Dieser Bericht beschreibt die Einstellung des Ventilspiels an einer Ducati. Als erstes solltest Du Dir eine Schrauberanleitung besorgen (Buchelli-Verlag, original Werkstatthandbuch, oder Motorbuchverlag). Das wesentliche ist dort ganz gut beschrieben.
Werkzeug und Vorbereitung
Als Werkzeug benötigst Du einen guten Satz Fühlerlehren mit 0,02 - 0,03 - 0,04 - 0,05 - 0,06 - 0,07 - 0,08 - 0,09 - 0,10 - 0,15. Noch besser wenn Du auch 0,11 - 0,12 - 0,13 - 0,14 bekommen kannst. Es ist besser das Spielmaß mit einer einzigen Lehre zu messen, da durch das übereinanderlegen von Lehren Meßfehler entstehen können (Ölfilm, Verschmutzungen, Korrosion, Knicke ect.). Man sollte das Messen schon mal an einem anderen Motorrad oder Auto geübt haben.
Zur Messung müssen die Lehren "saugend" an der Meßstelle durchgezogen werden. Vielen Selbstschraubern fehlt es genau hier am Fingespitzengefühl. Zudem muß man sich noch ein Hilfsmeßwerkzeug basteln, ohne dieses Hilfswerkzeug mißt man an den Kehlen für die Halbringe der Schließerhülsen nur Mist. Man kann sich auch aus 10 mm Rundeisen einen Schaft drehen mit 8 mm und dreht die Wulst der Halbringe gleich mit an.
Zur Messung der Käppchen (Öffner) und Hülsen (Schließer der Desmodromik) benötigt man noch eine Mikrometerschraube als Meßwerkzeug, brauchbare sind ab 70 DM zu bekommen (Meßbereich 0,00 bis min 30,00 mm). Halbringe mit Sekundenkleber ein. (Achtung: Kleberreste verfälschen Meßergebnis).
Weitere Vorbereitungen
- Verkleidungsseitenteile demontieren.
- Tank runter bauen.
- Batterie raus und besser auch die Batteriegummimatte.
Ein langer 5 mm Innensechskantschlüssel mit dem Einschliff am langen Ende (kugeliges Ende) womit man auch die Innensechskantschrauben herausdrehen kann wenn das Werkzeug nicht senkrecht über der Schraube steht erleichtern dasAusschrauben der 16 Ventildeckelschrauben erheblich. Ein 5 mm Einsteckbit aus einem Steckschlüsselsatz leistet auch gute Dienste um die Ventildeckelschrauben herauszudrehen.
Bei den SS Modellen der 90´er Jahre muß man den hinteren Stoßdämpfer ausbauen, sonst kommt man nicht an den Auslaßventildeckel des stehenden Zylinders. Da nützt kein Aufbockständer, denn der stützt sich an der Schwinge ab und das funktioniert dann nicht mehr wenn der Stoßdämpfer ausgebaut ist. Also 14 mm Rohr besorgen, durch die im Motor gelagerte Schwingenachse stecken und die Fuhre auf zwei Autoaufbockdreibeinen stellen. Es sollte 12 oder 14 mm Rohr sein, da sich Vollmaterial durchbiegt, Länge ca. 1,20 m.
Messvorgang
Das Ventilspiel wird bei Kolbenstellung am oberen Totpunkt OT im Verdichtungstakt gemessen, also beide Ventile geschlossen und das Auslaßventil öffnet als nächstes. Der Motor wird entweder mit eingelegtem Gang am Hinterrad durchgedreht oder besser mit einem Schlüssel direkt an der Kurbelwelle, dazu linke kleine Abdeckplatte an der Kurbelwelle abschrauben, längere 8 mm Schraube mit Kontermutter und Druckhülse in Kurbelwelle einschrauben, Kontermutter anziehen und Kurbelwelle an dieser Schraube drehen. Den OT überprüft man mit einem stumpfen länglichen Gegenstand durch die Zündkerzenbohrung (z.B. umgedrehten Bleistift) oder besser mit einem OT-Prüfer (Zündkerzenuhr für Zweitakter zur Messung mm vor OT).
Ducati haben ein Schauglas an der linken Motorseite durch das man einen Körnerpunkt auf der Schwungscheibe als zusätzliche Hilfe erkennt. Die Käppchen (Öffner) zu messen dürfte keine Schwierigkeit sein - das entspricht jedem anderen Motor. Vor dem Messen einmal am Kipphebel wackeln damit sich die Achsspiele lösen. Wie man sich ausrechnet welches neue Käppchen besorgt werden muß setze ich mal voraus (zu viel Spiel- dickeres Käppchen und umgekehrt, bei den mit Hilfswerkzeug gemessenen Hülsen muß das Maß des Hilfswerkzeuges berücksichtigt werden).
