Die Ducati Monster 1200 ist, besonders als S-Variante, ein sehr gutes Motorrad. Mehrere Tage waren Juliane, Tibor und Dennis in Deutschland unterwegs, um der Ducati Monster 1200 S auf den Zahn zu fühlen. Wie hat sich “die größte aller Monster-Modelle” in unserem Test geschlagen und womit kann das klassische Italo Naked Bike auf der Landstraße punkten?
Design und Ergonomie
Wer genau hinschaut wird die gedrungenere Linie bemerken, wieder näher dran an der Ur-Monster, den schmaleren Tank und das gekürzte Heck. Gut sieht sie aus und erst auf den zweiten Blick entdeckt man das Können der Designer. Abgesehen vom wunderschönen Rahmen wirkt die Monster immer so bullig. Das jedoch ist ein Trick der Designer, denn dieser Eindruck resultiert aus dem kräftigen Heck sowie dem breiten Tank. Doch gerade dieser ist nur von oben gesehen breit - tatsächlich ist er, wie der Rest des Motorrades, schmal fast grazil.
Das Resultat ist gleichermaßen praktisch als auch überzeugend. Man sitzt mitten im Motorrad und fühlt sich sofort wohl. Beim Aufsitzen zeigt sich sofort die offensichtlichste Neuerung: Jessas, es hat endlich Platz für die Stiefel! Dank neuer Soziusfußrasten liegen die Daytonas, egal welcher Größe, jetzt perfekt auf. Die Sitzbank lässt sich ohne Werkzeug einfach von 795 - 820 mm absenken. Mit einer Sitzhöhe von 795 - 820 mm ist sie einem breiten Kundenkreis zugänglich.
Motor und Leistung
Die Ducati Monster generiert aus dem 1200 ccm großen wassergekühlten Testastretta-Zweizylinder satte 147 PS und starke 124 Nm Drehmoment. Damit bist du in jeder Lebenslage auf der Landstraße mehr als nur gut motorisiert! Ducati hat die Monster überarbeitet. Dazu gehören nicht nur optische Retuschen, sondern auch ein leistungsgesteigerter Motor.
Für sich genommen steht Ducatis 2017er-Edel-Naked mit derben 142 PS und fast 120 Newtonmetern maximalem Drehmoment supersatt im Futter. Subjektiv sogar noch verstärkt wird dieser Eindruck durch das jetzt wesentlich linearere Ansprechverhalten des Motors. Die alte Ducati Monster 1200 S suggeriert beim Gasanlegen in den Fahrmodi Sport und Touring mit einer hoch motivierten, manche würden sagen übermotivierten Gasannahme noch mehr Power als ohnehin schon vorhanden ist. Die neue dagegen geht in allen der drei Modi vorbildlich smooth und berechenbar, frei von störenden Lastwechseln nach vorne, läuft zudem insgesamt mechanisch noch einmal feiner.
Der Desmo-Twin setzt Gasbefehle sanft, aber nachdrücklich in Vortrieb um, selbst unterhalb 2000 Touren bleibt unwilliges Schütteln aus. Ab 5000 Touren ist ganz, ganz großes Kino angesagt, und darüber brennt bis zum fünfstelligen Bereich die Luft. Das knackige Sechsganggetriebe ist für den Landstraßentanz perfekt übersetzt. Die Maschine verrichtet ihre Dienste butterweich in fast jeder Lage.
Fahrwerk und Handling
Das Gesamtkonzept aus leichtem fahrfertigen Gesamtgewicht von 213 Kg in Kombination mit hochwertigen Öhlins Fahrwerk und Top Assistenzsystemen, macht die Maschine zu einem nahezu perfekten Naked Bike. Das Fahrwerk ist wirklich harmonisch. Je nach Setting bügelt das Fahrwerk Fahrbahnunebenheiten gnadenlos weg oder ist eben maximal sportlich ausgerichtet. Ehrlich gesagt lässt das Fahrwerk kaum einen Wunsch offen.
Eingekürzter Radstand, steilerer Lenkkopf - verdammt handlich geworden, der 2017er-Jahrgang! Herrlich leichtfüßig und zielgenau, aber so stabil wie eh. Nicht, dass die alte S hier kein sehr gutes Motorrad wäre (einmal abgesehen von den Fußrasten), aber die neue ist schlicht besser. Und fahrbarer und schneller.
