Ducati Streetfighter V2: Daten und Fakten

Mit dem Streetfighter V2 präsentiert Ducati eine Neuauflage des "Streetfighter"-Geistes - radikal, roh und kompromisslos für die Straße gemacht. Ducati arbeitet an einer V2-Version der Streetfighter und plant, sein Streetfighter-Angebot nach unten auszubauen. Auf die Streetfighter V4 folgt ein Naked-Bike mit dem Motor aus der Panigale V2. Eine durchaus fahrdynamische Kombination.

Design und Motor

Das Design der Streetfighter V2 greift ikonische Merkmale der Serie auf - ein aggressives Frontprofil mit LED-Scheinwerfern und ein muskulöses, auf das Wesentliche reduziertes Erscheinungsbild. Die voll-LED-Beleuchtung und die schlanke, aerodynamisch angepasste Silhouette heben die Maschine optisch von anderen Naked-Bikes ab und betonen ihre sportliche Herkunft.

Das Herzstück der Streetfighter V2 ist der komplett neue 90°-V2-Motor. Er ist mit einer variablen Ventilsteuerung ausgestattet und soll der Maschine eine lineare und kontrollierbare Leistung verleihen. Wie schon bei den Vorgängern (Panigale und Streetfighter) wird auch bei der neuen Streetfighter V2 ebenfalls die Basis von der Panigale V2 herangezogen. Dieser wurde ohne Modifikationen aus der neuen Panigale übernommen. Deshalb gibt es hier keine großen Überraschungen.

Der neue 890 cm³ V2-Motor liefert 120 PS und 93 Nm Drehmoment - alles direkt und unverfälscht, ohne Verkleidung dazwischen. Mit einem Gewicht von nur 175 kg ist die Streetfighter V2 das leichteste Naked von Ducati.

Technische Details des Motors

Wie schon erwähnt wird der neue V2 Motor im Hubraum und Leistung reduziert und kommt mit 890 ccm Hubraum und 120PS in unsere Auslagen. Die Grundkonstruktion sowie der 90° Zylinderwinkel ist gleichgeblieben. Ducati schaffte es aber durch den kleineren Hubraum den Motor auch zierlicher und vor allem auch leichter zu bauen. Sagenhafte 9,4 kg konnten auf den 955er Superquadro abgespeckt werden. Das erreichte man durch viele kleine Details, wie z.B. hohlgebohrte und verchromte Ventile.

Nebenbei setzt man noch auf DLC Beschichtungen im Ventiltrieb und kann dank der erhöhten Verschleißfestigkeit an den Berührungspunkten auch die Bauteilgröße reduzieren und somit wieder Gewicht sparen. Weiters kommt beim neuen Triebwerk keine Desmotronik zum Einsatz. Die Ventile werden hier wie bei fast allen anderen Motorrädern mittels Feder wieder geschlossen. Das aufwendige Ventileinstellen wie bei den Desmo Motoren üblich entfällt hiermit und streckt die Ventilspielüberprüfungen somit auf ein 30.000km Intervall. Ein Großteil der Gewichtsersparnis liegt aber auch an der kleineren Gehäusekonstruktion mitsamt kleineren Kühlkanälen und den zwischen den Zylindern angebrachten Wasser/Öl Wärmetauschers, der den Ölkühler überflüssig macht.

Neben dem Gewichtsvorteil versucht man mit der von der Konkurrenz bereits bekannte variable Ventilansteuerung, den Hubraumnachteil im unteren Drehzahlband zu kompensieren. Diese verbessert die Leistung bei tieferen Drehzahlen und sorgt somit für eine gleichmäßigere Kraftentfaltung, die besonders im Straßenbetrieb ihre Vorteile bringt. Trotzdem liegt die maximale Leistung erst bei 10.750 umin und das maximale Drehmoment von 93 Nm bei 8.250 umin an bevor der Begrenzer dann bei 11.350 umin zuschlägt.

Mit der im Zubehör erhältlichen optimierten Abgasanlage soll der Motor dann auf 126 PS kommen. Anhand dieser Daten werden wohl alle, die maximalen Vortrieb wollen, sich trotzdem in den oberen Drehzahlregionen aufhalten müssen.

