Ducati Königswelle Rahmen Merkmale

Die Geschichte von Ducati ist untrennbar mit dem Namen Fabio Taglioni verbunden. Er war maßgeblich am weltweiten Ruhm der italienischen Edelschmiede beteiligt. Ducati und Taglioni waren unzertrennlich. Von 1954 bis 1982 beeinflusste Fabio Taglioni maßgeblich die technische Entwicklung im Ducati-Werk. In dieser Zeit konstruierte der geniale Techniker über 1000 Motoren. Sein Einfallsreichtum reichte vom Einzylinder-Diesel-Aggregat bis zum gewaltigen 1200er Vierzylinder-V-Motor.

Anfangs, in den 1950er und 1960er Jahren, erzielte das italienische Werk mit seinen legendären Einzylinder Königswellen Maschinen mit desmodromischer Ventilsteuerung bei nationalen und internationalen Rennen zahlreiche Erfolge.

Ducati 900 Super Sport mit Königswelle

1975 wurde die Ducati 900 Super Sport (kurz: 900 SS) mit Königswellenantrieb als straßenzugelassene Weiterentwicklung der 750 SS vorgestellt. Sie basiert auf dem 864 cm³ großen 90°-V-Twin mit desmodromischer Ventilsteuerung und Königswellenantrieb (ital. "albero a camme a coppie coniche").

Baujahre und Merkmale

  • Baujahr 1975 - Einführung der Ducati 900 Super Sport mit Königswelle:

    Die erste Serie von 1975 ist stark an die Rennmaschine von Paul Smart angelehnt und wird in sehr geringer Stückzahl (ca. 246 Einheiten) produziert. Sie besitzt einen unverkleideten Tank aus Aluminium, einen Einzelsitz, einen offenen Conti-Auspuff, Dell’Orto PHM 40 mm-Vergaser und eine Doppelscheibenbremse vorne. Die Maschine ist ausschließlich für den Solobetrieb ausgelegt.

  • Baujahr 1976-1978 - Serienproduktion und Straßenzulassung:

    Ab 1976 beginnt die reguläre Serienproduktion der 900 SS Königswelle. Die Modelle erhalten nun einen Stahltank, eine Halbschalenverkleidung und serienmäßige Blinker zur Erfüllung der Zulassungsvorschriften. Die Sitzbank bleibt sportlich und auf Einzelfahrerbetrieb ausgelegt. Die Vergaser bleiben bei Dell’Orto PHM 40, die Auspuffanlage wird jedoch leiser ausgeführt. Die Instrumente stammen von Veglia Borletti. Die Gabel und Federbeine kommen von Marzocchi, die Bremsanlage von Brembo. Der Tankinhalt beträgt 18 Liter. Ein verstellbarer Windschild ist nicht vorhanden, die Halbschalenverkleidung ist fest montiert.

  • Baujahr 1979-1980 - Elektronische Zündung und Detailpflege:

    Ab 1979 ersetzt Ducati die kontaktgesteuerte Zündung durch eine elektronische Bosch-Zündung. Diese Maßnahme verbessert die Startzuverlässigkeit und reduziert den Wartungsaufwand. Die Bremsanlage wird überarbeitet, bleibt aber bei Brembo-Komponenten. Die Sitzbank wird leicht modifiziert, bleibt jedoch auf Solobetrieb ausgelegt. Die Felgen stammen weiterhin von Borrani, die Bereifung wird werkseitig mit Pirelli Phantom ausgeliefert. Die Lackierung ändert sich in Details, unter anderem durch goldene Felgen und neue Dekorelemente.

  • Baujahr 1981-1982 - Letzte Serie der Königswellenmodelle:

    In den Jahren 1981 und 1982 wird die 900 SS Königswelle nur noch in geringen Stückzahlen gefertigt. Die technische Ausstattung bleibt weitgehend unverändert. Die Produktion endet 1982, da Ducati die Königswellen-Technologie zugunsten der wartungsärmeren Zahnriementechnik aufgibt. Die 900 SS ist damit das letzte Serienmodell von Ducati mit Königswellenantrieb. Nachfolger im Geiste wird die 900 S2, jedoch bereits mit modifiziertem Motorkonzept.

Technische Details und Unterschiede zur 750 SS

Die 900 SS Königswelle unterscheidet sich von der 750 SS durch den größeren Hubraum (864 cm³ statt 748 cm³), stärkere Bremsen, eine geänderte Auspuffanlage, größere Vergaser und ab 1979 eine elektronische Zündung. Beide Modelle nutzen den Königswellenantrieb.

Der Tankinhalt beträgt 18 Liter. Bei einem realistischen Verbrauch von etwa 6,5-7 l/100 km ergibt sich eine Reichweite von rund 250 km.