Das Einlenken gelingt so wunderbar mühelos, von Hüftsteifigkeit nicht die geringste Spur, dazu noch weniger Aufstellmoment beim Bremsen. All das geht teils sicher auch auf das Konto des neuen, guten Pirelli Diablo Rosso 3. Uns hat die Abstimmung der neuen Ducati Monster 1200 S ein wenig besser gefallen: Vorne etwas straffer, hinten etwas feinfühliger, fährt es sich nun einen Hauch ausgewogener.
Elektronik und Assistenzsysteme
verstellbare Ducati Traction Control, sind mit an Bord. Dank einer inertialen Messeinheit (IMU) weiß das elektronische Gehirn der neuen Monster stets um die vorliegende Fahrsituation und kann Regeleingriffe entsprechend angepasst und damit präziser vornehmen. Die kappt - je nach gewählter Stufe - genau zum richtigen Zeitpunkt Vortrieb, arbeitet weiterhin sehr sanft und gibt dann schnell wieder Leistung frei.
Das ABS bietet jetzt auch eine Kurvenfunktion, was nicht nur In-die-Kurve-Hineinbremser dankend zur Kenntnis nehmen. Die Abstimmung des Blockierverhinderers ist nun insgesamt etwas weniger giftig, was zwar ein Ansteigen des Hinterrads in den beiden defensiveren Stufen zuverlässig verhindert, allerdings ein wenig zulasten der maximalen Brems-Performance geht. Die nun verfügbare Wheelie-Kontrolle verrichtet ihren Dienst sehr ordentlich. Das edle LCD-Instrument sieht gleich aus, ist aber dank etwas steilerem Winkel und besserem Kontrast nun auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar, bietet zudem neben einer Ganganzeige auch Touren-Goodies wie Tankuhr und Restreichweite.
Dem Fahrer stehen drei Fahrmodi (Sport, Touring und Urban) zur Verfügung, die vorgegebene Einstellungen von Motorcharakteristik, Kurven-ABS, Traktions- und Wheeliekontrolle kombinieren. Neben dem Ansprechverhalten des Motors beeinflusst die Wahl der Fahrmodi auch das Verhalten der Traktionskontrolle und des ABS. Die Bandbreite reicht auch dabei von „fast schon waffenscheinpflichtig und eigentlich nur für die Rennstrecke“ bis zu „lammfromm und auch prima für Blümchenpflücker“.
Quickshifter
Auch der Quickshifter Bedarf an der Monster 1200 S etwas an Eingewöhnung, bis man den richtigen Druckpunkt am Schalthebel in Kombination mit Gasgriff Stellung für sich selbst herausgefunden hat. Die Gangwechsel erfolgen noch immer über kurze Wege und mit der Ducati-eigenen, knackigen Rastung; harte Schläge sind dem grauen Monster aber fremd. Der beim S-Modell serienmäßige Schaltautomat (mit Blipper zum kupplungslosen Herunterschalten) funktioniert hervorragend, macht richtig Spaß und lässt 2017 beim Durchbeschleunigen dann auch an 2016 dranbleiben.
Bremsen
Die Bremsen sind messerscharf wie auf einem Supersportler aber dennoch erste Güte. Das ABS der alten Ducati Monster 1200 S arbeitet schon schön feinfühlig und sportlich spät, lässt allerdings kernige Stoppies zu. Die schönere Dosierbarkeit, den knackigeren Initial-Biss aber bietet Neu, wohl auch dank nun verbauter Sintermetall-Bremsbeläge.
Fazit
Sehr stimmiges und harmonisches Gesamtkonzept - agil und wendig! Das Gesamtkonzept aus leichtem fahrfertigen Gesamtgewicht von 213 Kg in Kombination mit hochwertigen Öhlins Fahrwerk und Top Assistenzsystemen, macht die Maschine zu einem nahezu perfekten Naked Bike. Die Ducati ist nicht nur in Sachen Motor und Fahrwerk voll auf der Höhe der Zeit, sondern auch in Sachen Assistenzsysteme.
Dank viel Feinschliffs in allen Bereichen liegt Neu am Ende unerwartet deutlich vor Alt. Die alte Ducati Monster 1200 S verbucht den noch irreren Punch und einen herzerweichend grenzdebilen Motorklang. Die Rote war ein gutes Motorrad. Aber die Graue ist das durchweg bessere.
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