Auch bei der Serienabgasanlage geht Ducati eigene Wege. Während beim Auslass, zwei unter dem Sitz angebrachte Endschalldämpfer, ähnlich der V4 Racing Anlage zur Anwendung kommen, ist die nach hinten führende Rohrverlegung etwas ungewöhnlich. Versucht man doch meist, diese elegant innerhalb des Motorrades verschwinden zu lassen, werden diese in diesem Fall aber unten sehr weit nach hinten geführt, um sie dann sehr prominent seitlich der Schwinge nach oben zu führen. Eventuell ein Versuch die vom Vorgänger bekannte Hitzeabstrahlung fern vom Fahrer zu halten. Ob das auch optisch gefällt, muss sich erst zeigen.

Die Anti Hopping Kupplung läuft im Öl und verhindert somit das frühere Ducati typische Kupplungsrasseln im Stand, welches bei heutigen Lärmbeschränkungen kaum mehr zulassungsfähig wäre. Natürlich erfüllt das neue Aggregat die neueste Euro 5+ Norm und ist dadurch fit für zukünftig weiterer Anwendungen.

Fahrwerk und Rahmen

Der Monocoque-Rahmen der Streetfighter V2 ist aus Aluminium gegossen und ist mit 4 kg sehr leicht. Er ist direkt am Zylinderkopf des Motors befestigt, was die Struktur des Motorrads verstärkt und gleichzeitig das Gewicht reduziert. Mit einem Radstand von 1.493 mm, einer Lenkgeometrie von 24,1° Lenkkopfwinkel und 103 mm Nachlauf ist die Streetfighter V2 etwas mehr auf Stabilität ausgelegt als die Panigale.

Das ist bei einem Streetfighter aufgrund der aufrechten Sitzposition und des breiten Lenkers auch notwendig, da diese eine gewisse Instabilität begünstigen. Die Schwinge ist wie bei der Panigale in Doppelarmausführung. Mit einer Sitzhöhe von 838mm finden sich durchschnittliche bis große Fahrer sicher gut zurecht, kleinere werden sich damit aber etwas schwerer tun.

Bei den Bremsen setzt man Ducati typisch natürlich wieder auf Brembo. Bei der Standard Version wird vorne eine 43mm Marzocchi Gabel und hinten ein Kayaba Federbein verwendet während bei der "S" Variante voll auf Öhlins gesetzt wird. Diesmal soll hier aber keine elektronische Verstellbarkeit implementiert und somit auch Zugeständnisse Richtung Preisgestaltung gemacht werden.

Neben dem 5 TFT Display verfügt die Streetfighter V2 über ein fortschrittliches Elektronikpaket, das auf einer 6-Achsen-Inertialplattform basiert.

Fahrverhalten und Ergonomie

Typisch V2 benötigt er bei Vollgas zumindest 2.500 Umdrehungen um ohne Kettenschlagen die Fuhre beschleunigen zu können, ab 4.000 Umdrehungen kommt dann Druck in die Sache um ab 6.000 umin dann nochmals nachzulegen. Dann dreht er schnell bis knapp vorm Begrenzer hoch. In den letzten 1.000 umin vor dem Begrenzer bei 11.300 flacht die Kurve dann ab, auch eine Folge der Euro 5+.

Obwohl der Charakter mit der neuen Panigale gleich ist, fühlt sich das Triebwerk in der Streetfighter druckvoller an. Das liegt natürlich an der deutlich aufrechteren Sitzposition im Vergleich zum Supersportler. Generell läuft das Triebwerk aber sehr weich und ohne große Vibrationen und kann besonders im Teillastbereich sehr sauber kontrolliert werden.

Die schlanke Bauweise des Triebwerks und der sich daraus ergebenden Gesamtbreite des Fahrzeugs hilft auch beim Fahreindruck. Mit dem sehr engen Knieschluss hat man fast den Eindruck auf einer 125er zu sitzen. Das geringe Gewicht von nur 175kg (S Version) trägt nochmals erheblich dazu bei!

