über eine Einspritzung befeuerte Desmo-Motor, mit seiner robusten Zwei-Ventil-Steuerung und seinen sparsamen Trinksitten, glänzt durch eine gleichmäßige Leistungsentfaltung. Das heißt, der Fahrer muss weniger schalten und kann die Fahrt in vollen Zügen genießen. Zwar sind ihm mit seinen prophezeiten 83 PS leistungsmäßig nach wie vor Grenzen gesetzt, doch mit Blick auf die eher touristische Auslegung der Konzepts setzt Ducati auf besseren Drehmomentverlauf und eine fülligere Leistungskurve im unteren Drehzahlbereich.
Der bullige Desmo-Twin ist wie geschaffen für ausgedehnte Touren. Der 944 ccm Motor gibt seine 83 PS bei 8500 U/min ab.
Fahrwerk und Handling
Die ST2 basiert auf einem Gitterrohrrahmen aus Stahl, wie er auch bei anderen Ducati-Modellen dieser Zeit verwendet wird. Vorn übernimmt eine voll einstellbare Upside-down-Gabel von Showa die Radführung, hinten kommt das Federungssystem der 916 zum Einsatz.
Das ebenfalls voll einstellbare Showa-Federbein wird dabei von der stabilen Alu-Schwinge sowie über eine Schubstange und eine Wippe in die Zange genommen. Die Upside-down-Gabel und auch das Federbein sind beide sehr leicht in der Federvorspannung zu justieren.
Im Gegensatz zu den reinrassigen Sportlern aus Bologna muss die ST2 vor allem bei höheren Geschwindigkeiten Stabilität nicht mit eingeschränktem Handling bezahlen. Ein Pluspunkt, der nicht zuletzt auf die innovative Technik der neuen Null-Grad-Stahlgürtelreifen von Metzeler zurückzuführen ist. Die Federungselemente, vorn Upside-Down-Gabel mit kräftigen 43 mm Gleitrohren und verstellbarer Federbasis (Zug- und Druckstufendämpfung) und hinten Zweiarmschwinge aus Aluprofilen mit Zentralfederbein, ebenfalls einstellbar, verweisen wieder auf die sportlichen Ambitionen der Maschine.
Sie sprechen auf unebener Fahrbahn nicht gerade sensibel an, sind aber insgesamt sehr gut abgestimmt und erlauben komfortables Vorwärtskommen. Verantwortlich für diesen Zuwachs an Fahrkomfort sind die langen Federwege und im hinteren Bereich die technisch ausgereiften und klug eingebauten Hebelübertragungen.
Bremsen und Sicherheit
Die Bremsanlage stammt von Brembo: vorne zwei 320-mm-Scheiben mit Vierkolben-Festsätteln, hinten eine 245-mm-Scheibe. Vorn verzögern zwei schwimmend gelagerte Scheiben (320 mm), die von Vierkolbensätteln gebremst werden. So ausgestattet werden die Bremsen mit der kinetischen Energie in allen Fahrsituationen spielend fertig.
Eine leichte Aufstellneigung beim Anbremsen in Schräglage muß zwar attestiert werden, ist aber für die Fahrsicherheit unerheblich und physikalisch begründet. ABS ist für die ST2 in keinem Baujahr verfügbar.
Komfort und Ausstattung
Die Sitzposition ist aufrecht und für längere Strecken ausgelegt. Eine bequeme Sitzposition für Fahrer und Sozius, dann noch das zur Lackierung passende Koffersystem und schon bist Du bereit für die kleine Tour aufs Land oder gar eine Reise durch den ganzen Kontinent.
Der Soziusplatz ist voll nutzbar, mit separater Sitzbank und serienmäßigen Haltegriffen. Ab Werk ist ein in der Höhe verstellbarer Windschild montiert. Ducati bietet ein integriertes Hartschalenkoffersystem als Sonderausstattung an, bestehend aus zwei Seitenkoffern. Ein Topcase ist nicht serienmäßig, aber über Ducati-Zubehör erhältlich.
Modellpflege
- 1997 ST2 mit wassergekühltem Zweiventilmotor (944 cm³, 83 PS)
- 1998 Erste Modellpflege: vereinfachte Vorspannung am Federbein, Logos überarbeitet.
- 1999 ST4 mit Vierventilmotor aus der Ducati 916 (916 cm³, 105 PS). Zweite Modellpflege an der ST2: neue Lichtmaschine, neuer Regler, leichtere Felgen, Lenker überarbeitet.
- 2001 ST4s mit Vierventilmotor (996 cm³, 117 PS).
- 2002 Alle ST-Modelle werden mit U-Kat ausgerüstet.
- 2003 Alle ST-Modelle erhalten einen geregelten Katalysator. ST4s optional mit ABS erhältlich.
- 2004 ST3 mit neu konstruiertem Dreiventilmotor und G-Kat (992 cm³, 102 PS). ST2 und ST4 werden aus dem Programm genommen, Modellpflege bei ST4s mit geänderter Verkleidung, neuem Scheinwerfer und modifizierter Sitzbank.
- 2006 ST3s ABS mit Showa-Gabel und Öhlins-Federbein.
- 2008 Ende der ST-Modellfamilie
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor | Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, zwei Ventile pro Zylinder, desmodromisch betätigt |
| Hubraum | 944 cm³ |
| Nennleistung | 83 PS (61 kW) bei 8500 U/min |
| Getriebe | 6-Gang |
| Radstand | 1430 mm |
| Tankinhalt | 21 Liter |
Die Ducati ST2 bleibt das einzige Modell der ST-Baureihe mit dem 944-ccm-Zweiventil-Desmodue-Motor.
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