Die Ducati Monster 1200 präsentiert sich als schlanke, schnittige und starke Maschine für die Saison. Mehr Power und besseres Handling treffen auf Assistenzsysteme, die aus der Panigale abgeleitet wurden. Da ist ein Lächeln unterm Helm vorprogrammiert. Die graue Farbe "Liquid Concrete Grey" bleibt der edlen S-Version mit Öhlins-Federelementen und besseren Brembo-Bremsen vorbehalten. Keine Bange, es gibt die Ducati Monster 1200 S genau wie die Standard-1200er auch in feurigem Ducati-Rot.
Motor und Leistung
Im 90-Grad-V2 lodert so oder so Feuer: Fette 126 Newtonmeter und 150 PS verkündet Ducati stolz. Nun, im Fahrzeugschein stehen 108 kW homologiert, immer noch satte 147 PS. Die Zeit abweichender Leistung für Basis- und Edelversion ist passé. Was sofort auffällt: Wie einfach sich die Ducati Monster 1200 dirigieren lässt. Handzahm im Stadtverkehr, ist die Duc keine Diva. „Tolle Fahrbarkeit“ heißt ihr Zauberwort. Smoother denn je läuft der Testastretta-V2 mit den zahmen elf Grad Ventilüberschneidung. In den unteren Gängen rollt der gezähmte Supersport-Antrieb ruckelfrei unter 2.000 Touren, im fünften und sechsten ab 3.000/min. Ab der 4.000er-Marke ist dann richtig Leben in der Bude. Da geht was!
Monstermäßig reißt der Testastretta an, auch wenn die zweite Drehzahlhälfte und die oberen Gänge heute meistens Pause haben. Trotzdem jederzeit zu ahnen: diese Lässigkeit mit der die mächtigen 106er-Kolben ultrakurzhubig durch ihre beschichteten Bahnen sausen, diese Nonchalance, mit der die Kurbelwelle die Drehzahlleiter hochstürmt. Aus Dreh- wird Lebensfreude. Vermutlich ist dieser Motor einer der besten von Ducati überhaupt.
Voll tragend sind seine Zylinderköpfe an den Gitterrohrrahmen verschraubt. Doppelzündung, per Ride-by-wire-betätigte ovale Drosselklappen und neue Software samt zylinderselektiver Lambda-Regelung bringen dem V2 der Ducati Monster 1200 gute Manieren bei. Spürbar ändern die drei verschiedenen Riding-Modes Urban, Touring und Sport den Charakter dieser Verbrennungskraftmaschine. Die drei Modi koppeln alles mit allem: Leistungsabgabe (100 PS bei Urban) und Gasannahme; vor allem aber die gemeinsam von der „Inertial Measurement Unit“ (IMU) verrechneten Eingriffsschwellen von Traktions- und Wheelie-Kontrolle (in je acht Stufen) sowie des dreistufigen Bosch-Kurven-ABS MP 9.1.
Elektronik und Assistenzsysteme
Besonders weich nimmt der L-Twin im Urban-Modus das Gas an. Am direktesten hämmert er im Sport-Modus los. Mit voller Spitzenleistung, sanfter Gasannahme und mittlerem Regel-Niveau der Assistenzsysteme empfiehlt sich der Touring-Modus für die feuchten Stellen und die in 1.000 Meter Meereshöhe herrschenden drei Grad Celsius. Feinfühlig greifen Ducatis unsichtbare Helfer ein, sind sogar variabel kombinierbar. Nur bei ausgeschalteter Wheelie-Kontrolle steigt das Vorderrad der Ducati Monster 1200 richtig hoch. Letztlich ist die umfangreiche Elektronik ein Erbe des Superbikes Panigale.
Leichtgängig genug lässt sich Ölbad-Kupplung mit Radialpumpe, Anti-Hopping- und Servo-Funktion ziehen. Eine Wonne ist der gut abgestimmte Schaltassistent mit Blipper-Funktion. Er ist Serie bei der Ducati Monster 1200 S, erlaubt kupplungsfreies Hoch- und Runterschalten sogar bis in den ersten Gang hinunter. Wobei das Hochschalten noch einen Tick geschmeidiger abläuft und die Ganganzeige nützlich ist. Nicht zu laut fällt das V2-Stakkato aus den neuen Auspuffen aus. Guter Klang, der nicht gleich das Umfeld nervt.
Fahrwerk und Handling
Begeisternd (g)rollt der graue Panther durch das für ihn fast zu enge Kurvendickicht. Die geänderte Geometrie - kürzerer Radstand wie Nachlauf und steilerer Lenkkopf - weist nun in Richtung agileres Handling.
