Ducati Monster M900: Technische Daten und Modellgeschichte

Die Ducati Monster M900 ist ein Naked Bike, das seit Anfang 1993 die Motorradwelt revolutioniert hat. An ihr messen sich seitdem ganze Generationen von unverkleideten Krafträdern. Hier werden die technischen Details und die Modellhistorie von der ersten M900 bis zur Monster 900 S.i.e. beschrieben.

Die Ursprünge der Ducati Monster M900

Ihr Designer, Miguel Angel Galluzzi, ging seine Erfindung seinerzeit recht pragmatisch an: Alles was man braucht, ist eine Sitzbank, einen Tank, einen Motor, zwei Räder und einen Lenker. Der Verkaufsschlager ging als preisgünstiges Modell im Baukastenprinzip - mit dem Motor aus der 900 SS und dem Rahmen sowie dem Fahrwerk mit geringen Änderungen aus der Superbike Baureihe - an den Start.

Die M900 revolutionierte die Welt auf Anhieb mit ihrem kompakten Äußeren, dem rundlichen Tank über dem frei zur Schau stehenden Gitterrohrrahmen und ihrem luftgekühlten 904 ccm Motor, dem Desmodue mit Vergasern. Ein Bild von einem V2. Und das Auge fährt ja bekanntlich mit vor allem bei unverkleideten Motorrädern.

Mit seinen 53 Cavalli reißt der italienische Zweiventiler freilich keine Löcher in den Asphalt. … überzeugte die M900 direkt alle Anhänger puristischen Fahrvergnügens, die auch auf Stil und Charakter ihrer Fahrmaschine viel Wert legen: Auf Anhieb vertrauenerweckend wirkt die gesamte Balance der Maschine, der Schwerpunkt ist dank des V2 niedrig, das Handling gerät ausnehmend leicht. Auch die Stabilität auf den Geraden überzeugt.

Wie alle Ducati-Motoren braucht auch das Monster M 900-Triebwerk penible Wartung: Problematisch sind vor allem Vergaser und Kupplung. Mangelndes Ansprechen der Gasfabrik versuchten die Besitzer mit einer kürzeren Übersetzung, größeren Leerlaufdüsen, Dynojet-Kit plus K&N-Luftfiltern zu verbessern.

Modelljahre der Ducati M 900 Monster (1993-1999)

Die Ducati M 900 Monster wird 1993 als erstes Modell der neuen Monster-Baureihe vorgestellt. Sie kombiniert den luftgekühlten 904-cm³-Zweiventil-V-Twin der Ducati 900 Supersport mit dem Gitterrohrrahmen der Ducati 851. Die M 900 Monster begründet damit das Segment der sportlich orientierten Naked Bikes bei Ducati.

Ab Werk ist das Modell mit einem 6-Gang-Getriebe und einer Trockenkupplung ausgestattet. Die Sitzposition ist aufrecht mit leicht nach vorne geneigtem Oberkörper. Die Soziustauglichkeit ist gegeben, ein Soziussitz mit Haltegriffen gehört zur Serienausstattung. Ein Windschild ist nicht serienmäßig montiert, kann jedoch über das Ducati-Zubehörprogramm nachgerüstet werden. Es ist nicht verstellbar.

Modelljahr 1993

Die erste Version der M 900 Monster wird mit einer 40-mm-Upside-down-Gabel von Showa ausgeliefert. Hinten arbeitet ein einstellbares Monofederbein. Die Bremsanlage stammt von Brembo und besteht vorne aus zwei 320-mm-Scheiben mit Vierkolben-Festsätteln. Die Instrumentierung ist rein analog mit separatem Tacho und Drehzahlmesser. Die Bereifung ab Werk besteht aus Pirelli MTR 01/02 auf 17-Zoll-Gussfelgen.

