Die Ducati Desmosedici GP ist ein hochmodernes MotoGP-Rennmotorrad, das für seine Leistung, Innovationen und sein einzigartiges Design bekannt ist. Seit dem MotoGP-Einstieg in der Saison 2003 vertraut Ducati auf das V4-Konzept.
Die Enthüllung des Desmosedici Stradale Motors
Am 5. September 2017 präsentierte Ducati den neuen 90-Grad-V4-Motor, der auf den Erfahrungen aus der MotoGP basiert. Die offizielle Enthüllung fand in Misano im Rahmen des San Marino und Rimini Riviera GP statt. Claudio Domenicali, CEO der Ducati Motor Holding, betonte, dass dieser Motor den Beginn eines neuen Kapitels für die Marke markiert und das unerschütterliche Bemühen um Investitionen in neue Produkte unterstreicht.
Der Desmosedici Stradale wurde sowohl für Rennstrecken als auch für den öffentlichen Straßenverkehr entwickelt. Für ein besonders gutes Durchzugsvermögen im mittleren Drehzahlbereich und ein kräftiges Drehmoment mit satter Leistung schon im Drehzahlkeller, weist der Antrieb einen etwas größeren Hubraum als sein MotoGP-Pendant auf (exakt 1103 cm³). Die Entwicklung einer R-Version mit weniger als 1000 cm3 Hubraum ist bereits weit fortgeschritten. Diese Version wird höher drehen und stärker auf Rennstreckenbetrieb ausgerichtet sein.
Technische Merkmale des Desmosedici Stradale Motors
Ein Motor in 90-Grad-V4-Konfiguration baut besonders kompakt, ermöglicht eine gute Massenzentralisierung und erleichtert die Integration ins Motorrad. Der Desmosedici Stradale ist um 42 Grad nach hinten geneigt, wie die von Ducati in der MotoGP eingesetzten Triebwerken. Wie in der MotoGP weist die Zylinderbohrung einen Durchmesser von 81 mm auf. Dieses Maß entspricht den im MotoGP-Reglement festgelegten Maximum; zugleich markiert es die größte Bohrung im Vierzylinder-Supersportsegment.
Wie bei den Ducati-Rennmotorrädern rotiert die Kurbelwelle des Desmosedici Stradale gegenläufig zur Drehrichtung der Räder. Der Hubzapfenversatz der Kurbelwelle beträgt 70 Grad wie bei der Desmosedici GP und erzeugt wie dort eine „Twin Pulse“ Zündfolge mit besonders gut kontrollierbarer Leistungsentfaltung und optimierter Traktion am Kurvenausgang (“Big Bang” Effekt).
Desmodromik und weitere Innovationen
Die Erwähnung der Desmodromik, ein unverkennbares Merkmal, das die Ducati Prototypen zu den schnellsten Motorrädern der MotoGP macht, erscheint fast überflüssig. Variable Ansaugtrichter bedeuten eine weitere Premiere für ein Ducati Serienmotorrad. Diese sorgen für eine spürbar bessere Leistungsentfaltung und somit auch leichtere Leistungsdosierung.
Während die Konkurrenz die Ventile pneumatisch steuert, hat Ducati die hauseigene mechanische Lösung perfektioniert und baut laut Insidern den stärksten Motor im Feld. Offiziell wird die Leistung der Desmosedici mit "über 250 PS" angegeben. Neben dem einzigartigen Motor verfügt Ducati über weitere Innovationen. Im Bereich der Aerodynamik war Ducati in den zurückliegenden Jahren eine Inspiration für alle anderen Hersteller.
Die Farben der Saison 2023
Ducati hat als zweiter Hersteller der MotoGP die Farben für die Saison 2023 präsentiert. Bei einem gemeinsamen Launch mit dem WSBK-Projekt enthüllte Champion Francesco "Pecco" Bagnaia die Desmosedici mit der Startnummer 1. Während das Superbike in der finalen Version gezeigt wurde, dürfte es beim MotoGP-Prototyp bei den Wintertests noch die eine oder andere Änderung geben. Am grundlegenden Konzept der Desmosedici will Ducati aber festhalten.
