Es ist üblich, dass Motorräder umgebaut und individualisiert werden. Besitzer legen oft Wert auf das Aussehen oder die Verbesserung des Handlings, weshalb Blinker, Lenker, Sitzbank, Fahrwerk oder Lackierung verändert werden. Einer der häufigsten Umbauten ist das Heck. Viele Monster-Fahrer finden das originale Heck zu lang, weshalb es eine breite Palette an kurzen Heckteilen zum Nachrüsten gibt.
Ich gehörte jedoch zu den wenigen, die das originale, nach hinten/unten langgezogene Heck passend und sehr schön fanden. Ich wollte das Heckteil in seiner Länge und mit dem dreifach nach hinten gestaffelten Aufbau belassen, aber es deutlich schmaler machen und neue Blinker verbauen (ich hatte mich in die Kellermann Atto dark Blinker verliebt).
Die Herausforderung
Die seitlichen "Ausläufer", an denen die Original-Blinker befestigt waren, zu kürzen, sollte nicht das Problem sein. Doch wie sollte ich die riesigen Löcher, die dabei zwangsläufig entstehen, wieder füllen? Ich fragte bei einem Karosseriebetrieb in der Nähe nach. Da das Heckteil aus Kunststoff gefertigt ist, sah er Probleme, dieses riesige Loch zu flicken, noch dazu, weil die "Füllung" recht schmal sein musste, damit das Heckteil wieder auf den Rahmen aufgesetzt werden kann. Er erwähnte, dass es "ein paar hundert Euro kosten" könnte.
Die Lösung: GFK
Ein Freund hatte die Idee, das Loch mit GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) zu flicken. Allerdings hatte ich noch nie mit GFK gearbeitet. Nach einer kurzen Recherche war klar, dass ein neues Heckteil um die 50,- EUR kostet. Im schlimmsten Fall hätte ich also nur ein bisschen Zeit und Material verschwendet und könnte jederzeit ein neues Ersatzteil bekommen.
Die Umsetzung
Ich begann an einem Samstagmorgen und war am späten Nachmittag fertig. Ich ließ jede Schicht etwa eine Stunde trocknen, bevor die nächste aufgetragen wurde. Da das Epoxidharz recht schnell trocknet und sich praktisch nicht mehr entfernen lässt, kaufte ich zwei billige Sets an Pinseln und benutzte für jede Lage GFK einen neuen Pinsel. Beim Verarbeiten ist es eine ziemliche Sauerei!
Nach großzügig bemessenen zwei Tagen Trocknungszeit kam der nächste Arbeitsschritt: Das Abschneiden überschüssigen Materials und dann - mehrere Tage lang - das Schleifen und die Feinarbeit. Die Vorarbeit habe ich mit grobem 40er und 80er Schleifpapier gemacht. Danach bin ich auf 120er und 200er Schleifpapier umgestiegen und zum Schluss kam das Fillern mit Spritzspachtel und der Feinschliff mit 500er Nassschleifpapier.
Nach einigen Tagen wurde ich für die mühevolle Arbeit belohnt: Das Ergebnis sah gut aus und war obendrein auch noch sehr stabil!
Die Blinker
Als ich die Kellermann Atto Blinker das erste Mal sah, zweifelte ich an der Legalität dieser Fahrtrichtungsanzeiger. Nachdem ich sie aber in Aktion gesehen habe, war mir klar, dass man diese Blinker gar nicht übersehen kann, wenn sie eingeschaltet sind.
Lackierung
Nachdem die Grundierung getrocknet war, kam noch eine Portion schwarzer Lack drauf. Ich habe mich für einen mattschwarzen Strukturlack entschieden, um kleinere Unreinheiten zu kaschieren und weil ich fand, dass das Heckteil nicht absolut glatt sein sollte.
TÜV und Legalität
Meinen TÜV-Prüfer habe ich vorher von meinem Plan erzählt, auch weil es gerade bei Blinkern Mindestmaße und -abstände einzuhalten gilt. Die meisten Prüfingenieure sind sehr interessiert was Fahrzeuge allgemein angeht und beraten einen gerne, wenn man Umbauten plant.
Gemeinschaftliches Projekt
Der Umbau ist nun ziemlich genau zwei Jahre alt. Alles begann, dass man sich im Desmorado-Forum kennengelernt hat. Jürgen aus Passau und ich waren uns einig, dass wir mal gemeinsam eine Runde drehen sollten. Auf meiner HP wurde er dann auf mein Umbauvorhaben aufmerksam. Somit haben wir kurzer Hand ausgemacht, die Hecks zusammen zu kürzen.
Die gemeinsame Vorgehensweise
- Zuerst die vier Schrauben unter der Verkleidung lösen und das Rücklicht abklemmen und demontieren.
- Die Stelle markieren, an der gesägt werden muss (in unserem Fall bei 8,5cm).
- Mit einem Klebeband eine saubere Markierung setzen, an der entlanggesägt wird.
- Die Schnittstelle entgraten.
- Lackieren mit einem Zinkstift oder -spray.
- Die Carbonhecks montieren.
- Das Rücklicht wieder einbauen und anschließen.
- Die Löcher für die Blinker bohren und diese montieren.
- Bei LED-Blinkern einen passenden Leistungswiderstand parallel schalten.
- Die originale Halterung verwenden, um das Kennzeichen zu montieren.
Weitere Umbauten und Individualisierungen
Neben dem Heckumbau gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, eine Ducati Monster zu individualisieren:
- Mini-LED Rücklicht mit Kennzeichenbeleuchtung: Eine Alternative zur Riesenoriginallampe.
- Spritzschutz unter der Sitzbank durch eine Aluplatte ersetzen: Für eine saubere Optik.
- Selbstgebauter Kennzeichenhalter (3mm Alu) samt Blinkerhalter: Kann bei Bedarf demontiert werden.
Eintragung und Legalität in Deutschland
In Deutschland gibt es keine Vorschrift bezüglich Radabdeckung oder Spritzschutz für Motorräder, die nach 1999 und EWG Richtlinie zugelassen sind. Es sollte auf den richtigen Winkel vom Kennzeichen und auf einen Rückstrahler geachtet werden.
Ein kurzes Heck mit ABE oder Gutachten ist von Vorteil. Andernfalls kann es schwierig werden, jemanden zu finden, der das einträgt. Eventuell wird das Fahrzeug auch als Einsitzer deklariert, wenn es ganz kurz wird.
Soziusabdeckung
Die Soziusabdeckung wird mit 2 Schrauben unterhalb der Sitzbank befestigt. Es ist wichtig, die Abdeckung zusammen mit den Haltern zu verkaufen, da man weder mit der Soziusabdeckung noch mit den Haltern jeweils einzeln etwas anfangen kann.
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