Der Zahnriemenwechsel ist eine wichtige Wartungsarbeit, um die Lebensdauer und Leistung Ihrer Ducati Monster 1000 ie zu erhalten. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung und behandelt verschiedene Aspekte, die bei dieser Aufgabe zu beachten sind.
Wann sollte der Zahnriemen gewechselt werden?
Die Meinungen über die Wechselintervalle gehen auseinander. Einige empfehlen den Wechsel alle 2 Jahre oder alle 24.000 km, während andere längere Intervalle für jüngere Modelle vorschlagen. Ducati selbst hat die Intervalle zwischenzeitlich angehoben. Es ist ratsam, sich an die Herstellerangaben zu halten und die Riemen regelmäßig zu überprüfen.
Eine Sichtkontrolle der Zahnriemen sollte bei jeder Inspektion erfolgen, spätestens jedoch nach 5000 km. Nach Rücksprache mit einem Ducati Techniker wurde versichert, dass der Wechsel alle 10000 Km ausreichen würde, jedoch spätestens nach zwei Jahren sei dies zwingend erforderlich, da eine Versprödung der Zahnriemen eintritt.
Empfohlene Intervalle:
- Ältere Modelle: Alle 5.000 km (ursprünglich), jetzt oft auf 7.500 km angehoben
- Neuere Modelle: Alle 30.000 km oder 5 Jahre
Es ist wichtig zu beachten, dass die Laufleistung nicht der einzige Faktor ist. Die Riemen altern auch durch Zeit und Umwelteinflüsse. Auch wenn die Riemen nach geringer Laufleistung noch wie neu aussehen, kann ein Austausch ratsam sein, um Schäden vorzubeugen.
In meiner Betriebsanleitung (Monster 1100evo) steht kein Wort über den Zahnriemenwechsel. 12000 km überprüfen kenne ich vom Hörensagen, 24000 km einstellen der Ventile und Zahnriemenwechsel raten die "Kenner". Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Werkzeuge und Vorbereitung
Bevor Sie mit dem Wechsel beginnen, stellen Sie sicher, dass Sie alle notwendigen Werkzeuge und Materialien zur Hand haben:
- Neue Zahnriemen (Original Ducati oder Zubehör)
- Inbusschlüssel (4, 5, 6 mm)
- Drehmomentschlüssel
- Zündkerzenschlüssel
- Motorradreiniger und Waschbenzin
- Loctite mittelfest
- Optional: Frequenzmessgerät oder Federwaage zur Spannungsmessung
Vorbereitung:
- Verkleidung abbauen
- Zahnriemenabdeckungen entfernen
Als nächstes müssen die Zahnriemenabdeckungen abgeschraubt werden, bei meiner Ducati muss man mit dem stehenden Zylinder anfangen, da die Abdeckung des liegenden Zylinders an einer Stelle mit der des stehenden Zylinders gemeinsam verschraubt ist, ob das bei jedem Motor so ist, entzieht sich in diesem Fall meiner Kenntnis.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Spannrollen lösen:
Spannrollen der Zahnriemen lösen und ausbauen, um die Freigängigkeit zu prüfen und Gummiabrieb zu entfernen.
Die Spannrollen sind einfache Standardkugellager von denen auf einer Achse zwei Stück hintereinander sitzen bei der 750ss kann man die Lager, sollten sie defekt sein auch wechseln, was nicht bei allen Motoren möglich sein soll.
- Reinigung:
Gehäuse und Deckel von Gummiabrieb befreien.
Da sich im Gehäuse und den Deckeln gerne Gummiabrieb anlagert, reinige ich dieses gerne mit einem herkömmlichen Motorradreiniger bei hartnäckigen Verschmutzungen kann man auch ein wenig Waschbenzin hinzunehmen.
- OT-Position finden:
Nockenwellen und Kurbelwelle in OT (oberen Totpunkt) drehen. Markierungen auf Laufrollen, Motorgehäuse und Zahnriemengehäusen müssen übereinander stehen.
Nun kommt der schwierige Teil der Aktion, die Nockenwellen und auch die Kurbelwelle müssen in OT gedreht werden, dieser Punkt ist ganz wichtig und muss mit großer Sorgfalt ausgeführt werden, da es ansonsten zu Schäden am Motor kommt.
Dazu sind auf den Laufrollen, dem Motorgehäuse und den Zahnriemengehäusen Markierungen angebracht, die aufeinander stehen müssen (Bild3, Bild4, Bild5). Die Laufrollen der Nockenwellen kann man per Hand in die entsprechende Stellung drehen, bei der Kurbelwelle wird mehr Kraft benötigt, deshalb gehe ich dort wie folgt vor, den zweiten Gang einlegen und das Motorrad ohne gezogener Kupplung soweit rollen bis auch hier die Markierungen übereinander stehen, Keine Angst die Nockenwellen können sich nicht verdrehen, da keine Zahnriemen aufgelegt sind.
