Im Modelljahr 2020 brachte Ducati mit der Streetfighter V4 ein neues Power-Naked-Bike auf den Markt. Auch einige andere Modelle wurden modernisiert. Für das Jahr 2020 hat Ducati viel Energie und Geld in den Ausbau der V4-Baureihe und die Modernisierung der Sportler investiert. Nach Jahren rascher Modellwechsel ist eine Änderung der Entwicklungsstrategie zu beobachten: Evolution steht im Vordergrund.
Ducati Streetfighter V4
Mit der neuen, 208 PS starken Streetfighter V4 steht Ducati im Wettstreit der Zahlenwerte bei den starken Naked Bikes gleichauf mit der MV Agusta Brutale 1000, wird aber sicherlich eine größere Marktbedeutung erlangen als diese und der Aprilia Tuono V4 vehement Konkurrenz machen. Ducati nennt für die Streetfighter, die ab März 2020 ausgeliefert wird, bereits mehr als 1.700 Vorbestellungen.
Weil die Vorderradlast bei unverkleideten Motorrädern geringer ist, als bei Supersportlern und der aerodynamische Auftrieb an der Front ein kritisches Thema, bekam die Streetfighter zwei Doppeldecker-Flügelchen auf jeder Seite. Sie sollen bei 270 km/h 275 Newton an Abtriebskräften erzeugen. Beim Beschleunigen sorgt die Elektronik dafür, dass die Streetfighter ihren Fahrer nicht nach hinten abwirft. Selbstverständlich hat sie an elektronischen Fahrhilfen alles an Bord, was man seit Jahren fleißig weiter entwickelt: Schräglagen-ABS, Traktionskontrolle, Schaltassistent, um nur die wichtigsten zu nennen. Nach bewährtem Muster erhielt die S semiaktive Öhlins-Federelemente und leichtere Räder.
Ducati Scrambler Modelle
Ducati Scrambler Sixty2
Die Sixty2 ist das preisgünstigste Motorrad im Ducati-Modellprogramm. Verglichen mit anderen Motorrädern für die Führerscheinklasse A2 ist sie jedoch mindestens 1.200 Euro teurer. Auf den zweiten Blick sprechen ihre gediegene Verarbeitung und Ausstattung für die Ducati, die den größeren Scrambler-Modellen in dieser Hinsicht kaum nachsteht. Der Hubraum von 399 cm³ ist eine Konzession an den japanischen Markt; vielleicht bekommt Europa im Zuge der Euro 5-Homologation ja einen größeren Motor.
Ducati Scrambler Icon Dark / Icon / Full Throttle
Als Neuerscheinung der Scrambler-Familie steht hier die Icon Dark im Vordergrund. Mit ihrer mattschwarzen Lackierung, runden Spiegeln und den gebürsteten Aluminium-Tankflanken wird sie als Einstieg in die Scrambler-Reihe bezeichnet. Technisch hat sich seit der Modellüberarbeitung für 2019 nicht viel geändert; sie umfasste unter anderem eine neue Gabelabstimmung und ein schräglagentaugliches ABS. Die Motoren der 803er-Scrambler erfüllen jetzt aber allesamt bei unveränderter Leistung die Euro 5-Norm.
Auffälliger als die Icon Dark setzt sich die gelb oder orange lackierte Icon in Szene, während die Full Throttle mit Anklängen an die Dirt-Track-Yamahas des jungen Kenny Roberts spielt - auch wenn der Pressetext Frankie Garcia als Paten dieser Farbvariante nennt. Von den Icon-Varianten unterscheidet sie sich auch durch den Zweirohr-Endschalldämpfer von Termignoni sowie die Startnummernfelder auf den Seitendeckeln.
Ducati Scrambler Café Racer
In seiner Eigenschaft als straßensportliche Scrambler-Version erhielt der Café Racer vorn und hinten 17-Zoll-Räder. Was dazu führt, dass die Frontpartie tiefer und der Lenkkopf radikale 68,2 Grad steil steht. Deshalb reagiert der Café Racer äußerst sensibel selbst auf kleine Störeinflüsse und will mit gefühlvollen Händen geführt werden. Die Startnummer 54 ist eine Hommage an den ehemaligen Werksfahrer Bruno Spaggiari, der 1968 in der italienischen Meisterschaft eine 350er-Ducati mit dieser Startnummer einsetzte.
