Seit 5 Jahren bereichert Ducati unser Straßenbild mit dem Muscle Bike Diavel. Ganze Gruppen trifft man in Alpen oder am Gardasee mit ihren mächtigen Geräten, was irgendwie immer wieder beeindruckend ist.
Einleitung
Cruisen und Ducati - geht das überhaupt? Kennt man doch von den Italienern nur dynamische und übersprotliche Bikes, bei denen Low-Speed nur zum Verlassen der Stadt oder Boxengasse angedacht ist. Die Roten aus Bologna möchten aber weiter wachsen und so ist es naheliegend, den extrem großen Cruiser Markt zu erschließen. Die italienischen Ingenieure und Designer entwickelten mit der XDiavel ein komplett neues Bike, welches mit der Diavel bis auf den Namensbestandteil nicht mehr viel zu tun hat.
Motor und Leistung
Kern ist sicher das wunderschön verarbeitete Testastretta DVT 1262ccm V2-Aggregat mit seinen 156 Pferdestärken und mächtigen 129 Newtonmeter bei 5.000 Touren (im Vergleich, die Diavel hat ihr maximales Drehmoment erst bei knapp 8.000 Touren), das cruisertypisch in einen relativ kurzen aber mächtigen Gitterrohrrahmen verbaut wurde und seine Kraft per wartungsarmen Zahnriemenantrieb überträgt.
Die XDiavel V4 ist mit dem Granturismo V4-Motor mit 1.158 cm³ Hubraum ausgestattet, einer technischen Lösung, die für Performance, Dynamik und Fahrspaß steht. Der 1.158 cm³ große Granturismo V4-Motor setzt Maßstäbe in seiner Klasse. Mit einer Leistung von 168 PS und einem Drehmoment von 126 Nm kombiniert er ein sehr lineares Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen mit einem kräftigen Drehmoment über den gesamten Leistungsbereich. Leistungsstark (168 PS), reich an Drehmoment bei allen Drehzahlen (mit einem Spitzenwert von 126 Nm bei 7.500 U/min, 2 Nm mehr als bei der Multistrada V4), aber auch extrem leicht und kompakt, ist der Granturismo V4 (der vom Desmosedici Stradale der Panigale V4 und Streetfighter V4 abstammt) gleichzeitig kräftig, linear und auch bei niedrigsten Drehzahlen gut nutzbar.
Design und Ergonomie
Dazu gibt es ein kurzes Heck, welches quasi auf Höhe der Hinterradachse endet, was bei einem Radstand von 1.615 Millimetern, einer Sitzhöhe von 755 Millimetern und einem abgeflachten Lenkkopfwinkel von 30 Grad, eine megacoole Cruiseroptik entstehen lässt. Die Silhouette ist Ducati-typisch sexy gezeichnet mit einem dominierenden muskulär und tropfenförmigen erscheinenden Tank. Ergonomisch ist die XDiavel ein Traum und bietet selbst bei 193 Zentimetern Körpergröße reichlich Raum und das Gefühl auf dem richtigen Platz zu sitzen. So kann man die Fußrasten in 4 unterschiedlichen Positionen und die Lenkerenden in 3 Stellungen montieren. Dazu bietet Ducati 5 verschiedene Sitzbänke an, was in Summe 60 Kombinationen an Einstellungen ergibt.
Die niedrige und entspannte Sitzposition bietet dem Fahrer eine gute Kontrolle. Der Komfort ist dank der Hinterradfederung mit einem um 25 mm größeren Federweg als bei der XDiavel 1260 und vor allem dank des breiten und dickeren Sitzes deutlich verbessert. Auch der Sozius kann sich auf einen geräumigeren (+30% in der Breite, +50% in der Länge) und komfortableren (+25 mm dick) Sitz sowie auf einen serienmäßigen hinteren Haltegriff verlassen.
Entspannte Ergonomie: Breiter Lenker, tiefer Sitz (770 mm Sitzhöhe), Füße locker nach vorne ausgestreckt - dennoch sieht die XDiavel V4 nicht aus wie ein x-beliebiger Cruiser.
Fahrmodi und Fahrerlebnis
Wer nun aber denkt, dass Ducati ein unsportliches Gerät hingestellt hat, das rein zum dahintuckern taugt, hat sich mächtig getäuscht! Die XDiavel besitzt 3 unterschiedliche Fahrmodi: Urban, Touring und Sport, die sich im Grunde schnell und direkt am Lenker über einen Knopf wechseln lassen. So cruist man im Urban-Modus mit maximal 100 Pferdestärken entspannt dahin, der Motor geht weich ans Gas und die Leistungsentfaltung erfolgt soft - man gleitet förmlich dahin und geniest die Natur. Wählt man den Sport-Modus, so erlebt man ein explosives, hart ans Gas gehendes Monster, das bereits bei 3.000 Touren 100 Newtonmeter über den mächtigen 240-iger Pirelli Diablo Rosso II auf den Asphalt überträgt und einen quasi zwingt die maximale Schräglage von 40 Grad auszunützen.