Das Ducati Lenovo Team 2022
Das Ducati Lenovo Team hat offiziell seine neue Rennsaison eröffnet und das Team vorgestellt, das 2022 an der MotoGP-Weltmeisterschaft teilnehmen wird. Es ist die 20. Saison für das Team, das in Borgo Panigale zuhause ist. Nachdem man letztes Jahr sowohl die Team-, als auch die Konstrukteurswertung gewonnen hat, will man 2022 endlich auch wieder einen Ducati Fahrer ganz oben stehen sehen.
Zum ersten Mal seit ihrem Eintritt in die MotoGP werden die Desmosedici GP-Maschinen laut Ducati im ikonischen Ducati-Rot lackiert - die gleichen Farbe, die auch auf Serienmotorräder des Herstellers aus Borgo Panigale verwendet wird.
Die Panigale V4 als Basis
Die neue Ducati Panigale V4 Modelljahr 2018 ist ein faszinierendes Motorrad. Die Panigale V4 S bietet eine hochwertigere Ausstattung als die normale V4. Wesentlicher Unterscheid: Das semiaktive Smart EC 2.0 Öhlins Fahrwerk. Der V4 Motor hat einen 90 Grad Zylinderwinkel, eine desmodromische Ventilsteuerung und wie auch die Desmosedici GP eine Bohrung von 81mm. Bei der Paniale V4 kommt jedoch ein längerer Hub zum Einsatz.
Die Eckdaten der Panigale V4 lassen die Mitbewerber andächtig in die Knie sinken. 214 PS bei 13.000 U/min stehen an. Ducati ist jedoch nicht nur auf die nackten Leistungsdaten stolz. Auch die langen Serviceintervalle werden stolz betont. Der absolute Überknaller ist aber die Panigale V4 Speciale. Dort stehen dank der Akrapovic Komplettanlage aus Titan 226 PS an. Um das Gesamtgewicht niedrig zu halten, hat Ducati ein neues Rahmenkonzept zum Einsatz gebracht.
Die Vorteile des V4-Motors
Jetzt wo Ducati den V4 einsetzt, ist er laut den Ducati Presseunterlagen auch das beste Motorformat. Verglichen mit einem Vierzylinder Reihenmotor ist ein V4 Motor kompakter. Zur Gewichtsreduzierung sind alle Gehäusedeckel aus Magnesiumlegierung gefertigt.
Üblicherweise rotiert die Kurbelwelle bei Serienmotorrädern in der gleichen Richtung wie die Laufräder. In der MotoGP dominieren stattdessen in entgegengesetzter Richtung laufende Kurbelwellen, weil sie zwei Aspekte der Fahrdynamik positiv beeinflussen: die gyroskopische Wirkung und die Massenträgheitskräfte.
Eine gegenläufig rotierende Kurbelwelle gleicht einen Teil der durch die rollenden Räder entstehenden stabilisierenden Kreiselkräfte aus. Der zweite Vorteil betrifft die Massenträgheit des gesamten Motorrades und der rotierenden Motorenbauteile. Beim Beschleunigen wirkt das Antriebsdrehmoment einer herkömmlich drehenden Kurbelwelle nach unten und verursacht dadurch ein leicht abhebendes Vorderrad. Die rückwärts drehende Kurbelwelle produziert dagegen eine gegenläufige Kraft, die die Front des Motorrades nach unten zwingt und dadurch die Wheelie- Tendenz reduziert. Dies kommt dem Beschleunigungsvermögen zugute.
Analog agiert das Motorrad im umgekehrten Falle: Beim harten Bremsen neigt das Hinterrad zum Abheben. Weil die Kurbelwelle selbst ebenfalls abbremst, ihre Umdrehungszahl also sinkt, wird wiederum eine entgegengesetzte Kraft erzeugt, die einem steigenden Hinterrad entgegenwirkt.
