Die Geschichte der Ducati Supersport reicht bis ins Jahr 1972 zurück, als die beiden Rennfahrer Paul Smart und Bruno Spaggiari auf Prototypen beim 200 Miglia, dem legendären 320 km langen Motorradrennen in Imola, einen Ducati-Doppelsieg feierten. Schon zwei Jahre danach brachten die Italiener ihre erste Supersport-Serienmaschine auf den Markt, welche als kompromissloses Renngerät nur die minimalsten Anforderungen für eine Straßenverkehrszulassung erfüllte.
Nach einem langen Entwicklungsweg zur Alltagstauglichkeit folgten von 1991 bis 1998 unter der Bezeichnung Ducati 900 SS die wohl bekanntesten und erfolgreichsten Supersport-Varianten mit Vollverkleidung (Carenata) und Halbschale (Nuda). Die moderne Optik in Verbindung mit guten Fahrleistungen und hohem Komfort in puncto Sitzposition, Fahrwerk und Windschutz führten dazu, dass sich die 78 PS-starken Luft-/ölgekühlten V2-Modelle zu echten Verkaufsschlagern entwickelten.
Zehn Jahre lang sollte es rund ums Thema Sporttourer in Bologna ruhig bleiben, bis Ducati auf der EICMA 2016 überraschend die Supersport 939 vorstellte. Ihr auf der Monster 821/1200 basierendes Fahrwerk, der aus der Hypermotard 939 bekannte 937 ccm große Testastretta 11°-Zweizylindermotor, zeitgemäße Assistenzsysteme, ein hohes Maß an Alltagstauglichkeit und der leistbare Preis waren die Ingredienzien, um an die früheren Erfolge der klassischen 900 SS anzuknüpfen. Auch NoPain, Autor dieses Artikels, gönnte sich 2017 eine mit Öhlins Fahrwerk und Quickshifter aufgemotzte Supersport 939 S und genoss mit ihr einen Sommer lang die schönsten Motorradstrecken Österreichs.
Der Sporttourer schaffte dabei nicht nur den eleganten Spagat zwischen Sportlichkeit und Alltagskomfort, er stellte sich - ein wenig wider Erwarten - als technisch ausgereiftes Spaßgerät ohne grobe Schnitzer oder nervige Kinderkrankheiten heraus. Wer aber lange genug danach suchte, fand selbstverständlich einiges, das auch verbesserungswürdig schien.
Seit diesem Jahr trägt Ducatis Alleskönner den Namen SuperSport 950 bzw. 950 S und besticht mit frischer Optik, verfeinerter Elektronik und überarbeiteter Ausstattung. Die gute Nachricht für zufriedene Besitzer des Vorgängers: An Ergonomie, Fahrwerk, Bremsen, Fahrleistung und Motorcharakteristik hat sich auch bei der Umstellung auf Euro5 nichts geändert. So wuchtet die Neue ebenfalls temperamentvolle 110 PS (bei 9.000 U/min) und 93 Nm (bei 6500 U/min) in die Kurbelwelle. Die bessere Nachricht für Neukunden der 950er: Dank Modifikationen am Auspuffsystem und an der Motorsteuerung beträgt der Nahfeldpegel nunmehr tirolfreundliche 93 dB(A), der Schaltautomat mit Blipper ist in beiden Versionen ab Werk installiert und darüber hinaus konnten fast alle der oberhalb erwähnten Kritikpunkte beseitigt werden.
Design und Ausstattung der SuperSport 950
Ihr modernisiertes Facelift verleiht der 950er mehr Dynamik sowie eine stärkere Ähnlichkeit zur Panigale V4. Augenscheinlichstes Upgrade ist die neue Front mit Full-LED Scheinwerfern, bei der Abblendlicht, Fernlicht und Tagfahrlicht symmetrisch angeordnet wurden und in Kombination mit neu gestalteten Aerofinnen und Lufteinlässen für einen maskulineren Auftritt sorgen. Zudem soll der hindurchgeleitete Luftstrom eine effizientere Kühlung des Motors und der Fahrerbeine bedingen. Zu diesem Zweck erhielt die Seitenverkleidung adaptierte Luftauslässe und einen höheren, sportlicheren Shape.
