Ducati SuperSport 950 S: Ein umfassender Testbericht

Aussehen, Klang und italienisches Gespür für Dramatik: Die Ducati SuperSport S liefert, was eine Duc liefern muss. Vor allem aber unternimmt diese Ducati einiges, um mit alten Vorurteilen aufzuräumen. Die Ducati SuperSport S ist im Übrigen als S-Variante mit Quickshifter und Öhlins ein waschechter Sporttourer.

Vorurteile und Realität

Italienische Motorräder verlangen angeblich Leidensbereitschaft und sind unbequem, unpraktisch, unzuverlässig sowie unbezahlbar. Diese Ducati pfeift sicher nicht auf "emozione", will daneben aber ein funktionales, unkompliziertes Gefährt für alle Lagen sein und so das alte Vorurteil - unbequem, unpraktisch und so weiter - widerlegen.

Ergonomie und Komfort

Lenkerstummel in erträglicher, ja angenehmer Höhe, schön gekröpft, Knieschluss schmal und innig, Rasten in sportlicher, aber nicht marternder Lage, die fein gepolsterte Sitzkuhle in moderater Höhe: Ich messe 1,73 Meter, und mir passt die Ducati SuperSport wie ein maßgeschneiderter Handschuh. Klar, je größer, desto tendenziell einengender wird das ergonomische Dreieck; ab etwa eins achtzig wird’s kuschelig, dann eng, der Soziussitz taugt für wenig mehr als "mal eben jemand mitnehmen". Wessen Komfortbedarf alles unterhalb einer Gold Wing ausschließt, wird hier nicht glücklich. Alle anderen finden einen elegant austarierten Kompromiss: morgens aufsitzen, den ganzen Tag sportiv-versammelt, aber wohl geborgen über Land streunen, räubern, wischen, eckwetzen oder was der eigene Gusto sonst so verlangt, abends absteigen.

Leichtigkeit und Handling

217 Kilogramm wiegt eine SuperSport S im Serientrimm ab Werk, mit vollem 16-Liter-Tank. Ob es nun 214, 213 oder ohne Soziusrasten am Ende gar 211 Kilo sind, spielt eine untergeordnete Rolle, denn Leichtsinn ergibt eine Ducati SuperSport S immer. Die austrainierte Drahtigkeit bewirkt ein ausgesprochen angenehmes, graziles, sehniges Grundhandling. Einlenken: ganz locker aus der Hüfte, beflissen, doch ohne Hektik, folgsam, linear und überraschungsfrei. Kurvenverlauf: stabiles Anlehngefühl, viel Raum für Korrekturen, kein Aufstellen über Wellen. Am Ausgang: unter Zug eng den Radius haltend, schließlich mit gut Schmalz auf der Stulle im Antritt. Schniekes, routiniertes Fahrverhalten, hoher Unterhaltungswert.

Motor und Leistung

Ein gehöriges Maß Fahrfreude steuert Ducatis famos guter 937-Kubik-L-Zwei hinzu, der mit gemessenen 109 PS, 91 Newtonmeter Drehmoment - und ganz viel davon in der unteren Mitte - dem Ideal des Landstraßen-Aggregats sehr nahekommt. Die SuperSport rennt prächtig. Ein Bergrücken wie gemalt, frei auch vom kleinsten Durchhänger oder Einbruch - war nicht immer so bei Testastretta-Motoren - mit dem Drehmomentmaximum in der oberen Mitte. Fleisch da, wo es für ein Motorrad dieser Gattung hingehört, Drehfreude, dazu ein fester Bariton. So muss ein Sporttourer von Ducati klingen.

Motorcharakteristik und Fahrbarkeit

Diesen motorischen Elan nicht mit elendig langer Übersetzung gehemmt, ins leichte Chassis gesteckt, mit sauberer, präziser Gasannahme durch alle Fahrmodi garniert - war beileibe auch nicht immer so - und, zack, fertig ist ein Wonneproppen von einem Landstraßentriebwerk. Man muss nicht vor Liebe blinder Italo-Fan sein, um den 950er-Desmo-Twin als einen der besten V2 derzeit am Markt zu erkennen, womöglich sogar als besten V2 in realistischen Leistungsregionen überhaupt. Als Fahrmaschine jedenfalls ist die Ducati SuperSport S der pure Genuss.

Touring-Eigenschaften

Wer die Ducati SuperSport passt, der kann mit ihr auch - allein - auf Urlaubsreise gehen. Ducati lieferte freundlicherweise eine S mit Touring-Paket, das neben (guten!) beheizten Griffen und einem getönten Windschild (den wir allerdings direkt gegen eine schwarze, höhere MRA-Scheibe getauscht haben) Seitenkoffer nebst benötigtem Trägergestell enthält. Die Funktion der Koffer ist sogar richtig gut: ausreichend Platz, schnelle Erweiterung per Reißverschluss, festes Einrasten am Halter, Abschließbarkeit, picobello Verarbeitung. Und sie sind leicht.

