Ducati Supersport: Beschleunigung und Leistung im Test

Die Ducati Supersport ist ein vielseitiger Straßensportler, der mit überarbeiteter Optik, neuester Elektronik und hochwertigster Ausstattung auf den Markt kommt. Voll einstellbare Öhlins Fahrwerkskomponenten sorgen für messerscharfe und stabile Kurvenmanöver. Ducati propagiert die Supersport als eierlegende Wollmilchsau, mit der Pendeln, lange Touren und sportliche Feierabendrunden genauso viel Spaß machen sollen wie gelegentliche Trackdays.

Design und Ausstattung

Ihr modernisiertes Facelift verleiht der 950er mehr Dynamik sowie eine stärkere Ähnlichkeit zur Panigale V4. Augenscheinlichstes Upgrade ist die neue Front mit Full-LED Scheinwerfern, bei der Abblendlicht, Fernlicht und Tagfahrlicht symmetrisch angeordnet wurden und in Kombination mit neu gestalteten Aerofinnen und Lufteinlässen für einen maskulineren Auftritt sorgen. Zudem soll der hindurchgeleitete Luftstrom eine effizientere Kühlung des Motors und der Fahrerbeine bedingen. Zu diesem Zweck erhielt die Seitenverkleidung adaptierte Luftauslässe und einen höheren, sportlicheren Shape.

Um die Sicherheit und Fahrzeugkontrolle weiter zu verbessern, spendierten die Italiener der Supersport 950 eine 6-Achsen Inertial Measurement Unit (6D IMU) von Bosch. Die leistungsstarke Sensoreinheit misst permanent die Rollrate, Gierrate, Längs-, Quer- sowie Vertikalbeschleunigung des Motorrads und übermittelt diese Werte der Motorsteuerung. Ab sofort verfügen beide Modelle serienmäßig über Bosch Kurven ABS, Ducati Traction Control (DTC) EVO, Ducati Wheelie Control (DWC) EVO und Ducati Quick Shift (DQS) Up/Down EVO.

Das neue und ebenfalls von der Panigale inspirierte 4,3 Zoll Farb-TFT-Display erleichtert die Navigation durchs Menü sowie das Einstellen bzw. Ablesen der Werte und kann optional mit dem Ducati Multimedia System (DMS) erweitert werden.

Fahrmodi

  • Sport: Im Sport Riding Mode kann die Supersport 950 ihr gesamtes Potenzial abrufen.
  • Touring: Der Touring Riding Mode stellt die beste Balance zwischen Performance und Komfort dar. Der Motor leistet die vollen 110 PS bei progressivem Ansprechverhalten des Ride-by-Wire-Systems.
  • Urban: Der Urban Riding Mode eignet sich für rutschige Straßenverhältnisse. Die Motorleistung ist auf 75 PS begrenzt bei progressiver Ride-by-Wire-Aktivität.

Motor und Leistung

Wie auch beim Vorgänger schlägt in der Supersport 950 das Herz des 937 ccm großen Ducati Testastretta 11°-Zweizylindermotors. Trotz Umstellung auf Euro5, weshalb Modifikationen am Auspuffsystem und an der Motorsteuerung notwendig waren, blieb seine Leistung mit 110 PS bei 9.000 U/min und 93 Nm bei 6.500 U/min auf dem gleichen Niveau, das Standgeräusch konnte hingegen auf sozialverträgliche 93 dB(A) homologiert werden.

Fahrverhalten und Handling

In langen Radien vermittelte die 950er viel Vertrauen und fuhr wie auf sprichwörtlichen Schienen. Selbst schlechter Asphalt vermochte sie nicht aus der Ruhe zu bringen. Anders in engeren Kehren: vermutlich einer (zu) langen Übersetzung geschuldet, wollten Serpentinen im ersten Gang genommen werden. Zum Abschluss ein großes Lob an Brembo und Bosch bezüglich der Bremsanlage: harter Druckpunkt, gut dosierbar, top Verzögerung, mit schnellen Regelintervallen bei Panikbremsungen. Das Kurven-ABS habe ich selbstverständlich nicht ausprobiert, aber das ABS parierte jede Testbremsung. Auch die Serienbereifung mit dem Pirelli Diablo Rosso 3 funktionierte einwandfrei.

Die einzigen Unterschiede zur 950er Standardvariante waren aus technischer Sicht die Öhlins-Teile sowie die schnittige Beifahrersitzabdeckung. Dabei überzeugte die "knackige" Performance des voll einstellbaren Öhlins-Fahrwerks, das bei 75 kg Kampfgewicht ausgezeichnet funktionierte und absolut alltagstauglich bzw. Spielerisch ließ sich die Kleine von einer Kurve in die nächste werfen und die ausgezeichnete Elektronik lud förmlich dazu ein, beim Herausbeschleunigen den Gashahn digital aufzudrehen.

Technische Daten: SuperSport 950 vs. SuperSport 950 S

Merkmal SuperSport 950 SuperSport 950 S
MOTOR Testastretta 11 °, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt Testastretta 11 °, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum 937 cm³ 937 cm³
Leistung 81 kW (110 PS) bei 9.000 U/min 81 kW (110 PS) bei 9.000 U/min
Drehmoment 93 Nm bei 6.500 U/min 93 Nm bei 6.500 U/min
Getriebeart 6-Gang mit Ducati Quick Shift (DQS) EVO nach oben/unten 6-Gang mit Ducati Quick Shift (DQS) EVO nach oben/unten
Vorderradaufhängung Voll einstellbare 43 mm USD Marzocchi Gabel Voll einstellbare 48 mm USD Öhlins Gabel mit TiN-Behandlung
Hintere Federung Progressive Link mit einstellbarem Sachs-Monoshock. Einseitige Aluminiumschwinge Progressive Link mit voll einstellbarem Öhlins Monoshock. Einseitige Aluminiumschwinge
Vorderbremse 2x320 mm halbschwimmende Scheiben, radial montierte Monoblock Brembo M4-32 Bremssättel, 4-Kolben, Radialpumpe mit Bosch Cornering ABS. Selbstentlüftender Hauptzylinder 3x320 mm halbschwimmende Scheiben, radial montierte Monoblock Brembo M4-32 Bremssättel, 4-Kolben, Radialpumpe mit Bosch Cornering ABS.

Beschleunigung im Vergleich

In dieser Top-Liste veranschaulichen wir die Beschleunigung von 50km/h auf 120 km/h der verschiedensten Motorräder. Hier ein Auszug:
  1. Kawasaki (2,599 s): Fortschrittlichster Sporttourer mit ausbalanciertem Kompressormotor.
  2. Suzuki (2,601 s): Aggressives Design und kraftvoller Vierzylinder-Reihen-Motor.
  3. Aprilia Factory Tuono (2,707 s): Erstaunliches Leistungsgewicht.
  4. Ducati (2,762 s): Ducati Racing Power für Zwei-Zylinder Enthusiasten.
  5. Ducati Supersport 950 (3,035 s): Vielseitiger Straßensportler mit überarbeiteter Optik und hochwertiger Ausstattung.

Fazit

Ducatis design- und ausstattungsmäßig überarbeitete Supersport 950 /S bietet trotz ihrer Sportlichkeit ein gutes Maß an Alltagstauglichkeit und genügend Leistung für die Landstraße oder gelegentliche Trackdays. Wer auch noch das letzte verbliebene Manko, die von Lastwechsel geprägte Gasannahme im unteren Drehzahlbereich, beheben möchte, könnte eine Änderung der Sekundärübersetzung von 15/43 auf 14/43 ins Auge fassen.

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