Hinweise zum Messen
Es wird beim Ducatihändler fast nie ein exakt passendes Käppchen oder passende Hülse geben. Zu mal das Meßwerkzeug des Händlers im Hunderstelbereich was anderes mißt als Dein Werkzeug. ergeben auch Fehler im Hunderstelbereich. Deshalb haben gute Mikrometermeßschrauben auch eine Kunststoffisolierplatte am Bügel, damit sich das Werkzeug nicht in der Hand erwärmt, aufdehnt und zu falschen Messergebnissen führt.
Alternativ kann man eine Mikrometermeßschraube verwenden, damit sie das Werkzeug nicht anfassen müssen oder messen mit einer Schlaguhr auf einem Ständer. Ablesefehler werden mit Werkzeugen mit Digitalanzeige minimiert (teuer und für Hobbyschrauber wegen der seltenen Benutzung (Batterien) nicht so geeignet).
Am besten ist es, wenn Du Deine Schließer und Käppchen die ausgetauscht werden müssen dem Händler in die Hand gibst und ihm sagst wieviel dicker oder dünner die Teile sein sollen (schlauerweise einzeln in kleine, sauber beschriftete Tütchen verpacken z.B. "Stehender Zylinder, Einlaß, Schließer, + 0,02 mm"). Der Händler sucht dann mürrisch halbwegs passende Teile raus. Es wird in den seltensten Fällen genau passen.
Korrektur der Teile
Man kann die Teile aber auch noch passend schleifen kannst. DIN A4 Glasplatte mit Naßschleifpapier Körnung 120 bekleben und dann im 90°-Wechsel passend schleifen und immer wieder nachmessen. Profis haben rotierende Naßschleifteller mit Niederhalter für Käppchen und Hülsen.
Wenn von Hand geschliffen wird - besser Teile zwischen zwei Finger nehmen und schleifen und nicht auf ein altes Ventil setzen - da werden die Käppchen nur schief. Man kann nur ca. 2 - 4 Hunderstel sauber schleifen, viel mehr wird schief. Bei getauschten Käppchen muß man damit rechnen, das sie schon mal geschliffen wurden und schon schief sind.
Alternativ kann man sich einen ganzen Satz Hülsen und Käppchen kauft (750 - 1000 DM?) oder sich über Versand eindeckt (z.B. bei März - Lieferzeit ein Tag), beim Versand kann man die Hülsen und Käppchen nicht kostengünstig "in Zahlung" geben wie bei den meisten Händlern und man bekommt nur Standartmaße. Maß zusammenstellen konnte.
Spezifische Hinweise
Bei den Gummibandducatis hat das Werk die Ventispieltoleranz erweitert, so daß einem im wahren Sinne ein gewisser "Spielraum" bleibt. Gute Maße sind für Einlaß-Öffner 0,08 mm, Auslaß-Öffner 0,12 mm und alle Schließer 0,00 bis 0,02 mm. Die Handbücher sind da etwas lockerer.
Wenn man bei einen Händler so genau einstellen lassen will wird es ganz schön teuer das ist nämlich sehr zeitaufwendig.
Sinnvolle Ventileinstellinterwalle sind bei Königswellen und Twins mit und ohne Desmo alle 3000-5000 km, bei den Zweiventilzahnriemen der 1. Generation 1977 bis 1992 alle 5000 Km, ab 1993 alle 5000 bis 7500 km (verbesserte Ventilführungen) ab 1995 oder 1996 alle 10.000 km (nochmals verbesserte Materialien oder politischer Gag des Ducatiwerkes um die Inspektionskosten im Vergleich zu Japanern auf dem Papier für die Kunden zu verringern?).
Ich stelle meine alten Ducatis so um 5000 km ein und die 93´er alle 5000 - 7500 km, dies ist natürlich von der Fahrweise abhängig, fahre ich häufig mit hohen Drehzahlen muß früher eingestellt werden und umgekehrt. Es brauchen meist nur zwei Öffner und ein Schließer eingestellt werden, so daß der Aufwand noch vertretbar ist.
Bei älteren Ducatis muß für die Schließereinstellung der Öffner-Kipphebel mit all seinen Distanzscheiben ausgebaut werden (penibel auf die Lage achten und genau so wieder zusammen setzen). Dazu muß der Nockenwellenlagerbock ausgebaut werden. Scheiben nie vertauschen).