Gepäcklösungen

Flexibler, noch leichter, vor allem aber erheblich günstiger - 130 Euro! - und dank eines variablen Konzepts für die meisten Bedürfnisse auch ausreichend wäre eine mittelgroße Hecktasche wie die ION M von SW-Motech, die sich dank sinnvoller werksseitiger Verzurrschlaufen auch sicher und leicht auf dem Soziussitz anbringen lässt.

Windschutz und Reichweite

Der Windschutz geht schon mit der serienmäßigen, einfach höhenverstellbaren Scheibe in Ordnung. Die schwarze MRA-Zubehörscheibe mit hohem Abweiser verbessert diesen noch, fügt sich auch optisch gut ein - ihr umlaufender Kantenschutz allerdings dürfte etwas fester sitzen. Reichweite? Beim totalen Blümchenpflücken bis an die 300 Kilometer heran, bei flotterer Fahrt, erst recht auf der Autobahn (wo die Ducati SuperSport S bei hohen Geschwindigkeiten und mit viel Gepäck bolzstabil pfeilt) genehmigt sich der Twin mehr, geht zwischen 220 und 240 Kilometern auf Reserve. Unterm Strich also auch beim Touring eine durchaus passable Vorstellung.

Alltagstauglichkeit

Kurz gefasst kann man mit der Ducati SuperSport S alles tun, was man auch mit einem einfachen Naked Bike machen kann, nur etwas gebückter, mit etwas mehr Vorderradbezug. Das moderate Gewicht, die kompakten Abmessungen bringen im Feierabendverkehr, beim Rangieren, beim Parken, schon Vorteile.

Rennstreckentauglichkeit

Ducati SuperSport S auf dem Hockenheimring. Vollstens in die Eisen, bis hinunter in den Zweiten - hervorragende Bremsstabilität, das ABS macht auf der schärfsten der drei Stufen auch beim Trackday eine Topfigur. Es ist sengend heiß - über 40 Grad, der Asphalt flirrt -, die Bremskomponenten durchstehen out of the box die Hitzetortur Runde um Runde, ohne einzugehen und mit richtig amtlicher Verzögerungsleistung. Jetzt mit Schmackes umlegen: Gefühl fürs Vorderrad ist da, eine auskunftsbereite Grundtransparenz. Die Schräglagenfreiheit reicht voll. Auf den tieferen der acht Stufen nimmt uns die Traktionskontrolle weder Spaß noch Vortrieb, vermittelt aber das gute Gefühl, im ärgsten Fall noch zu helfen.

Track-Einsteiger können die ersten Gehversuche ohne Weiteres mit einer serienmäßigen SuperSport S angehen. Fahrwerk wieder gesoftet, Kennzeichen dran, Luftdruck rauf, Tasche aufs Heck und flugs auf Achse nach Hause.

Kritikpunkte

Ducatis Getriebe schaltet präzise, aber trocken bis hart. Der Quickshifter arbeitet nur zufriedenstellend. Kettenpflege ohne Hauptständer? Nervig, ein Montageständer stellt eine fast zwingende Investition dar. Auch findet sich im Cockpit der Ducati SuperSport S, das wie angedeutet in seiner schlichten Art nicht so ganz zum Preisschild passen mag, weder ein 12-Volt-Anschluss (USB unterm Sitz) noch ein richtig guter Platz zur Navi-Montage. Schließlich wäre ein Handrad zur Justage der Federbasis wirklich sinnvoll.

Alternativen im Vergleich

Wenn es um Sportmotorräder geht, stehen die Ducati Supersport 950 S und die Suzuki GSX-8R ganz oben auf der Liste. Beide Maschinen bieten aufregende Fahrdynamik und sind für unterschiedliche Fahrertypen konzipiert. Die Ducati Supersport 950 S besticht durch ihr elegantes und sportliches Design. Die Sitzposition ist sportlich, aber nicht zu extrem, was längere Fahrten angenehmer macht. Im Vergleich dazu hat die Suzuki GSX-8R ein aggressiveres Design, das die Rennsportgene der Marke unterstreicht.

Leistung und Motor (Vergleich)

In Sachen Leistung bietet die Ducati Supersport 950 S einen kraftvollen Motor, der sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Autobahn überzeugt. Die Beschleunigung ist beeindruckend und das Drehmoment sorgt für ein aufregendes Fahrerlebnis. Die Suzuki GSX-8R hat einen etwas anderen Ansatz. Sie bietet eine hohe Spitzenleistung und ist ideal für Fahrerinnen und Fahrer, die ihre Grenzen auf der Rennstrecke ausloten wollen.