Natürlich erfordert diese Bauart eine zusätzliche Zwischenwelle (Umkehrwelle), damit sich Getriebe und Hinterrad in der richtigen Drehrichtung, also vorwärts, bewegen. Ein 90-Grad-V4-Motor mit einem Hupzapfenversatz von 70 Grad erzeugt eine Twin Pulse-Zündfolge, die der Arbeitsweise eines doppelten Zweizylinders entspricht. Die Besonderheit ergibt sich dadurch, dass die beiden linken wie auch die beiden rechten Zylinder nahezu zeitgleich zünden: bei 0 Grad, 90 Grad, 290 Grad und 380 Grad.
Der Desmosedici Stradale saugt sein Gemisch durch vier ovale (entsprechen 52 mm Durchmesser) Drosselklappenkörper an, die erstmals bei Ducati mit variablen Ansaugtrichtern versehen sind. Jeder Drosselklappenkörper ist mit zwei Einspritzdüsen ausgerüstet: Die erste sitzt unter der Drosselklappe und sorgt bei niedrigeren Lastanforderrungen für das richtige Gemisch, während die zweite oberhalb der Drosselklappe zusätzlich angesteuert wird, wenn Höchstleistung gefordert ist.
Angesichts der möglichen hohen Drehzahlen des V4 und der Größe der Ventile wäre eine herkömmliche Ventilbetätigung mit Federn laut Ducati überfordert die Ventile könnten den Vorgaben der steilen Nockenprofile nicht folgen. Hier wird eine desmodromische Zwangssteuerung unumgänglich. Das Desmo-System schließt die Ventile drehzahlunabhängig mechanisch genauso akkurat, wie es sie öffnet.
Die Nockenwellen werden von zwei leisen Steuerketten bedient. An der vorderen Zylinderbank treibt die Steuerkette die Einlassnockenwelle an, die ihrerseits die Auslassnockenwelle über ein Zahnradpaar antreibt (Ketten-Zahnrad-Hybridantrieb). An der hinteren Zylinderbank treibt die Steuerkette dagegen die Auslassnockenwelle an, die ihrerseits die Einlassnockenwelle steuert. Diese Lösung minimiert Kraftverluste und verbessert die Performance und Zuverlässigkeit.
An der vorderen Zylinderbank läuft die Steuerkette auf der rechten Motorseite, angetrieben von der Kurbelwelle über ein Zahnrad, das auf das Primärzahnrad greift. Der Nockenwellenantrieb der hinteren Zylinderbank befindet sich auf der linken Motorseite und wird von einem Zahnrad auf der Kurbelwelle angetrieben.
Die Zukunft des V4-Motors
Der 1100er Motor in der neuen V4 Motor ist ja eigentlich nur ein Aggregat für eine Straßenmaschine. Die Basis für das neue Superbike folgt kommende Saison. Dieses Aggregat wird dann klarerweise 1000 ccm Hubraum bieten. Das neue Aggregat wird insgesamt natürlich einen ähnlichen Aufbau haben. Die Bohrung bleibt gleich, der Hub geht runter und die Drehzahlen werden rauf gehen. Möglich sollen das dann auch Titanventile machen.
Technische Daten der Ducati Desmosedici MotoGP-Rennmaschine
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten technischen Daten der Ducati Desmosedici MotoGP-Rennmaschine zusammen:
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Motor | wassergekühlter 90-Grad-V4-Motor mit asymmetrischem Zündversatz (Big Bang) |
| Ventile | vier desmodromisch betätigte Ventile pro Zylinder |
| Motormanagement | elektronisches Motormanagement mit Schlupfregelung und Anti-Wheelie-Kontrolle |
| Primärtrieb | 22/55 Zähne |
| Kupplung | Anti-Hopping-Kupplung |
| Getriebe | Sechsgang-Kassettengetriebe mit Schaltautomat |
| Sekundärantrieb | 16/38 Zähne |
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