Anfang 2019 verkündete Ducati-Boss Claudio Domenicali, dass seine Marke zukünftig auch Elektromotorräder bauen würde. Danach herrschte in Bologna lange Zeit absolute Funkstille zu dem Thema, bis im Oktober 2021 die überraschende Nachricht kam, Ducati würde ab 2023 die Motorräder für die FIM MotoE (WM für elektrische Motorräder) stellen und somit die Marke Energica ablösen. In der Saison 2023 beginnt in der MotoE eine neue Ära. Ducati löst Energica als Alleinausrüster der Elektroklasse ab und schlägt aus technischer Sicht neue Wege ein.
Es war Ehrensache, dass Ducati das Modell des kleinen Elektromotorrad-Herstellers Energica übertrumpfen musste. Die einzelnen Entwicklungsabteilungen von Ducati arbeiteten an dem Projekt eng zusammen. Die Marke verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Rennsport, ist zigfacher Superbike-Weltmeister und hat immerhin schon einmal die MotoGP gewonnen. Ducati plant, das Wissen aus der MotoE für zukünftige Serienfahrzeuge mit Elektroantrieb zu nutzen.
Entwicklung und Design
Die R&D-Abteilung von Ducati war für die Entwicklung des elektrischen Antriebsstrangs zuständig und das Design übernahm das Centro Stile Ducati. Die Rennabteilung Ducati Corse arbeitete an elektronischen Bauteilen, der Software-Steuerung sowie der Aerodynamik und übernahm die Montage, die Tests und Datenerfassung der V21L. Für die Entwicklung des MotoE-Prototyps hat der Motorradhersteller aus Bologna ein Team zusammengestellt, das die Designer von Ducati und Ducati Corse vereint. Ducati R&D kümmerte sich um alle Projektmanagement-Aktivitäten sowie um die Entwicklung und Simulationen des elektrischen Antriebsstrangs, während das Design des Prototypen vom Centro Stile Ducati übernommen wurde, das auch die Lackierung des Motorrads entwarf.
Ducati-CEO Domenicali, bekannt als begeisterter Sportfahrer, ließ es sich nicht nehmen, den Prototyp persönlich auf der Rennstrecke zu testen. Der Geschäftsführer des Herstellers aus Bologna konnte das neue MotoE-Bike bereits selbst testen. "Vor einigen Wochen hatte ich die außergewöhnliche Gelegenheit, mit dem MotoE-Motorrad von Ducati auf der Rennstrecke zu fahren und mir wurde sofort klar, dass ich einen historischen Moment erlebe", erklärt er. Er verkündete danach: "In dem Moment, in dem ich in die Box zurückkehrte, fühlte ich ein tiefes Gefühl des Stolzes für das, was wir bei diesem Projekt erreicht haben."
Die erste Rennmaschine von Ducati mit vollelektrischem Antriebsstrang wurde von den offiziellen Ducati Renn- und Testfahrern bereits auf einigen der wichtigsten Rennstrecken Italiens, unter anderem dem Autodromo Vallelunga, getestet.
Technische Daten der Ducati V21L
Die Entwickler scheinen tatsächlich gute Arbeit geleistet zu haben, denn während die Energica noch unter ihrem hohen Gewicht von 260 kg litt, soll die Ducati V21L nur 225 kg auf die Waage bringen. Lediglich 224,5 Kilogramm soll Ducatis MotoE-Bike auf die Waage bringen. Damit liegt man knapp 40 Kilogramm unter dem Gewicht der seit 2019 eingesetzten Energica Ego Corsa.
