Ducati Monster 950: Ein umfassender Testbericht zu Leistung und Alltagstauglichkeit

Die Ducati Monster wurde 2021 komplett neu konzipiert und überzeugte auf Anhieb. Ducati bricht bei der aktuellen Monster mit vielen Traditionen: Nicht nur, dass die Angabe des Hubraums fehlt, müssen die Fans des traditionellen Gitterrohrrahmens auf ebendiesen vollkommen verzichten!

Zeiten ändern sich, auch bei einem der traditionsbewusstesten Motorradhersteller der Welt. Ducati hat die aktuelle Monster nämlich so richtig radikal umgemodelt. Dass nun auf die Hubraumangabe am Ende des Namens verzichtet wird, ist da eigentlich noch die kleinste Umwälzung. Auch der Umstieg vom 821er- auf das größere 950er-Triebwerk (genau genommen 937 Kubik) ist in Wahrheit ein nachvollziehbarer Schritt, der keineswegs verwundert.

Eine der charakteristischsten Eigenschaften der seit 1993 über 350.000-mal gebauten Ducati Monster war ihr gut sichtbarer Gitterrohrrahmen aus Stahl. 2021 war damit allerdings Schluss. Zwar bleibt der aktuellen Monster-Generation die eigenwillige Monster-Silhouette erhalten, doch wurde das Design stark verändert.

Design und Gewichtsreduktion

Das Modell wirkt mainstreamig, betont modern, luftig-leicht und wieselflink. Ja, auch mir fehlt der traditionelle Gitterrohrrahmen ein wenig, allerdings sind insgesamt 18 Kilo weniger gegenüber der Vorgängerin tatsächlich ein richtig gutes Argument für das Alu-Chassis. Lediglich 188,5 Kilo vollgetankt (von uns selbst auf unserer 1000PS-Viehwaage gemessen) versprechen ja schon am Papier ein gutes Handling - und ich wurde nicht enttäuscht.

Letzteres liegt unter anderem am leicht reduzierten Radstand, und dem um 18 auf 188 Kilogramm fahrfertig reduziertem Gewicht. Die 17-Zoll-Räder sind vorne mit 120/70er- und hinten mit 180/55er-Pneus bestückt. Vorne gibt es eine Upside-down-Gabel mit 43er-Rohren, hinten eine Alu-Zweiarmschwinge. Die Bremsscheiben von Brembo mit radial montierten Vierkolben-Bremssätteln kommen auf 32 beziehungsweise 24,5 Zentimeter Durchmesser.

Motor und Leistung

Ganz traditionell wird die Monster von einem V2 angetrieben. In diesem Fall kommt der aus Multistrada oder Hypermotard bekannte Testastretta 11 in nurmehr einer Hubraumvariante mit 937 Kubikzentimeter zum Einsatz.

Der Ducati Multistrada 950 mit ihrem 4-Takt 90 Grad V 2-Zylinder-Motor mit Einspritzung und einem Hubraum von 937 Kubik steht die Ducati Monster mit ihrem 4-Takt 90 Grad V 2-Zylinder-Motor mit gleichem Hubraum gegenüber.

Der Motor hat Charakter und läuft, typisch Ducati, vergleichsweise rau. Gleichzeitig begeistert aber der Druck, und die Drehfreudigkeit welche der V2 liefert. Das maximale Drehmoment der Multistrada 950 von 96 Newtonmeter bei 7.750 Touren bietet ähnlich viel Schub als die 93 Nm Drehmoment bei 6.500 Umdrehungen bei der Monster.

Allerdings haben die Fahrwerkstechniker bei der Abstimmung der Federelemente dann doch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen, das Fahrwerk tendiert zu sehr in Richtung Komfort. Ich persönlich befinde es immer noch als guten Kompromiss, immerhin lässt sich abgesehen von der Federvorspannung am hinteren Mono-Federbein rein gar nichts verstellen.

Bei flotter Kurvenfahrt kann die Monster daher sehr agil um jegliche Radien geworfen werden, das passt schon mal sehr gut zu einer Ducati, die in der Regel einen gewissen Anspruch auf Sportlichkeit hat. Allerdings hätte man die Frontgabel dann doch etwas straffer machen können, sportliche Ambitionen werden wegen der stark eintauchenden Front beim ambitionierten Anbremsen ziemlich flott im Keim erstickt.

