Ducati Monster S4RS: Technische Daten und Fahrbericht

Die Ducati Monster S4RS ist das sportlichste und teuerste Mitglied der Monster-Familie. Sie kombiniert den 130 PS starken Testastretta-V2 mit feinsten Brembo-Bremsen und edlem Federwerk von Öhlins.

Das Konzept

Der erste echte Production-"Café Racer" - eine Evolution des meistgeliebten Naked Bikes Italiens und der ganzen Welt. Ihr geradliniges Konzept hat dem Monster Jahr für Jahr einen gewaltigen Erfolg beschert. Jetzt aber - zum ersten Mal in seiner Geschichte und nach 10 Jahren unangefochtener Führung - wurde bis ins kleinste Detail an einem entschieden aggressiven Look gearbeitet.

Die wichtigsten Neuerungen der S4RS

Die wichtigsten Entwicklungen betreffen Fahrwerks-Setup und Motor, letzterer kein Geringerer als der aus der Superbike-WM kommende und sieggewohnte, wassergekühlte 996-Motor mit Einspritzung.

Änderungen im Überblick:

  • Neuer 996 ccm Motor
  • Neuer Auspuff (hochgezogene Schalldämpfer 2-1-2)
  • Aluminium-Schalldämpferabdeckungen
  • Aluminium-Krümmerabdeckungen
  • Ölkühler
  • Aluminium-Einarmschwinge
  • Neues, voll abstimmbares Showa Federbein
  • Neue, voll abstimmbare Showa-Gabel mit TIN-Beschichtung
  • Neue Spiegel
  • Neue Fußrasten für Fahrer und Beifahrer mit getrennter Aufnahme
  • Neuer Ständer aus Aluminium
  • Neue Bremsscheibe hinten mit 6 mm dicke
  • Einstellbarer Aluminium-Lenker
  • Neuer, leichterer Steuerkopf
  • Elektronische Instrumente im Racing-Design
  • Carbonteile: Kotflügel vorne, Seitendeckel, Kühlerabdeckung, Zahnriemenabdeckung

Performance

Mit 113 PS (12 mehr als die S4) ist die Monster S4R die stärkste nackte Ducati aller Zeiten! Ein Motorrad, das bei schnellen Kurvenwechseln unschlagbar ist und trotzdem für alle Situationen auf Straße und Rennstrecke perfekt gerüstet ist.

Der wassergekühlte 8-Ventil Desmo-Motor, vom 996 Rennmotor abgeleitet, macht die S4R zu einem Motorrad für Fahrer mit viel Erfahrung.

Fahrwerk

Das Fahrwerk wurde in jeder Hinsicht verbessert. Das herausragendste Merkmal ist die Einarmschwinge aus Alu, deren Design von der MH evoluzione beeinflusst wurde. Aber auch die voll abstimmbaren Fahrwerks-Komponenten, die TIN-beschichtete Gabel, machen klar das der Schwerpunkt auf dem Fahrwerk der S4R liegt. Überarbeitet wurde auch das hintere Bremssystem, das mit einer größeren und dickeren Bremsscheibe antritt.

Ergonomie

Entsprechend dem Wunsch vieler Monsterfahrer hat die S4R einen eleganten, praktischen und vielseitigen Alu-Lenker anstelle der bisherigen von der ST abgeleiteten Halblenker-Lösung. Dank der neuen Fußrasten, dem Ständer und dem Auspuff konnte auch die Schräglagenfreiheit erhöht werden. Die Fußrasten sind nicht nur im Design geändert, sondern auch näher am Motorrad angebracht, sodass sich ein schmälerer ittenbereich ergibt. Auch die Spiegel wurden neu designt.

Instrumentierung

Das multi-funktionale elektronische Cockpit wurde mit Racing-Look und schwarzweissem Hintergrund neu gestylt. Das Digital-Display erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen Uhr und Wassertemperatur, auch während der Fahrt. Für Nachtfahrten kann die Helligkeit der Display-Beleuchtung gedimmt werden; die Einheit informiert auch über den nächsten Service-Zeitpunkt. Teil- und Gesamtkilometer werden mit LCD-Displays dargestellt.

Fahrbericht Monster S4RS

Ganz kurz nur, für einen Sekundenbruchteil, stehen 230 Sachen auf der Uhr. Das Ende der von einer lang gezogenen Rechtskurve unterbrochenen Gegengeraden auf der spanischen Rennstrecke von Ascari rast näher. Und die stärkste und radikalste Serien-Monster hämmert unbeeindruckt darauf zu.

Kräftig und ganz ohne Tücke beißen Brembos beste Serien-Bremsen zu: radial angeschlagene Vierkolbenstopper mit je vier Einzelbelägen, traumhaft transparent aktiviert per Radialpumpe. Rasant und doch fast unspektakulär sinkt das Tempo. So fühlt sich Verlässlichkeit an. Einfach, unauffällig, gut. Genau so fährt sich das Über-Monster insgesamt, macht den Kopf frei für fast meditatives Fahren.

Runterschalten vom fünften bis in den zweiten Gang und dann Abtauchen in volle Schräglage meistert die Duc mit links. Sie lenkt auch auf der Bremse willig ein. Wichtig, wenn man seinen Bremspunkt mal verpasst hat. An der pylonenübersäten Schikane läuft alles wie von selbst ab. Mit traumwandlerischer Sicherheit folgt die Italienerin der Linie. Oder auch jeder beliebigen anderen. Weshalb geht das alles so einfach? Weil das Feedback stimmt.

