Ducati Scrambler Desert Sled: Ein Fahrbericht

Die Ducati Scrambler Desert Sled krönt die aktuelle Scrambler-Baureihe aus Bologna. Genau 55 Jahre nach dem ersten Scrambler ist sie Kraftfutter für die Seele - sie sieht klasse aus und fährt auch noch gut. An der Sonderlackierung und einer Aluminiumplakette am Rahmen ist die limitierte Fasthouse zu erkennen, die Ducati anlässlich des Sieges beim Offroad-Spektakel „Mint 400“ auflegt.

Wer aufgrund der Optik der Desert Sled denkt, Ducati hätte aus den Geschichtsbüchern anderer Marken abgekupfert, der irrt. Die Italiener gewannen 1969 mit einem Scrambler die Baja Rally. Heute bezeichnet Scrambler eine Untermarke der Bologneser und somit eine ganze Modellpalette, die nicht nur über alle Erwartungen erfolgreich, sondern auch sehr breit aufgestellt ist. Der Desert Sled aber trifft es genau, ist er doch noch stärker auf den On/Offroadeinsatz abgestimmt als der Vorgänger Urban Enduro.

Design und Ausstattung

Noch aus 15, 20 Metern ist die ­Illusion perfekt, wirkt die Ducati Scrambler Desert Sled wie eine größere, moderne Yamaha XT 500: Trotz stattlicher 20 Zentimeter Federweg vorn und hinten erinnern die rundliche Form des 13,5-Liter-Tanks mit den schicken seit­lichen Alublenden, der Enduro-typisch hochgelegte vordere Kotflügel und die recht üppig gepolsterte Sitzbank an den Offroad-Meilenstein aus Japan. Oder beruht die optische Ähnlichkeit eher auf den hübschen Speichenrädern mit den goldenen Felgen (17 Zoll hinten, 19 Zoll vorn) und dem breiten Lenker mit Cross-Strebe, vor dem Züge und Leitungen der rechten Lenkerarmaturen im weiten Bogen verlaufen?

Cool wirken Alu-Motorschutz, 238 Milli­meter Bodenfreiheit und das schützende Gitter vorm Scheinwerfer. Ducati hat diesen Traum wiederbelebt und ist anderen Marken zuvorgekommen. Das Design der Ducati Scrambler Desert Sled ist trotzdem eines der besten des Jahres und wir haben uns alle schwer verliebt, weil sie aussieht wie etwas, das wir in Kindheit und Jugend gerne gehabt hätten. Wer mit den beiden verfügbaren Farben Weiß und Rot kein Auskommen findet, der kann die abschraubbaren Seitenpanele am Tank tauschen.

Motor und Fahrwerk

Der luftgekühlte 90-Grad-V2 mit zwei Ventilen und einem zusätzlichen Ölkühler vereint immerhin 803 Kubikzentimeter. Da­raus schöpft der Einspritzer mit neuester Euro 4-Abgasreinigungstechnik offiziell 75 PS und 68 Newtonmeter Drehmoment. Durch einen progessiven statt linearen Gasgriff spricht der Motor nun noch sanfter an. Voll einstellbar und schluckfreudig präsentiert sich die langhubige Upside-down-Gabel. Sie stammt wie das links ziemlich schräg angebrachte und ­direkt angelenkte Federbein von Kayaba - gelbe Feder hin oder her.

Die Geländegängigkeit des gewöhnlichen Straßenfahrers übertrifft der Wüstenschlitten locker, was bei unserer Testfahrt ausreichend unter Beweis gestellt wurde. Die Desert Sled ist zwar nicht für den harten Offroadeinsatz gemacht, aber für Spaßpartien auf Schotterstraßen und im leichten Gelände. Mit ihrem verstärkten Rahmen, dem großen 19“-Vorderrad und ihren voll einstellbaren Federelementen trägt sie den Anforderungen ihres neuen Einsatzgebiets Rechnung, die Sitzhöhe von 860 Millimetern (mit einer niedrigeren Sitzbank 840 Millimeter) lässt ebenfalls erahnen, dass Geländeausritte nicht völlig absurd sind.