Da passt wiederum die Abstimmung der hochwertigen Bremsanlage auf der Ducati Monster zur alltagstauglichen Auslegung. Gut dosierbar ist die 320er-Doppelscheibenanlage mit radialen Brembo M4.32 Monoblockzangen ohnehin, die Anlage könnte aber schon schärfer zupacken.

Insgesamt spiegelt das aber das Gesamtbild der Monster sehr gut wider: Eine typische Ducati, die in Sachen Fahrwerk und Bremsen auch gut für die tägliche Fahrt zu gebrauchen ist. Bitte nicht falsch verstehen, das Triebwerk mit 111 PS bei 9250 Umdrehungen ist einer Ducati durchaus würdig, schiebt ab der Mitte ordentlich an und hat im oberen Bereich diese typischen Vibrations, die man an einem V2 so schätzt. Auch das Drehmoment von 93 Newtonmeter bei 6500 Umdrehungen geht in Ordnung, Schmalz ist da - aber eben erst ab der Mitte.

An die, für eine Ducati Monster überraschend langen Federwege und die im ersten Ansprechverhalten etwas zu weiche Gabel musste ich mich erst gewöhnen.

Fahrwerk und Bremsen im Detail

Bei der Multistrada 950 federt vorne eine in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbare Telegabel Upside-Down von Kayaba mit 48 Millimeter Standrohr-Durchmesser und hinten auf ein in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbares Monofederbein von Sachs. Die Monster setzt vorne auf eine Telegabel Upside-Down von Marzocchi mit 43 Millimeter Standrohr-Durchmesser und hinten arbeitet auf ein in Federvorspannung verstellbares Monofederbein.

Die Ducati Multistrada 950 hat mit 170 mm vorne und 170 mm hinten ein einen deutlich längeren Federweg als die Ducati Monster mit 130 mm vorne und 140 mm hinten.

Für die notwendige Verzögerung sorgt auf der Multistrada 950 vorne eine Doppelscheibe mit 320 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange von Brembo und hinten eine Scheibe mit 265 Millimeter Durchmesser und Zweikolben-Zange. Die Monster vertraut vorne auf eine Doppelscheibe mit 320 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange von Brembo. Hinten ist eine Scheibe mit 245 mm Durchmesser und Zweikolben-Zange verbaut.

Vergleich mit der Konkurrenz

Im Vergleich mit der unglaublich starken Konkurrenz, kommt sie jedoch leider ins Hintertreffen. Vor allem wenn es auf der Landstraße sportlich wird, spürt man das komfortable Setting der Fahrwerkskomponenten und auch die am Datenblatt kräftig wirkenden Bremsen können nicht ganz mithalten.

Untenrum geht gar nichts, an ein untertouriges Cruisen durch Ortschaften im 6. Gang ist nicht zu denken. Da hat man bestenfalls den 4. drinnen und schaltet bei kleinsten Steigungen wegen des einsetzenden Geruckels doch lieber in den 3. Gang. Das können die vier anderen Mid-Nakeds weit besser, auch die zweizylindrige KTM mit etwas weniger Hubraum stellt sich nicht so biestig an, die Yamaha mit einem Zylinder mehr ist weitaus pflegeleichter und selbst die Triumph mit fast 200 Kubik weniger macht es viel besser.

Elektronik und Assistenzsysteme

Dazu wurden die Assistenzsysteme verfeinert. Die Elektronik wurde speziell auf das neue Fahrwerk abgestimmt. Das Elektronikpaket ist eines der besten im Test, mit viel Spielraum auf individuelle Anpassungen.

Ergonomie und Alltagstauglichkeit

Grundsätzlich wären also Fahrwerk, Handling, Ergonomie und Bremsen bestens für den Alltag gerüstet und die Monster ein rundum gelungenes Naked Bike für alle Fälle.

Die Sitzposition ist ausgewogen und die gesamte Ergonomie am Motorrad fühlt sich gut an. Grundsätzlich wäre sie ein großartiges Alltags-Naked Bike mit angenehmer Ergonomie und einer Bremsanlage, die auch Ungeübte nicht überrascht. Auch das gar weiche Fahrwerk kann man als akzeptablen Kompromiss werten, bei einer Ducati wundert es allerdings doch ziemlich, dass nicht wenigstens die Frontgabel etwas straffer abgestimmt wurde.

Bei der Bereifung setzt Multistrada 950 auf Schlappen mit den Maßen 120 / 70 - 19 vorne und 170 / 60 - 17 hinten. Für Bodenkontakt sorgen auf der Monster Reifen in den Größen 120/70-17 vorne und 180/55-17 hinten.