Eignung für Anfänger und ABS

Die Ducati 900 SS Königswelle ist aufgrund ihrer sportlichen Sitzposition, des hohen Wartungsaufwands und der anspruchsvollen Fahrdynamik nicht für Einsteiger geeignet.

Die Ducati 900 SS Königswelle ist nicht mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet. ABS war zur Bauzeit dieses Modells nicht verfügbar.

Ducati 350 Mark 3

1968-1970 - Einführung der Ducati 350 Mark 3

Die Ducati 350 Mark 3 wird 1968 als Weiterentwicklung der 250 Mark 3 vorgestellt. Sie basiert auf dem luftgekühlten Einzylinder-Viertaktmotor mit obenliegender Königswelle (OHC). Die Ventilsteuerung erfolgt in der Standardversion über konventionelle Ventilfedern.

Die 350 Mark 3 ist ausschließlich mit Kickstarter ausgestattet. Die Kraftstoffversorgung übernimmt ein Dell’Orto-Vergaser, je nach Baujahr meist ein Typ SS1 oder PHF. Die Zündung erfolgt über eine kontaktgesteuerte Batterie-Zündanlage. Das 5-Gang-Getriebe bleibt über die gesamte Bauzeit erhalten.

Der Rahmen ist ein Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, identisch mit dem der 250er-Modelle. Vorn kommt eine Teleskopgabel zum Einsatz, hinten eine Schwinge mit zwei Federbeinen. Die Bremsanlage besteht aus Trommelbremsen an Vorder- und Hinterrad.

Die Sitzbank ist je nach Ausführung als Einzelsitz oder Doppelsitz erhältlich. Ein verstellbarer Windschild oder serienmäßige Gepäcklösungen sind nicht vorgesehen.

1971-1974 - Einführung der 350 Mark 3 Desmo

Ab 1971 ergänzt Ducati die Baureihe um die 350 Mark 3 Desmo. Diese Variante übernimmt die desmodromische Ventilsteuerung, bei der die Ventile nicht nur über Nocken geöffnet, sondern auch mechanisch geschlossen werden. Die Desmo-Technik stammt aus dem Rennsport und wird erstmals serienmäßig in der 250 Mark 3 Desmo eingesetzt, bevor sie auch in der 350er verfügbar ist. Die 350 Mark 3 Desmo wird parallel zur Standardversion produziert. Beide Modelle behalten die Trommelbremsen, das 5-Gang-Getriebe und den Königswellenantrieb bei.

Die Desmo-Version ist äußerlich durch den „Desmo“-Schriftzug auf dem Seitendeckel erkennbar. Technisch unterscheidet sie sich ausschließlich in der Ventilsteuerung. Weitere Änderungen an Fahrwerk, Bremsen oder Ausstattung erfolgen während der Bauzeit nicht.

Die Produktion der Ducati 350 Mark 3 endet 1974. Nachfolger werden Modelle mit moderneren Motorkonzepten, darunter die Ducati 500 GTL mit Parallel-Twin.

Technische Details und Unterschiede zwischen 350 Mark 3 und 350 Mark 3 Desmo

Der einzige technische Unterschied liegt in der Ventilsteuerung: Die Desmo-Version nutzt eine desmodromische Steuerung, während die Standardversion konventionelle Ventilfedern verwendet. Leistung und Fahrwerk bleiben identisch.

Der Tankinhalt beträgt laut Ducati-Werkshandbuch 13 Liter. Bei moderater Fahrweise liegt die Reichweite bei etwa 200 bis 250 Kilometern, abhängig vom Zustand des Motors und der Fahrweise.

Eignung für Anfänger und ABS

Die Ducati 350 Mark 3 ist aufgrund ihrer klassischen Technik, des fehlenden E-Starters und der sportlich-gestreckten Sitzposition eher für erfahrene Fahrer geeignet. Die Bedienung erfordert technisches Verständnis und körperlichen Einsatz.

Nein, die Ducati 350 Mark 3 ist ausschließlich mit mechanischen Trommelbremsen ausgestattet und verfügt über kein ABS.

Weitere Informationen

Ja, sofern das jeweilige Modell mit einer Doppelsitzbank ausgestattet ist, kann man mit der Ducati 350 Mark 3 zu zweit fahren.

Technische Daten im Überblick
Merkmal Ducati 900 SS Königswelle Ducati 350 Mark 3
Motor 864 cm³ 90°-V-Twin 350 cm³ Einzylinder
Ventilsteuerung Desmodromisch, Königswelle Konventionell oder Desmodromisch, Königswelle
Bremsen Doppelscheibe vorne, Trommel hinten Trommelbremsen vorne und hinten
Tankinhalt 18 Liter 13 Liter
ABS Nein Nein

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