Für ganz Mutige gibt es eine Ducati Power Launch Control (DPL), mit deren Hilfe Traktion und Wheelie-Verhalten optimal aus dem Stand gesteuert wird und man so den Kavalierstart problemlos hinbekommt. Geregelt werden diese ganzen Einstellungen mit Hilfe der Bosch Inertial Measurment Unit (IMU) und unzähligen Sensoren für Längs-, Quer- und Vertikalbeschleunigung sowie Messung der Gier- und Rollrate des Bikes.
Allerdings fühlt sich der desmodromisch gesteuerte V2 unter 3.000 Touren nicht so wirklich wohl, da ruckelt es doch mächtig in ihm und man spürt, dass der Testastretta eben aus dem drehzahlfreudigen Sportbereich stammt. Möchte man sich nun wieder etwas entspannen, so schaltet man die perfekt bedienbaren Ducati Cruise Control (DCC) - im Volksmund auch Tempomat genannt - ein und kann nun bequem per Wippe beschleunigen oder die Geschwindigkeit reduzieren. Leider fehlt für den perfekten Cruising-Modus ein Doppelkupplungsgetriebe oder wenigstens ein Schaltassistenten der heut zu Tage doch Standard sein sollte.
Die Art und Weise, wie sich die XDiavel V4 in Bewegung setzt, bleibt in Erinnerung. Untenrum minimal ruppig, zieht sie ab 2.000 Touren mit einem sagenhaften Bums davon - und dreht und dreht und dreht, wenn man es darauf anlegt. Bei 7.500 Umdrehungen pro Minute ist das maximale Drehmoment erreicht. Und damit auch der ideale Punkt zum Schalten. Die immerhin 245 Kilogramm mit vollem Tank lösen sich dabei in Luft auf. Faszinierend.
Fahrwerk und Bremsen
Sicherheitstechnisch ist die XDiavel hervorragend ausgestattet. So hat man der XDiavel radial montierte Monobloc M4-32 Brembo Bremszangen verpasst und der XDiavel S sogar die M50 Stopper der 1299 Panigale, was bei ambitionierter Fahrweise die fahrfertige und vollgetankten 247 Kilogramm mal so richtig verzögern. Fahrwerksseitig wurde tolle Arbeit geleistet. So liegt die XDiavel satt auf der Straße und bügelt jede Welle hervorragend darnieder. Man muss zwar an dem breiten exzellent positionierten Rohrlenker das ein oder andere Mal in Schräglage nachdrücken, dies ist jedoch nur bei sportlicher Fahrweise von Nöten. Das Mono-Federbein hinten könnte im Cruisingmodus vielleicht etwas weicher abgestimmt sein und so gerade bei Querrillen etwas mehr Komfort bieten, dafür ist die mächtige voll verstellbare 50 Millimeter Marziocchi-Gabel ein Garant für direkte Rückmeldung vom Vorderrad.
Das Bremssystem mit 330 mm großen Scheiben und Brembo Stylema®-Bremssätteln sorgt für rekordverdächtige Verzögerungen mit bis zu 11,5 m/s². Ein Wert, der im Allgemeinen nur von Rennmotorrädern erreicht wird und der nur dank einer sehr raffinierten Kalibrierung des ABS-Systems ermöglicht werden kann, was der Fahrsicherheit unter allen Bedingungen zugutekommt.
Elektronik und Ausstattung
Das bietet die Ducati XDiavel V4 Das volle Paket. Sicherheits-Features wie vier Riding Modes, drei Powermodes, Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Wheelie Control, Notbremssignal und auffälliges Tagfahrlicht, dazu ein sehr stylisches, hervorragend ablesbares 6,9-Zoll-TFT-Farbdisplay im 8:3-Smartphone-Format, Quickshifter, beleuchtete Bedienelemente, Multimedia-System mit Turn-by-Turn-Navigation, dynamische Blinker (jetzt seitlich am riesigen Tank), Voll-LED-Scheinwerfer und Tempomat. Alles drin, alles dran - bis auf Heizgriffe.
Der Fahrer kann alle elektronischen Systeme über die beleuchteten Bedienelemente am Lenker und das neue 6,9 Zoll große TFT-Farbdisplay mit einem Seitenverhältnis von 8:3 steuern, das erstmals bei der Panigale V4 eingeführt wurde. Das Display bietet außerdem Bluetooth-Konnektivität, um das Smartphone für Anrufe, Textnachrichten und Musik zu koppeln oder das Turn-by-Turn-Navigationssystem (als Zubehör erhältlich) über die Ducati Link App zu nutzen. Die Optical Bonding-Technologie gewährleistet auch bei Tag eine optimale Ablesbarkeit.
