Der Motorradreifenluftdruck ist ein sehr wichtiges Thema und sollte keinesfalls unterschätzt werden. Genau bei diesem Punkt handeln viele Motorradfahrer jedoch fahrlässig. Oftmals ist es die Unwissenheit, manchmal aber auch die Bequemlichkeit in Kombination mit Leichtsinn. Stimmt der Luftdruck im Reifen nicht, so macht sich das während der Fahrt bemerkbar.
Ein falsch eingestellter Luftdruck nimmt dabei Einfluss auf die Fahrbarkeit, das Handling, den Verschleiß und in Summe auch auf die Fahrsicherheit. Die Luft in den Reifen trägt die Last, die sich aus dem Eigengewicht des Fahrzeugs plus dem der Besatzung und des Gepäcks zusammensetzt.
Wie oft sollte der Reifendruck kontrolliert werden?
Es gibt keine Faustregel, wie oft man den Motorradreifen Luftdruck kontrollieren sollte beziehungsweise muss. Hier spielen unter anderen die jeweiligen Temperaturen und der Zustand der Fahrbahn eine Rolle. Generell raten wir den genauen Luftdruck der Reifen beim Motorrad rund alle zwei Wochen zu prüfen. Eine Sichtprüfung der Reifen auf Luftverlust und Schäden sollte vor jedem Fahrtantritt erfolgen. Um den tatsächlichen Luftdruck ermitteln zu können, sollte der Reifen kalt (nicht über 30°C) sein.
Wenn du eine längere Tour planst, so ist die Kontrolle des Luftdrucks vor, aber auch während der Reise in regelmäßigen Abständen zu empfehlen. Sollte tatsächlich einmal zu wenig Luft im Reifen sein, so bekommst du das in der Regel schnell über eine Veränderung des Fahrverhaltens mit.
Empfohlener Reifendruck: Herstellerangaben und Normwerte
Die vom Fahrzeug- oder Reifenhersteller vorgeschriebenen Reifenluftdrücke sind je nach Fahrzeugtyp unterschiedlich, sie liegen bei Straßenmotorrädern meist zwischen 2,25 bis 2,5 bar vorne und 2,5 bis 2,9 bar hinten. Je nach Reifen bzw. Motorradmodell kann der ideale Luftdruck jedoch unterschiedlich ausfallen.
Da sich in den letzten Jahren aber der sogenannte Norm-Luftdruck etabliert hat, findet man bei so gut wie allen Motorradmodellen und Reifen (für die Straße) eine Druckangabe von 2,5 bar an der Vorderachse und 2,9 bar an der Hinterachse. Dieser wird in Absprache zwischen Reifenlieferant und Motorradhersteller festgelegt und zielt auf einen sicheren Betrieb im Straßenverkehr unter allen Bedingungen ab.
Je nach Fahrzeug, Reifen und Einsatzgebiet muss der Norm-Luftdruck aber keinesfalls dem Luftdruck entsprechen, welcher am besten funktioniert / die besten Fahrleistungen bietet. Je nach Einsatzzweck kann es durchaus Sinn machen die Hersteller-Normwerte leicht anzupassen.
Reifendruck für sportliche Fahrer
Sportliche Fahrer können unter bestimmten Voraussetzungen ein besseres Fahrverhalten durch das Absenken des Reifendrucks beim Motorrad erreichen. Bitte beachte aber unbedingt, dass die Rennstreckendrücke (oft zwischen 1,2-1,6 bar) nicht für Straßenreifen geeignet sind. Für eine sportliche Fahrt auf kurvigen Strecken mit Straßenreifen und Hypersportreifen empfehlen wir ein wenig mit einem verringertem Luftdruck zu experimentieren.
