Ducati Streetfighter V2: Leistung, Daten und Fahrbericht

Mit der Streetfighter V2 präsentiert Ducati eine Neuauflage des "Streetfighter"-Geistes - radikal, roh und kompromisslos für die Straße gemacht. An diesem Vorzeigemodell orientiert sich die neue Streetfighter V2, indem sie deren aggressives Styling aufgreift. Angefangen beim markanten LED-Scheinwerfer mit typisch V-förmigem Tagfahrlicht über das offensiv auf der linken Seite dargebotene gelbe Federbein bis zur luftigen Heckpartie mit der doppelten Durchlüftung unterm Sitz.

Motor und Leistung

Das Herzstück der Streetfighter V2 ist der komplett neue 90°-V2-Motor mit 890 cm³ Hubraum. Wie schon erwähnt wird der neue V2 Motor im Hubraum und Leistung reduziert und kommt mit 890 ccm Hubraum und 120PS in unsere Auslagen. Er ist mit einer variablen Ventilsteuerung ausgestattet und soll der Maschine eine lineare und kontrollierbare Leistung verleihen. Durch die IVT-Technologie stehen bereits bei 4.000 U/min mehr als 80 % des maximalen Drehmoments bereit. Zusammen mit dem hochpräzisen Ride-by-Wire-System wird jede Gasbewegung direkt in Vortrieb umgewandelt.

Trotzdem liegt die maximale Leistung erst bei 10.750 U/min und das maximale Drehmoment von 93 Nm bei 8.250 U/min an, bevor der Begrenzer dann bei 11.350 U/min zuschlägt. Mit der im Zubehör erhältlichen optimierten Abgasanlage soll der Motor dann auf 126 PS kommen. Anhand dieser Daten werden sich wohl alle, die maximalen Vortrieb wollen, sich trotzdem in den oberen Drehzahlregionen aufhalten müssen.

Technische Details des Motors

  • Hubraum: 890 cm³
  • Leistung: 120 PS (mit optimierter Abgasanlage bis zu 126 PS)
  • Maximales Drehmoment: 93 Nm bei 8.250 U/min
  • Ventilsteuerung: Variable Ventilsteuerung
  • Besonderheiten: Keine Desmotronik, Ventilspielüberprüfungen alle 30.000 km

Ducati schaffte es aber durch den kleineren Hubraum den Motor auch zierlicher und vor allem auch leichter zu bauen. Sagenhafte 9,4 kg konnten auf den 955er Superquadro abgespeckt werden. Das erreichte man durch viele kleine Details, wie z.B. hohlgebohrte und verchromte Ventile. Nebenbei setzt man noch auf DLC Beschichtungen im Ventiltrieb und kann dank der erhöhten Verschleißfestigkeit an den Berührungspunkten auch die Bauteilgröße reduzieren und somit wieder Gewicht sparen. Weiters kommt beim neuen Triebwerk keine Desmotronik zum Einsatz.

Die Ventile werden hier wie bei fast allen anderen Motorrädern mittels Feder wieder geschlossen. Das aufwendige Ventileinstellen wie bei den Desmo Motoren üblich entfällt hiermit und streckt die Ventilspielüberprüfungen somit auf ein 30.000km Intervall. Ein Großteil der Gewichtsersparnis liegt aber auch an der kleineren Gehäusekonstruktion mitsamt kleineren Kühlkanälen und den zwischen den Zylindern angebrachten Wasser/Öl Wärmetauschers, der den Ölkühler überflüssig macht.

Neben dem Gewichtsvorteil versucht man mit der von der Konkurrenz bereits bekannte variable Ventilansteuerung, den Hubraumnachteil im unteren Drehzahlband zu kompensieren. Diese verbessert die Leistung bei tieferen Drehzahlen und sorgt somit für eine gleichmäßigere Kraftentfaltung, die besonders im Straßenbetrieb ihre Vorteile bringt.

Design und Abgasanlage

Auch bei der Serienabgasanlage geht Ducati eigene Wege. Während beim Auslass, zwei unter dem Sitz angebrachte Endschalldämpfer, ähnlich der V4 Racing Anlage zur Anwendung kommen, ist die nach hinten führende Rohrverlegung etwas ungewöhnlich. Die Anti Hopping Kupplung läuft im Öl und verhindert somit das frühere Ducati typische Kupplungsrasseln im Stand, welches bei heutigen Lärmbeschränkungen kaum mehr zulassungsfähig wäre. Natürlich erfüllt das neue Aggregat die neueste Euro 5+ Norm und ist dadurch fit für zukünftig weiterer Anwendungen.

Fahrwerk und Handling

Der Monocoque-Rahmen der Streetfighter V2 ist aus Aluminium gegossen und ist mit 4 kg sehr leicht. Er ist direkt am Zylinderkopf des Motors befestigt, was die Struktur des Motorrads verstärkt und gleichzeitig das Gewicht reduziert. Mit einem Radstand von 1.493 mm, einer Lenkgeometrie von 24,1° Lenkkopfwinkel und 103 mm Nachlauf ist die Streetfighter V2 etwas mehr auf Stabilität ausgelegt als die Panigale. Das ist bei einem Streetfighter aufgrund der aufrechten Sitzposition und des breiten Lenkers auch notwendig, da diese eine gewisse Instabilität begünstigen. Die Schwinge ist wie bei der Panigale in Doppelarmausführung.

