Die Ducati Scrambler ist mehr als nur ein Motorrad - sie ist ein Lebensgefühl. Seit ihrer Wiederauferstehung im Jahr 2014 hat sich die Scrambler-Familie zu einem echten Verkaufsschlager entwickelt. Die Maschine attraktiv zu halten erfordert Einsatz, und so wird Ducati nicht müde, ständig neue Varianten aufzusetzen, die sich vor allem optisch unterscheiden. Dazu gibt es ein extrem umfangreiches Zubehörprogramm, mit dem sich die Scrambler individualisieren lässt. Mit ihrem Vintage-Design, dem luftgekühlten V2-Motor und dem unkomplizierten Fahrspaß hat sie die Herzen vieler Motorradfahrer erobert.
Einleitung
Wer bei diesen einleitenden Worten denkt: „Och nö, bloß nicht“, sollte nie, wirklich nie auf eine Ducati Scrambler Desert Sled steigen. Denn genau das eingangs Erwähnte wird ihm auf einer Tour passieren. Da führt kein Weg dran vorbei. Die hochbeinige Italo-Schönheit ist ein Hingucker. Ein Sympathie-Einheimser erster Güte. Eine Begehrlichkeiten-Weckerin von reinster Unschuld. Schmale Hüften, lange Hachsen, prächtiger Lenker. Weiß, Rot und Alusilber sind die dominanten Farben. Farbpsychologisch (und komplett populär-wissenschaftlich) übersetzt stehen diese Töne für Unschuld gepaart mit Leidenschaft und Understatement. Was für ein anbetungswürdiger Mix.
Die Modelle im Überblick
Die Scrambler-Familie ist vielfältig und bietet für jeden Geschmack das passende Modell. Zu den bekanntesten Varianten gehören:
- Icon: Das Basismodell, günstig und vielseitig individualisierbar.
- Desert Sled: Die Offroad-Variante mit höherer Sitzposition und Geländereifen.
- Café Racer: Für Liebhaber des klassischen Café-Racer-Stils.
- Full Throttle: Inspiriert von Flat-Track-Bikes, mit sportlichem Design und Termignoni-Auspuff.
- Nightshift: Eine elegante Version mit tiefem Lenker und exklusiven Extras.
- Urban Motard: Konzipiert für das städtische Umfeld mit Betonung auf Stil und Sportlichkeit.
Fahreindrücke und Testberichte
Die Scrambler überzeugt mit ihrem agilen Handling und dem charakterstarken Motor. Hier sind einige Eindrücke aus verschiedenen Testberichten:
Motor und Fahrleistungen
Mit 73 PS ist die 800er Scrambler-Bande nicht gerade überbordend motorisiert. Auf dem Papier jedenfalls nicht. Auf dem Asphalt aber könnten die Bikes vermutlich allesamt die Steine aus dem Kopfsteinpflaster reißen, wenn es um den oft zitierten puren Fahrspaß geht. Der V2-Motor der Scrambler ist wie ein perfekt abgestimmter Vergaser aus der guten alten Zeit - nur eben mit moderner Technik. Mit 73 PS bei 8250 U/min und 65 Nm bei 7000 U/min ist er kein Kraftprotz, aber das Ansprechverhalten ist seidenweich und präzise. Es fühlt sich an, als könnte man jedes einzelne Benzinmolekül spüren, das in den Brennraum strömt. Der Zweizylinder überzeugt durch feine Gasannahme, eine sehr angenehme Leistungsabgabe und genügend Power: Das Zweiventiltriebwerk gibt sich drehfreudig und agil, ist aber für seine Größe nicht sparsam: Unter fünf Liter wird kaum ein Scramber-Fahrer 100 Kilometer weit kommen. Viel mehr als 200 Kilometer am Stück sind im 13,5 Liter-Tank also nicht drin.