Nur die Sitzhöhe von 837mm wird vielleicht den kleineren FahrerInnen etwas zu schaffen machen. Dafür profitieren aber die anderen vom sehr entspannten Kniewinkel, der auch bei längeren Etappen nicht das Blut in den Füssen abschnürt. Dank der schmalen Baubreite können auch die Fußrasten relativ tief angebracht werden ohne frühzeitig Bodenkontakt zu haben.

Mit dem neuen etwas breiteren Lenker ist auch die Sitzergonomie gut gelungen. Aufrecht aber immer noch sportlich gibt es dem Fahrer auch bei flotter Gangart guten Kontakt zur Lenkung. Hier ist auch vielleicht die größte Stärke der neuen Streetfighter zu finden. Obwohl sie mit dem gleichen Rahmen bzw. Monocoque wie die Panigale ausgestattet ist, hat man durch andere Bearbeitung der Bohrungen für das Lenkkopflager eine um 0,5° flachere Lenkgeometrie und einen um 10mm längeren Nachlauf. In Kombination mit einer ebenfalls längeren Schwinge als in der Panigale erreicht man damit einen längeren Radstand und in Summe eine stabilere Grundgeometrie.

Diese ist auch sehr wichtig, wenn es um Vertrauen gerade am Kurveneingang geht, wo viele Naked Bikes so ihre Schwächen haben. Besonders bemerkbar macht sich das bei höheren Geschwindigkeiten, wo einige Mitbewerber mit leicht "rührenden" Vorderrad kämpfen, zeigt sich die neue Streetfighter für ein unverkleidetes Bike extrem ruhig und liefert viel Rückmeldung. Durch diese sehr stabile Grundgeometrie fallen auch die fehlenden Winglets nicht ins Gewicht. Selbst Bodenwellen in Schräglage schluckt die Streetfighter weg ohne zu Zucken. Da hilft natürlich auch das bei der "S" gut abgestimmte Öhlins Fahrwerk. Sportlich, aber nicht unkomfortabel unterstreicht es die sportliche Natur ohne dabei "bockig" zu wirken.

Den sportlichen Eindruck unterstreicht auch die Klangkulisse des Triebwerks. Dafür sorgt aber nicht wie man vielleicht glauben möchte die Abgasanlage, die dank Euro5+ kaum einen Ton von sich gibt, sondern vielmehr das Ansauggeräusch. Bei kleiner Gasöffnung kaum hörbar, steppt aber bei dann bei voller Öffnung richtig der Bär.

Auch die elektronischen Eingriffe sorgen für Vertrauen. Man muss aber schon tiefe Schräglagen fahren, um beim sehr sanft ansprechenden Triebwerk überhaupt in den Regelbereich zu kommen. Dann aber tun sie, ohne störend zu wirken, brav ihren Job. Für alle versierten Fahrer besteht zudem die Option, das ABS am Hinterrad zu deaktivieren und das Motorrad beim Anbremsen anstellen zu können.

Bezüglich Bremsen gibt es ebenfalls keinen Kritikpunkt.

Eignung und Nutzung

Die Ducati Streetfighter V2 eignet sich bedingt für Anfänger. Dank A2-tauglicher Drosselung, ausgewogener Leistungsentfaltung ab 4.000 U/min und elektronischer Fahrhilfen wie Traktionskontrolle und Kurven-ABS bietet sie viel Sicherheit. Allerdings erfordert die sportliche Sitzposition und das temperamentvolle Ansprechverhalten des V2-Motors ein gewisses Maß an Fahrpraxis.

Mit einem Tankvolumen von 15 Litern und einem kombinierten Verbrauch von 5,3 l/100 km erreicht die Ducati Streetfighter V2 eine Reichweite von etwa 283 Kilometern. Bei sportlicher Fahrweise oder häufiger Beschleunigung verringert sich die Reichweite entsprechend.

Die Streetfighter V2 ist als sportliches Naked Bike konzipiert und primär auf dynamische Straßenfahrten ausgerichtet. Dank angenehmer Sitzergonomie, entspannter Kniewinkel und relativ gutem Windschutz im Brustbereich eignet sie sich auch für kürzere Touren. Auf längeren Strecken kann jedoch der fehlende Windschutz ermüdend wirken.