Leicht fühlt sich die 1000er an. 177 Kilogramm trocken vermeldet Ducati stolz, vier weniger als bei der S4R mit Desmoquattro-Twin. Den überflügelt der in die S4Rs verpflanzte Testastretta leistungsmäßig locker, mit 130 statt 117 PS.

Dieser V2 aus der 999 kennt nur eins: Power! Die riesigen 100er-Kolben stürmen die 63,5 Millimeter Hub auf und ab, viel Ventilhub verbessert die Füllung. Gleichmäßig legt der L-Twin mit den Alu-ummantelten Kühlschläuchen Kohlen nach, kommt bereits ab 5000 Touren vehement zur Sache. Völlig smooth, ohne störende Vibrationen und ohne Tritt in die Magengrube. Ducatis Erfahrung bei der Abstimmung großvolumiger Einspritzmotoren zahlt sich aus.

Etwas dünn klingt der Sound aus den zwei übereinander liegenden Aluminium-Schalldämpfern. Sonst aber legte Ducati viel Wert auf »Cleaning«, hat störende Kabel und Leitungen versteckt verbaut, um die Linie rein zu halten. So kommt der charakteristische Gitterrohrrahmen im roten Dress voll zur Geltung. Dominant, weil technisch unvermeidbar, fallen nur der gebogene Wasserkühler und der trapezförmige Ölkühler darunter aus.

Leichte Aluminium-Schmiederäder reduzieren die Kreiselkräfte: Nur noch 4,2 Kilogramm statt 5,5 bei der S4R soll die von der identischen Einarmschwinge geführte 5,5-Zoll-Felge wiegen. Die neuen Räder mit je fünf Y-Speichen basieren auf denen der 999 S und R. Luftig weiß glänzen sie nur bei der perlmuttweißen Lack- variante. An der rot oder schwarz lackierten S4Rs sind sie schlicht schwarz.

Teuflisch gut haften die famosen Michelin Pilot Power. Ein wenig unterfordert bleiben die teuren Federelemente von Öhlins auf der fast topfebenen Strecke von Ascari. Die komplett einstellbare Federware folgt dem Relief sensibel. An der Upside-down-Gabel glänzen die Gleitrohre gülden wegen Titannitrid-Beschichtung. Das 2,7 Kilogramm leichte Federbein mit Ausgleichsbehälter wurde extra für die S4Rs entwickelt.

Zerfurchte Landstraßen bekommt die Power-Monster heute nicht unter die Räder; Ducati präsentiert sie völlig rennverliebt ausschließlich auf dem Rundkurs. Dort liegt sie stabil und komfortabel, absolut souverän. Beim Beschleunigen kündet allenfalls leichtes Zucken im Lenker von der Macht, mit der die 130 Pferde am Zügel ziehen. Bis die schwarz-weiße Zielflagge das Treiben beendet.

Keine Krone der Kröpfung ist der zu den Enden hin abfallende Alu-Lenker. Er sorgt zusammen mit der hohen Kupplungshandkraft auf Dauer für Verspannungen. Tribut an den Platzbedarf der größeren Testastretta-Airbox.

Vom Ur-Monster, der M 900 von 1993, stammt bei der S4Rs lediglich noch ein einziges Bauteil: die Abdeckung überm Soziussitz. Trotzdem werden nur Kenner der Monster-Materie das fast 15000 Euro teure, adrett gestylte Geschöpf auf Anhieb als neues Motorrad erkennen. Es kostet knapp 50 Prozent mehr als eine zweiventilige, luft- gekühlte S2R mit 95 PS.

Technische Daten - Ducati Monster S4Rs

  • Motor: wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor
  • Ventilsteuerung: je zwei oben liegende, zahnriemengetriebene Nocken- wellen, vier Ventile pro Zylinder, desmodromisch betätigt
  • Schmierung: Nasssumpfschmierung
  • Einspritzung: Ø 50 mm
  • Katalysator: geregelter Katalysator
  • Lichtmaschine: 520 W
  • Batterie: 12 V/10 Ah
  • Kupplung: hydraulisch betätigte Mehr- scheiben-Trockenkupplung
  • Getriebe: Sechsgang- getriebe, O-Ring-Kette
  • Bohrung x Hub: 100,0 x 63,5 mm
  • Hubraum: 998 cm3
  • Verdichtungsverhältnis: 11,4:1
  • Nennleistung: 95,7 kW (130 PS) bei 9500/min
  • Räder: Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
  • Reifen: 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17
  • Radstand: 1440 mm
  • Lenkkopfwinkel: 66,0 Grad
  • Nachlauf: 94 mm
  • Federweg v/h: 130/148 mm
  • Sitz- höhe: 805 mm
  • Trockengewicht: 177 kg
  • Tankinhalt/Reserve: 13,5/3,0 Liter

Modellhistorie

  • 2006: Einführung der S4R S Testastretta mit 998 cm³ Testastretta-Motor, Öhlins-Fahrwerk und Brembo-Bremsen.
  • 2007: Keine technischen Änderungen.
  • 2008: Letztes Produktionsjahr.

Weitere Details

  • Die S4R S Testastretta ist nicht für Fahranfänger geeignet.
  • Sie ist nicht mit ABS ausgestattet.
  • Die Reichweite beträgt etwa 230 Kilometer.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0