Die Scrambler-Baureihe von Ducati wurde um die Ducati Scrambler Desert Sled erweitert, eine stilvolle Maschine mit Offroad-Ambitionen. Ducati hat mit der Ducati Scrambler Desert Sled - dem „Wüstenschlitten“ - alle Register gezogen.
Optik und Design
Noch aus 15, 20 Metern ist die Illusion perfekt, wirkt die Ducati Scrambler Desert Sled wie eine größere, moderne Yamaha XT 500: Trotz stattlicher 20 Zentimeter Federweg vorn und hinten erinnern die rundliche Form des 13,5-Liter-Tanks mit den schicken seitlichen Alublenden, der Enduro-typisch hochgelegte vordere Kotflügel und die recht üppig gepolsterte Sitzbank an den Offroad-Meilenstein aus Japan.
Oder beruht die optische Ähnlichkeit eher auf den hübschen Speichenrädern mit den goldenen Felgen (17 Zoll hinten, 19 Zoll vorn) und dem breiten Lenker mit Cross-Strebe, vor dem Züge und Leitungen der rechten Lenkerarmaturen im weiten Bogen verlaufen? Cool wirken Alu-Motorschutz, 238 Millimeter Bodenfreiheit und das schützende Gitter vorm Scheinwerfer.
Hässlich geht bei Ducati natürlich gar nicht. Daher also die golden eloxierten Felgen, das hohe vordere Schutzblech, der konifizierte Alu-Lenker mit Querstrebe und die zum Tank hin schmal zulaufende Sitzbank - Komponenten, die allesamt die Ähnlichkeit mit der XT bestärken.
Dass die Ducati Scrambler Desert Sled ein prominentes X auf dem Tank trägt und Ducati sie auch im schlichten Weiß anbietet, so wie einst die XT daherkam, lässt allerdings doch ein gewisses Kalkül vermuten.
Fahrgefühl und Handling
Die Ducati Scrambler Desert Sled zieht sich auf lehmig-schlammigem Untergrund und im durchweichten Sand beachtlich aus der Affäre. Die Sitzposition ist relaxed, vermittelt mit schmalem Knieschluss und gezackten Endurofußrasten guten Kontakt zur Maschine.
Rund 210 Kilogramm vollgetankt soll die Ducati Scrambler Desert Sled wiegen. In tiefen Spurrinnen laufen Vorder- und Hinterrad schnell mal in getrennten Bahnen. Die Fuhre stellt sich quer. Macht gar nichts, denn ein beherzter Gasstoß reicht, und wie von Zauberhand reiht sich das Hinterrad wieder brav in Linie ein.
Hilfreich wirken gute Führungsqualitäten des von der Multistrada Enduro übernommenen 19-Zöllers vorn; ferner der durch die 25 Millimeter längere Schwinge auf 1505 Millimeter verlängerte Radstand.
Neutral und handlich umrundet die Ducati Scrambler Desert Sled Wechselkurven, bleibt exakt auf Kurs, klappt nicht weiter ab als gewünscht. Gut ausbalanciert meistert die Italo-Enduro selbst Tiefsand-Passagen easy, bleibt freundlich zum Fahrer.
Ergonomisch passt bei der Ducati Scrambler Desert Sled alles: Der breite Enduro-Lenker liegt prima zur Hand, allerdings ein wenig weit vorn. Die Sitzposition ist relaxed, ein schmaler Knieschluss und gezackte Enduro-Fußrasten vermitteln guten Kontakt zur vollgetankt rund 210 Kilogramm schweren Maschine.
Abseits befestigter Pfade lässt sich dieses über das Menü im Rundinstrument deaktivieren. Gut kontrollierbar über den breiten Lenker und mit einer ausgewogenen Gewichtsverteilung lässt sich die Duc selbst von unerfahrenen Enduristen mit viel Spaß durchs Gelände bewegen.
Motor und Leistung
Gefühlt läuft der mechanisch unveränderte 90-Grad-V2-Motor noch weicher als bisher. Gute Laufkultur trifft gleichmäßige Leistungsabgabe. Speziell die fürs Gelände wichtigen Gänge zwei und drei bieten jederzeit genügend Kraft von weit unten.
Sanft und fein lässt sich der V2 über den nun progressiv, nicht mehr linear übersetzten Ride-by-Wire-Gasgriff kontrollieren, rein „übers Gas fahren“: Zunächst werden die Öffnungswinkel am Drehgriff in weniger Grad Drosselklappe übersetzt, zum Ende hin dagegen überproportional.
Kein Vertun: Mit 75 PS Spitzenleistung und gut nutzbarer Power ist das ein feiner, vollkommen ausreichender Landstraßenmotor. Die Ducati Scrambler Desert Sled reißt zwar nicht besonders bärig an, aber einem auch nicht gleich die Arme ab, liefert stets genügend Drehmoment.
Der luftgekühlte Zweiventiler lebt! Es gibt nur ein einziges Motor-Mapping. Kein Problem, es funktioniert ja. Auch eine Traktionskontrolle ist Fehlanzeige, aber durchaus entbehrlich.
Der luftgekühlte 90-Grad-V2 mit zwei Ventilen und einem zusätzlichen Ölkühler vereint immerhin 803 Kubikzentimeter. Daraus schöpft der Einspritzer mit neuester Euro 4-Abgasreinigungstechnik offiziell 75 PS und 68 Newtonmeter Drehmoment.
Gleichmäßig sanft gibt der kultivierte Motor seine Leistung ab. Jederzeit gut kontrollierbar lässt sich der Kurzhuber per progressiv übersetztem, elektronischem Drehgriff ans Gas nehmen.