Supereasy klappt die rund 213 Kilogramm leichte Ducati Monster 1200 ab, fällt leichter in Schräglage als ein Herbstblatt vom Baum. Kurskorrekturen in Kurven? Kein Problem. Was für zackige Haken dieses Big Bike schlägt! Dabei folgt die Duc messerscharf der angepeilten Linie, fährt superpräzise selbst bei engsten Kurvenradien. Blickrichtung ist gleich Fahrtrichtung! Das schafft von Anfang an vollstes Vertrauen, gibt ein gutes Feeling. Echte Wunderreifen sind die neuen Pirelli Diablo Rosso III. Sie haften selbst bei tiefen Temperaturen sagenhaft. Sie rollen mit rundem 55-Querschnitt herrlich homogen bis zur Reifenkante ab.
Sämig gedämpft, doch richtig komfortabel tasten die Öhlins-Federelemente selbst zerfurchte Straßenoberflächen ab, insbesondere die 48er-Gabel. Dies ist gutes Grund-Setting. Überraschend breitbandig, wie das ganze Motorrad. Vorne zu weich, hinten zu straff? Ist lange her. Seit der ersten 1200er stimmt die Balance. Rund 300.000 Monster rollten seit der M 900 von 1993 von den Bändern in Bologna, toben herum auf den Straßen dieser Welt. Fahrerisch ist die neue Ducati Monster 1200 vermutlich die rundeste Monster bisher. Famos kneifen ihre radialen Brembos zu. Die Monoblocks sind aus dem Bremsenhimmel herabgestiegen - ankern extrem kräftig, doch dank gut gewählter Sintermetall-Belege nicht zu giftig. Ein Traum mit feinem Druckpunkt und sicherheitsförderndem Kurven-ABS mit Abhebe-Erkennung.
Sitzposition und Ergonomie
Die leicht nach vorn geneigte Sitzbank nagelt den Fahrer ziemlich nah am Tank der Ducati Monster 1200 fest. Tribut an die ziemlich vorderradorientierte Sitzposition und die breite, aber kaum gekröpfte Lenkstange. An der heißt es sich gut festhalten beim engagierten Herausbeschleunigen: Dann wird die Front spürbar leicht und zappelig. Sichtbares Supersport-Erbe sind der große Wasser- und der tief montierte Ölkühler.
Lenkungsdämpfer
Bei zügiger Fahrweise zwackt es irgendwann in den Handgelenken. Dann wird die Front spürbar leicht und zappelig. Ein Lenkungsdämpfer fehlt. In dieser Leistungs- und Preisklasse sollte er unbedingt serienmäßig sein, statt wie in diesem Fall Aufpreis zu kosten.
Design und Verarbeitung
Kürzer, kompakter und schnittiger wirkt die renovierte Linienführung, mit einem wieder traditionell hoch montierten Nummernschild. Ihr huldigt auch der vordere Tankverschluss unverkennbar. Motor saß ursprünglich unter einer Verkleidung, rechts ist klar die Schokoladenseite des Motors. Auf der linken Motorseite sind die vielen Schläuche und Leitungen nicht unbedingt eine Augenweide. Nun, ein gesunder Thermohaushalt schadet auch dem rasanten Naked Bike sicher nicht.
Preis und Vergleich
Knapp 17.500 Euro inklusive Nebenkosten für die Edelvariante Ducati Monster 1200 S wirken heftig, mindestens 400 Euro Mehrwert-teurer zum Vormodell. Andere sportliche Power-Nakeds à la BMW S 1000 R, KTM 1290 Super Duke R oder Yamaha MT-10 sind günstiger, lediglich die Aprilia Tuono V4 1100 Factory kostet noch mehr.
Technische Daten: Ducati Monster 1200 S (2017)
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor | Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor |
| Hubraum | 1.198 cm³ |
| Nennleistung | 108,0 kW (147 PS) bei 9.250/min |
| Max. Drehmoment | 126 Nm bei 7.750/min |
| Gabel | Upside-down-Gabel, Ø 48 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung |
| Federweg v/h | 130/149 mm |
| Gewicht vollgetankt | 211 kg |
| Tankinhalt | 16,5 l |
Fazit
Man fährt diese Ducati Monster 1200 mit permanentem Lächeln. Die 2017er- Ducati Monster 1200 S verrät sofort, wie sehr sie sich vom Vorjahresmodell unterscheidet: Das Heck steht steiler, die neue, wuchtigere Einarmschwinge reduziert den Radstand um 26 auf 1.485 Millimeter, die Gabel steht steiler, und dementsprechend fällt der Nachlauf kürzer aus. Alles deutet darauf hin, dass die Ducati Monster 1200 S deutlich agiler geworden ist.
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