Handling und Fahrverhalten (Vergleich)

Das Handling ist ein entscheidender Faktor bei Sportmotorrädern. Die Ducati Supersport 950 S bietet ein präzises und agiles Fahrverhalten. Sie lässt sich leicht durch Kurven lenken und vermittelt ein hohes Maß an Vertrauen. Die Federung ist gut abgestimmt und sorgt auch auf unebenen Straßen für ein angenehmes Fahrgefühl. Im Gegensatz dazu ist die Suzuki GSX-8R auf maximale Leistung ausgelegt. Das Handling ist sehr direkt, was besonders auf der Rennstrecke zur Geltung kommt. Allerdings kann dies auf der Straße manchmal zu einem etwas ruppigen Fahrverhalten führen.

Technologie und Ausstattung (Vergleich)

Beide Motorräder sind mit moderner Technik ausgestattet, die das Fahrerlebnis verbessert. Die Ducati Supersport 950 S verfügt über ein fortschrittliches Display mit vielen Funktionen, darunter verschiedene Fahrmodi, die an unterschiedliche Bedingungen angepasst werden können. Traktionskontrolle und ABS sind ebenfalls auf hohem Niveau. Auch die Suzuki GSX-8R verfügt über ein modernes Display und bietet eine Vielzahl von Fahrhilfen, die besonders für sportliche Fahrerinnen und Fahrer von Vorteil sind.

Preis-Leistungs-Verhältnis (Vergleich)

Der Preis ist oft ein entscheidender Faktor bei der Kaufentscheidung. Die Ducati Supersport 950 S ist in der Regel teurer als die Suzuki GSX-8R, was sich in der hochwertigen Verarbeitung und den exklusiven Materialien widerspiegelt. Auf der anderen Seite bietet die GSX-8R ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere für Fahrerinnen und Fahrer, die ein sportliches Motorrad suchen, ohne ihr Budget zu sprengen.

Ducati SuperSport 950 S: Technische Daten im Überblick

Die technischen Daten der Ducati SuperSport 950 und 950 S im Vergleich:

Merkmal SuperSport 950 SuperSport 950 S
Motorart Testastretta 11°, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt Testastretta 11°, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum 937 cm³ 937 cm³
Leistung 81 kW (110 PS) bei 9.000 U / min 81 kW (110 PS) bei 9.000 U / min
Drehmoment 93 Nm bei 6.500 U / min 93 Nm bei 6.500 U / min
Getriebeart 6-Gang mit Ducati Quick Shift (DQS) EVO nach oben / unten 6-Gang mit Ducati Quick Shift (DQS) EVO nach oben / unten
Vorderradaufhängung Voll einstellbare 43 mm USD Marzocchi Gabel Voll einstellbare 48 mm USD Öhlins Gabel mit TiN-Behandlung
Hintere Federung Progressive Link mit einstellbarem Sachs-Monoschock. Einseitige Aluminiumschwinge Progressive Link mit voll einstellbarem Öhlins Monoschock. Einseitige Aluminiumschwinge
Vorderbremse 2 x 320 mm halbschwimmende Scheiben, radial montierte Monoblock Brembo M4-32 Bremssättel, 4-Kolben, Radialpumpe mit Bosch Cornering ABS. Selbstentlüftender Hauptzylinder 3 x 320 mm halbschwimmende Scheiben, radial montierte Monoblock Brembo M4-32 Bremssättel, 4-Kolben, Radialpumpe mit Bosch Cornering ABS.

Fazit

Die Ducati SuperSport ist die Anti-Ducati - ohne Streben nach höher, schneller, weiter. Ducati propagiert die Supersport als eierlegende Wollmilchsau mit der Pendeln, lange Touren und sportliche Feierabendrunden genausoviel Spaß machen sollen wie gelegentliche Trackdays. Frei von Besonderheiten und Schwierigkeiten kann jeder Mann oder Frau mit der Supersport Ducati Feeling erleben.

Was macht die SuperSport besonders?

Das Motorrad hat keine wirklichen Schwächen. Es funktioniert auf der Geraden, in der Kurve, auf schlechten Straßen oder auch auf langen Etappen super. Weder Motor noch Bremse noch Fahrwerk erfordern eine kundige Hand. Dies ermöglicht die Fokussierung auf das Wesentliche: Den Spaß am Fahren. Kaufempfehlung für Sportfahrer, die keine 200 PS benötigen, sondern einfach Fahrspaß genießen wollen. Kaufempfehlung auch für Sportfahrer, die noch einen Alltagssportler als Zweitmotorrad suchen. Und die dritte Kaufempfehlung gilt für diejenigen, die sportlich auch mehr als 200 km ohne Rückenschmerzen zurücklegen wollen.

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