Ducati Scrambler: Ein Testbericht

Die Ducati Scrambler zieht ihren Reiz aus ihrer Vielseitigkeit. Sie ist kein Sportbike, keine Enduro, kein Streetfighter und kein Tourer, aber von allem etwas. Seit ihrer Wiederauferstehung im Jahr 2015 ist sie sehr erfolgreich.

Als Ducati vor einigen Jahren seine legendäre Scrambler der 60er und 70er Jahre wiederbelebte, konnte niemand ahnen, wie erfolgreich der charmante Retro-Allrounder sein würde. Ursprünglich war die Einzylinder-Duc ein SUV auf zwei Rädern, vor allem für den US-Markt. Klassische Merkmale: Höhergelegter Auspuff, Stollenreifen und ein bequemer breiter Lenker. Die Zutaten sind weitgehend geblieben.

Im „Land of Joy“ geht es um Freiheit, Freude und Freigeistiges. All das möchte Ducati mit seiner Submarke Scrambler transportieren. Das fahrende Manifest dazu ist die Icon, das Basismodell des neu aufgelegten Kultbikes aus den seligen Sechzigern. Mittlerweile haben die Italiener von der vielköpfigen Scrambler-Familie viele Einheiten weltweit abgesetzt. Das macht die minimalistische Fahrspaßmaschine zur erfolgreichsten Baureihe innerhalb der Ducati-Palette.

Design und Ausstattung

Besonders wichtig bei Lifestyle-Motorrädern: Die Reduktion aufs Wesentliche. Wichtige Infos sind digital, aber ein klassisches Rundinstrument beschränkt sich insgesamt aufs Wesentliche. Unter anderem: Tempo, Gang, Drehzahl, Tankstand und der ausgewählte Fahrmodus. Ebenfalls sehr wichtig: Die Materialauswahl.

Nur fünf wesentliche Teile sind aus Kunststoff: Die Airbox, der Sitz-Unterbau, das Elektronikgehäuse sowie das vordere und hintere Schutzblech. Sonst geben Aluminium und Co. den Premium-Ton an. Vom möglichst hochwertigen Eindruck weichen lediglich einige Details ab wie die etwas lieblos gestaltete Gabelbrücke oder die Schalter am Lenker. Reduktion herrscht auch beim Design.

Der Designer machte sich bereits mit der Ducati Scrambler Desert Sled einen Namen - eine Variante mit gelungenen Anleihen bei der legendären Yamaha XT 500. Jetzt ist es gelungen, der Scrambler einen der Fahrzeuggattung angepassten, aber erwachseneren Anstrich zu verpassen.

Motor und Leistung

Für die Scrambler hat Ducati seinen altgedienten luftgekühlten Zweiventil-Motor aus der Monster auf Euro4 getrimmt. Die Spitzenleistung ist dabei zwar von bis zu 110 auf 86 PS abgesunken, doch der Fahrspaß ist geblieben. Der 1,1-Liter-V2 meldet sich lautstark, aber unaufdringlich zum Dienst. Er brabbelt und pladdert, wie es Fans des klassischen L-Twins aus Bologna so mögen. Und vor allem im Schiebebetrieb unter Last, also etwa bergab, poltert er vor sich hin und macht damit Ducatis traditionellem Motorkonzept alle Ehre.

Druckvoll, aber geschmeidig geht er stets zu Werke. Über E-Gas und dank weiterer moderner Motorelektronik mit MotoGP-Know-how drückt er seine Kraft jederzeit berechenbar auf die Kette. Das breite Drehmoment-Plateau passt zum Bike - zwischen 4.500 und 6.500 U/min liegt praktisch konstant die maximale Schubkraft an.

Die Leistung von 73 PS bleibt, das maximale Drehmoment allerdings geht leicht zurück und liegt jetzt erst bei 7000/min an (bislang 5750/min), was etwas Temperament kosten dürfte.

