Ducati Schuhe Herren: Test und Vergleich

Die Suche nach den idealen Motorradschuhen für Herren kann eine Herausforderung sein. Zahlreiche Hersteller bieten halbhohe Sport-Boots als Alternative zum Race-Stiefel an. Doch taugt der Kompromiss aus Bequemlichkeit und Sicherheit wirklich?

Testkriterien

Da Käufer von Sommerstiefeln nicht nur Sicherheit, sondern auch Bequemlichkeit am Herzen liegt, wurden die Kriterien Sicherheit, Praxis Fahren und Praxis Gehen mit jeweils zehn Punkten gleichstark gewertet. Das "Handling", also An- und Ausziehen, sowie die Verarbeitung gingen mit jeweils fünf Punkten in die Bewertung ein.

Sicherheit

Verletzungen der unteren Extremitäten gehören zu den häufigsten Folgen eines Motorradunfalls - weit öfter als Arme oder Kopf. Ein Motorradstiefel muss deshalb vor allem wenigstens den Fuß und das Sprunggelenk schützen. Dafür sind Verstärkungen an sturzrelevanten Stellen wie Zehen, Knöchel und Ferse unerlässlich. Allerdings gehen diese Sicherheits-Features auf Kosten des Komforts und nicht zuletzt des Coolness-Faktors. Einige Hersteller geben den letzten beiden Punkten deutlich den Vorzug.

Wichtiger Punkt im Test ist die Rutschfestigkeit der Sohle.

Bei näherer Betrachtung kann allerdings nur der Dainese Scarpa Dyno bei der Sicherheit einigermaßen punkten. Er verfügt als einziger Stiefel sowohl im Fuß- als auch Knöchelbereich über massive Verstärkungen. Der S-MX 2 von Alpinestars vernachlässigt den Knöchelschutz dagegen ebenso wie der XPD X-One, der den Knöchel nur außen durch eine zusätzliche Verstärkng schützt. Kehrseite der höheren Sicherheit: Diese Schuhe sind unbequemer.

Auf längeren Touren empfiehlt es sich einen vollwertigen Stiefel zu tragen.

Praxis Fahren

Die Praxis-Qualitäten der neun Sommerstiefel überprüften wir auf einer Testrunde, die sowohl durch die Stadt als auch über einige Landstraßenkilometer führte. Bewertet wurden dabei neben dem Tragekomfort auch die Rutschfestigkeit der Sohle, der Sitz sowie die Bewegungsfreiheit.

Dass gerade der Turnschuhähnliche Puma mit sechs Punkten in der Wertung auf dem Motorrad am schlechtesten abschneidet, liegt vor allem an der unsinnigen Metallsohle, die beim Fahren an der Raste hin und her rutscht und ein unsicheres Gefühl hinterlässt. Mit ähnlichen Problemen haben auch die Modelle von XPD und Büse zu kämpfen. Bei beiden fällt die Gummisohle recht rutschig aus, wodurch der Fuß besonders bei sportlicher Haltung mit Druck auf den Rasten leicht abrutschen kann.

Auch in Sachen Tragekomfort trennt die Racing-Fußhaltung mit den Fußballen auf den Rasten die Spreu vom Weizen. Neben unangenehmen Falten am Zehenansatz stört bei vielen Modellen vor allem der gegen das Schienbein drückende Schaftrand.

Praxis Gehen

Dass der Firefox auch beim Gehen sehr bequem ist, liegt vor allem an seinem dünnen Außenschuh und dem geringen Gewicht. Er trägt sich wie ein Turnschuh und ist am Fuß kaum spürbar. Noch komfortabler tragen sich nur die beiden Leichtgewichte von Puma und Axo. Die auf maximalen Schutz ausgelegten Modelle von Alpinestars, Dainese und XPD wirken dagegen abseits des Motorrads sehr klobig, steif und schwer. Die restlichen Testkandidaten gehen einen Mittelweg und treten mit tourentauglichen Schnürstiefeln an. Besonders gut gelingt der Spagat zwischen Schutz und Komfort dem FLM. Der B42 ist an allen sicherheitsrelevanten Stellen (Ferse, Knöchel, Zehen) verstärkt und wird dennoch selbst nach vielen Stunden nicht unbequem.

