Ducati Hypermotard 698 Mono Test: Ein Volltreffer im Supermoto-Segment?

Ducati rollt für die Saison 2024 die erste hauseigene Supermoto an den Start. Mit dem stärksten serienmäßigen Einzylinder der Welt und einem umfangreichen Elektronikpaket will sie sportlich ambitionierte Fahrer überzeugen. Die Klasse der performanten Supermotos mit Straßenzulassung wurde von der KTM Gruppe regiert - bis jetzt! Denn bereits beim ersten Test auf der Kart-Rennstrecke konnte die neue SuMo aus Italien bereits auf ganzer Länge überzeugen.

Der Motor: Ein Meisterwerk der Technik

Einzylindermotoren als Viertakter sind in ihrer Reduziertheit sehr interessant. Sie zünden nur alle 720°, ein Arbeitstakt muss also schon im Leerlauf genug Schwung liefern für zwei volle Kurbelwellenumdrehungen plus die Überwindung der Verdichtung für den nächsten Arbeitstakt. Früher fand man daher viele Eintöpfe, die das mit geringer Verdichtung und hohen Schwungmassen lösten.

Um KTM bei der Nennleistung zu schlagen, hat Ducati über einen Zentimeter mehr Bohrung (116 zu 105 mm) und dafür fast zwei Zentimeter weniger Hub (62 gegenüber 80 mm) gebaut, als der KTM-Motor in der SMC-R hat, der auch in den Pendants der Konzernmarken Husqvarna und GasGas zum Einsatz kommt. Damit dreht der große Einzylinder aus Bologna fünfstellig bis 10.250/min. Drehzahl befreit.

Der 659 ccm Superquadro Mono leistet 77,5 PS bei 9.750 Umdrehungen und ein Drehmoment von 63 Nm bei 8.000 U/min. Damit ist er der leistungsstärkste Einzylinder, der aktuell in einem straßenzugelassenen Motorrad angeboten wird. Während Einzylinder mit solch hoher Kubatur oft wie ruppige und eher landwirtschaftliche Aggregate wirken können, versprüht der Ducati Einzylinder Eleganz und sportliche Potenz.

Ducati hat die Motorcharakteristik aber nicht irgendwie schlecht hinbekommen, sondern sehr gut. Beim Umstieg von meiner Duke auf die Hypermotard dachte ich: "Huch, das funktioniert gleich glatter als bei der Duke!" Mit zwei Metallfarben und schönen Formteilen für die Sichtflächen auch optisch sehr gelungen, der neue Einzylinder. Technisch ein Meisterwerk.

Leistungsdaten im Überblick

Merkmal Wert
Hubraum 659 ccm
Leistung 77,5 PS bei 9.750 U/min
Drehmoment 63 Nm bei 8.000 U/min
Maximale Drehzahl 10.250 U/min

Fahrgefühl und Handling

Das Erleben der Hypermotard Mono dreht sich primär um zwei Dinge: Das geringe Gewicht im leichten Chassis und den hochdrehenden Einzylinder. Ducati serviert diesen Motor in der Hypermotard Mono mit einem Kurzhubgasgriff, in den ich mich unmittelbar verliebte. Ducati wusste, dass ihr drehzahlgeiler Motor in diesem Spaßkonzept einen kurzhubigen Sportgasgriff braucht.

Mit absoluter Präzision lässt sich die Ducati durch die Kurven wedeln und gibt dabei klares Feedback zum Untergrund. Das für Supermotos typische nervöse Fahrverhalten bringt auch die Hypermotard 698 Mono mit, gibt dabei aber niemals das Gefühl der Instabilität.

Am besten hat mir aber gefallen, dass die Mono leicht zu lernen und schwierig zu meistern ist. Für ein Motorrad, das ich länger fahren will (und das betrifft die Ducati als potenziellen Duke-Nachfolger), frage ich mich immer: Was kann mir diese Maschine beibringen und wie schnell lerne ich das? Die Ducati Mono ist kinderleicht zu fahren, aber wenn du sie meistern willst, bist du ein Leben lang beschäftigt.

Fahrwerkskomponenten und Bremsen

Das Fahrwerk unten vermittelt so viel Vertrauen, dass man die Duc über die typischen kleinen Rutscher von Alpenstraßen einfach machen lässt, Puls konstant. Wenn es einen fünf Zentimeter breiten Weg zwischen Schmelzwasser und Kuhfladen gibt, dann schaust du den an und das telepathische Fahrwerk zieht genau da durch, geschoben vom Motor, der per E-Gas ebenfalls pseudotelepathisch weiß, was du willst.

An der Vorderseite der Mono gewährleistet eine Brembo-Bremsanlage mit radialer Pumpe, einem einstellbaren Hebel, einem M4.32-Sattel und einer imposanten 330-mm-Einzelscheibe optimale Verzögerung. Speziell von Brembo für dieses Modell entwickelt, bietet sie erstklassige Bremsleistung.

Elektronik und Ausstattung

Die Fahrhilfen helfen dabei je nach Einstellung sogar beim leichten Drift, fangen den Wheelie vor dem Überschlag ein oder lassen sich für lehrreiche Experimente abschalten. Die Ducati Hypermotard 698 Mono verfügt über vier Riding Modes (Sport, Road, Urban und Wet), denen jeweils ein vom Fahrer einstellbarer Power Mode (3 Stufen verfügbar) sowie DTC, EBC und ABS zugeordnet sind.

Die weitere elektronische Ausstattung der Ducati Hypermotard 698 Mono umfasst eine vierstufig einstellbare Traktions- mit separater, ebenfalls vierstufiger Wheeliekontrolle, eine dreifach justable Motorbremse, die ebenfalls dreistufige Launch-Kontrolle sowie drei Power-Modi, die das Verhältnis von Drehwinkel des Gasgriffs zur Drosselklappenöffnung variieren (der niedrigste drosselt die Spitzenleistung auf 58,5 PS).

Die Justage der einzelnen Assistenten kann in allen vier Fahrmodi (Sport, Road, Urban, Rain) angepasst werden. Im kleinen 3,8-Zoll-LC-Display gelingt das schnell und einfach, denn die Navigation über die Schalter auf der linken Lenkerseite ist intuitiv. Kleines Manko: Wer beim Deaktivieren des Blinkers den Blinkerschalter mehr als einmal betätigt, nullt den angezeigten Tageskilometerzähler unabsichtlich. Unpraktisch, besonders weil es keine Tankanzeige gibt.

Alltagstauglichkeit und Verbrauch

Zum herrlichen Fahren kommt eine gewisse Alltagstauglichkeit. Der Motor verbraucht beim in der Gruppe dahinrollen vierkomma Liter auf 100 km. Erst beim allein Angasen steigt der Verbrauch über die Fünf, ähnlich übrigens wie beim KTM-Motor.

Der Benzinstand ist es jedenfalls nicht. Dann lieber ohne. Wenn bei der Ducati die Reservelampe angeht, sind noch locker 2,5 Liter im Tank, die für ganz gemütliche Tankstellensuche reichen.

Preis und Verfügbarkeit

Die Ducati Hypermotard 698 Mono kostet ab 12.390 Euro. In der RVE-Ausstattung, die neben dem coolen Design auch den Quickshifter serienmäßig mitbringt konnten wir sie nun auf herrlichen Landstraßen testen.

Der Preis für die Hypermotard 698 Mono liegt in Deutschland bei 12.390 Euro, die RVE-Variante bei 13.390 Euro. In der Schweiz kostet die Hypermotard 698 Mono 13'290 CHF, die RVE 14'290 CHF.

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