Bei den Motoren der neuen Generation braucht man für den Wechsel der Schließerhülse nur einen Federklip ziehen und kann dann den Kipphebel bei einer bestimmten Kurbelwellen- (Nockenwellen)- stellung zu Seite schieben und die Hülse abziehen. Man kann alte Motoren auf das Klipsystem umrüsten (auch die Königswellendesmos die Kipphebel werden gekürzt, Klip eingesetzt und neu ausdistanziert.
Zusätzliche Tipps
- Die Halbringe am Ventilschaft fallen sehr gerne runter und verschwinden in einer Ölbohrung. Am besten eine 6 mm Innensechskantschraube in die Bohrung stecken.
- Damit das Ventil nicht durch den Schaft in den Brennraum fällt kann man es mit einer Wäscheklammer oder besser mit einem Gummiband sichern (Gummi um eine Schraube wickeln welche man in die Gewindebohrung des Ventildeckelchens eingeschraubt hat).
- Wer Druckluft in der Garage besitzt kann auch über einen Adapter am Zündkerzenloch den Brennraum mit Druckluft beaufschlagen und verhindert so sicher das verschwinden des Ventils.
Bevor man am Schließer etwas messen kann muß man den Kipphebel des Schließers vom Druck der Haarnadelfeder entlasten. Diese Feder ersetzt nicht die klassische Ventilfeder sondern hilft für den Anlaßvorgang das Schließerspiel auf 0,00 mm zu halten, würde dort Spiel auftreten wäre der Motor nur sehr schwer zu starten da sich kaum Kompression aufbauen würde. Hier liegt nochmal ein Knackpunkt der Desmodromik.
Das entlasten der Feder erfordert wieder Fingerspitzengefühl. Wer zu fest den Kipphebel niederdrückt kommt in den elastischen Bereich der Bauteile und mißt was falsches zumal sich die Lagerspiele der Achsen ebenso addieren. Also lieber einmal eine Hülse ausbauen und den Federdruck "erfahren", dann alles zusammenbauen und jetzt erst messen. Wer häufig an Ducatis Ventile einstellt ist da sicherlich im Vorteil, da er die Federkraft im Blut hat.
Den Kipphebel drückt man zur Not mit einem großen Schraubendreher herunter der an seiner Klinge abgerundet wurde. Besser funktioniert es mit dem original Kipphebelniederhaltewerkzeug von DUCATI.
Der Nächste Knackpunkt ist das messen. Wie kann ich ein Spiel von 0,00 messen? Gar nicht! Man kann feststellen ob der Schließer zu stramm ist. Dann läßt sich die Hülse trotz entlasteter Feder schwer oder gar nicht drehen.
Das "Spiel" von 0,00 mm ist dann richtig, wenn sich die Hülse saugend bis leicht drehen läßt und kein Spiel fühlbar ist. Tritt Spiel auf, wird man das Spiel immer größer messen als es in Wirklichkeit ist. Die Hülse kippelt auf dem Ventilschaft und da wir nur an einer Seite der Kipphebelgabel messen und sich zudem die Achsspiele addieren tausche ich die Schließerhülse erst wenn ich mindestens eine 0,03 oder 0,04 Lehre durchziehen kann.
Häufig haben sich auch nur die Halbringe etwas gequetscht. Deshalb ersetze ich erst die alten Ringe durch neue Ringe und messe nochmals nach bevor ich neue Hülsen besorge und mir die Finger wund schleife. Beim Zusammenbau den sicheren Sitz der Halbringe überprüfen (Hülse einmal links und einmal rechts herum drehen) und beim Federklip der Kipphebelachse lieber zweimal hinschauen.
Nochmals messen schadet nicht. Wenn sich die Schließerhülse nur sehr schwer vom Ventilschaft abziehen läßt ist mit Sicherheit die Nut am Ventilschaft ausgeschlagen. Dies passiert meist an frisierten Motoren mit größeren Ventilen deren Schaft nicht, oder nicht richtig gehärtet wurde. Hier hilft nur der Austausch gegen ein gutes, neues Ventil.
Alternativen und Kosten
Ein sachkundiger Dealer wird die Ventile für ca. 350 DM einstellen - wenn nicht gerade alle acht Einstellungen versaut sind (z.B. Nietsche in Dorsten-Wulfen). Er hat die nötige Übung, das nötige Fingerspitzengefühl und alle nötigen Hülsen und Käppchen im Regal liegen. Du schraubst und schleifst Dir die Finger wund und fährst mindestens einmal zum Händler um die Teile zu bekommen. