Ducati MotoGP: Technische Daten und mehr

Jeder MotoGP-Fan hat sich sicherlich schon einmal gefragt, wie es sich anfühlt, ein Bike aus der Königsklasse zu fahren. Gelegentlich gab es schon die Chance, dies herauszufinden. Doch wie oft hat man die Chance, eine echte MotoGP-Replika für die Straße zu besitzen? Die Antwort ist einfach: Man hat zwei Chancen.

Die erste besteht darin, rund 200.000 Euro für die RC213V-S von Honda auszugeben. Die andere besteht darin, das Motorrad zu kaufen, welches das erste MotoGP-Bike mit Licht war - die glorreiche Ducati Desmosedici RR.

Die Ducati Desmosedici RR

Als die Desmo 2007 auf den Markt kam, kostete sie "nur" knapp über 60.000 Euro, was für ein MotoGP-Straßenbike in limitierter Auflage gar nicht so schlecht ist. Heutzutage gehört die Desmo zu den "modernen Klassikern", was einen hohen Preis bedeutet. Sie ist zwar alles andere als selten, da Ducati über 1.500 Desmos hergestellt hat, aber für ein gebrauchtes Exemplar muss man Minimum 75.000 Euro ausgeben.

Mit einer Leistung von 188 PS und einem Drehmoment von 112 Nm liegt die Desmo knapp unter der aktuellen Panigale V4. Obwohl die RR aufgrund ihrer "Twin-Pulse"-Zündfolge den gleichen Sound wie die Panigale hat, ist ihr Motor nicht ganz so charaktervoll und fühlt sich anders an. Da Ducati viele exotische Materialien verbaut hat, dreht der V4 der RR etwas schneller als der V4 der Panigale, was bedeutet, dass er sich zwar immer noch V4-typisch anfühlt, aber nicht ganz so entspannt und gutmütig ist wie die Panigale mit dem größeren Hubraum.

Die Desmo ist alles andere als langsam und beschleunigt wirklich zügig. Der Motor des Desmosedici RR ist ein Kunstwerk der MotoGP und verfügt über unglaubliche Technologie. Der Desmo hat nicht nur die gleiche Bohrung und den gleichen Hub wie die GP6-MotoGP-Maschine (und 989 ccm Hubraum), sondern auch die gleiche Doppelpuls-Zündfolge und ist sogar mit Titanventilen und zahnradgetriebenen Nockenwellen mit desmodromischer Steuerung ausgestattet.

Das Sechsgang-Getriebe ist ein Kassettengetriebe und sie hat sandgegossene Motorgehäuse, Titan-Pleuel und vieles, vieles mehr.

Wartung und Besonderheiten

Die Desmo muss alle 12 Monate gewartet werden, was nicht weiter schlimm ist, da es sich im Wesentlichen um Öl und Filter handelt, aber alle 12.000 Kilometer muss das Ventilspiel überprüft werden - und das ist ein Problem. Das Problem ist, dass man das ganze Motorrad auseinandernehmen muss, um an den kompakten V4 zu kommen, so dass nur noch ein Motor mit einer Schwinge übrig ist. Das bedeutet, wenn man Glück hat, etwa 10 Stunden Werkstattarbeit und eine saftige Rechnung.

Die gute Nachricht ist, dass es keine Nockenwellenriemen zu überprüfen gibt. Bei 35.000 Kilometer wird es noch schlimmer, denn dann müssen die Zylinderköpfe abgenommen und die Ventile entkohlt werden, was den Geldbeutel nochmals entlastet. Vorausgesetzt, die Titanventile sind in Ordnung und am Motor muss nichts ausgetauscht werden.

2007 verkaufte Ducati ein Rennkit, das einen 102bD-Rennauspuff, eine spezielle CPU, eine Motorradabdeckung und einen Montageständer enthielt. Die Desmo hat das gleiche Chassis wie die GP6-MotoGP-Maschine, d.h. ein Stahlrohr-Gitterrohr-Rahmen, wie es Ducati damals bei den GP-Maschinen einsetzte.

Beeindruckend ist auch die gleiche Geometrie wie bei der GP-Maschine sowie der Carbon-Hilfsrahmen und sogar geschmiedete und gefräste Magnesiumräder von Marchesini - eine Premiere für ein Serienmotorrad. Zusammen mit der Öhlins FG353-Gabel (ebenfalls eine Premiere) und dem Öhlins-Federbein kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Ducati an keiner Stelle gespart hat.

Allerdings gibt es ein paar Besonderheiten: Während das Vorderrad mit einem normalen 120/70 17-Zoll-Reifen ausgestattet ist, ist das Hinterrad mit einem 200/55 16-Zoll-Reifen bestückt, der mit speziellen Bridgestone BT-01R-Reifen gefahren wird.