- Zahnriemen auflegen:
Neue Zahnriemen vorsichtig auflegen, beginnend mit dem stehenden Zylinder. Knicke und scharfe Werkzeuge vermeiden.
Nachdem Nockenwellen und Kurbelwelle in OT gedreht wurden und dies mehrfach geprüft wurde, sicher ist sicher können die neuen Zahnriemen beginnend mit dem für den stehenden Zylinder vorsichtig aufgelegt werden, dabei sind Knicke und scharfkantige Werkzeuge tabu da ansonsten der Zahnriemen unwiederbringlich beschädigt und ein Motorschaden durch einen gerissenen Zahnriemen vorprogrammiert ist.
- Positionen prüfen:
Stellung der Laufrollen zu den Markierungen am Gehäuse kontrollieren.
Sind beide Zahnriemen montiert, sollte man noch einmal die Stellung der Laufrollen zu den Markierungen am Gehäuse kontrollieren, um sicher zu stellen das sich nichts verstellt hat, ansonsten heißt es noch einmal von vorne beginnen.
- Spannrollen einbauen:
Träger der Spannrollen lose im Gehäuse festschrauben (Loctite mittelfest nicht vergessen!).
Nun können auch die Spannrollen wieder eingebaut werden, dazu schraube ich die Träger der Spannrollen erst einmal lose im Gehäuse fest (Loctite mittelfest nicht vergessen!).
- Spannung prüfen und einstellen:
Spannrollen gegen den Zahnriemen drücken und Spannung prüfen. Ein 5 mm Inbusschlüssel muss sich "satt" zwischen feststehender Laufrolle und Zahnriemen vorbeiführen lassen.
Anschließend drücke ich die Spannrollen gegen den Zahnriemen und kontrolliere die Spannung wie folgt, ein 5 mm Inbusschlüssel muss sich zwischen feststehender Laufrolle und Zahnriemen "satt" vorbeiführen lassen.
Befestigungsschraube sowie Spannschraube der Spannrolle mit dem vorgeschriebenen Drehmoment von 29 Nm anziehen.
Ist dem so, kann man die Befestigungsschraube sowie die Spannschraube der Spannrolle mit dem vorgeschriebenen Drehmoment von 29 Nm anziehen. Sollte sich der Inbus-schlüssel nur mit erheblichen Kraftaufwand oder ganz leicht vorbeiführen lassen so muss der Spannvorgang wiederholt werden (Bild6).
- Motor durchdrehen:
Zündkerzen herausschrauben und Motor per Hand durchdrehen, um Blockierungen oder Geräusche zu prüfen.
Stimmt nun alles, kann man eigentlich alles wieder zusammen bauen, um ganz sicher zu gehen, schraube ich die Zündkerzen raus und drehe den Motor einmal per Hand durch, blockiert und scheppert nichts ist alles ok.
Zahnriemenspannung
Die korrekte Zahnriemenspannung ist entscheidend für die Lebensdauer der Riemen und die Leistung des Motors. Es gibt verschiedene Methoden, um die Spannung zu überprüfen und einzustellen:
- Inbusschlüssel-Methode: Ein 5 mm Inbusschlüssel sollte sich "satt" zwischen feststehender Laufrolle und Zahnriemen vorbeiführen lassen.
- Frequenzmessgerät: Die Schwingungsfrequenz der Zahnriemen messen (unterschiedliche Frequenzen für stehenden und liegenden Zylinder).
- Federwaage: Ältere Methode, bei der die Spannung mit einer Federwaage kontrolliert wird (ca. 1,5 - 1,8 kg).
Bei Ducati wurde früher mittels einer Federwaage die Spannung der Zahnriemen kontrolliert, heute wird dazu ein Messgerät eingesetzt welches die Schwingungsfrequenz der Zahnriemen misst, wobei die Frequenzen zwischen stehenden und liegenden Zylinder unterschiedlich sind.
Als Hobbyschrauber, auch wenn man gut ausgerüstet ist wird man ein solches Messgerät wohl kaum besitzen.
Zusätzliche Tipps
- Markierungen: Überprüfen Sie, ob die Nockenwellenmarkierungen korrekt stehen.
- Frequenzmessung: Verwenden Sie eine Android App wie "G-Strings" zur Frequenzmessung (z.B. 160 Hz für 620 i.e.).
- Motor durchdrehen: Nach dem Spannen den Motor von Hand durchdrehen und erneut die Positionen der Markierungen prüfen.
Ich habe zuerst den liegenden Riemen gespannt und mit der Android App "G-Strings" die Frequenz gemessen. Bei der 620 i.e. sind das 160 Hz, Toleranz 5 Hz.
Anschliessend den stehenden Riemen gespannt, dieser soll bei der 620er mit 140 Hz gespannt werden. Hier maß ich allerdings verschiedene Frequenzen zwichen vorderem und hinterem Riemen. Motorwelle um ca. eine 1/2 Umdrehung weiter gedreht, so das die Ventilkipphebel nicht mehr auf die Nockenwelle drückten.
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