Versionen und Preise
In der Basisversion kostet die XDiavel 19.890 Euro. Der Unterschied ist eher in der Optik zu finden. So hat die S mit ihrem geschmiedeten, gefrästen und polierten Felgen im Turbinen-Design einen absoluten Eyecatcher. Montiert ist das mächtige Hinterrad an einer gebürsteten Einarmschwinge im Alu-Look, wobei mir persönlich die matt schwarze der Standardversion besser gefällt. Dazu kommt noch eine gefräste und polierte Aluminium-Zahnriemenabdeckung sowie Aluminium Rückspiegel. Für einen weiteren Blickfang sorgen die überfrästen Motorenseitenteile und das LED-Tagfahrlicht Daylight Running Light (DLR). Wer also noch mehr mit den Augen an seiner Ducati kleben und die sportlichere Gabel sowie Bremsanlage nutzen möchte, der sollte den Mehrpreis unbedingt investieren.
Die neuen Lackfarben Burning Red und Black Lava (300,-- Euro Aufpreis) passen zu solchen Aktionen wie die Faust aufs Auge, machen aber auch vor einem 5-Sterne-Hotel mächtig was her.
Rückrufaktion
Der Grund für den Rückruf sind 6 "potenzielle Sicherheitsfälle", die das KBA nennt. Bei der Ducati XDiavel kann sich die unter Umständen fehlerhaft montierte Rückenlehne lockern und im Extremfall brechen.
Das KBA nennt in seinem Rückruf 16.251 potenziell betroffenen XDiavel weltweit, 1.727 Stück davon sind in Deutschland vom Rückruf betroffen. Der Rückruf betrifft Modelle des kompletten Produktionszeitraums zwischen 2015 und 2023. Der vom KBA überwachte Rückruf enthält das Überprüfen der Halterung und den Austausch falsch montierter und/oder beschädigter Rückenlehnen.
Zusätzlich wird ein Warnaufkleber angebracht, der wohl warnen soll, die Rückenlehne nicht als Rückenlehne zu nutzen, sondern sich zusätzlich am Fahrer oder dem Halteriemen festzuhalten. Fahrer einer XDiavel sollen sich laut KBA mit ihrem Vertragshändler oder dem Hersteller in Verbindung setzen.
Zubehör
Enthusiasten, die die Touring-Fähigkeiten ihrer XDiavel V4 verbessern möchten, finden im Katalog von Ducati Performance zahlreiche Optionen, angefangen bei den halbstarren Koffern mit einem Gesamtvolumen von 48 Litern. Diese Lösung harmoniert dank der zum Motorrad passenden Lackierung perfekt mit der XDiavel V4. Sie werden zusammen mit der Sozius-Rückenlehne, dem Zusatzscheinwerfer und den integrierten seitlichen Griffen montiert und ermöglichen so eine komfortable Fahrt auch zu zweit. Der Komfort kann noch weiter erhöht werden, indem man das optionale Windschild verwendet, das in der Touring-Version für mehr Windschutz oder in der Sport-Version für einen aggressiveren Look angeboten wird.
Größere Fahrer können die Ergonomie der XDiavel V4 verbessern, indem sie den Komfortsitz wählen, der sich durch eine größere Schaumstoffdicke (+15 mm) und eine andere Form des hinteren Bereichs auszeichnet. Der Komfortsitz ist nicht nur bequemer für größere Fahrer, sondern auch mit einem hochwertigeren Bezug ausgestattet. Für diejenigen, welche eine niedrige Sitzposition auf der XDiavel bevorzugen, bietet der Zubehörkatalog auch einen um 15 mm abgesenkten Sitz. Die sportliche Seite der XDiavel V4 wird durch den zugelassenen Schalldämpfer mit vier Titan-Endkappen sowie durch die einteilige Heckverkleidung, die anstelle des Soziussitzes montiert werden kann, weiter verstärkt.
Das Sportpaket wurde entwickelt, um den muskulösen Charakter der Diavel V4 zu betonen. Das Zubehör umfasst zum Beispiel einen Tankdeckel aus Billet-Aluminium, der mit einem Anti-Manipulations-System ausgestattet ist und durch hochwertige Eloxierung sein ursprüngliches Aussehen behält. Das Stilpaket umfasst eine Kohlefaser-Heckabdeckung sowie eine Reihe von Ducati-by-Rizoma-Accessoires, wie beispielsweise Hebel, Spiegel, Brems- und Kupplungsflüssigkeitsbehälterabdeckungen sowie Öleinfüllverschluss aus Billet-Aluminium. Das Touringpaket ist ideal für Langstreckenfahrer. Es verfügt über beheizbare Griffe, halbstarre Seitenkoffer und eine Rückenlehne für den Beifahrer, um den Komfort auf langen Fahrten zu maximieren. Die Seitenkoffer sind wasserdicht und können einfach mit integrierten Halterungen befestigt werden.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Motor | Granturismo V4, 1.158 cm³ |
| Leistung | 168 PS |
| Drehmoment | 126 Nm bei 7.500 U/min |
| Trockengewicht | 229 kg |
| Sitzhöhe | 770 mm |
| Radstand | 1.615 mm |
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