Ducati Monster 821: Lärmreduzierung und die Problematik der Standgeräuschmessung

Die Debatte rund um Motorradlärm und Fahrverbote, wie sie beispielsweise in Tirol bestehen, hat viele Motorradfahrer sensibilisiert. Ein gutes aufwendiges Video hat jemand mit seiner Ducati Monster 821 gemacht. Aufgrund der aktuellen Debatte rund um Motorradlärm und Fahrverbote in Tirol, frage ich mich, wie laut bewege ich mich eigentlich mit meiner Ducati Monster 821 mit Serientopf. Würde ich eine dB-Messung bei einer Polizeikontrolle bestehen? Und wie praxisnah ist eigentlich die EURO Norm?

Das fragwürdige Fahrverbot in Tirol für Motorräder über 95 dB(A) Standgeräusch bleibt bestehen. Auf 6 Streckenabschnitten dürfen vom 15. April bis 31. Oktober keine Motorräder mehr fahren, die mehr als 95 dB(A) Standgeräusch eingetragen haben.

Die Problematik von Standgeräusch und Fahrgeräusch

Das Problem: Die echten Fahrgeräusche einiger Modelle werden mit einer sehr hohen Lautheit empfunden. Die Lautstärke ist messbar, die Lautheit nehmen wir individuell wahr. Sprich: Die Chance, mit einem lauten Motorrad in Tirol legal zu fahren ist größer, als mit einem leisen Motorrad, dessen irrelevantes Standgeräusch - teils aus Altersgründen - über einer rechtlich nicht erhebbaren Grenze liegt.

Hintergrund der Fahrverbote in Tirol anhand des irrelevanten Standgeräuschwerts ist die angeblich leichtere Prüfung vor Ort. Und dafür wird immer die Nahfeldmessung genutzt. Allerdings ist das Instrument gedacht, um verschlissene, manipulierte oder illegale Auspuffanlagen zu identifizieren. Das Messverfahren ist insbesondere dazu geeignet, Auspuffknallen zu identifizieren, das Endtöpfe je nach Zustand oder Herkunft entwickeln können. Aber: Die Einfahrt auf die Straßen wird nicht durch die Messung gestattet, sondern über den eingetragenen Wert, der laut Regierung einfach einsehbar ist, in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 (Fahrzeugschein) oder auf der Plakette am Fahrzeug.

Standgeräusch nicht rechtssicher

Der niedersächsische Landtag bestätigte bereits im Sommer 2021, dass aus den Standgeräuschen der Fahrzeuge sich nicht die Betriebsgeräusche belastbar ableiten lassen. So können durchaus Motorräder mit niedrigen Standgeräuschen überproportional laute Fahrgeräusche erzeugen und auch umgekehrt. Damit ist schon die Basis dieses Modells rechtsunsicher und kann daher keine Grundlage sein.

So läuft die Standgeräuschmessung ab

Bei einer Schalldruckpegelmessung im Nahfeld, der sogenannten Standgeräuschmessung nach UN-ECE R 41.04, werden mehrere Messungen seitlich hinter der Endtopfmündung genommen. Bei halber Nenndrehzahl muss die Drehzahl mindestens 1 Sekunde gehalten und dann abrupt der Gasgriff geschlossen werden. Beispiel: Wenn 98 PS (72 kW) bei 10.000/min eingetragen sind, bei 5.000 Touren. Aus mindestens drei Messungen, die nacheinander nicht weiter als 2 dB(A) voneinander abweichen dürfen, errechnet man den Mittelwert, der mathematisch gerundet das Ergebnis ergibt. Nach UN-ECE R 41.04 ist zwar keine Toleranz vorgesehen, in der Praxis ist das regional wohl möglich.

Mögliche Lösungsansätze zur Lärmreduzierung

Der Zubehöranbieter 3P Pedalo Power Parts hat Nachrüstsätze entwickelt, die an Motorrädern das Standgeräusch auf 95 dB limitieren. Damit werden die Bikes Tirol-tauglich. Interessant ist diese Nachrüstlösung besonders für Motorradfahrer, die mit ihrem Bike gerne auch in Tirol unterwegs sind, denn die Österreicher haben erst im März die Lärmfahrverbote auf beliebten Pässen verlängert.

Die Drosselung auf ein Standgeräusch von 95 dB ist dabei kein technisches Hexenwerk. 3P nutzt dazu lediglich die Messkonfiguration für das Standgeräusch. Gemessen wird das bei halber Nenndrehzahl. Da Motoren mit steigender Drehzahl lauter werden, reduziert 3P einfach die Nenndrehzahl, dadurch reduziert sich dann auch die für die Standgeräuschmessung relevante Drehzahl und entsprechend die Geräuschentwicklung.

