Ducati Bremse Entlüften: Eine Detaillierte Anleitung

Die Bremsen sind ein vitaler Bestandteil jedes Motorrads. Eine gut funktionierende Bremsanlage ist entscheidend für die Sicherheit und das Fahrvergnügen. Insbesondere bei Ducati-Modellen kann es jedoch zu Problemen mit der Hinterradbremse kommen. Dieser Artikel bietet eine ausführliche Anleitung zum Entlüften der Bremsen, insbesondere der Hinterradbremse, und zur Behebung häufiger Probleme.

Warum Bremsen Entlüften?

Nur dann, wenn es sich um eine geschlossenes hydraulisches System ohne Lufteinschlüsse handelt, funktionieren die Bremsen einwandfrei. Die Flüssigkeit zirkuliert und es kann Druck aufgebaut werden. Jedoch nimmt die Bremsflüssigkeit mit zunehmendem Alter Luft und Wasser auf - es ist unabhängig von den gefahrenen Kilometern. Es schwächt die Bremswirkung deutlich ab oder es kommt zu einem totalen Bremsen-Ausfall. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, was bedeutet, dass sie Wasser aufnimmt. Dem kannst Du nicht entgegenwirken, es passiert zwangsläufig.

Je älter die Bremsflüssigkeit, desto mehr Flüssigkeit aus der Luft nimmt sie auf. Dadurch sinkt die Temperaturstabilität und die Bremsflüssigkeit beginnt früher zu „kochen“. Bei Hitze bilden sich dann Dampfblasen, die im Gegensatz zur Flüssigkeit leicht komprimierbar sind. Bedeutet: Der Druck, den Du durch Betätigung des Bremshebels ausübst, wird nicht mehr optimal an die Bremskolben weitergegeben. Lass es erst gar nicht dazu kommen, dass die Bremswirkung nachlässt. Schau Dir die Färbung der Bremsflüssigkeit im Flüssigkeitsbehälter an. Frische Bremsflüssigkeit ist in der Regel hellgelb. Einzelne Hersteller färben sie auch hellblau oder hellrot ein. Ungeachtet dessen ist alte Bremsflüssigkeit grau bis schwarz. Ist dies der Fall, dann besser Bremsflüssigkeit vorab wechseln.

Benötigte Materialien und Vorbereitung

Bevor Sie mit dem Entlüften der Bremsen beginnen, stellen Sie sicher, dass Sie alle notwendigen Materialien zur Hand haben:

  • Neue Bremsflüssigkeit (DOT 4 oder DOT 5.1, gemäß Bordbuch)
  • Ringschlüssel passend für die Entlüftungsschrauben
  • Entlüftungsschlauch
  • Auffanggefäß
  • Einwegspritze
  • Lappen zum Abdecken empfindlicher Teile
  • Optional: Vakuumpumpe oder Stahlbus-Entlüftungsventile

Praxistipp: Da die Bremsflüssigkeit ätzend ist und somit Lacke und Kunststoffe angreifen kann, decke empfindliche Teile vorab mit einem Lappen ab. Falls dennoch der eine oder andere Tropfen daneben geht, don’t panic.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Bremsenentlüften