Gegenüber Ducatis anderen aktuellen Scramblern präsentieren sich bei der Ducati Scrambler Desert Sled Gitterrohrrahmen und Schwingenaufnahme kräftig verstärkt. Sie ist also kein Blender. Im Gegenteil, die Ducati Scrambler Desert Sled macht ernst, taugt wirklich für gemäßigtes Gelände. Gleichmäßig sanft gibt der kultivierte Motor seine Leistung ab. Jederzeit gut kontrollierbar lässt sich der Kurzhuber per progressiv übersetztem, elektronischem Drehgriff ans Gas nehmen. Dies und die guten Führungsqualitäten (Schwinge 25 Millimeter länger als bislang) verein­fachen den Umgang auf losem Untergrund.

Fahreigenschaften

Weder nervös noch störrisch umrundet die 800er sämtliche Kurvenradien. Leicht lässt sich die Seilzug-Kupplung ­ziehen, nur das ­Getriebe braucht mitunter etwas Konzentration beim Schalten. Dumpf, doch gut gedämpft klingt der unverkennbare V2-Sound, dazu hämmert es markant aus der ­Airbox. Gut ausbalanciert meistert die Italo-Enduro selbst Tiefsand-Passagen ­easy, bleibt freundlich zum Fahrer. Kompliment für die speziell auf die Desert Sled abgestimmten Pirelli-Reifen Scor­pion Rally STR: Ihr schönes Stollenprofil bietet on- wie offroad reichlich Traktion.

Durch den Radstand von 1505 mm, das Gewicht von 191 kg trocken und besonders die Bereifung verhält sie sich stabil und nicht nervös, dafür aber auch nicht so agil, wie manche erwarten werden. Das grobe Profil und die flache Kontur der Reifen brauchen auf Asphalt ein wenig Eingewöhnung, im Gelände weiß man beides aber schnell zu schätzen.

Ergonomisch passt bei der Ducati Scrambler Desert Sled alles: Der breite Enduro-Lenker liegt prima zur Hand, allerdings ein wenig weit vorn. Die Sitzposition ist relaxed, ein schmaler Knieschluss und gezackte Enduro-Fuß­rasten vermitteln guten Kontakt zur vollgetankt rund 210 Kilogramm schweren Maschine. Rund 86 Zentimeter Sitzhöhe wirken recht hoch, optional gibt‘s eine zwei Zentimeter niedrigere Bank.

Fazit

Schöne Motorräder sind meist unpraktisch, funktionale selten sexy. Bei ­dieser klassischen Soft-Enduro mit modernen ­Zutaten ist das anders. Genauso, jedoch ohne den Geist des Lifestyles außer Acht zu lassen, gibt sich die Ducati Scrambler Desert Sled. Man darf in der Ducati Desert Sled weder eine Supermoto noch eine Hard Enduro sehen. Sie ist ein Funbike, ein Freizeitmobil, eine Urban Enduro. Sie sieht aggressiver und ärger aus, als sie ist. Denn tatsächlich ist sie ein freundliches Motorrad, das jedem zuzutrauen ist. Hart im Nehmen, aber zart im Geben.

Ducatis Scrambler Desert Sled ist nichts für Hardcore-Enduristen oder Weltumrunder - sie entführt charmant in die legendäre Zeit, als Motorräder mit unkomplizierter Leichtigkeit lässig durch die Stadt und über Land zu bewegen waren. Sie verkörpert den Geist der Ur-Enduro und sieht zufälligerweise auch noch so aus, dazu taugt sie als Beweis, dass Lifestyle und Motorradgenuss Hand in Hand gehen können.

Der ­Basispreis von 11.000 Euro ist sicher kein Schnäppchen für das Topmodell der Scrambler-Reihe. Von der wurden in den letzen beiden Jahren jedoch schon 32.000 Maschinen gebaut.

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