Handhabung

Um in den Genuss eines guten Bikerstiefels zu gelangen, muss man erstmal hinein kommen. Das ist nicht bei allen Testkandidaten so einfach. Am leichtesten zu handhaben sind die Modelle von Puma und XPD: Reißverschluss zu, Klett-riemen drüber, fertig. Doch auch gegen die Schnürvariante ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Durch das Festzurren sitzen die geschnürten Stiefel in vielen Fällen deutlich besser am Fuß als die nicht einstellbaren Varianten mit Reißverschluss. Beim Firefox läuft die Schnürung allerdings sehr schwer.

Verarbeitung

Klebereste an der Sohle, unsaubere Nähte, lieblos abgeschnittene Lederstücke: Kaum ein Stiefel im Test kann qualitativ voll überzeugen. Positiv fallen die Stiefel von Puma und Dainese auf.

Test Ergebnisse im Überblick

Hier ist eine Zusammenfassung der getesteten Modelle und ihrer Bewertungen:

MarkeModellGesamtpunkte (von 40)PS-Urteil
DaineseScarpa Dyno311. Platz
FLMB42282. Platz
BüseCity Limit273. Platz
HeldPaddock273. Platz
AlpinestarsS-MX 2265. Platz
AxoAttack265. Platz
PumaTestastretta257. Platz
XPDX-One257. Platz
FirefoxRaptor239. Platz

Detaillierte Bewertungen

Alpinestars S-MX 2

  • Preis: 169,95 Euro
  • Größen: 38 bis 50
  • Außenmaterial: Leder
  • Gewicht: 1330 g (Größe 42)
  • Fazit: Beim Fahren punktet der Alpinestars mit bequemem Sitz und großer Bewegungsfreiheit. Der weite Schaft drückt auch bei sportlicher Fußhaltung nicht aufs Schienbein. Das Anziehen gestaltet sich dank Reißverschluss und Schnalle sehr einfach. Allerdings ist der S-MX 2 sehr weit und rutscht vor allem im Fersenbereich etwas hin und her. Beim Gehen wirken die Alpinestars schwer und klobig.

Axo Attack

  • Preis: 99,00 Euro
  • Größen: 38 bis 47
  • Außenmaterial: Kunstleder
  • Gewicht: 830 g (Größe 43)
  • Fazit: Der Attack von Axo ist der bequemste Stiefel des Testfelds. Dank weich laufender Schnürung sitzt der Schuh sehr gut und verursacht auch nach längeren Fahrten oder Spaziergängen keine Druckstellen. Allerdings lässt sich dieses Turnschuh-Gefühl nur auf Kosten der Sicherheit erreichen: Der italienische Stiefel hat bis auf einen mittelmäßigen Fersenschutz keine Verstärkungen und hinterlässt kein sicheres Gefühl.

Büse City Limit

  • Preis: 74,95 Euro
  • Größen: 36 bis 48
  • Außenmaterial: Leder-Textil-Mix
  • Gewicht: 1240 g (Größe 42)
  • Fazit: Der Büse City Limit bietet viel Stiefel fürs Geld. Die Verarbeitung geht in Ordnung, die Schalt-Verstärkung ist im Gegensatz zur Konkurrenz aus Leder. Knöchel, Zehen und Ferse sind ebenfalls verstärkt. Dank leicht laufender Schnürsenkel lässt sich der Stiefel einfach an- und ausziehen. Beim Gehen fühlt sich der gepolsterte Büse an wie ein bequemer Winterstiefel, das Schaftende drückt aber aufs Schienbein. Dieses Problem zeigt sich auch beim Fahren.

Dainese Scarpa Dyno

  • Preis: 169,00 Euro
  • Größen: 39 bis 47
  • Außenmaterial: Leder, Nylon
  • Gewicht: 1340 g (Größe 42)
  • Fazit: Der Testsieger kommt von Dainese. Besonders für sportliche Gesellen hält der Scarpa Dyno einiges parat: Das Sicherheitsniveau ist für diese Art Stiefel recht hoch, die Verarbeitung ist top. Das Schnürsystem ist schnell und einfach zu bedienen, allerdings ist der Stiefel beim Einstieg sehr eng. Abseits des Motorrads fühlt sich der Dainese wie auch der Alpinestars sehr steif und schwer an.