Schön und schnell alleine reicht nicht: um die Sicherheit und Fahrzeugkontrolle weiter zu verbessern, spendierten die Italiener der Supersport 950 eine 6-Achsen Inertial Measurement Unit (6D IMU) von Bosch. Die leistungsstarke Sensoreinheit misst permanent die Rollrate, Gierrate, Längs-, Quer- sowie Vertikalbeschleunigung des Motorrads und übermittelt diese Werte der Motorsteuerung. Ab sofort verfügen beide Modelle serienmäßig über Bosch Kurven ABS, Ducati Traction Control (DTC) EVO, Ducati Wheelie Control (DWC) EVO und Ducati Quick Shift (DQS) Up/Down EVO.
Das neue und ebenfalls von der Panigale inspirierte 4,3 Zoll Farb-TFT-Display erleichtert die Navigation durchs Menü sowie das Einstellen bzw. Ablesen der Werte und kann optional mit dem Ducati Multimedia System (DMS) erweitert werden.
Motor und Leistung
Wie auch beim Vorgänger schlägt in der Supersport 950 das Herz des 937 ccm großen Ducati Testastretta 11°-Zweizylindermotors. Trotz Umstellung auf Euro5, weshalb Modifikationen am Auspuffsystem und an der Motorsteuerung notwendig waren, blieb seine Leistung mit 110 PS bei 9.000 U/min und 93 Nm bei 6.500 U/min auf dem gleichen Niveau, das Standgeräusch konnte hingegen auf sozialverträgliche 93 dB(A) homologiert werden.
Fahrwerk und Bremsen
Zur Brembo-Bremsanlage gehören radial montierte Monoblock-Vierkolbenfestsättel M4-32, die auf zwei 320er Bremsscheiben wirken und von einer selbst entlüftenden Radialpumpe samt einstellbarem Hebel betätigt werden. Hinten verzögert ein Zweikolben-Bremssattel von Brembo mit einer 245er-Scheibe.
Die SuperSport 950 S im Detail
Da nun beide Modellvarianten ab Werk mit Blipper kommen, sind die Unterschiede zwischen der normalen Supersport und der von uns getesteten S-Version für 2021 noch mehr geschrumpft. Die einzigen Unterschiede zur 950er Standardvariante waren aus technischer Sicht die Öhlins-Teile sowie die schnittige Beifahrersitzabdeckung.
Fahreindrücke und Handling
Sportlicher waren hingegen die Fußrasten positioniert - ausreichend hoch für gute Bodenfreiheit und weit genug hinten für mächtig viel Druck beim Anrauchen. Sogar das kleine und höhenverstellbare Windschild bot einen passablen Windschutz. Sportlich und doch alltagstauglich. Das Einlegen des ersten Gangs ging mit der neuen, hydraulischen Kupplungspumpe präzise von der Hand und hinterließ einen deutlich höherwertigen Gesamteindruck als die etwas wackelige und nicht einstellbare Armatur der 939er.
Einmal in Fahrt, gefiel mir die 950er genau so gut wie ihr Vorgänger. Elektronische Updates hin- oder Euro5 her, das Fahrwerk, die Fahrleistungen und die Motorcharakteristik hatten sich nicht verändert. Auch beim Standardmodell serienmäßig hinzugekommen war nun der Schaltautomat mit Blipper, welcher gefühlsmäßig etwas präziser bzw.
So zeigte sich der vollgetankte, 218 kg schwere Sporttourer von seiner grazilen Seite - mit einem Radstand von 1.480 mm nicht hyperagil, aber keinesfalls träge - und ließ sich elastisch beschleunigen. Auch der Durchzug in höheren Gängen war ok, immerhin lagen rund 80% des maximalen Drehmoments bereits ab 3.500 Umdrehungen an, trotzdem wollte der Motor stets hochgedreht werden. Ansonsten quittierte er zu niedrige Drehzahlen mit Lastwechsel und brachte Unruhe ins sonst ausgezeichnete Fahrwerk.