Fahrwerk und Handling
Speziell die Desert Sled mit ihrer hohen Sitzposition - amtliche 860 mm - macht einfach saumäßig Spaß. Sie hängt ausgezeichnet am Gas, was erfahrene Kempen - frühe Monster-Sperenzien im Hinterkopf - nie für möglich gehalten hätten. Sie fühlt sich leichter an, als sie ist (209 kg fahrfertig). Sie schmeißt sich wagemutig in Kurven. Gravel und Schotter nimmt sie unter die Räder wie Sprinter eine Tartanbahn. Felsiges Geläuf und Buckelpisten meistert sie im Stil eines erfahrenen Hürdenläufers oder Dressurpferds: Spring nie höher, als du musst. Aber spring überall sauber rüber. Weil du es kannst. Jawoll.Auf der Start-Ziel-Geraden zeigt sich, dass stärkere Motorräder hier natürlich im Vorteil sind. Die Scrambler kann ihre Leistung nicht ganz so ausspielen wie manch anderes Bike in unserer Bestzeit-Tabelle. Mit 150 mm Federweg vorne und hinten erwartet man zunächst ein weiches Fahrverhalten. Doch die Scrambler überrascht mit erstaunlicher Stabilität. Das Chassis ist clever konstruiert und profitiert offensichtlich von Ducatis Erfahrung. Die Schräglagenfreiheit ist für den Alltag mehr als ausreichend, aber auf der Rennstrecke stößt man schnell an Grenzen. Dabei ist nicht nur der Fußraster der limitierende Faktor, sondern auch der Bremshebel und - Achtung, Gefahrenzone! - die Abdeckplatte des Auspuffs.
Komfort und Alltagstauglichkeit
Auf langen Strecken erweist sie sich als treue, wenn auch strenge Gefährtin: Die Stehposition ist ausgezeichnet. Das hilft, dem nach vielen Kilometern doch etwas gebeutelten Pöter mal ein bisschen Entspannung zu verschaffen. Die Sitzbank ist gut, das schon, aber recht schmal und straff. Eher so der Espresso Forte Lungo des Ausruhens. Klar, die größeren Scrambler-Modelle sind nochmal eine Schippe geiler - aber eben auch deutlich teurer. Sagen wir mal 20% mehr Performance für 50% mehr Geldeinsatz. Sie bietet einen faszinierenden Mix aus Fahrspaß, Alltagstauglichkeit und Style zu einem vergleichsweise moderaten Preis. Die Bedienung ist einfach, der Sitz in leicht zugänglichen 79,5 cm Höhe montiert. Alle Schalter und Hebel sind griffgünstig platziert, der Lenker angenehm geformt.
Design und Individualisierung
Die seitlichen Tankpanels sind ohne großen Aufwand austauschbar. Aus alufarben mach mattschwarz mach rot-blau-schwarz-kariert oder was auch immer. Ein echter Design-Coup, der den Ragazzi von Ducati beziehungsweise von der hauseigenen Scrambler-Division da gelungen ist im Headquarter in Borgo Panigale. Die Ducati-Scrambler-Baureihe wurde technisch gründlich überarbeitet. Und auch am Image der Modelle Icon, Full Throttle und Nightshift wurde gefeilt. Nun ist es Zeit für ein gründliches Update. Wer nur flüchtig hinschaut, erkennt einfach "die Scrambler". Dabei wurde eine ganze Reihe Details nicht nur verändert, sondern gründlich weiterentwickelt. Leuchtende Farben sind gesetzt, alleine für die Icon gibt es sechs Dekorsets, die in unter einer Stunde montiert sein sollen und für überschaubare 285 Euro einen ganz neuen Look bieten.
Sicherheit und Technologie
Wie alle kleinen Scrambler muss sie vorn mit nur einer Scheibe zum Stillstand gebracht werden. Die misst immerhin 330 Millimeter und stammt von Brembo. Insoweit sind die Verzögerungswerte völlig okay. Das von Bosch entwickelte Kurven-ABS sorgt für hohe Sicherheitsreserven. Die Wenigsten werden sie in Anspruch nehmen müssen: Das Fahrverhalten ist tadellos. Die Elektronisierung geht allerdings, wenn auch gegen Mehrpreis, noch weiter: Sogar ein Quickshifter zum kupplungslosen Gangwechsel ist lieferbar. Gegen Zuzahlung bei der Icon, in Serie bei den teureren Versionen Nightshift und Full Throttle.