Modelljahr 1994

1994 erhält die M 900 Monster ein überarbeitetes Zündsteuergerät, das die Laufkultur verbessert. Weitere technische Änderungen erfolgen in diesem Jahr nicht.

Modelljahr 1995

Ab 1995 wird eine leistungsstärkere Lichtmaschine verbaut, um die Bordelektrik zu stabilisieren. Die übrige Technik bleibt unverändert.

Modelljahr 1996

1996 wird serienmäßig ein Ölkühler integriert, um die thermische Stabilität des luftgekühlten Motors zu verbessern. Diese Änderung betrifft alle ab Werk ausgelieferten Fahrzeuge dieses Modelljahres.

Modelljahr 1998

1998 erfolgt eine Anpassung der Auspuffanlage an neue Geräuschvorschriften. Die genaue Standgeräuschangabe variiert je nach nationaler Zulassung, Ducati selbst gibt für das Modell kein einheitliches Standgeräusch an. Eine offizielle Angabe von 94 dB(A) ist nicht durch Ducati-Dokumente belegt.

Modelljahr 1999

1999 wird die letzte Version der M 900 Monster mit Vergasermotor produziert. Die technische Ausstattung bleibt gegenüber dem Vorjahr unverändert. Ab 2000 folgt die M 900 i.e. mit elektronischer Einspritzung.

Modellpflege (1993 bis 1999)

Die erste Monster-Generation (1993 bis 1999) musste aufgrund gesetzlicher Bestimmungen richtig Leistung lassen.

  • 1993 Markteinführung der Ducati M 900 Monster mit Motor aus 900 SS und modifiziertem Rahmen aus 851/888-Reihe. Preis 19250 Mark (9842 Euro).
  • 1995 Schwarze Zahnriemenabde-ckung, Marzocchi-Gabel (vorher Showa). Rahmenfarbe und Hinterradkotflügel neu. Preis 18440 Mark (9428 Euro).
  • 1996 Leistung sinkt aufgrund verschärfter Geräusch- und Abgasbestimmungen von 78 auf 75 PS, Gabel einstellbar. Preis 19240 Mark (9837 Euro).
  • 1997 Ein- und Auslassventile mit reduziertem Durchmesser, Ventilsitze geändert, neue Nockenwelle und Zündboxen, Leistung sinkt auf 67 PS. Cockpitverkleidung serienmäßig, Preis 19390 Mark (9914 Euro).
  • 1998 Wegfall der Cockpitverkleidung, andere Kolben und Zylinder. Neu: Stahlflex-Bremsleitungen, Brems- und Kupplungsarmaturen. Preis 18840 Mark (9633 Euro). M 900 S mit 74 PS starkem Motor und Cockpitverkleidung, Cromo mit verchromten Tank. Preis je 20340 Mark (10400 Euro).
  • 1999 Sondermodelle Dark mit mattschwarzer Lackierung, City/City Dark mit Packtaschen und Karbonteilen, S mit 78-PS-Motor, Cockpitverkleidung und Öhlins-Federbein, Cromo mit verchomten Tank, höherem Lenker und Windschild. Preise von 17340 bis 21340 Mark (8866 bis 10911 Euro).

Ducati Monster 900 S.i.e - Baujahre 2000 bis 2002

Die Ducati Monster 900 S.i.e wird von Ducati in den Modelljahren 2000 bis 2002 produziert. Sie markiert den Übergang von der Vergasertechnik zur elektronischen Kraftstoffeinspritzung innerhalb der Monster-Baureihe. Die Bezeichnung „S.i.e“ steht für „Sistema Iniezione Elettronica“ und verweist auf die Einführung der elektronischen Einspritzung, die erstmals bei diesem Modell zum Einsatz kommt.