Der Radstand der Ducati Multistrada 950 misst 1.594 Millimeter, die Sitzhöhe beträgt 840 Millimeter. Die Ducati Monster ist von Radachse zu Radachse 1.474 mm lang und ihre Sitzhöhe beträgt 820 Millimeter.

Mit einem fahrfertigen Gewicht von 227 kg ist die Multistrada 950 massiv schwerer als die Monster mit 188 kg. In den Tank der Multistrada 950 passen 20 Liter Sprit. Bei der Monster sind es 14 Liter Tankvolumen.

Kritikpunkte

Wäre da nicht der, untenrum allzu zickige Motor. Ich persönlich hätte mir bei dieser insgesamt so alltagstauglichen Auslegung der Monster eben auch einen alltagstauglicheren Motor gewünscht.

In Sachen Optik negativ anzumerken ist jedoch, dass im Bereich des Motos sehr viel mit Kunststoff-Abdeckungen und vielen sichtbaren Kabeln und Schläuchen gearbeitet wurde. Das wurde bei allen anderen Teilnehmerinnen in unserem Vergleich schöner gelöst. Zudem war die Bremse im Test trotz der sehr hochwertigen Hardware wenig überzeugend. Sie lieferte weder eine übermäßig sportliche Verzögerungsperformance noch war der Druckpunkt besonders sauber. Sehr sportlichen Fahrern könnte zudem das (nicht einstellbare) Fahrwerk lasch erscheinen. Leider bockt das charismatische Triebwerk in niedrigen Drehzahlen stark und spielt somit erst auf der Landstraße den herrlichen V2-Charakter aus.

Preis und Verfügbarkeit

Der aktuelle Durchschnittspreis der Ducati Multistrada 950 beträgt in unserer Neu- und Gebrauchtmotorradbörse 9.096 Euro und ist damit günstiger als der Preis der Ducati Monster mit 10.923 Euro im Durchschnitt. Von der Ducati Multistrada 950 gibt es aktuell 6 Inserate am 1000PS Marktplatz, von der Ducati Monster sind derzeit 18 Modelle verfügbar. Für die Multistrada 950 gibt es aktuell 83 Suchanfragen am 1000PS Marktplatz, Monster wurde derzeit 49 Mal pro Monat gesucht.

Bewertung im Vergleichstest

Fünf Motorräder, ergo fünf Tester. Jeder der fünf Redakteure durfte im Test vier Punkte zur Bewertung vergeben - 20 Punkte waren somit möglich. Mit 12 Punkten rangiert die Ducati Monster auf dem letzten Rang.

Wie auch mir war den meisten anderen Testern das Motormanagement im unteren Drehzahlbereich zu ruppig, das Fahrwerk etwas zu weich, die Bremse zu brav und der Preis dafür zu hoch. Offensichtlich erwarten wir von einer Ducati stets einen sportlichen Ansatz und sind enttäuscht, wenn dieser nicht vollends erfüllt wird.

Sondermodell: Monster SP

Die Monster SP ist mit voll einstellbaren Federelementen von Öhlins ausgestattet, der Federweg wurde vorne und hinten leicht erhöht. Drei individualisierbare Fahrmodi sollen für entsprechend mehr Fahrspaß sorgen. Die neue, rote Lackierung wurde von der MotoGP inspiriert.

Fazit

Ein schwieriger Fall, die neue Ducati Monster. Für sich alleine gesehen, funktioniert sie wirklich wunderbar. Der Motor bietet einiges an Druck, das Fahrwerk bildet einen fairen Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit und das Fahrverhalten ist angenehm neutral.

Insgesamt spiegelt das aber das Gesamtbild der Monster sehr gut wider: Eine typische Ducati, die in Sachen Fahrwerk und Bremsen auch gut für die tägliche Fahrt zu gebrauchen ist.

Merkmal Ducati Monster 950 Ducati Multistrada 950
Motor 4-Takt 90 Grad V 2-Zylinder 4-Takt 90 Grad V 2-Zylinder
Hubraum 937 Kubikzentimeter 937 Kubikzentimeter
Maximales Drehmoment 93 Nm bei 6.500 U/min 96 Nm bei 7.750 U/min
Federweg vorne 130 mm 170 mm
Federweg hinten 140 mm 170 mm
Gewicht fahrfertig 188 kg 227 kg
Tankvolumen 14 Liter 20 Liter
Durchschnittspreis 10.923 Euro 9.096 Euro

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