Auf der Straße ist die Desmo wendig, aber nicht umwerfend wendig, wie es für Ducati typisch ist und erst wenn man sie auf der Rennstrecke richtig ausreizt, wird das von der GP abgeleitete Fahrwerk spürbar. In Wirklichkeit ist die Federung auf der Straße hart, die Bremsen superscharf und die Sitzposition unbequem.

Aber wen interessiert das schon? Das ist ein GP-Motorrad mit Licht, es soll ein bisschen aggressiv sein! MotoGP-Rennen dauern nur 45 Minuten und umfassen etwa 120 Kilometer und das ist auch alles, was dein Hintern auf der Desmo aushalten kann!

Das Auspuff unter der Sitzbank ist heiß, der Motor ist heiß und die Sitzposition ist für jemanden von der Größe eines Loris Capirossi ausgelegt! Was die Fahrerassistenz angeht, bekommt man einen Schaltblitz und das war's auch schon.

Falls es dich tröstet: Das Armaturenbrett ist identisch mit dem der GP7-MotoGP-Maschinen von Ducati. Die 1098R, die ein Jahr später auf den Markt kam, führte die Welt der Sportmotorräder in die Traktionskontrolle ein. Auf der Desmo liegt die gesamte Kontrolle noch in deinem rechten Handgelenk.

Was das Zubehör angeht, so gibt es einiges auf dem Markt und Besitzer tauschen gerne das 16-Zoll-Hinterrad gegen ein 17-Zoll-Rad aus, um die Reifenauswahl zu vergrößern. Und dann ist da noch die Auspuffanlage... 2007 verkaufte Ducati ein GP7-Auspuffpaket, das einen Titan-Auspuff, eine neue Karbon-Verkleidung, eine neue Karbon-Sitzeinheit, eine Renn-ECU und einen Luftfilter enthielt - was es ziemlich vernünftig erscheinen lässt. Es überrascht nicht, dass Ducati es ausverkauft hat und es nicht mehr erhältlich ist.

Wenn man will, dass die Desmo wie der Donner knallt, muss man sie mit einer bereits montierten GP7-Auspuffanlage kaufen, denn sie sind selten und das spiegelt sich auch in den Preisen wider.

Ducati in der MotoGP

Seit dem MotoGP-Einstieg in der Saison 2003 vertraut Ducati auf das V4-Konzept. Während die Konkurrenz die Ventile pneumatisch steuert, hat Ducati die hauseigene mechanische Lösung perfektioniert und baut laut Insidern den stärksten Motor im Feld.

Offiziell wird die Leistung der Desmosedici mit "über 250 PS" angegeben. Neben dem einzigartigen Motor verfügt Ducati über weitere Innovationen. Im Bereich der Aerodynamik war Ducati in den zurückliegenden Jahren eine Inspiration für alle anderen Hersteller.

Luigi Dall'Igna hat seit seiner Ankunft vor der MotoGP-Saison 2014 genug Zeit gehabt, um eine ordentliche Basis zu schaffen, die jetzt von Jahr zu Jahr nur in Details verfeinert werden muss. Von 2017 zu 2018 und von 2018 zu 2019 änderte sich das Konzept der Desmosedici nur in Feinheiten.

Ducatis Markenzeichen ist nach wie vor der desmodromisch gesteuerte V4-Motor im 90-Grad-Winkel. Das wohl stärkste Triebwerk der MotoGP schickt laut Ducati "über 250 PS" an die Kurbelwelle. Insider deuteten an, dass Ducati seit einigen Jahren an der 300-PS-Marke kratzt.

Wesentliche Fortschritte erzielte Ducati zuletzt beim Getriebe. Nachdem Seamless-Getriebe in der Saison 2011 debütierten, wurde es in den vergangenen Jahren ruhiger. Doch Ducati-Stratege Luigi Dall'Igna erkannte, dass weitere Fortschritte möglich sind und beschäftigte sich mit diesem Bereich. Offensichtlich fruchteten die Bemühungen des Technikgurus, denn bei den Nachsaisontests im November 2018 wurde das 2019er-Getriebe von den Ducati-Fahrern gelobt.

Technische Daten der Ducati Desmosedici (2019):

Merkmal Details
Motor wassergekühlter V4-Motor im 90°-Winkel mit desmodromischer Ventilsteuerung und vier Ventilen pro Zylinder
Hubraum 1.000 Kubikzentimeter
Leistung mehr als 250 PS
Höchstgeschwindigkeit mehr als 350 km/h
Getriebe Ducati-Seamless-Getriebe (DST_Evo)
Antrieb Kette, D.I.D.
Treibstoff Shell Racing V-Power
Auspuff Akrapovic
Rahmen Aluminium-Profilrahmen
Federelemente vorn Öhlins 48-Millimeter-Gabl
Federelemente hinten Öhlins Federbein
Elektronik Magneti-Marelli-Einheitselektronik
Reifen Michelin Slicks in 17 Zoll
Felgen Marchesini
Bremsen vorn zwei 340 Millimeter Carbon-Bremsscheiben mit vier Bremskolben pro Sattel
Bremse hinten Stahl-Bremsscheibe mit zwei Bremskolben
Trockengewicht 157 Kilogramm

Auktionen von Ducati MotoGP-Maschinen

Im August 2024 wurde die allererste MotoGP-Werks-Rennmaschine von Ducati aus dem Jahr 2003 versteigert: Loris Capirossis Desmosedici GP3. Und obendrein noch Casey Stoners weltmeisterliche Desmosedici GP7 von 2007. Beide fahrbereit mit über 220 PS.

