Ducati Multistrada V2 Seitenkoffer Test: Eine umfassende Analyse

Die Ducati Multistrada V2 tritt 2025 mit einem neuen, 115 PS starken V2-Motor an und hat laut Ducati 18 Kilo abgespeckt. Unsere erste Testfahrt mit der neuen Ducati Multistrada V2 S bietet einen detaillierten Einblick in die Neuerungen und Verbesserungen.

Neuerungen und Design

Die 2025er Variante teilt sich nur noch rund fünf Prozent der Komponenten mit dem Vorgängermodell, so die Ducati-Ingenieure. Das Herzstück der Überarbeitung bildet der neue 890 Kubikzentimeter große V2-Motor, der nun ohne Desmodromik auskommt und stattdessen auf eine variable Ventilsteuerung setzt. Dadurch soll eine geschmeidigere Leistungsentfaltung bei niedrigen Drehzahlen erreicht werden. Die Spitzenleistung wurde von 113 auf 115,6 PS bei 10.750 Umdrehungen erhöht, während das maximale Drehmoment um 2 Nm gesenkt wurde, sodass der Spitzenwert von 92 Nm jetzt bei 8.250 Touren anliegt.

Ein wesentliches Augenmerk bei der Neuentwicklung der Multistrada wurde auf Gewichtseinsparung gelegt. Neben dem Motor, welcher mit 54,9kg der leichteste Ducati-V2 bisher ist, trägt auch die neue Chassis-Konstruktion entscheidend zur erfolgreichen Schlankheitskur bei. Aluminium-Monocoque, mittragender Motor und ein angeschraubter Stahl-Hilfsrahmen bilden nun das Grundgerüst. Auch die Schwinge ist neu, ebenso die um insgesamt 1,5kg leichteren Felgen. Insgesamt soll die Neue stolze 18kg weniger auf die Waage bringen. Die fahrfertige Standardversion wiegt ohne Treibstoff somit 199 Kilogramm, während die getestete S-Version nochmal 3kg schwerer ist.

Ergonomie und Fahrkomfort

Auch im Bereich der Ergonomie hat sich einiges getan. Die Federwege von 170 Millimetern vorne und hinten bleiben erhalten, allerdings lässt sich die Sitzhöhe jetzt zweistufig anpassen. Standardmäßig liegt sie zwischen 830 und 850 Millimetern, kann mit optionalem Zubehör aber auf bis zu 790 Millimeter abgesenkt oder auf maximal 870 Millimeter erhöht werden.

Ich beginne den tatsächlichen Fahrbericht mit der Ergonomie, da sich auch hier einiges geändert hat. Die Sitzposition wirkt insgesamt touristischer, mehr dem Reiseenduro-Durchschnitt entsprechend. Man sitzt mehr auf als im Fahrzeug, was einem aktiven Fahrstil wiederum eher entgegenkommt. Die Sitzbank fühlt sich hochwertig an und bietet genug Bewegungsfreiheit, um durch Vor- und Zurückrutschen verschiedene Sitzpositionen einzunehmen. Sie ist tendenziell eher auf der härteren Seite, was sich auf längeren Strecken aber als positiv auswirken könnte.

Während dem Fahren fällt auf, dass kaum Vibrationen wahrzunehmen sind. Weder am Lenker noch an den Fußrasten spürt man störende Erschütterungen, was das nervenschonende Reisen unterstützt. Die Front erinnert nun stärker an die Multistrada V4, was natürlich auch Änderungen für den Windschutz mit sich bringt. In der höchsten Position schützt das Windschild den Kopf des Fahrers vollständig vor Verwirbelungen, während es in der niedrigsten Stellung für angenehmen Fahrtwind sorgt. Somit bleibt auch die Geräuschentwicklung im angenehmen Bereich.

Elektronik und Ausstattung

Elektronisch ist die Multistrada V2 S selbstverständlich auf dem neuesten Stand. Sie verfügt über ein komplettes Elektronikpaket, das Kurven-ABS und schräglagenabhängige Traktionskontrolle beinhaltet. Fünf vorkonfigurierte und gleichzeitig auch individuell anpassbare Fahrmodi ermöglichen es, die Gasannahme, die Wheelie-Kontrolle, die Motorbremswirkung, das ABS und die Traktionskontrolle auf die persönlichen Vorlieben abzustimmen.

Eine interessante Entscheidung von Ducati ist, dass selbst die S-Version keine Heizgriffe serienmäßig bietet. Diese sind erst im Travel-Paket enthalten, das für derzeit 1.225 Euro erhältlich ist und zusätzlich zu den beheizten Griffen auch 60-Liter-Seitenkoffer sowie einen Hauptständer umfasst. Die jeweiligen Extras können natürlich auch separat und ohne Paket gekauft werden.

Die neue Multistrada V2 S verfügt nun über drei verschiedene Display-Anzeigemodi. Die erste Variante zeigt eine aufgeräumte und minimalistische Darstellung, während die zweite etwas mehr Informationen bietet, so wird dem Fahrer hier das momentan anliegende Drehmoment sowie die Leistung angezeigt. Die dritte Anzeige ist deutlich umfangreicher, könnte jedoch für manche Fahrer als überladen empfunden werden. Eine interessante Neuerung dieser Ansicht ist allerdings die Möglichkeit, während der Fahrt elektronische Fahrhilfen wie Traktionskontrolle, Motorbremse oder ABS direkt mit dem linken Joystick anzupassen.