  1. Vorbereitung des Bremsflüssigkeitsbehälters: Zunächst öffnest Du den Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters (in der Regel Kreuzschlitzschrauben). Mit einer Einwegspritze kannst Du alte Bremsflüssigkeit absaugen. Aber aufpassen! Die Nachlaufbohrung am Boden des Bremsflüssigkeitsbehälters muss bedeckt bleiben. Sonst würde Luft in die Bremshydraulik dringen. Und gerade das, gilt es ja zu vermeiden. Sinn der Maßnahme ist es, den späteren Spülvorgang (mehrmaliges Betätigen des Bremshebels) zu verkürzen, da auf diese Weise schon bald frische Bremsflüssigkeit ins Bremssystem nachfließt. kannst Du den Bremsflüssigkeitsbehälter mit neuer Bremsflüssigkeit befüllen. TIPP: Fülle zunächst nicht mehr als ca. zwei Drittel auf.
  2. Ansetzen des Entlüftungsschlauchs: Für den eigentlichen Entlüftungsvorgang kniest Du am Boden bei der Entlüftungsschraube und hast ZUERST den Ringschlüssel angesetzt. Erst DANN schiebst Du den Entlüftungsschlauch über das Ventil und steckst das andere Ende in das Auffanggefäß. Achte darauf, dass sich im Auffanggefäß bereits etwas Bremsflüssigkeit befindet und der Schlauch bis IN die Flüssigkeit hinein reicht. Da ansonsten wieder Luft ins System geraten kann.
  3. Entlüften mit Unterstützung: Dein Spezl betätigt oben den Bremshebel zwei bis dreimal UND hält ihn im Anschluss gedrückt. Jetzt öffnest Du unten mit dem Ringschlüssel und einer viertel Umdrehung das Auslassventil und siehst, wie über den Schlauch alte Bremsflüssigkeit in den Auffangbehälter fließt. Wenn nichts mehr nachkommt, schließt Du das Auslassventil wieder. baut Dein Spezl durch Betätigen des Bremshebels wieder Druck auf und hält den Bremshebel erneut gedrückt. Du öffnest wieder das Auslassventil und lässt alte Bremsflüssigkeit in den Behälter fließen. Diesen Vorgang wiederholt ihr beide im Wechsel so oft, bis nur noch klare, frische und BLASENFREIE Bremsflüssigkeit nachfließt.
  4. Entlüften der Hinterradbremse: Bei der Hinterradbremse gehst Du ähnlich vor.
  5. Abschluss und Testfahrt: Ist die Reparatur abgeschlossen, steht eine kleine Probefahrt an. Checke beide Bremsen auf Funktionstüchtigkeit, inklusive Vollbremsung. Sollte eine Bremse immer noch „schwammig“ reagieren, den Entlüftungsvorgang wiederholen.

Spezielle Hinweise für ABS-Systeme

Verfügt Dein Motorrad hingegen über ein ABS, ist Vorsicht geboten. Motorräder mit ABS haben in der Regel zwei Bremskreise: Den Steuerkreis, der von der Bremspumpe angesteuert wird und den Regelkreis, der über einen Druckmodulator den Bremskolben betätigt. Auch können die Bremsen wie zum Beispiel bei BMW oder Motto Guzzi vorne und hinten miteinander gekoppelt sein (Stichwort: Integralbremse bzw. Verbundbremse). Einmal kurz die Bremse drücken, um das ABS zu aktivieren. Dadurch öffnen sich die Ventile und die restliche Bremsflüssigkeit vermischt sich mit der im ABS-Block.

Alternative Methoden für ABS-Systeme

  • Vakuumpumpe: Ohne umständliche Yoga-Verrenkungen oder eine helfende Hand klappt das Motorrad-Bremse entlüften mit einer im Handel erhältlichen Vakuumpumpe. Diese wirst Du vermutlich im Set mit dem Auffangbehälter kaufen. Am Deckel des Behälters findest Du zwei Aufsätze für die Schläuche. Ein Schlauch kommt vom Auslassventil des Bremssattels und führt zum Auffangbehälter. Der andere Schlauch führt vom Auffangbehälter weg und wird an der Pumpe (sieht meist aus wie eine Pistole) befestigt. Indem Du die Pumpe betätigst, sorgst Du im Gefäß für einen Unterdruck, der die alte Bremsflüssigkeit nachfließen lässt. Auch hier gilt: Du setzt den Pumpvorgang so lange fort, bis nur noch klare, blasenfreie Bremsflüssigkeit nachfließt.
  • Stahlbus-Entlüftungsventile: Original Nippel raus....Stahlbus-Bremsentlüftungsventilnippel in der richtigen Größe rein!..... Unten Gewinde-Adapter und dann oben drin, mit einem zweiten Sechskant, die Entlüftungs-Schraube/Nippel. Der Entlüftungs- und Spül-Vorgang ist damit viel einfacher, vor allem wenn man Luft aus dem ABS-Block entfernen will/muss. Also.....eine große Empfehlung für Stahlbus-Bremsentlüftungsventile wenn man ein ABS-Moped hat, von meiner Seite.