Firefox Raptor

  • Preis: 49,95 Euro
  • Größen: 38 bis 47
  • Außenmaterial: Leder, Polyamid
  • Gewicht: 910 g (Größe 42)
  • Fazit: Das günstigste Modell im Test kommt von Firefox. Leider merkt man den Schuhen den Rotstift an. Die Verarbeitung ist mittelmäßig, das Anziehen gestaltet sich aufgrund der schwergängigen Schnürsenkel und des engen Einstiegs sehr mühsam. Obwohl der Raptor sehr eng ausfällt, trägt er sich sehr bequem. Dank Schnürung sitzt der Schuh prima am Fuß und fühlt sich wie ein Freizeit-Sommerschuh an.

FLM B42

  • Preis: 89,95 Euro
  • Größen: 36 bis 48
  • Außenmaterial: Leder, Polyamid
  • Gewicht: 1260 g (Größe 42)
  • Fazit: Der B42 bietet einen guten Kompromiss aus Sicherheit und bequemem Tragegefühl. Zehen, Ferse und Knöchelbereich sind verstärkt, der gesamte Schuh wirkt massiv und stabil. Trotzdem sitzt der laut Hersteller wasserdichte Stiefel sehr bequem. Beim Gehen stört lediglich der leichte Druck des Schaftrands am Schienbein. Auf dem Motorrad fällt dieser Druck deutlich stärker auf und wird mit der Zeit unangenehm.

Held Paddock

  • Preis: 114,95 Euro
  • Größen: 37 bis 47
  • Außenmaterial: Leder
  • Gewicht: 1170 g (Größe 42)
  • Fazit: Der ebenfalls wasserdichte Paddock fällt recht touristisch aus. Das gepolsterte Lederteil trägt sich auf dem Motorrad sehr bequem. Allerdings geriet die Sohle etwas rutschig und bietet bei sportlicher Fußhaltung keinen perfekten Halt. Im Spaziergängermodus stören die unangenehme Schaftkante und die Einknickfalte beim Fußabrollen den ansonsten hohen Tragekomfort. Die Verarbeitung ist gut, der gesamte Vorderfuß besteht aus nur einem Stück Leder.

Puma Testastretta

  • Preis: 149,95 Euro
  • Größen: 40 bis 48,5
  • Außenmaterial: Polyurethan
  • Gewicht: 760 g (Größe 42)
  • Fazit: Puma bleibt auch in Sachen Motorradstiefel der Turnschuh-Linie treu. Metallsohle, verstärkte Ferse, hoher Schaft und Gummi-Schleiferattrappe verwandeln den Sneaker in einen Biker-Boot. Das Leichtgewicht trägt sich beim Gehen sehr bequem und ist kaum spürbar. Auf dem Bike rutscht die Metallsohle auf der Raste hin und her, zudem drückt der Schaft etwas aufs Schienbein.

XPD X-One

  • Preis: 164,90 Euro
  • Größen: 38 bis 48
  • Außenmaterial: Lorica
  • Gewicht: 1190 g (Größe 42)
  • Fazit: Bis auf den kürzeren Schaft ähnelt der X-One sehr stark dem Racing-Boot XP7 - inklusive Schleifer. Entsprechend fällt auch das Tragegefühl beim Gehen aus: Der Stiefel ist steif und schwer, beim Abrollen drückt die Einknickfalte. Auch auf dem Motorrad ist die Falte spürbar, dazu drückt der enge Schaft aufs Schienbein und schränkt zudem die Bewegungsfreiheit etwas ein. Die Sohle ist recht rutschig. Dafür fühlt sich der steife Stiefel einigermaßen sicher an. Der innere Knöchel bleibt allerdings ungeschützt.

Fazit

Die Unterschiede der neun Testkandidaten sind vor allem im Bereich Sicherheit immens. Wer mit dem Puma oder dem Axo stürzt, riskiert schwere Fußverletzungen. Doch selbst das vermeintlich sicherste Modell im Test, der Dainese Scarpa Dyno, schützt, durch den kurzen Schaft, nicht ausreichend.

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