Ducati ST2: Technische Daten und Besonderheiten des Sporttourers

Die Ducati ST2 wurde 1997 als erstes Modell der neuen Sport-Touring-Baureihe vorgestellt. Sie kombiniert eine tourentaugliche Sitzposition mit sportlicher Fahrwerks- und Motorentechnik.

Die Geschichte der Ducati ST2

Als die Ducatisti sich auch den Touren-Tifosi mittels Modell ST2 ab 1997 zuwendeten, dachte die reine Racerseele: Nicht jetzt auch noch die was sollen die Gepäckhaken, Taschen und die Vollbekofferung an einer waschechten Ducati? Banale Alltagstauglichkeit für die rassige Rote? Blasphemie! Und dann kam sogar hernach noch die ST4 mit Vierventiltecknik und die ST3 mit derer drei Ventilen pro Zylinder mit in die Garage.

Die Entscheidung, das Programm um die Kategorie "Alltagstauglichkeit" zu erweitern, war nicht nur goldrichtig, sondern hat bei den Roten aus Bologna wichtige Impulse für die weitere Modellpolitik gegeben - Stichwort Ducati Multistrada 1200. Erster Aufschlag war die ST2. Sie sollte der beliebten Allrounderin Honda VFR Paroli bieten.

Mit der neuen Ducati ST2 verlassen die Bologneser den Weg der kompromißlosen Sportlichkeit und wagen nach dem Versuch mit den wenig erfolgreichen Paso-Modellen ein weiteres Mal den schwierigen Spagat zwischen Tourer und Sportler.

Technische Details und Motor

Die ST2 basiert auf einem Gitterrohrrahmen aus Stahl, wie er auch bei anderen Ducati-Modellen dieser Zeit verwendet wird. Der Motor ist ein flüssigkeitsgekühlter 90°-V2 mit zwei Ventilen pro Zylinder und Desmodromik. Er basiert auf dem 944-ccm-Motor der Ducati 900 Superlight, nicht der 900 SS, und wurde für die ST2 mit elektronischer Marelli-Einspritzung und Wasserkühlung weiterentwickelt.

Der wassergekühlte Zweiventilmotor entstammte der glücklosen 907 i.e., brachte es mit mehr Bohrung aber auf 944 cm³ Hubraum. Der bullige Desmo-Twin ist wie geschaffen für ausgedehnte Touren. Jeder Zylinder mit eigener zahnriemengetriebener Nockenwelle läßt sich seine zwei großen Ventile (Einlaß 43mm, Auslaß 38mm) desmodromisch betätigen. Die Gasfabrik arbeitet mit moderner elektronischer Saugrohreinspritzung auf Anweisung des Marelli -Motormanagements. Und die sorgt für beispielhaftes Drehmomentverhalten.

Die ST2 verfügt über ein 6-Gang-Getriebe mit Kettenantrieb. Die Sitzposition ist aufrecht und für längere Strecken ausgelegt. Der Soziusplatz ist voll nutzbar, mit separater Sitzbank und serienmäßigen Haltegriffen. Ab Werk ist ein in der Höhe verstellbarer Windschild montiert.

Fahrwerk und Bremsen

Das Fahrwerk besteht aus einer 43-mm-Upside-Down-Gabel von Showa und einem zentralen Federbein mit Umlenkung. Die Bremsanlage stammt von Brembo: vorne zwei 320-mm-Scheiben mit Vierkolben-Festsätteln, hinten eine 245-mm-Scheibe. ABS ist für die ST2 in keinem Baujahr verfügbar.

Die ST2 wird serienmäßig mit 17-Zoll-Rädern ausgeliefert. Die Erstausrüstung umfasst je nach Markt Reifen von Pirelli oder Michelin, darunter der Pirelli Dragon oder Michelin Macadam.

Weitere Merkmale und Ausstattung

Ducati bietet ein integriertes Hartschalenkoffersystem als Sonderausstattung an, bestehend aus zwei Seitenkoffern. Ein Topcase ist nicht serienmäßig, aber über Ducati-Zubehör erhältlich.

1999 erhält die ST2 ein überarbeitetes Cockpit mit LC-Anzeige für Kühlmitteltemperatur und Uhrzeit. Die analogen Rundinstrumente für Geschwindigkeit und Drehzahl bleiben erhalten. In späteren Baujahren wird die Bordelektrik überarbeitet, unter anderem mit verbesserten Steckverbindungen und einer optimierten Lichtanlage. Die Batterie ist unter der Sitzbank untergebracht. Der Tank fasst 21 Liter.