Häufige Probleme und Lösungen

Undichtes Entlüftungsventil

Das Original Entlüftungsventil ist am Gewinde konstruktionsbedingt undicht. Sehr viele Luftblasen, die aber anscheinend durch das undichte Gewinde am Entlüftungsventil gesaugt wurden. Ob die Bläschen auch in die Bremszange gesaugt wurden war nicht sicher, insgesamt konnte man gar nicht sagen, ob die Bremsflüssigkeit blasenfrei ist.

Luft im ABS-System

Ich kenne die Funktion des ABS Systems nicht, dem Verhalten nach vermute ich aber, dass irgendetwas passiert wenn man die Zündung einschaltet. Denkbar ist ein Selbsttest, bei dem Ventile kurz geöffnet werden. Wenn sich hinter den Ventilen ein Luftbläschen befindet, gelangt dieses evtl. in den Kreislauf.

Schlechter Druckpunkt an der Hinterradbremse

Da die Luft nach oben will, sammelt sich bei Deinem abgebildeten Setup im Sattel hinter dem Kolben - eben an der höchsten Stelle. Ich habe den Sattel so gedreht, dass die Entlüftungsnippel wirklich der höchste Punkt war - und siehe da: Perfekter Druck nach 2 Entlüftungsrunden. Seit dem hab ich so eine gute Bremse wie noch nie zuvor. Wie kann dass sein? Kann es sein, dass die Luft die sich oben in der Bremspumpe oder im Schlauch sammelt nicht durchgepumt wurde.

Falsche Bremsflüssigkeit

Laut meinem neuen Freundliche ist das Problem DOT4 - Siedepunkt (HRB - Auspuff und Kupplung - Motor). Er hat jetzt alle DOT4 gegen brembo LCF600 plus getauscht. wir haben von zwei auch diese Auskunft bekommen. Dadurch, dass die Bremsflüssigkeit über den Auspuff sitzt, würde sie zu warm. Wer DOT 5 in die Bremse reinkippt, kann sie auch gleich neu machen lassen. Die passende Bremsflüssigkeit ist entweder DOT 4 oder DOT 5.1.

Zusätzliche Tipps und Tricks

  • Entlüften an der Bremspumpe: Wichtig ist dabei auch (zuerst) an der Bremspumpe zu entlüften, was bei der Aprilia leider an der Fußbremse nicht möglich ist. Hier müsste man erst einmal die Möglichkeit dazu schaffen.
  • Bremssattelpositionierung: Ich habe den Bremssattel abgeschraubt und ca. 20 cm über den Bremsflüssigkeitsbehälter aufgehängt. Natürlich mit den Ventil nach oben. Eine Stunde gewartet. Durchsichtigen Schlauch aufgesteckt und direkt in den Behälter zurückgeführt. Den gelösten Entlüfternippel habe ich dann mit den Fingern beim drücken geöffnet und geschlossen und so lange die Flüssigkeit durchgepumpt bis keine Luft mehr sichtbar im Schlauch war.
  • Rückwärtsentlüftung mit Spritze: Ducati-Lösung (von mir ausprobiert): Medizinische Spritze (200 ml) mit Bremsflüssigkeit aufziehen, Klarsichtschlauch aufstecken, mit Entlüftungsnippel der hinteren Bremszange verbinden, Spritze senkrecht halten, bis die Luft aus der Leitung ist. Dann Nippel mindestens 0,5 Umdrehungen aufdrehen und Spritze mit ordentlich Druck entleeren, bis der Bremsflüssigkeitsbehälter voll ist. Mit dieser Methode kommt garantiert alle Luft heraus. Das funktioniert so wie bei den Druckauffüllgeräten in den PKW-Werkstätten.

Empfohlene Bremsflüssigkeiten

Die Wahl der richtigen Bremsflüssigkeit ist entscheidend für die Leistung und Sicherheit der Bremsanlage. Hier eine Übersicht gängiger Bremsflüssigkeiten:

Bremsflüssigkeit Trockensiedepunkt Nasssiedepunkt Merkmale
DOT 3 205 °C 140 °C Standard Bremsflüssigkeit
DOT 4 230 °C 155 °C Verbesserte Leistung gegenüber DOT 3
Brembo LCF 600 Plus 316 °C 204 °C Rennstreckentaugliche DOT 4
DOT 5.1 260 °C 180 °C Hohe Temperaturstabilität, dünnflüssiger als DOT 4

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