Spielerisch ließ sich die Kleine von einer Kurve in die nächste werfen und die ausgezeichnete Elektronik lud förmlich dazu ein, beim Herausbeschleunigen den Gashahn digital aufzudrehen. Selbst auf schnellen Passagen fühlte sich die Supersport 950 niemals schwachbrüstig an. In langen Radien vermittelte die 950er viel Vertrauen und fuhr wie auf sprichwörtlichen Schienen. Selbst schlechter Asphalt vermochte sie nicht aus der Ruhe zu bringen.
Zum Abschluss ein großes Lob an Brembo und Bosch bezüglich der Bremsanlage: harter Druckpunkt, gut dosierbar, top Verzögerung, mit schnellen Regelintervallen bei Panikbremsungen. Das Kurven-ABS habe ich selbstverständlich nicht ausprobiert, aber das ABS parierte jede Testbremsung. Auch die Serienbereifung mit dem Pirelli Diablo Rosso 3 funktionierte einwandfrei.
Fahrmodi
- Sport: Im Sport Riding Mode kann die Supersport 950 ihr gesamtes Potenzial abrufen.
- Touring: Der Touring Riding Mode stellt die beste Balance zwischen Performance und Komfort. Der Motor leistet die vollen 110 PS bei progressivem Ansprechverhalten des Ride-by-Wire-Systems.
- Urban: Der Urban Riding Mode eignet sich für rutschige Straßenverhältnisse. Die Motorleistung ist auf 75 PS begrenzt bei progressiver Ride-by-Wire-Aktivität.
Technische Daten: SuperSport 950 vs. SuperSport 950 S
Hier ist ein Vergleich der technischen Daten der SuperSport 950 und der SuperSport 950 S:
| Merkmale | SuperSport 950 | SuperSport 950 S |
|---|---|---|
| Motor | Testastretta 11 °, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt | Testastretta 11 °, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt |
| Hubraum | 937 cm³ | 937 cm³ |
| Leistung | 81 kW (110 PS) bei 9.000 U/min | 81 kW (110 PS) bei 9.000 U/min |
| Drehmoment | 93 Nm bei 6.500 U/min | 93 Nm bei 6.500 U/min |
| Vorderradaufhängung | Voll einstellbare 43 mm USD Marzocchi Gabel | Voll einstellbare 48 mm USD Öhlins Gabel mit TiN-Behandlung |
| Hinterradfederung | Progressive Link mit einstellbarem Sachs-Monoshock. Einseitige Aluminiumschwinge | Progressive Link mit voll einstellbarem Öhlins Monoshock. Einseitige Aluminiumschwinge |
| Vorderbremse | 2x320 mm halbschwimmende Scheiben, radial montierte Monoblock Brembo M4-32 Bremssättel, 4-Kolben, Radialpumpe mit Bosch Cornering ABS. Selbstentlüftender Hauptzylinder | 3x320 mm halbschwimmende Scheiben, radial montierte Monoblock Brembo M4-32 Bremssättel, 4-Kolben, Radialpumpe mit Bosch Cornering ABS. |
| Getriebeart | 6-Gang mit Ducati Quick Shift (DQS) EVO nach oben/unten | 6-Gang mit Ducati Quick Shift (DQS) EVO nach oben/unten |
Preise und Verfügbarkeit
Die Preise der Supersport 950 (rot) bzw. Supersport 950 S (rot oder weiß) belaufen sich in Österreich auf 16.695 bzw. 18.595 Euro und in Deutschland auf 13.390 bzw. 15.890 Euro. Die Wartungsintervalle für die Ducati Twins betragen 15.000 km oder zwölf Monate, eine Ventilspielkontrolle ist alle 30.000 km vorgeschrieben.
Zubehör und Individualisierung
Die beiden Versionen der Supersport 950 können mit den Paketen Sport und Touring ausgestattet werden, die auch gemeinsam kombiniert werden können.
Ducati Supersport 950: Höchstgeschwindigkeit und A2-Version
Die Ducati Supersport 950 2023 erreicht eine beeindruckende Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.
Ich habe noch nie eine A2 Version von der Supersport in freier Wildbahn gesehen. Die A2 Versionen gibt es nur in der Standardausführung.
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