Über das gesamte Drehzahlband zeigt der Desmo-Twin eine hohe Laufkultur bei gleichmäßigem Durchzug, der Antritt könnte jedoch pfeffriger sein - eine weniger progressive Gasgriffübersetzung im ersten Drittel der Öffnung macht das Ansprechverhalten handzahm und butterweich, fast wie bei einem Regenmodus.
Fahrwerk und Bremsen
Ducati spendierte vorn und hinten komplett neue Federelemente mit satten 20 Zentimeter Federweg. Erstmals in der Scrambler-Baureihe ist die Upside-down-Gabel von Kayaba voll einstellbar, dazu stabile 46 statt schmaler 41 Millimeter stark.
Obere und untere Gabelbrücke liegen bei der Ducati Scrambler Desert Sled 30 statt bei den anderen Scramblern 22 Zentimeter auseinander. Etwas umständlich über Bordmenü lässt sich das ABS abschalten, jedoch nur komplett vorn/hinten.
Die im Gelände wichtige Hinterradbremse ist trotz plump gestanzten Pedals feinfühlig dosierbar, der vordere Vierkolbensattel wirkt dagegen etwas matschig am Hebel.
Voll einstellbar und schluckfreudig präsentiert sich die langhubige Upside-down-Gabel. Sie stammt wie das links ziemlich schräg angebrachte und direkt angelenkte Federbein von Kayaba - gelbe Feder hin oder her.
Reifen: Pirelli Scorpion Rally STR
Kompliment für die speziell auf die Desert Sled abgestimmten Pirelli Reifen Scorpion Rally STR: Ihr schönes Stollenprofil bietet tatsächlich viel Traktion. Nach schlammigen Passagen reinigt sich das Negativprofil auf trockenem Untergrund rasch wieder von allein.
Und diese Grobstöller haften selbst auf klatschnassem kaltem Asphalt klasse. Kompliment für die speziell auf die Desert Sled abgestimmten Pirelli-Reifen Scorpion Rally STR: Ihr schönes Stollenprofil bietet on- wie offroad reichlich Traktion.
Besondere Editionen und Modelle
An der Sonderlackierung und einer Aluminiumplakette am Rahmen ist die limitierte Fasthouse zu erkennen. Vom Standard-Modell unterscheidet sich die Fasthouse durch einen speziellen Sitz mit rutschhemmendem Bezug.
Der Rahmen der Sonderserie ist in Ducati-Rot lackiert und trägt eine Aluminiumplakette mit fortlaufender Nummer. Diese Lackierung greift das Design der siegreichen Rennmaschine auf, die an der Mint 400 teilnahm.
Den mattschwarzen Tank mit grauen Zierstreifen ziert das Fasthouse-Logo. Passend zum Offroad-Thema rollt die Ducati auf Speichenfelgen.
Ducati Scrambler Modelle im Vergleich
Ducati Scrambler ist nicht gleich Ducati Scrambler, die Italiener haben ein umfangreiches Sortiment an Scramblern aufgebaut, das nahezu alle Wünsche der Fans dieser Retro-Bikes abdeckt.
Die Icon ist aktuell die Basis in der Welt der Scrambler und muss abgesehen vom Kurven-ABS (ganz großes Lob an Ducati, dass bereits die Icon dieses sicherheitsrelevante Feature besitzt!) auf jeglichen Firlefanz verzichten.
Der Name sagt schon viel über die Scrambler Nightshift aus - eine Nachtschicht muss für Ducati offenbar düster und verwegen sein! Und obwohl sich die Nightshift grundlegende Komponenten wie Motor, Chassis und Bereifung mit der Icon teilt, haben es die Italiener tatsächlich geschafft, mit dem tiefer positionierten und schmäleren Lenker eine völlig andere Sitzposition zu schaffen - und damit auch ein anderes Fahrgefühl.
Mit der Desert Sled bekommt die Icon vor allem in Sachen Offroad eine mehr als ernst zu nehmende Konkurrentin, die Nightshift ist ja ohnehin ganz stark auf den Straßenbetrieb ausgelegt.
Wenn wahre Performance am Programm stehen soll, dann führt kein Weg an der Scrambler 1100 Sport Pro vorbei. Damit funktioniert natürlich eine sportliche Fahrweise weitaus besser und die Doppelscheibenbremse mit 320er-Scheiben und radial montierten Brembo M4.32er-Sätteln bringt richtig viel Performance ins Spiel. Das Tüpfelchen auf dem i beschert das voll verstellbare Öhlins-Fahrwerk, klarerweise in herrlichem Gold gehalten, das für mein Empfinden fast schon zu viel des Guten auf einem Scrambler darstellt.
Vergleich der Ducati Scrambler Modelle
| Modell | Motor | Leistung | Federweg (vorne/hinten) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Icon | 803 ccm V2 | 73 PS | 150 mm / 150 mm | Kurven-ABS, puristisches Design |
| Nightshift | 803 ccm V2 | 73 PS | 150 mm / 150 mm | tiefer Lenker, Cafe Racer-Stil |
| Desert Sled | 803 ccm V2 | 73 PS | 200 mm / 200 mm | Offroad-Modus, Pirelli Scorpion STR Reifen |
| 1100 Sport Pro | 1079 ccm V2 | 86 PS | - | Öhlins-Fahrwerk, Brembo-Bremsen |
Verwandte Beiträge:
- Ducati Supersport 950: Leistung, Daten & Testbericht
- Ducati Supersport 950 S 35 kW: Test, Daten & Fakten
- Ducati Monster Buch: Geschichte, Modelle & Pflege
- Ducati Monster 696 Sozius: Anbau, Komfort & Sicherheit
- Fahrradversand leicht gemacht: Die besten Tipps zu Verpackung, Service & Kosten!
- Motorrad mieten Albanien: Abenteuer auf zwei Rädern erleben
Kommentar schreiben