Ducati Scrambler Desert Sled
Die Desert Sled verwöhnt mit einem ausgezeichneten Fahrwerk. Das gilt zum einen für Fahrten auf gut ausgebauten Straßen. Zum Zweiten und Dritten gilt das Lob des Fahrwerks auch bei gemäßigtem Offroad-Einsatz und auf asphaltierten Holperstrecken, wo die langen Federwege von je 200 Millimetern vorn und hinten für guten Komfort sorgen. Der Motor bietet zwar über einen weiten Bereich über 50 Nm Drehmoment, verlangt aber hohe Drehzahlen, wenn es flott vorangehen soll. Als Trial-Motorrad sollte man sie also lieber nicht nutzen.
Ducati Scrambler 1100 / Special / Sport
Den Vergleichstest gegen zwei andere dicke Scrambler von BMW und Indian hat die 1100 Sport gewonnen - „trotz Performance-Nachteil“. Trotz „Nachteils“ lieferte der 1079er auf dem Prüfstand 1 PS mehr als angegeben, wir reden also von einem ehrlichen und überdies sparsamen Motor. Ergonomie und Handlichkeit der Scrambler Sport begeisterten die Tester, ebenso die gut abgestimmten Öhlins-Federelemente, welche spürbar feiner ansprechen als diejenigen des Standardmodells.
Ducati Monster Modelle
Ducati Monster 797
Anfang 2019 war die 797 noch in zwei Versionen erhältlich, seit dem Sommer ist die bisherige 797+ das Standardmodell. Es gibt die Abdeckung des Soziussitzes und den kleinen Windschild auch 2020 ohne Aufpreis. Dennoch lautete das Fazit: „Monster werden nicht gebaut, um Vergleichstests zu gewinnen, sondern Herzen.“ Das kann die 797.
Ducati Monster 821 / Stealth
Sie bleibt es auch in der Saison 2020 beim 821er, obgleich auf Basis dieses Motors schon längst der kräftigere 937er entstanden ist und sich zu Ducatis Allzweckwaffe in der Mittelklasse entwickelt hat. Die bissigen Bremsen und das umfassende Elektronikpaket gefielen den Testern wiederum sehr gut. Die Stealth unterscheidet sich nur durch den Windschild und die aufwendige dunkle Lackierung mit silbernen und roten Akzenten von der 821 in Ducati-Rot.
Ducati Monster 1200 / S
Zur Saison 2017 hat Ducati das Fahrwerk der Monster auf Agilität getrimmt. Der Radstand bleibt zwar ziemlich lang, dafür steht der Lenkkopf steil und der Nachlauf liegt unter 90 Millimetern. Beim Vergleichstest der 1200 S gegen die BMW R 1250 R mussten die Tester dann nur noch die Arbeit der Öhlins-Federelemente synchronisieren, sprich vorne ans obere, hinten ans untere Ende des Einstellbereichs gehen, um einen faszinierenden Kurvenfeger zu erhalten. Gleichstand herrscht dagegen bei den Motoren. Beide 1200er-Monster werden vom baugleichen, sehr sportlich agierenden 1198er-Testastretta vehement vorwärtsgetrieben.
Ducati Hypermotard 950 / SP
Jedenfalls hat sie die nervöse Lenkung ihrer Vorgängerinnen abgelegt, ohne deshalb an Handlichkeit einzubüßen. Dezente Änderungen der Fahrwerksgeometrie und die günstigere Ergonomie sind wohl die Gründe dafür. Besserer Kontakt zum Motorrad und mehr Bewegungsfreiheit wirken manchmal kleine Wunder. Die Qualitäten des Motors fasst Tester Johannes Müller in den Satz: „Selten haben 111 PS mehr Endorphin generiert.“ Das umfängliche Elektronikpaket der Hyper erschließt sich vergleichsweise unproblematisch über das TFT-Display, das nur wenig spiegelt und deshalb auch kleinere Symbole gut sichtbar anzeigt. Mit Öhlins-Federelementen und längeren Federwegen geriet die SP-Version noch ein gutes Stück teurer und hochbeiniger als die Standard-Hyper. Die Fahrwerksqualitäten bleiben unverändert hoch.
