Im Laufe eines Jahres testet die Redaktion von 1000PS viele verschiedene Motorräder. Dabei werden die Motorräder auf der 1000PS Waage gewogen, praktische Erfahrungen gesammelt und die Motorräder mit ähnlichen Bikes verglichen.
Ein Fixpunkt im Testprogramm ist die Supermoto Strecke bei Bad Fischau, in der Nähe der 1000PS Zentrale. Dort werden sämtliche Motorräder unter vergleichbaren Rahmenbedingungen getestet und die Rundenzeiten gemessen. Die Fahrt wird mit der Onboardkamera aufgenommen und diese Fahrten samt Rundenzeiten werden im Format 1000PS Bestzeit auf 1000PS TV veröffentlicht.
Das unwiderstehliche Gefühl der Freiheit
Kaum sitzt man auf der Scrambler, überkommt einen dieses unwiderstehliche Gefühl: Man will sofort losfahren, nach Caorle, Lignano oder sonst wohin, wo das Leben pulsiert und der Espresso stark ist. Ducati hat hier ein Meisterwerk der Verführung geschaffen.
Motor und Leistung
Der V2-Motor der Scrambler ist wie ein perfekt abgestimmter Vergaser aus der guten alten Zeit - nur eben mit moderner Technik. Mit 73 PS bei 8250 U/min und 65 Nm bei 7000 U/min ist er kein Kraftprotz, aber das Ansprechverhalten ist seidenweich und präzise. Es fühlt sich an, als könnte man jedes einzelne Benzinmolekül spüren, das in den Brennraum strömt.
Fahrwerk und Handling
Mit 150 mm Federweg vorne und hinten erwartet man zunächst ein weiches Fahrverhalten. Doch die Scrambler überrascht mit erstaunlicher Stabilität. Das Chassis ist clever konstruiert und profitiert offensichtlich von Ducatis Erfahrung. Die Schräglagenfreiheit ist für den Alltag mehr als ausreichend, aber auf der Rennstrecke stößt man schnell an Grenzen.
Dabei ist nicht nur der Fußraster der limitierende Faktor, sondern auch der Bremshebel und - Achtung, Gefahrenzone! - die Abdeckplatte des Auspuffs.
Bremsen und Performance
Die einzelne Scheibenbremse vorne mag für längere Passfahrten mit Gepäck an ihre Grenzen stoßen, aber für unseren Kurzzeit-Sprint reicht sie überraschend gut aus. Auf der Start-Ziel-Geraden zeigt sich, dass stärkere Motorräder hier natürlich im Vorteil sind. Die Scrambler kann ihre Leistung nicht ganz so ausspielen wie manch anderes Bike in unserer Bestzeit-Tabelle.
Ducati Scrambler: Facelift und technische Neuerungen
Ducati hat es geschafft, die Scrambler Icon auf ein neues Niveau zu heben. Mit zahlreichen Retuschen an den wichtigsten Stellen wurden alte Störfaktoren behoben und neue Highlights geschaffen. 2023 kommen die Scrambler mit Traktionskontrolle, Fahrmodi und weiteren wichtigen Updates.
Mit der Scrambler -Reihe tat Ducati 2015 einen Glücksgriff: Der im Vergleich zum restlichen Modellprogramm gelassene und günstige Zweizylinder verkaufte sich bislang über 100.000 Mal, in immer wieder anderen, zeitgeistigen Versionen. Bei der Leistung von 73 PS bleibt es, das maximale Drehmoment allerdings geht leicht zurück und liegt jetzt erst bei 7000/min an (bislang 5750/min), was etwas Temperament kosten dürfte.
Neu ist eine Achtscheibenkupplung, die weicher und präziser arbeiten soll und es erlaubt, einen Quickshifter zu montieren - gegen Aufpreis, versteht sich. Optisch wirkt das Motorrad technik-affiner als bislang, was vor allem daran liegt, dass die neue Krümmerführung mehr vom Motor freigibt, den auffällige Abdeckungen in den Blick rücken. Den traditionellen Gitterrohrrahmen gestalteten die Entwickler leichter, dazu gesellen sich eine neue Schwinge und ein jetzt verschraubtes Rahmenheck.
Insgesamt spart die 800er-Scrambler vier Kilogramm Gewicht ein, wiegt ab dem Modelljahr 2023 also 185 Kilo, was ihrem jetzt schon spielerischen Handling weiter zugute kommen soll.
Elektronische Features
Erstmals spendiert Ducati den 800ern die elektronische Gassteuerung Ride-by-Wire, die eine Traktionskontrolle und zwei Fahrmodi namens "Road" und "Wet" ermöglicht; Kurven-ABS ist schon seit dem letzten Update an Bord. Komplettiert wird die Runderneuerung durch ein 4,3 Zoll großes TFT-Display als Cockpit.
Farbvarianten
2023 treten drei Versionen an. Das Basismodell Icon, jetzt mit etwas niedrigerem Lenker, gibt es in Gelb, Schwarz und Rot, doch die bunte Scrambler-Vielfalt erschöpft sich damit nicht: Weitere sechs Farben sind optional als Kit erhältlich, der Tank- und Lampenverkleidung, Kotflügel und die farbigen Tags an den Rädern umfasst. Die Icon kostet im nächsten Jahr 400 Euro mehr, ist dafür aber immerhin auch technisch smarter als bislang.