Simpler Eingriff senkt Geräusch und kostet Leistung

Erreicht wird die niedrigere Nenndrehzahl simpel durch einen Anschlag im Gasgriff. Der Drehwinkel wird so eingeschränkt, dass die halbe Nenndrehzahl auf ein Niveau fällt, bei dem maximal 95 dB gemessen werden. Im Prinzip wird das Motorrad also einfach so weit in der Leistung gedrosselt, bis das Standgeräusch 95 dB nicht mehr überschreitet. Gegenüber MOTORRAD erklärt 3P, dass die Leistungseinbußen bei den bisher homologierten Nachrüstsätzen zwischen 2 und 4 kW liegt. Wo besonders viele dB weggedrosselt werden müssen bleibt entsprechend auch viel Leistrung auf der Strecke. Die Ducati Multistrada 1200 beispielsweise verliert von 109 auf 76 kW.

Da es sich nur um mechanische Anschläge im Gasgriff handelt, können Maschinen mit herkömmlichen Gaszügen ebenso umgerüstet werden, wie Modelle mit elektronisch gesteuertem Gas.

Der Nachrüstsatz umfasst die neuen Anschläge für den Gasgriff, ein Fahrgestellnummer-basiertes Teilegutachten zur Eintragung sowie ein neues Typenschild für den Rahmen.

Mittlerweile bietet 3P für 22 Modelle entsprechende Nachrüstsätze, hat aber noch weitere Modelle in Vorbereitung. Bedient werden derzeit Modelle von Harley, KTM, Ducati, Yamaha, Suzuki, Moto Guzzi, Voge, Aprilia, BMW, Honda und MV Agusta.

DB-Killer zur Lärmreduzierung

DB-Killer oder DB-Eater sind perfekt für die vorgeschriebenen Dezibel zu gewährleisten, ohne die Leistung negativ zu beeinflussen. Ideal für den Einsatz auf der Straße und der Rennstrecke. (Dezibel-Killer) ist eine abnehmbare Komponente, die in Motorradabgassystemen verwendet wird, um den Lärmpegel des Motors zu reduzieren.

Die meisten DB-Killer sind für bestimmte Aftermarket-Abgasanlagen ausgelegt. DB-Killer sind typischerweise am Ende des Auspuffrohrs verbaut. Sie sind in der Regel mit einem Bolzen oder Clip gesichert, so dass sie einfach zu installieren oder zu entfernen.

Ducati Monster 2021: Leichter, stärker - besser?

Im Vergleich zu ihrer Vorgängerin, der Monster 821, blieb bei der Monster des Jahres 2021 kaum etwas beim Alten. Statt Gitterrohr trägt sie nun eben den von der Panigale abgeleiteten Alurahmen, der zusammen mit der neuen Schwinge acht Kilogramm Gewicht spart.

Ducatis Kult-Naked-Bike bekam ein neues, umfangreiches Elektronik-Paket mit schräglagensensibler Traktionskontrolle, Schräglagen-ABS, Wheelie-Kontrolle, drei Riding-Modes und serienmäßig einen Quickshifter mit Blipperfunktion.

Der schmale Übergang von Sitz zu Tank ermöglicht auch kleineren Fahrern trotz der Sitzhöhe von 820 Millimetern einen sicheren Stand. Auf dem Monster-Sitz ist viel Platz. Bedeutet, dass du auf längeren Touren beliebig vor und zurück rutschen kannst, wenn der Po mal schmerzt.

Erst außerhalb des Stuttgarter Verkehrs legt die Ducati ihre Schüchternheit ab. In höheren Drehzahlen wacht sie auf und gibt einen angenehm bassigen Sound in sozialverträglicher Lautstärke an die Umgebung ab. Das Ruckeln bei niedrigen Drehzahlen ist deutlich weniger geworden, was auch entspanntes Cruisen zulässt. Höhere Drehzahlen mag er aber besonders und zieht aus der unteren Mitte kräftig durchs Drehzahlband.

Für die ambitionierte Gangart taugt der "Sport"-Modus mit sehr direkter Gasannahme, "Touring" macht Letztere zahmer und bei "Urban" wird zusätzlich noch auf 75 PS gedrosselt. Auf offener Landstraße fällt die Entscheidung für "Sport" leicht.

Die Monster folgt der Linie treu, lässt auch Korrekturen zu und bleibt immer genau berechenbar. Unter anderem wegen des kürzeren Radstands handlicher als die Vorgängerin fällt sie flott in Schräglage.

Die neue Monster hängt nicht an der Vergangenheit, sondern blickt geradewegs in die Zukunft. Sie ist leichter, dynamischer und, verglichen mit der Monster 821, stärker. Wer das zu schätzen weiß, wird in ihr eine Freundin für jeden Tag finden.

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