Fahrverhalten und Leistung

Beim ersten Losfahren fühlt sich die Multistrada V2 S sehr gut ausbalanciert an. Selbst im Schritttempo spendet das Motorrad viel Vertrauen. Während der Vorgänger im niedrigen Drehzahlbereich durchwegs ruppig und unrund lief, wurde dieses Manko nun vollständig behoben. Bereits ab 2.000 U/min läuft der Motor geschmeidig und ermöglicht ruckfreies Beschleunigen. Ab sofort fühlt sich Tempo 50 im fünften Gang nicht mehr falsch an. Auch der Quickshifter funktioniert im unteren Drehzahlbereich einwandfrei, ein kleines Manko bleibt jedoch: Anders als bei manchen modernen Quickshiftern kann nicht bei geschlossenem Gas hochgeschaltet werden. Dies wäre besonders im Stadtverkehr praktisch.

Auch das Schaltgefühl selbst wurde erfolgreich verbessert. Während sich das Getriebe der alten Multistrada knochig und hakelig anfühlte, ist die neue V2 S nun präziser zu schalten, das unschöne Gefühl am Hebel gehört der Vergangenheit an. Falsche Neutrale zwischen den Gängen traten im Test nicht auf, und auch der Leerlauf ließ sich leicht finden. Auch das sonstige Handling bei langsamen Geschwindigkeiten überzeugt. Trotz ihrer Ausstattung wirkt die Multi verhältnismäßig leicht und lässt sich beim Rangieren ohne große Mühe bewegen. Der Lenkeinschlag ist ausreichend, sodass selbst enge Wendemanöver ohne Probleme gelingen.

Das Fahrwerk ist nach wie vor eine der größten Stärken der kleinen Multistrada, die Komponenten glänzen mit hervorragendem Ansprechverhalten. Unebenheiten und schlechte Straßenbeläge werden souverän gefiltert, ohne dass harte Stöße an den Fahrer weitergegeben werden. Die Qualität der Federelemente ist Ducati-typisch auf hohem Niveau und vermittelt ein sattes, aber komfortables Fahrgefühl.

Das exzellente Fahrwerk in Kombination mit dem neuen Chassis führt so zu einem wirklich beeindruckenden Fahrverhalten. Das Motorrad lässt sich spielerisch und ohne jeglichen Kraftaufwand umlegen und vermittelt so von der ersten Kurve an viel Vertrauen. Schon immer war die V2 Multi für ihre Agilität bekannt, das neue Modell dürfte dieser nun noch die Krone aufsetzen. Selbst bei schneller Gangart bleibt das Motorrad ruhig und stabil, auch wenn es hart von einer Kurve in die nächste geworfen wird.

Sportliche Fahrt liegt der Multistrada V2 immer noch. Sehr. Das neue Aggregat sorgt also immer noch für jede Menge Fahrspaß und liefert eine durchgehend kraftvolle Performance. Bereits ab ca. 3.000 Umdrehungen steht ein sattes Drehmoment zur Verfügung, das wünschenswert anschiebt und der V2-Erwartungshaltung entspricht. Doch die Leistungsentfaltung endet hier nicht, wer den Motor bis zur Höchstdrehzahl ausdreht, wird mit gleichmäßiger und kraftvoller Beschleunigung belohnt.

Seitenkoffer im Detail

Nicht direkt getestet haben wir das optional erhältliche Koffersystem (ab 987,75 Euro). Denn die Multi ist bereits ab Werk für den Koffereinsatz vorbereitet, mit formschön integrierten Haltepunkten für eine schwimmende Befestigung. Ab Werk bereits auf Reise getrimmt ist nur die V2 S Travel (ab 19.790,-- Euro). Sie hat serienmäßig die 60 Liter fassenden Kunststoff-Seitenkoffer an Bord, dazu einen Hauptständer und beheizte Griffe.

Die abnehmbaren modellspezifischen PRO Seitenträger bieten sowohl den TRAX ADV Alukoffern als auch den AERO ABS Seitenkoffern und den SysBag Taschen Halt. Für beide Varianten sind auch Komplett-Sets verfügbar, dann auch in Verbindung mit dem passenden Gepäckträger und Topcase.

Vergleich der Kofferoptionen

Es gibt verschiedene Arten von Seitenkoffern, die für die Ducati Multistrada V2 verfügbar sind. Hier ist ein kurzer Vergleich:

  • Alukoffer: Stabil, robust und einfach zu beladen, aber schwer und breit.
  • Kunststoffkoffer: Leichter als Alukoffer, oft gut in das Design integriert, aber anfälliger für Schäden.
  • Softgepäck: Flexibel, leicht und stilvoll, aber weniger Stauraum und Dichtigkeit.
Koffertyp Vorteile Nachteile
Aluminium Robust, viel Stauraum, guter Schutz Schwer, breit, teuer
Kunststoff Leicht, aerodynamisch, designintegriert Weniger robust, teuer
Softgepäck Leicht, flexibel, günstig Weniger Stauraum, nicht wasserdicht

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