Die Scrambler bietet ab Werk drei Fahrmodi: "Active", "Journey" und "City", von denen letzterer die Leistung reduziert. Im technischen Zeitgeist entsprechend, kann der Motor über die drei charakterlich verschiedenen Mappings: City (Leistungsreduktion auf 74 PS), Journey (geschmeidiger zur vollen Leistung) und Active (all in) angesteuert werden, die das Display passend anzeigt.

Fahrverhalten

Bei ausgiebigen Testfahrten erweist sich die neue Ducati Scrambler als so vielseitig, wie man es von einem Scrambler erwartet, und so cool, wie das Ducati bereits mit den kleineren Modellen hinbekam. Sie fährt sich zwar weniger agil als die Scrambler 800, ist aber das deutlich erwachsenere Motorrad. Deshalb schließt sie die bisher klaffende Lücke zwischen Scrambler-Baureihe und dem klassischen Naked Bike Ducati Monster.

Die Standardeinstellung des Fahrwerks fühlt sich für Leichtgewichte relativ hart an. Aber vorne wie hinten gibt es umfangreiche Möglichkeiten zum Einstellen und Korrigieren. Der Kniewinkel ist für Menschen über 1,90 m etwas eng, der Rest passt auch für Riesenbiker. Der Breite Lenker fühlt sich an wie ein Präzisionswerkzeug, mit dem der Ducatista auf seiner Scrambler Feinstarbeit verrichten kann. Dabei verführt die Armhaltung zum wild wirkenden Ausfahren der Ellbogen.

Dennoch ist die Scrambler 1100 ein überzeugender Lifestyle-Alleskönner im Retro-Look, der die Fahne des polternden V2-Motors aus Borgo Panigale hochhält.

Scrambler Desert Sled

Ein kurzer Blick - und man könnte die neue Ducati Desert Sled mit der legendärenYamaha Xt 500 verwechseln. Schnee an den Stränden der Costa del Sol und eine Ducati im Stil der Ur-Enduro Yamaha XT 500 - undenkbar? Keineswegs, wie die Premiere der knapp 11.000 Euro teuren Ducati Scrambler Desert Sled beweist.

Während damals ein polternder Einzylinder die Plomben lockerte, arbeitet in der Desert Sled der gleiche kultivierte 803 cm³ große 90°-V-Motor wie in allen Scrambler-Modellen. Über das gesamte Drehzahlband zeigt der Desmo-Twin eine hohe Laufkultur bei gleichmäßigem Durchzug, der Antritt könnte jedoch pfeffriger sein - eine weniger progressive Gasgriffübersetzung im ersten Drittel der Öffnung macht das Ansprechverhalten handzahm und butterweich, fast wie bei einem Regenmodus. Insgesamt ist die Motorabstimmung aber ziemlich gut dazu angetan, Novizen und Geländeneulingen das Zweirad-Leben leicht zu machen.

Um dieses wunschgemäß hinzubekommen, mussten sich die Ducati-Fahrwerksentwickler mächtig ins Zeug legen. Denn die strammen 86 Zentimeter Sitzhöhe verlieren sich in der sehr soften Abstimmung, und die gelungene Sitzbankkontur sorgt dafür, dass auch Kleinere einen guten Bodenkontakt bekommen. Bequem sitzt es sich auf der fast geraden Sitzbank, nur der Lenker ist eine Spur zu weit vorne. Dessen ungeachtet zeichnet sich die Ducati durch ein stabiles Kurvenverhalten ohne Nervosität aus, das leichtfüßige Handling-Niveau ihrer Scrambler-Geschwister erreicht sie indes nicht.

Abseits befestigter Pfade lässt sich dieses über das Menü im Rundinstrument deaktivieren. Hier erfreut die sehr sanfte, schluckfreudige Fahrwerksauslegung, perfekt für trockene Bachläufe, Schotterpisten und leichtes Gelände. Gut kontrollierbar über den breiten Lenker und mit einer ausgewogenen Gewichtsverteilung lässt sich die Duc selbst von unerfahrenen Enduristen mit viel Spaß durchs Gelände bewegen.