Die Ducati Scrambler im Detail
Ducati Scrambler Icon 2023
Die für 2023 überarbeitete Scrambler soll zur Ikone der nächsten Ducatisti-Generation werden. Immerhin spricht Ducati von 70 Prozent geänderten Teilen im Vergleich zur Vorgängerin. Kurz und knapp sollen sie die neue Scrambler moderner, bunter und leichter machen. Die neue Sitzbank verzichtet auf die Kuhle, so dass der Po seine eigene Position auf der Bank finden kann. Auf dem Vormodell fiel mir immer unangenehm auf, dass der Pilot auf der Maschine sitzt, nicht in der Maschine, daher wenig integriert. Dieses mochte ich nicht, jetzt empfinde ich die Sitzposition als gut integriert. Mit diesem Update halten auch zwei Fahrmodi samt vierstufig einstellbarer Traktionskontrolle Einzug beim günstigsten Ducati-Modell. Im Fahrmodus "Road" wird der Dreh am Spaßgriff sanft in Vortrieb umgesetzt, die Schlupfregelung greift bei Zwischenspurts auf glattem Untergrund früh ein.
Ducati Scrambler Full Throttle
Die Ducati Scrambler Full Throttle ist eine von drei neuen Scrambler-Modellen, die Ducati in diesem Jahr neu vorgestellt hat. Sie soll an Flat-Track Bikes erinnern und hat natürlich nach wie vor den Luft-Öl gekühlten V2 in L-Form mit desmodromischer Ventilsteuerung - also eine waschechte Ducati! Sie hat den höchsten Lenker und kann durch ein cleveres Cover-Kit Baukastensystem in neun Farben individualisiert werden. Die Grundfarben sind Rot, Schwarz und Gelb. Das Cover-Kit mit sechs weiteren Farben kostet lediglich 285 Euro. Sie ist zwar etwas niedriger montiert als bei der Icon, die einen seeeehr hoher Lenker hat, er ist aber sehr breit und auch nicht so tief montiert wie bei der Nightshift, die einen seeeeehr tief montierten Lenker aufweist. Die goldene Mitte, könnte man also auch sagen. Freude kommt dagegen beim Rangieren auf, denn die Maschine wiegt nur 185 kg fahrfertig. Die Full Throttle hat Voll-LED inkl. Tagfahrlicht mit separatem Schalter und LED-Blinker. Das TFT-Display ist gut ablesbar, die Bedienung ist allerdings leider etwas fummelig. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kommt man aber zurecht.
Ducati Scrambler 1100 Special
Stellt euch vor: Schönstes Motorradwetter und Ducati stellt euch eine brandneue Scrambler 1100 Special für einen 4-wöchigen Test zur Verfügung - und das Spritgeld gibt's noch obendrauf. Traumhaft? Ja. Aber für fünf Leser von MOTORRAD, FUEL und auto motor und sport ist das nun die Realität. Sie haben sich für den Leser-Test-Ride von Ducati beworben und gewonnen. Sie misst 1,69 Meter und kommt bei der Scrambler nur mit den Fußspitzen auf den Boden. Leichtgängige Kupplung, die sich sehr gut dosieren lässt; sehr gutmütig beim Anfahren; starke Hitzeentwicklung in der Stadt und im Stau. Stabiles Kurververhalten, ausreichende Schräglagenfreiheit, ideales Landstraßenmotorrad, um Spaß zu haben; sehr gute Bremsen; keine Lastwechselreaktionen im Antriebsstrang; sehr guter Durchzug und Beschleunigung; Ablesbarkeit des Drehzahlmessers leider nur mäßig. Speziell bei den Querfugen der A81 sind Nehmerqualitäten gefragt - die A81 und die Scrambler werden keine Freunde.
Technische Daten
Hier eine Übersicht der technischen Daten der Ducati Scrambler Icon 2023:
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Höchstgeschwindigkeit | 195 km/h |
| Normverbrauch | 5,2 l/100 km |
| Rahmen | Stahl-Gitterrohrrahmen |
| Gabel | 41 mm ø USD-Telegabel vorne, 150 mm Federweg |
| Federbein | Zentralfederbein, Vorspannung einstellbar, 150 km Federweg |
| Reifen vorne | 110/80 R 18 |
| Reifen hinten | 180/55 R 17 |
| Tankinhalt | 13,5 l |
| Preis | 10.590 Euro zuzügl. NK |
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