Insgesamt wurde offensichtlich bei Ducati gesteigerter Wert auf gute Detailverarbeitung gelegt. Alle Bauteile und sei es der kleinste Hebel, sind außergesprochen sauber verarbeitet und machen den Eindruck als seien sie beim Designer entstanden. So auch der Arbeitsplatz des Fahrers. Im Lenker-/Cockpitbereich gibt es keine Ecken und Kanten, alles ist schön rund geformt und von hoher Paßgenauigkeit. Ergonomisch sind die Lenkerenden mit den Schaltereinheiten gearbeitet und alles befindet sich dort, wo es gut erreichbar ist und wo der Fahrer es auch erwartet. Alle Schalter, Kontrollanzeigen und Instrumente entsprechen heutigem Qualitätsstandard. Eine neuartige Display-Anzeige liefert die erforderlichen Daten.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Details
Motor Flüssigkeitsgekühlter 90°-V2, 2 Ventile pro Zylinder, Desmodromik
Hubraum 944 cm³
Getriebe 6-Gang
Bremsen vorne Zwei 320-mm-Scheiben, Vierkolben-Festsättel
Tankinhalt 21 Liter

Gebrauchtberatung

Knapp 2000 Ducati-Sporttourer sind laut Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) auf deutschen Straßen unterwegs. Das ist ein ordentlicher Wert. Schließlich zählt man bei der Stilikone 916 samt ihrer Nachfolgerinnen 996 und 998 gerade mal 400 Zulassungen mehr.

Besonders glänzt dabei nach Expertenmeinung mit der ST2 die Älteste im Bunde mit durchweg robustem Erscheinungsbild. Die Bilanz der ST4 liest sich im Regelfall ähnlich positiv und deutlich anders als im MOTORRAD-Langstreckentest, wo nach 50000 Kilometern nahezu alle hochbelasteten Bauteile (Nockenwellen, Ventile, Kolben, Kupplung) gravierende Schäden aufwiesen.

Gebrauchtkäufer sollten Modelle mit Trockenkupplung auf Laufspuren am Kupplungskorb überprüfen. Deutlich weniger Probleme bereiten die ST-Typen (ST4s ab 2005, ST3, ST3s) mit Ölbadkupplung. Ein Blick ins Serviceheft klärt, ob die Maschine regelmäßig gewartet und wichtige Arbeiten wie der Zahnriemenwechsel erledigt wurden. Tipp: Auch mal den Pflegezustand unter der Verkleidung ins Auge fassen!

Marktsituation

Die ST4 lockt zwar mit dem Motor der 916, kommt Reisejunkies mit ihrer vergleichsweise spitzen Motorabstimmung aber wenig entgegen. Sie ist vergleichsweise günstig zu bekommen. Deutlich gefragter ist die ST4s, vor allem in der ABS-Version ab Modelljahr 2003. Ähnlich verhält es sich mit den ST3-Typen. Die Basisversion ist mit ihrem nicht voll einstellbaren Fahrwerk im Tourenlager verpönt und günstig zu bekommen. Deutlich gefragter ist die ST3s ABS.

Die ersten Baujahre der ST2 sind bei Schwacke gar nicht mehr verzeichnet, sie werden in den Internet-Verkaufsportalen ab rund 2500 Euro gehandelt. Die ST2-Ära endet mit den Baujahren 2003/2004 laut Schwacke bei knapp 5000 Euro. Die empfehlenswerte ST4s ABS wird auf 6000 bis 7400 Euro taxiert, die Jüngste im Bunde ist die ST3s ABS. Ein Muss für Reisende mit viel Gepäck.

Modellpflege

  • 1997: ST2 mit wassergekühltem Zweiventilmotor (944 cm³, 83 PS)
  • 1998: Erste Modellpflege: vereinfachte Vorspannung am Federbein, Logos überarbeitet.
  • 1999: ST4 mit Vierventilmotor aus der Ducati 916 (916 cm³, 105 PS). Zweite Modellpflege an der ST2: neue Lichtmaschine, neuer Regler, leichtere Felgen, Lenker überarbeitet.
  • 2001: ST4s mit Vierventilmotor (996 cm³, 117 PS).
  • 2002: Alle ST-Modelle werden mit U-Kat ausgerüstet.
  • 2003: Alle ST-Modelle erhalten einen geregelten Katalysator. ST4s optional mit ABS erhältlich.
  • 2004: ST3 mit neu konstruiertem Dreiventilmotor und G-Kat (992 cm³, 102 PS). ST2 und ST4 werden aus dem Programm genommen, Modellpflege bei ST4s mit geänderter Verkleidung, neuem Scheinwerfer und modifizierter Sitzbank.
  • 2006: ST3s ABS mit Showa-Gabel und Öhlins-Federbein.
  • 2008: Ende der ST-Modellfamilie

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