Elektronik und Assistenzsysteme

Die Ducati Streetfighter V2 verfügt über ein umfassendes Elektronikpaket: Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Wheelie Control, Engine Brake Control und einen Quickshifter mit Blipper-Funktion. Diese Assistenzsysteme werden von einer 6-Achsen-IMU gesteuert und lassen sich über vier Fahrmodi individuell anpassen.

Gewicht und Wartung

Die Ducati Streetfighter V2 bringt fahrfertig ohne Treibstoff 178 kg auf die Waage. Mit vollem Tank (15 Liter) liegt das Gesamtgewicht bei rund 189 kg.

Die Ducati Streetfighter V2 hat ein Wartungsintervall von 15.000 Kilometern.

Verfügbarkeit

Der neue Streetfighter V2 wird ab März 2025 erhältlich sein und kommt in der Farbe Ducati Red. Die Standardversion wird als Zweisitzer ausgeliefert, während die V2 S als Einsitzer konzipiert ist. Ein Sozius-Kit ist als Zubehör erhältlich.

Fazit

Mit der neuen Streetfighter V2 hat Ducati wirklich ein Highlight zu bieten. Auch wenn die 120PS vielleicht einige nicht vom Hocker reißen werden, punktet die Neue mit ihrer enormen Stabilität und Leichtigkeit. Sie bietet damit - und dank ihrer A2-Tauglichkeit - nicht nur dem Einsteiger einen guten Zugang, sondern auch dem versierten Fahrer jede Menge Fahrspaß. Trotz überschaubarer Leistung ist sie vor allem auf der Straße dank ihres durchdachten Gesamtkonzepts gut aufgestellt.

Technische Daten im Überblick

Hier eine Übersicht der wichtigsten technischen Daten der Ducati Streetfighter V2:

Merkmal Wert
Leergewicht 200 kg
Zul. Leistung 112 kW
Drehzahl der max. Leistung 10750 U/min
Max. Drehmoment 101.4 Nm
Hubraum 890 cm³
Drehzahl der max. Drehmoment 9000 U/min
Kühlsystem Flüssigkeitskühlung
Abgasnorm Euro 5
Radstand 1488 mm
Nachlauf 94 mm
Federweg vorne 120 mm
Standrohrdurchmesser 43 mm
Federweg hinten 130 mm
Reifendimension vorne 120/70 ZR 17
Reifendimension hinten 180/60 ZR 17
Bremsendurchmesser vorne 330 mm

Ducati Streetfighter V2: Modellvergleich (2023 vs. 2022)

Um einen umfassenden Überblick zu bieten, vergleichen wir die Ducati Streetfighter V2 Modelle von 2023 und 2022:

  • Motor: Beide Modelle verfügen über einen 4-Takt 90 Grad V 2-Zylinder-Motor mit Einspritzung und einem Hubraum von 955 Kubik.
  • Fahrwerk: Sowohl die Streetfighter V2 2023 als auch die 2022er Version setzen vorne auf eine in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbare Telegabel Upside-Down von Showa mit 43 Millimeter Standrohr-Durchmesser. Hinten arbeitet bei beiden Modellen ein in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbares Monofederbein von Sachs.
  • Bremsen: Für die notwendige Verzögerung sorgt bei beiden Streetfighter V2 Modellen vorne eine Doppelscheibe mit 320 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange von Brembo und hinten eine Scheibe mit 245 Millimeter Durchmesser und Zweikolben-Zange.
  • Bereifung: Beide Modelle setzen auf Schlappen mit den Maßen 120 / 70 - 17 vorne und 180 / 60 - 17 hinten.
  • Abmessungen: Der Radstand der Ducati Streetfighter V2 beträgt bei beiden Modellen 1.465 Millimeter, die Sitzhöhe beträgt 845 Millimeter.
  • Tankvolumen: In den Tank der Streetfighter V2 passen bei beiden Modellen 17 Liter Sprit.

Die Ducati Streetfighter V2 2023 und 2022 sind in Bezug auf ihre technischen Spezifikationen und Abmessungen nahezu identisch. Beide Modelle bieten die gleiche hochwertige Ausstattung und Performance, die man von einem Ducati Naked Bike erwartet.

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