So kannst du in der Regel ohne Bedenken den Luftdruck an der Vorderachse auf bis zu 2,2 bar reduzieren und an der Hinterachse bis auf 2,3 bar hinuntergehen. Je nach Motorrad- und Reifenmodell kann sich in diesem Fenster die Fahrbarkeit und der Grip verbessern. Der Reifen kommt außerdem schneller auf Temperatur, hält diese einfacher im Straßenbetrieb und funktioniert folglich in der Summe besser. Durch die erhöhte Reifentemperatur steigen die Reifendrücke dann im Straßenbetrieb um ca. 0,3 und 0,4 bar.
Die Erhöhung des Luftdrucks macht bei neueren Motorrädern und Reifenmodellen keinen Sinn. Nicht weniger als 0,4-0,6 bar nach unten abweichen / VA min. 2,2 bar HA min.
Reifendruck im Winter und auf der Autobahn
Wer sein Motorrad einwintert und dabei nicht auf Montageständer stellt, sollte den Reifendruck erhöhen. So lassen sich Standplatten vermeiden. Gerade bei Motorradreifen können sich Standplatten besonders stark bemerkbar machen, die Reifen sind dann in der Regel zu erneuern. Wir raten den Reifendruck beim Motorrad um 0,5-1,0 bar über den Winter zu erhöhen.
Auf der Autobahn solltest du immer den Herstellerangaben vertrauen. Bei neueren Motorrädern und Reifenmodellen handelt es sich um Normwerte, welche bei Höchstgeschwindigkeit die besten Traglastwerte bieten und somit einen sicheren Betrieb ermöglichen.
Reifendruck für Solofahrten und Fahrten mit Sozius
Bis vor wenigen Jahren wurden für die meisten Motorräder (oftmals Touring-Modelle) zwei Luftdrücke angegeben. Ein niedriger Wert für den Einmann-Betrieb und ein hoher Wert für Fahrten mit Sozius bzw. Gepäck. In der heutigen Zeit ist meist nur noch ein hoher Wert im Fahrerhandbuch aufgeführt, der jedoch individuell verändert werden kann. Wenn du beispielsweise viel alleine und auf kurvigen Strecken fährst, kannst du den Druck durchaus absenken.
Reifendruck auf der Rennstrecke und bei Supermotos
Die Luftdruckwerte auf der Rennstrecke unterscheiden sich grundlegend von denen im Straßenbetrieb. Die Reifen kommen auf der Rennstrecke auf ganz andere Temperaturen, viel niedrigere Drücke sind die Folge. Bitte bedenke aber, dass Rennstreckenreifen oftmals spezielle Karkassen haben, welche solch niedrigen Drücke ermöglichen. Es macht bei den meisten Straßenreifen keinen Sinn die Rennstreckenwerte zu fahren, da die Karkasse einfach nicht stark genug ist. Die Folge ist ein unsicherer Fahrbetrieb. Halte dich bei Rennstreckenreifen am besten an die ermittelten Vorgabewerte der Hersteller, welche grobe Richtwerte in Hinblick auf den Rennstreckenluftdruck herausgeben.
Supermotos sind extrem leichte Motorräder, die somit auch einen geringeren Luftdruck benötigen. So wird zum Beispiel bei Modellen wie der KTM 690 SMC R, Gas Gas 700 SM oder Husqvarna 701 ein deutlich geringerer Luftdruck empfohlen, als die Standardwerte bei größeren Bikes. Je nach Reifenmodell und Fahrzeug unterscheiden sich die Druckempfehlung leicht. Der unterste Wert in unserer Recherche Betrug 2,0 VA und 2,0 HA auf den 690er Supermoto Modellen (aller drei Hersteller). Generell raten wir bei Supermotos zu einem Luftdruck von 2,0 bar an der Vorderachse und 2,0-2,2 bar an der Hinterachse.
Tipp: Der spezialisierte Supermoto Reifen ContiAttack SM wird mit einem Luftdruck von 2,0-2,3 VA und 2,0-2,5 HA in der Reifenfreigabe für die Straßen-Sumos von KTM, Husqvarna und GasGas angegeben.