Ducatis Scrambler Desert Sled ist nichts für Hardcore-Enduristen oder Weltumrunder - sie entführt charmant in die legendäre Zeit, als Motorräder mit unkomplizierter Leichtigkeit lässig durch die Stadt und über Land zu bewegen waren. Sie verkörpert den Geist der Ur-Enduro und sieht zufälligerweise auch noch so aus, dazu taugt sie als Beweis, dass Lifestyle und Motorradgenuss Hand in Hand gehen können - auch wenn der Preis dafür mit 10.990 Euro ziemlich gesalzen ist.

Scrambler Full Throttle

Die Full Throttle orientiert sich an dem Flat Track-Rennmotorrad, das vom mexikanischen Rennfahrer Frankie Garcia 2018 in der American Super Hooligan Championship 2018 eingesetzt wurde. Der zweifarbig lackierte, schwarz-gelbe Tank mit seinem weißen Streifen und dem dazugehörigen Logo erinnert ebenso an das Motorrad des Mexikaners, wie das neue, vom Rennsport inspirierte Heck. Die neue Sitzbank hat eine Soziusabdeckung mit zum Tank passender Lackierung.

Die Ducati Scrambler Full Throttle besitzt einen straßenzugelassenen Doppelendrohr-Schalldämpfer von Termignoni. Der niedrig gelagerte, konifizierte Lenker - leicht und ergonomisch - und das robuste Vorderradschutzblech tragen zur Besonderheit der Full Throttle bei.

Die überarbeitete Version der Full Throttle besitzt dieselben Neuerungen, wie sie für 2019 mit der Scrambler Icon eingeführt wurden. Das Aluminium der neu geformten Tankblenden passt gut zum lackierten Stahl des Tropfentanks und dem Klarglasscheinwerfer. Das schwarz lackierte Motorgehäuse mit gebürsteten Kühlrippen und die überfrästen Speichen der Gussräder machen die Ducati Scrambler noch hübscher.

Neuerungen 2023

2023 kommen die Scrambler mit Traktionskontrolle, Fahrmodi und weiteren wichtigen Updates. Optisch wirkt das Motorrad technik-affiner als bislang, was vor allem daran liegt, dass die neue Krümmerführung mehr vom Motor freigibt, den auffällige Abdeckungen in den Blick rücken. Den traditionellen Gitterrohrrahmen gestalteten die Entwickler leichter, dazu gesellen sich eine neue Schwinge und ein jetzt verschraubtes Rahmenheck.

Insgesamt spart die 800er-Scrambler vier Kilogramm Gewicht ein, wiegt ab dem Modelljahr 2023 also 185 Kilo, was ihrem jetzt schon spielerischen Handling weiter zugute kommen soll.

Komplettiert wird die Runderneuerung durch ein 4,3 Zoll großes TFT-Display als Cockpit.

Farben Ducati Scrambler 800 2023 treten drei Versionen an. Das Basismodell Icon, jetzt mit etwas niedrigerem Lenker, gibt es in Gelb, Schwarz und Rot, doch die bunte Scrambler-Vielfalt erschöpft sich damit nicht: Weitere sechs Farben sind optional als Kit erhältlich, der Tank- und Lampenverkleidung, Kotflügel und die farbigen Tags an den Rädern umfasst.

Preis und Verfügbarkeit

Die Scrambler 1100 kostet in den drei Versionen Standard, Special und Sport sehr stolze Preise. Als Retro-Beauty muss sich die Italienierin in dieser Preisklasse mit anderen Motorrädern messen. Bei 9.190,-- Euro fängt der Scrambler-Spaß künftig an (zuzüglich Nebenkosten). Damit bleibt die Icon zusammen mit der Monster 797 das günstigste Bike im Ducativersum.

Technische Daten Ducati Scrambler 1100 Special

Allrounder mit luftgekühltem Viertakt-V2-Motor im 90 Grad-Winkel, Hubraum 1.079 cm3, max. Leistung 63 kW (86 PS) bei 7.500 U/min, (alternativ 35 kW/48 PS), max.

Merkmal Wert
Motor Luftgekühlter Viertakt-V2 im 90 Grad-Winkel
Hubraum 1.079 cm3
Max. Leistung 63 kW (86 PS) bei 7.500 U/min

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