Ducati Bremsbeläge wechseln – Eine detaillierte Anleitung

Ein Wechsel der Bremsklötze am Motorrad ist aufwendiger und komplizierter als die reine Kontrolle der Belagstärke. Hier finden Sie eine detaillierte Anleitung, was es alles zu beachten gibt.

Wichtige Vorbereitungen

Bevor Sie mit dem Wechsel der Bremsbeläge beginnen, beachten Sie folgende Punkte:

  • Bremsklötze immer paar- und radweise wechseln! Ein Satz Bremsklötze besteht in der Regel aus zwei Stück pro Scheibe.
  • Niemals unterschiedlich dicke oder unterschiedlich alte Bremsklötze sowie von verschiedenen Herstellern in einem Bremssattel verwenden!
  • Das gilt auch bei Doppelscheibenbremsen im Vorderrad: Links und rechts werden nur gleiche Belag-Typen mit gleicher Laufleistung eingesetzt.
  • Wenn auf den Rückseiten der alten Bremsklötze gelochte Scheiben oder Bleche aus Stahl oder Teflon montiert waren, müssen diese in sauberem Zustand an den neuen Bremsklötzen in gleicher Position wieder angebracht werden.
  • Sie halten einen Teil der beim Bremsen entstehenden Hitze von den Bremskolben und damit auch von der Bremsflüssigkeit fern.
  • Gebrauchte Bremsbeläge, die stark verschmutzt sind, schon lange nicht mehr zum Einsatz kamen oder aus einer Unfallmaschine stammen, sollten getauscht werden!

Werkzeug und Material

Stellen Sie sicher, dass Sie alle notwendigen Werkzeuge und Materialien zur Hand haben, bevor Sie beginnen:

  • Neue Bremsbeläge (passend für Ihr Ducati Modell)
  • Bremsenreiniger
  • Nicht fusselnde Lappen und eine kleine Bürste
  • Splintdurchschlag und Hammer (falls erforderlich)
  • Spezifisches Bremsenfett
  • Drehmomentschlüssel
  • Neue Sicherungssplinte oder Sicherungsscheiben (optional)
  • Kleine Spritze (zum Absaugen von Bremsflüssigkeit)
  • Handschuhe

Schritt-für-Schritt Anleitung

1. Vorbereitung des Motorrads

  • Motorrad sicher aufbocken.
  • Achtung: Bremshebel bei abgebautem Bremssattel und/oder ausgebauten Klötzen nicht betätigen! Sonst fahren die Bremskolben ungehindert aus und müssen mühsam wieder in den Bremssattel gedrückt werden.
  • Sie können sogar ganz aus ihren Bohrungen herausrutschen.

2. Reinigung des Bremssattels

Obwohl zum Wechseln der Beläge die Bremssättel meist nicht abgebaut werden müssen, ist es empfehlenswert, da das Innere des Bremssattels oft eine gründliche Reinigung nötig hat.

  • Bremssattel und Bremsscheiben NICHT mit Öl oder Ölspray reinigen, sondern speziellen Bremsenreiniger verwenden!
  • Bei Einsatz von Bremsenreiniger alle Teile im Umkreis der einzusprühenden Bremssättel mit Lappen großflächig abdecken.
  • Bremssattel nicht mit harter Pressluft ausblasen! Wenn überhaupt: Druckluft beim Bremssattel nur sehr sparsam und ganz gezielt einsetzen.
  • Bremsstaub ist gesundheitsschädlich!

3. Ausbau der alten Bremsbeläge

  • Die Bremsklötze werden durch einen "Haltestift" in korrekter Position im Bremssattel gehalten.
  • Dieser Haltestift ist gesteckt oder geschraubt und hat immer eine Sicherung gegen selbständiges Rausdrehen oder Herausfallen.
  • Diese muss vor dem Ausbau des Haltestifts entfernt werden.
  • Wenn der Haltestift nur gesteckt ist, mit einem Splintdurchschlag vorsichtig ausschlagen.
  • Ist der Haltestift eingeschraubt, diesen ausdrehen.
  • Bremsklötze aus der Bremszange herausziehen.