Mit einer Sitzhöhe von 838mm finden sich durchschnittliche bis große Fahrer sicher gut zurecht, kleinere werden sich damit aber etwas schwerer tun. Bei den Bremsen setzt man Ducati typisch natürlich wieder auf Brembo. Bei der Standard Version wird vorne eine 43mm Marzocchi Gabel und hinten ein Kayaba Federbein verwendet während bei der "S" Variante voll auf Öhlins gesetzt wird. Diesmal soll hier aber keine elektronische Verstellbarkeit implementiert und somit auch Zugeständnisse Richtung Preisgestaltung gemacht werden.

Obwohl sie mit dem gleichen Rahmen bzw. Monocoque wie die Panigale ausgestattet ist, hat man durch andere Bearbeitung der Bohrungen für das Lenkkopflager eine um 0,5° flachere Lenkgeometrie und einen um 10mm längeren Nachlauf. In Kombination mit einer ebenfalls längeren Schwinge als in der Panigale erreicht man damit einen längeren Radstand und in Summe eine stabilere Grundgeometrie. Diese ist auch sehr wichtig, wenn es um Vertrauen gerade am Kurveneingang geht, wo viele Naked Bikes so ihre Schwächen haben.

Fahrwerkskomponenten

  • Rahmen: Monocoque aus Aluminium
  • Vorderradaufhängung: 43mm Marzocchi Gabel (Standard), Öhlins (S-Version)
  • Hinterradaufhängung: Kayaba Federbein (Standard), Öhlins (S-Version)
  • Bremsen: Brembo

Elektronik und Fahrerassistenzsysteme

Neben dem 5 TFT Display verfügt die Streetfighter V2 über ein fortschrittliches Elektronikpaket, das auf einer 6-Achsen-Inertialplattform basiert.

Die Ducati Streetfighter V2 verfügt über ein umfassendes Elektronikpaket: Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Wheelie Control, Engine Brake Control und einen Quickshifter mit Blipper-Funktion. Diese Assistenzsysteme werden von einer 6-Achsen-IMU gesteuert und lassen sich über vier Fahrmodi individuell anpassen.

Fahreindruck und Handling

Generell läuft das Triebwerk aber sehr weich und ohne große Vibrationen und kann besonders im Teillastbereich sehr sauber kontrolliert werden. Die schlanke Bauweise des Triebwerks und der sich daraus ergebenden Gesamtbreite des Fahrzeugs hilft auch beim Fahreindruck. Mit dem sehr engen Knieschluss hat man fast den Eindruck auf einer 125er zu sitzen. Das geringe Gewicht von nur 175kg (S Version) trägt nochmals erheblich dazu bei!

Nur die Sitzhöhe von 837mm wird vielleicht den kleineren FahrerInnen etwas zu schaffen machen. Dafür profitieren aber die anderen vom sehr entspannten Kniewinkel, der auch bei längeren Etappen nicht das Blut in den Füssen abschnürt. Dank der schmalen Baubreite können auch die Fußrasten relativ tief angebracht werden ohne frühzeitig Bodenkontakt zu haben. Mit dem neuen etwas breiteren Lenker ist auch die Sitzergonomie gut gelungen. Aufrecht aber immer noch sportlich gibt es dem Fahrer auch bei flotter Gangart guten Kontakt zur Lenkung.

Besonders bemerkbar macht sich das bei höheren Geschwindigkeiten, wo einige Mitbewerber mit leicht "rührenden" Vorderrad kämpfen, zeigt sich die neue Streetfighter für ein unverkleidetes Bike extrem ruhig und liefert viel Rückmeldung. Durch diese sehr stabile Grundgeometrie fallen auch die fehlenden Winglets nicht ins Gewicht. Selbst Bodenwellen in Schräglage schluckt die Streetfighter weg ohne zu Zucken.

Da hilft natürlich auch das bei der "S" gut abgestimmte Öhlins Fahrwerk. Sportlich, aber nicht unkomfortabel unterstreicht es die sportliche Natur ohne dabei "bockig" zu wirken. Den sportlichen Eindruck unterstreicht auch die Klangkulisse des Triebwerks. Dafür sorgt aber nicht wie man vielleicht glauben möchte die Abgasanlage, die dank Euro5+ kaum einen Ton von sich gibt, sondern vielmehr das Ansauggeräusch. Bei kleiner Gasöffnung kaum hörbar, steppt aber bei dann bei voller Öffnung richtig der Bär.

Eignung für Anfänger und Reichweite

Die Ducati Streetfighter V2 eignet sich bedingt für Anfänger. Dank A2-tauglicher Drosselung, ausgewogener Leistungsentfaltung ab 4.000 U/min und elektronischer Fahrhilfen wie Traktionskontrolle und Kurven-ABS bietet sie viel Sicherheit. Allerdings erfordert die sportliche Sitzposition und, das temperamentvolle Ansprechverhalten des V2-Motors ein gewisses Maß an Fahrpraxis.

Mit einem Tankvolumen von 15 Litern und einem kombinierten Verbrauch von 5,3 l/100 km erreicht die Ducati Streetfighter V2 eine Reichweite von etwa 283 Kilometern. Bei sportlicher Fahrweise oder häufiger Beschleunigung verringert sich die Reichweite entsprechend.

Fazit

Mit der neuen Streetfighter V2 hat Ducati wirklich ein Highlight zu bieten. Auch wenn die 120PS vielleicht einige nicht vom Hocker reißen werden, punktet die Neue mit ihrer enormen Stabilität und Leichtigkeit. Sie bietet damit - und dank ihrer A2-Tauglichkeit - nicht nur dem Einsteiger einen guten Zugang, sondern auch dem versierten Fahrer jede Menge Fahrspaß. Trotz überschaubarer Leistung ist sie vor allem auf der Straße dank ihres durchdachten Gesamtkonzepts gut aufgestellt.

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