Vergleich mit anderen Modellen
Die beiden Retro-Bikes BMW R nineT Scrambler und Ducati Scrambler 1100 sind zwei kernig gestylte Zweizylinder für alle Tage. Die Scrambler 1100 ist das stärkste Scrambler-Modell im Ducati-Programm. Auch sie ist ein im besten Sinne schlichtes, unverkleidetes Straßenmotorrad in klassisch puristischer Optik.
Die höhere (850 statt 820 mm) der beiden zur Wahl stehenden Sitzbänke positioniert den Piloten auf dem Motorrad, zudem sind die Fußrasten weiter vorne und höher als bei der Ducati montiert, was in Kombination mit dem ebenfalls hohen und weit zum Fahrer hin reichenden Lenker für eine zunächst einmal seltsam passiv wirkende Sitzposition sorgt. Nach dem Start hüllt der Boxer die Umgebung in einen ebenfalls sehr bassigen, aber recht dünn gewebten Klangteppich.
Unter diesen Umständen kann sich der formidable Boxer trotz des gemessenen Plus von jeweils 20 PS und Newtonmetern nicht so recht in Szene setzen. Er büffelt quasi ab Leerlaufdrehzahl los und schiebt in der Mitte mächtig an. So gehört sich das für ein Landstraßen-Motorrad.
Beschleunigung 0 auf 100/140 km/h: 3,5 zu 3,8 und 6,0 zu 6,8 Sekunden. Durchzug 50/100 und 100/150 km/h: 4,7/5,2 und 5,2/5,9 Sekunden. Das Ergebnis hat was von Bundesliga: Die Bayern gewinnen immer. Hier 4:0.
Die BMW hat den besseren, weil lebendigeren Motor, die Ducati das homogenere Fahrverhalten und mit Kurven-ABS die modernere Technik an Bord. Ausstattungsbereinigt sind beide mit rund 15.000 Euro gleich teuer, und wenn man sie jetzt mit einem Wort charakterisieren müsste: Ducati: Rolling, und ein wenig Tumbling die BMW.
Beschleunigungswerte im Überblick (50-120 km/h)
Die wichtigsten Daten sollen nicht vorenthalten werden. Hier eine Übersicht der Beschleunigungswerte von 50 km/h auf 120 km/h verschiedener Motorräder:
| Rang | Motorrad | Zeit (s) |
|---|---|---|
| 5 | Kawasaki Sporttourer | 2,599 |
| 6 | Suzuki | 2,601 |
| 7 | Aprilia Factory Tuono | 2,707 |
| 8 | Ducati | 2,762 |
| 11 | Panigale V4 | 2,809 |
| 12 | Harley Davidson Sportster S | 2,816 |
| 17 | Adventure Bike | 2,994 |
| 18 | Ducati Supersport 950 | 3,035 |
| 42 | Nighshift Scrambler | 4,177 |
| 44 | Desert Sled | 4,587 |
Ducati Scrambler Sixty2: Der Einstieg in die Ducati-Welt
Die Ducati Scrambler Sixty2 soll die neue Einstiegsdroge in die Ducati-Welt bilden. Mit einfachem Fahrverhalten bei gleichzeitigem Premium-Anspruch will man die jungen Leute mit der 400er-Scrambler auf die Bikes aus Bologna einnorden. Bei der Schwester mit 800er-Motor hat das hervorragend funktioniert.
An diesen Erfolg will man anschließen und beweist Mut. Mut deshalb, da man mit der Ducati Scrambler Sixty2 ein Motorrad mit 41 PS Leistung, toller Optik und technischer Raffinesse auf den Markt bringt, das allerdings nur geringfügig günstiger ist als die größere Schwester.
Ergonomisch überzeugt die Kleine mit einer erwachsenen Sitzposition. Kein Wunder, denn technisch basiert die Ducati Scrambler Sixty2 auf der 800er. So hockt man in 790 Millimeter Höhe aufrecht sitzend und sehr entspannt auf der bequemen Sitzbank. Der stark gekröpfte Lenker streckt sich den Händen entgegen, der schmale 14-Liter-Stahltank spreizt die Beine kaum. Die Füße finden in relaxtem Winkel auf den Rasten Halt. Nichts zwickt, nichts zwackt, Große wie Kleine finden eine lässige Sitzposition für den ersten Ausritt durch Barcelona.
Der kleine Zweiventiler der Ducati Scrambler Sixty2 schiebt zwar ab 2000 Touren vorwärts, wirkt jedoch bis etwa 4000 Umdrehungen zugeschnürt. Als ob der Feinstaub der spanischen Metropole dem Luftfilter schon arg zugesetzt hätte.
Ansprech- wie Lastwechselverhalten sind zwar nicht unbedingt hitverdächtig, gehen für einen Bologna-Twin aber durchaus in Ordnung. Zumindest wenn der Fahrer die Gänge nicht allzu zögerlich wechselt, rasten diese sauber und exakt ein.
Mit klarem Fokus auf Komfort überzeugt das Fahrwerk mit neutralem Einlenkverhalten und leichtfüßigem Handling. Zu keinem Zeitpunkt hat der Fahrer das Gefühl, das Motorrad überfordere ihn. Jederzeit lässt sich die Ducati Scrambler Sixty2 präzise auf Linie halten.
Ducati Scrambler: Ein Fazit
Die Ducati Scrambler bietet einen faszinierenden Mix aus Fahrspaß, Alltagstauglichkeit und Style zu einem vergleichsweise moderaten Preis. Klar, die größeren Scrambler-Modelle sind nochmal eine Schippe geiler - aber eben auch deutlich teurer. Sagen wir mal 20% mehr Performance für 50% mehr Geldeinsatz.
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