Die Ducati V21L leistet 110 kW und bietet 140 Nm Drehmoment. Die Höchstleistung gibt Ducati mit 110 kW an. Das klingt erst einmal nicht sonderlich beeindruckend, drückt ihr Superbike Panigale V4 doch knapp 216 PS auf die Kurbelwelle, aber das maximale Drehmoment der V21L von 140 Nm ist eine amtliche Ansage - da kann die Panigale V4 "nur" 123 Nm vorweisen. Ducati beziffert das Gewicht der Batterie auf 110 kg, also rund die Hälfte des Gesamtgewichts entfällt auf den Akku, der zentral positioniert wurde. Die Batterie ist mit 110 Kilogramm das schwerste Bauteil. Das Batteriegehäuse aus Kohlefaserlaminat fungiert dabei als tragendes Element. Dieses Konzept erinnert an die Ducati-Superbikes, bei denen der Motor einen Teil des Rahmens ersetzt. Der Elektromotor bringt 21 kg auf die Waage und arbeitet mit 800 Volt Spannung. Der Wechselrichter wiegt weitere 5 kg, die Schwinge 4,8 kg und der Frontrahmen 3,7 kg. Im Heck befindet sich das Ladegerät.
Besonders stolz ist Ducati auf die zwei Kühlkreisläufe, einen für die Batterie, der andere für die Motor-/Wechselrichtereinheit. Das bietet nicht nur gleichmäßige Temperaturen für eine konstante Leistungsabgabe, sondern auch den Vorteil, dass die Batterie der V21L nach der Rückkehr in die Box nicht erst abkühlen muss, sondern sofort geladen werden kann. Es dauert ca. Bereits nach 45 Minuten an der Ladestation ist der Akku zu 80 % gefüllt. Am Heck befindet sich eine 20-kW-Ladesteckdose. Über den 20 kW-Anschluss am Heck sollen die Akkus in 45 Minuten auf 80 Prozent geladen werden können.
Bei den Fahrwerkskomponenten griff Ducati auf bewährte Zulieferer zurück. Öhlins liefert die NPX25/30-Upside-down-Gabel, den Lenkungsdämpfer und das TTX36-Federbein, Brembo stellt zwei GP4RR-M4-Bremssättel mit 338,5-mm-Bremsscheiben, eine radiale Bremspumpe und hinten einen P34-Bremssattel mit einer 220-mm-Bremsscheibe. Die Bremsanlage stammt von Brembo und die Federelemente werden von Öhlins geliefert.
Für die Entwicklung des E-Motorrads zeichnet auch das Test-Team von Ducati Corse verantwortlich, zu dem auch der Ex-Supersport-Weltmeister und dreifache Superbike-Vizeweltmeister Chaz Davies gehört. Bei Tests in Mugello rannte die V21L bereits 275 km/h. Bei den Testfahrten in Mugello erreichte Ducatis MotoE-Prototyp 275 km/h Topspeed.
Technische Daten: Ducati V21L
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Gewicht | 225 kg |
| Batteriegewicht | 110 kg |
| Motor Gewicht | 21 kg |
| Leistung | 110 kW (150 PS) |
| Drehmoment | 140 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 275 km/h |
| Batteriekapazität | 18 kWh |
| Ladezeit (80%) | 45 Minuten |
MotoE-Engagement und Ausblick
An jedem Rennwochenende werden nächste Saison 18 Elektromotorräder aus Bologna im Rahmen der MotoGP starten. Vielleicht wird der MotoE dann durch den berühmten Namen Ducati und die verbesserte Fahrdynamik mehr Aufmerksamkeit zuteil. Ducati stellt für alle 18 Stammfahrer und fünf Ersatzmotorräder die aktualisierte V21L bereit.
Doch das MotoE-Projekt ist für Ducati mehr als nur ein Rennsporteinsatz, sondern hat strategische Bedeutung. Vincenzo de Silvio, Direktor für Forschung und Entwicklung bei Ducati, erklärte dazu: "Die Förderung des internen Know-hows des Unternehmens ist bereits heute unerlässlich, um bereit zu sein, wenn die Zeit gekommen ist, die erste elektrische Straßenmaschine von Ducati zu produzieren."
Ein Elektromotorrad von der legendären Sportmarke Ducati könnte tatsächlich zum Gamechanger in der E-Motorrad-Diskussion werden. Ducati plant, das Wissen aus der MotoE für zukünftige Serienfahrzeuge mit Elektroantrieb zu nutzen. Ducati sieht die im FIM Enel MotoE World Cup gesammelten Erfahrungen als eine grundlegende Unterstützung für die Produktentwicklung an.
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