Baujahr 2000 - Einführung der elektronischen Einspritzung

Im Modelljahr 2000 ersetzt die Monster 900 S.i.e die bisherige Monster 900 mit Vergasermotor. Die wichtigste technische Neuerung ist die elektronische Einspritzanlage, die Ducati in Zusammenarbeit mit Magneti Marelli entwickelt. Sie arbeitet mit einem 45-mm-Drosselklappengehäuse und verbessert das Ansprechverhalten sowie die Emissionswerte. Der luftgekühlte 90°-V-Twin mit desmodromischer Ventilsteuerung bleibt erhalten.

Das Fahrwerk übernimmt Ducati weitgehend unverändert vom Vorgängermodell. Die Vorderradführung übernimmt eine 43-mm-Upside-down-Gabel von Showa, hinten arbeitet ein einstellbares Monofederbein. Die Bremsanlage besteht aus zwei 320-mm-Bremsscheiben mit Vierkolben-Festsätteln von Brembo vorn. Die Sitzhöhe beträgt laut Ducati 795 mm. Die Sitzposition ist aufrecht mit leicht nach vorn geneigtem Oberkörper, typisch für Naked Bikes dieser Klasse.

Baujahr 2001 - neue Farbvarianten

Im Modelljahr 2001 bleibt die Technik der Monster 900 S.i.e unverändert. Ducati ergänzt jedoch das Farbangebot. Das analoge Kombiinstrument mit separatem Drehzahlmesser und Tachometer bleibt erhalten. Ein LC-Display ist nicht vorhanden. Serienmäßig wird kein Windschild verbaut, ein kleiner, nicht verstellbarer Windschild ist als offizielles Zubehör erhältlich.

Baujahr 2002 - Auslauf der Baureihe

2002 stellt Ducati die Produktion der Monster 900 S.i.e ein. Technische Änderungen erfolgen nicht. Die Modellreihe wird durch Nachfolger mit weiterentwickelter Einspritztechnik und modernisiertem Design ersetzt. Die Monster 900 S.i.e bleibt als Übergangsmodell zwischen Vergaser- und Einspritzära ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Monster-Baureihe.

Die Maschine ist für den Soziusbetrieb ausgelegt. Sie verfügt über eine zweite Sitzbankstufe und Soziusfußrasten. Der Tankinhalt beträgt laut Ducati 16 Liter. Ein offizieller Verbrauchswert wird im Handbuch nicht angegeben, die Reichweite hängt daher vom individuellen Fahrstil ab. Ducati bietet für die Monster 900 S.i.e passendes Zubehör wie Tankrucksäcke und Hecktaschen an. Reifen ab Werk sind laut offizieller Dokumentation Pirelli MTR 01/02.

Modellpflege (ab 2000)

  • 2000 Motor mit Motormanagement und Nockenwellen der SS 900 sowie Getriebe von der 748. Leistung steigt auf 78 PS. Ab sofort mit Modellzusatz „i. e.“. Preis 18490 Mark (9454 Euro). Weiterhin im Programm City/City Dark, Dark, S und Cromo zu Preisen von 17990 bis 20540 Euro (9198 bis 10502 Euro).
  • 2003 Die neue Monster 1000 S ersetzt die 900er-Modellreihe.

Technische Daten Ducati M 900 i.e. Monster (Modelljahr 2000)

Motor Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, je eine obenliegende, zahnriemengetriebene Nockenwelle, zwei desmodromisch betätigte Ventile pro Zylinder
Schmierung Nasssumpfschmierung
Kraftstoffzufuhr elektronische Saugrohreinspritzung, Ø 45 mm
Abgasreinigung keine
Kupplung hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Trockenkupplung
Getriebe Sechsganggetriebe
Antrieb O-Ring-Kette
Bohrung x Hub 92 x 68 mm
Hubraum 904 cm³
Nennleistung 57 kW (78 PS) bei 8300/min
Räder Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 170/60 ZR 17
Radstand 1430 mm
Lenkkopfwinkel 67 Grad
Nachlauf 104 mm
Federweg v/h 120/144 mm
Sitzhöhe 790 mm
Gewicht vollgetankt 203 kg
Zuladung 182 kg
Tankinhalt 16,5 Liter
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 3,6 sek
Durchzug 60-140 km/h 10,1 sek
Verbrauch 6,3 l/100 km (Landstraße)

Gebrauchtberatung Ducati Monster M 900

Bislang hat vor allem der Preis den Interessenten einen Schrecken eingejagt. Doch die Monster kann auch anders: Wer mit Ausdauer sucht, bekommt sie gut und günstig.