Ducati Supersport / S
Eigentlich müsste sie Tourensport heißen. Der sehr spitz aufs Rennstreckenfahren ausgelegte Charakter der echten Supersportler geht ihr nämlich gänzlich ab. Sie entspricht auch keinesfalls dem gängigen Vorurteil gegenüber italienischen Motorrädern, sich um Komfort und Alltagsbelange nicht zu kümmern. Die Lenkerhälften liegen in angenehmer Höhe, sodass der Fahrer bequem sitzt, eine gute Übersicht genießt, aber trotzdem bei flottem Kurventanz auf der Landstraße - ja sogar beim Ausflug auf die Rennstrecke - genügend Gewicht nach vorn bringt. Die sehr attraktive Kombination von Vernunft und Faszination kommt jedoch nicht billig.
Ducati Multistrada Modelle
Ducati Multistrada 950 / S
Bereits zur Saison 2019 hat Ducati die beiden 950er-Multistrada aufgewertet und modernisiert. Weil etliche Exemplare des 937er-Testastretta anfänglich mit einer Rupf- statt einer Rutschkupplung zu kämpfen hatten, erhielt er im Gefolge der Hypermotard 950 eine hydraulisch betätigte Einheit. Das Angebot an elektronischen Fahrhilfen wurde verfeinert; es umfasst ein schräglagentaugliches ABS, vier Fahrmodi und einen Berganfahrassistenten. Die S-Variante bietet darüber hinaus einen Schaltassistenten für’s Herauf- und Hinunterschalten ohne Kupplung und einen Tempomaten. Komplettiert wird die Komfortausstattung durch die semiaktive Dämpfungsjustage der Federelemente.
Ducati Multistrada 1260 / S / S D-Air / S Grand Tour / Pikes Peak
Das neueste Mitglied aus der Multistrada heißt S Grand Tour. Dabei handelt sich um eine Variante der S mit Koffern, spezieller Lackierung und Sitzbank, Griffheizung, Zusatzscheinwerfern, Hauptständer sowie Reifendrucksensoren.
Ducati Panigale Modelle
Ducati Panigale V2
Neuer Name, neues Fahrwerk, trotz Euro 5-Homologation 5 PS mehr Leistung - und das ist noch nicht alles. Ducati hat sich mit dem Update der „kleinen“ Panigale große Mühe gegeben. Sie erhielt eine Einarmschwinge, die zuvor den nicht mehr produzierten 1299 Panigale vorbehalten war, der Motor profitiert von der optimierten Einspritzanlage und einer neuen Abgasanlage mit nur noch einem kurzen Endschalldämpfer anstelle der zwei großen Töpfe der Vorgängerin. Das neue Elektronikpaket enthält neben dem großen, gut ablesbaren TFT-Display ein schräglagentaugliches ABS und einen Schaltassistenten mit Blipper-Funktion. Eine bequemere Sitzbank soll mehr Komfort bringen.
Ducati Panigale V4 R
Ducatis Basismotorrad für die Superbike-WM, die 998er-Panigale V4 R, kam deutlich später auf den Markt als die V4 und V4 S. Sie repräsentiert also nicht nur ein extrem teures, mit gefrästen Zylinderköpfen sowie edelsten Komponenten aufgebautes und konsequent auf den Rennstreckeneinsatz getrimmtes Motorrad, sondern auch eine erste Verfeinerung der V4-Baureihe. Die höhere Verkleidungskuppel, die Frontflügel, vor allem aber der etwas flexiblere Rahmen kommen jetzt auch den 1103er-V4-Modellen zugute.
Ducati Panigale V4 / S / 25 Anniversario 916
Bei der Überarbeitung der Panigale V4 hat sich Ducati die Punkte vorgenommen, die ihr beim Vergleichstest Kritik eintrugen. Auf der Rennstrecke verlor sie im Eingang und in der Mitte der Kurven Zeit, beim Beschleunigen verfiel sie mitunter in heftiges Rühren. Von den Maßnahmen, die Abhilfe schaffen sollen, sind die von der V4 R übernommenen Flügel vermutlich nicht die wichtigste. Eher schon der mit kleinen Änderungen jetzt auch in der V4 und V4 S verwendete, flexiblere Rahmen der V4 R, der hochgelegte Schwerpunkt und das höhere Heck. Zudem haben die Ingenieure die elektronische Drosselklappensteuerung und damit das Ansprechverhalten des Motors in den verschiedenen Modi geändert. Der Trend geht in die weniger aggressive Richtung.
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