Weiter ging es im Dezember 2024 mit Loris Capirossis GP6 aus der MotoGP-Saison 2006. Die Ducati Desmosedici GP6 ist - reglementbedingt - die letzte Version mit 990 Kubik großem V4-Motor und angeblich bis zu 250 PS Spitzenleistung sowie über 320 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Bei der bereits im August 2024 von Iconic Auctioneers versteigerten Ducati Desmosedici GP3 handelt es sich um die erste Werks-Rennmaschine von Ducati für die damals neu etablierte Viertakt-Klasse MotoGP. Zur Saison 2003 stieg Ducati damit ein.

Werksfahrer Loris "Capirex" Capirossi gelang mit der Desmosedici GP3 der erste Sieg beim Grand Prix Barcelona-Catalunya, und die gesamte erste MotoGP-Saison 2003 schloss Capirossi auf dem respektablen 4. Rang ab.

Nachdem Ducati in der Superbike-WM sehr erfolgreich mit den markentypischen V2-Motoren unterwegs gewesen war, war das Desmosedici-Triebwerk erstmals ein V4 für den Renneinsatz. Immerhin ebenfalls mit 90 Grad Zylinderbankwinkel und desmodromischer Steuerung für die 16 Ventile.

Dem damaligen MotoGP-Reglement entsprechend hatte der V4 nicht ganz 1.000, sondern 989 Kubik. Genaue Leistungsdaten verschwieg Ducati wie in der Rennszene üblich, doch kolportiert wurden 220 bis 230 PS bei schrillen 16.000/min. Dazu kommt, auch akustisch, die asymmetrische Zündfolge, von Ducati "Twin Pulse" genannt und auch als "Big Bang" bekannt.

Je nach Übersetzung erreicht die Ducati Desmosedici GP3 Höchstgeschwindigkeiten um 300 km/h. Und mit ihrem konsequent gewichtsoptimierten Prototypen-Chassis aus Stahl-Gitterrohr, Aluminium und Carbon wiegt sie weniger als 150 Kilogramm, womit sich extremes Beschleunigungspotenzial ergibt.

Genau diese Ducati Desmosedici GP3 mit der Startnummer 65, Loris Capirossis ehemaliges Arbeitsgerät, wurde von Iconic Auctioneers versteigert. Tatsächlich steigerte der Höchstbietende für die Ducati Desmosedici GP3 sogar darüber hinaus, auf 201.250 Britische Pfund (circa 237.500 Euro).

Ebenfalls am Sonntag, 25. August 2024 ab mittags am Silverstone Circuit versteigerte Iconic Auctioneers eine Ducati Desmosedici GP7 aus dem Jahr 2007. Nachdem es bis 2020 in einer privaten Sammlung gestanden hatte, baute Ducati-Spezialist Dave Allenby es neu auf - mit originalen Ersatzteilen von Ducati Corse und Target Motorsport.

Dem damaligen MotoGP-Reglement entsprechend hat der V4-Motor der Ducati Desmosedici GP7 "nur" 799 Kubik. Mit seinen 16 desmodromisch gesteuerten Titanventilen kommt er trotzdem hochdrehzahlfest auf über 220 PS. Bei angeblich nur 148 Kilogramm Gesamtgewicht beschleunigt die GP7 damit heftigst auf über 300 km/h.

Für die Ducati Desmosedici GP7 erwartete Iconic Auctioneers Gebote zwischen 380.000 und 400.000 Britische Pfund, aktuell entsprechend circa 450.000 bis 470.000 Euro. Und hier lag das Höchstgebot ebenfalls knapp darüber: 402.500 Britische Pfund (circa 475.000 Euro).

Im direkten Vergleich mit der neuen Panigale Superleggera, der V4 R oder sogar der V4 S ist die Desmosedici teuer, nicht so leistungsfähig und mit weniger Elektronik ausgestattet. Aber der Lauf der Zeit und die Technologie lassen ein älteres Motorrad immer veraltet erscheinen.

Eine Desmo zu besitzen, bedeutet weit mehr als nur die technischen Daten zu kennen. Es handelt sich um ein MotoGP-Motorrad mit Licht und (relativer) Exklusivität, was es zu einer ganz besonderen Maschine macht.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0