Die 900er-Monster fällt wie die meisten Schwestermodelle aus Bologna in die Kategorie Liebhabermotorrad. Das bedeutet, der Pflegezustand ist selbst bei den ältesten Typen der Baureihe im Regelfall überdurchschnittlich gut. Trotzdem sollte man aber genau kontrollieren, ob wichtige Wartungsarbeiten regelmäßig durchgeführt wurden. Wie beispielsweise der Zahnriemenwechsel: Vorsicht bei Exemplaren mit gelbem oder weißem Riemen-Aufdruck, diese sind nämlich steinalt.

Bei fachgerechter Pflege sind kaum Probleme zu erwarten, Profischrauber attestieren dem Zweiventiler eine Standfestigkeit von weit über 100000 Kilometern. Gut also, wenn ein lückenloses Scheckheft vorgelegt werden kann. Immer wieder ein Thema, besonders nach der Probefahrt, ist die Trockenkupplung. Völlig normal ist das Rasseln im Leerlauf, weniger okay eine im Fahrbetrieb rupfende und schlecht dosierbare Kupplung, die nach hohen Handkräften verlangt. Meist ist der Kupplungskorb verschlissen und muss ausgetauscht werden. Gut ist, wenn der Vorbesitzer bereits auf eine leichter dosierbare Kupplung aus dem Zubehör umgerüstet hat.

Marktsituation

Preisniveau in Euro der Ducati Monster. Die magische Grenze von 3000 Euro liegt bei vielen Monster-Angeboten noch in weiter Ferne. Auch wenn viele Angebote mittlerweile 15 Jahre und mehr auf dem Buckel haben. Interessant ist allemal die Frage nach Vergaser oder Einspritzer. Ob ihres Ansprechverhaltens deutlich einfacher fahren lässt sich die Einspritzmonster, erkennbar am Kürzel i.e.. Sie ist auf jeden Fall Einsteigern in die Ducati-Szene zu empfehlen, verlangt aber aber nach einer Mindest-Einlage von rund 4500 Euro.

Umbauen und Individualisieren („Customizing“) genießt in der Monster-Szene einen hohen Stellenwert. Dementsprechend wird der Wert besonders umfangreicher Anbauten wie extravaganter Teile meist auch extra aufgeschlagen.

Häufige Fragen

Ist die Ducati Monster 900 S.i.e für Anfänger geeignet?

Die Monster 900 S.i.e richtet sich mit ihrer Leistungscharakteristik und dem Fahrverhalten eher an erfahrene Fahrer. Sie ist nicht als Einsteigermodell konzipiert.

Hat die Ducati Monster 900 S.i.e ABS?

Nein, die Ducati Monster 900 S.i.e ist nicht mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet.

Monster 900 S.i.e vs. Monster 900 - Unterschiede?

Der zentrale Unterschied liegt in der Kraftstoffversorgung: Die Monster 900 S.i.e nutzt elektronische Einspritzung, während die Monster 900 mit Vergasern arbeitet.

Ducati Monster 900 S.i.e Tankinhalt und Reichweite?

Der Tank fasst 16 Liter. Ein offizieller Verbrauchswert wird von Ducati nicht angegeben, daher lässt sich keine exakte Reichweite beziffern.

Darf man mit der Ducati Monster 900 S.i.e nach Tirol fahren?

Das Standgeräusch der Monster 900 S.i.e beträgt laut Zulassungsbescheinigung 95 dB(A).

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