4. Vorbereitung für den Einbau der neuen Bremsbeläge

  • Wenn die alten Bremsklötze aus dem Bremssattel herausgenommen sind und die Bremskolben noch in ihrer herausgefahrenen Position stehen, den Bremssattel sorgfältig reinigen.
  • Achtung: Keine scharfkantigen Gegenstände wie Schraubendreher in die Bremssättel einführen, die Kolbengleitflächen können dadurch zerkratzt werden!
  • Um Platz für die neuen (dicken) Beläge zu schaffen, die alten Bremsklötze wieder in den Schacht schieben, mit Handkraft dagegendrücken und damit die Bremskolben zurück in ihre Bohrungen drücken.
  • Beim Zurückdrücken steigt der Flüssigkeitsstand im Bremsflüssigkeitsbehälter: Deswegen Pegelstand im Auge behalten!
  • Steigt er bis zur Oberkante, mit einer kleinen Spritze etwas Flüssigkeit absaugen.
  • Achtung: Bremsflüssigkeit ist aggressiv und gesundheitsschädlich. Deshalb von Haut und Körper, aber auch von Lack und Kunststoff fernhalten! Mit Handschuhen arbeiten.
  • Danebengegangene Tropfen mit reichlich Wasser wegspülen.
  • Spezielles Bremsenfett auf die Rückseite der Trägerplatten sowie den Kanten, an denen sie im Bremssattel anliegen, geben.
  • Kontrollieren, ob die Bremsbelagfeder innen im Bremssattel richtig sitzt: Sie muss satt sitzen - falls ein Pfeil eingeritzt ist, muss dieser in Raddrehrichtung zeigen.

5. Einbau der neuen Bremsbeläge

  • Bremsklötze in den Bremssattel einschieben.
  • Manchmal gleiten die Bremsklötze auf einer oder beiden Seiten in einer Nut oder Führung. Unbedingt darauf achten, dass die Bremsklötze korrekt in diese Führung eingesetzt werden.
  • Bremsbelag-Haltestift durch die äußere Bohrung im Bremssattel einführen (wenn die Bremsbelagfeder außen auf die Bremsklötze eingesetzt wird: Pfeil muss in Fahrtrichtung zeigen).
  • Weiter durch die Bohrungen in den Bremsklötzen, der Bremsbelagfeder und in die andere Seite des Bremssattels durchschieben.
  • Beim Gewindestift: Diesen einschrauben. Kontermadenschraube einschrauben und gegen den Kopf des Haltestifts kontern. Oder Sicherungssplint(e) einstecken. Oder Sicherungsscheibe in die Nut einklicken.
  • Durch Pumpen am Bremshebel Druck im System aufbauen, bis die neuen Bremsbeläge an der Scheibe anliegen.
  • Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen (Spezifikation im Betriebshandbuch nachlesen).
  • Erst bei deutlich fühlbarem Druckpunkt ist die Bremse betriebsbereit!

6. Bremsbeläge einfahren

Neuen Bremsbelägen darf man keinesfalls schon bei der ersten Bremsung ihre maximale Leistung abfordern, sondern sie müssen sorgsam und mit Gefühl eingefahren werden. Die Einfahrzeit sollte 100 bis 150 Kilometer betragen.

  • Bremse nicht längere Zeit „schleifend“ betätigen, sondern kurz und knackig bremsen.
  • Bremse nicht "gegen den Motor" einfahren, das schadet den neuen Bremsbelägen: Ihre Oberfläche wird heiß und verglast.
  • Nach jeder Verzögerung der Bremse wieder genügend Zeit zum Abkühlen geben.
  • Längere Bremsungen sollten in der Einfahrzeit vermieden werden, sind aber im Verkehr manchmal erforderlich: Nach einer "längeren, heftigen Bremsung" nicht mit gezogener Bremse anhalten, sondern mit dem Anhalten wieder freigeben.
  • Nach einiger Zeit packt die Bremse immer fester zu, das Bremsgefühl ist schön transparent.

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