Reifendruck bei Custom Bikes
Custom Bikes mit extrem breiten Hinterrädern können spezielle Reifendrücke erforderlich machen. Ungefähre Richtwerte ohne Gewähr! Bitte die genauen Werte dem Handbuch bzw.
Richtwerte für den Reifendruck verschiedener Motorradkategorien
Der richtige Reifendruck entscheidet über Sicherheit und Fahrspaß - besonders auf anspruchsvollen Alpenstrecken. Unsere umfassende Tabelle bietet gute Richtwerte für alle Motorradkategorien, von leichten Enduros bis zu schweren Tourern.
Die oben angeführten Werte berücksichtigen die speziellen Anforderungen an Motorräder im Alpenraum und bieten einen guten Kompromiss zwischen Handling, Stabilität und Komfort. Je nach persönlicher Fahrweise, Beladung und Streckenprofil können jedoch individuelle Anpassungen sinnvoll sein.
Und klarerweise gilt: Die Herstellerangabe in der Bedienungsanleitung ist die richtige Angabe! Diese Werte hier in der Tabelle dienen nur als Fallback Lösung, wenn das Handbuch nicht zur Hand ist.
Gerade für Motorradfahrer in der Alpenregion ist der korrekte Reifendruck von besonderer Bedeutung. Auf kurvigen Passstraßen mit wechselnden Asphaltqualitäten kann ein falsch eingestellter Druck schnell zu einem Sicherheitsrisiko werden.
Tipps für die Reifendruckkontrolle
- Qualitätsmanometer verwenden: Ein präzises Druckmessgerät ist eine kleine, aber sinnvolle Investition.
- Regelmäßig kontrollieren: Vor längeren Touren sollte der Reifendruck immer überprüft werden.
Weitere Tipps und Hinweise
- Luftdruckkontrolle alle 2 Wochen und bei kalten Reifen: Der Reifenluftdruck sollte mindestens alle 2 Wochen bei kalten Reifen (maximal 30 Grad Celsius = "handwarm") geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.
- Spuckeprüfung, wenn der Reifen Luft verliert: Wenn der Reifen andauernd Luft verliert, zuerst das Ventil prüfen. Dazu eine Fingerspitze Speichel auf die Ventilöffnung geben und beobachten.
- Reifendruckprüfer: Verlassen Sie sich bei der Kontrolle des Reifenluftdrucks nicht unbedingt auf die Angabe der Skala des Tankstellengeräts, sondern besorgen Sie sich einen ordentlichen Reifendruckprüfer.
- Ventilkappen: Stahlkappen statt Kunststoffkappen: Immer gut schließende Ventilkappen mit einwandfreier Gummidichtung verwenden.
Wichtige Tipps zum Thema "Luftdruck"
- Ein zu hoher Luftdruck verschlechtert den Fahrkomfort und verringert die Reifenhaftung.
- Ein zu niedriger Luftdruck sorgt für eine schlechte Straßenlage und ist vor allem bei Sozius- und Gepäckbetrieb sehr bedenklich.
- Der Luftdruck sollte regelmäßig überprüft werden, denn schon ein um 0,2 bar höherer oder niedrigerer Luftdruck als vorgeschrieben macht sich im Fahrverhalten bemerkbar!
- Beim Prüfen des Luftdrucks beachten: In einem heiß gefahrenen Reifen kann der »absolute Reifenluftdruck« vorn um 0,4 und hinten um bis zu 0,5 bar zunehmen.
Verwandte Beiträge:
- Ducati Supersport 950: Leistung, Daten & Testbericht
- Ducati Supersport 950 S 35 kW: Test, Daten & Fakten
- Ducati Monster Buch: Geschichte, Modelle & Pflege
- Ducati Monster 696 Sozius: Anbau, Komfort & Sicherheit
- La Palma entdecken: Die besten Radrouten für Anfänger bis Profis
- Fahrrad Schiwy OHG in Burgdorf: Unschlagbare Radsport-Erfahrungen und Top-Service!
Kommentar schreiben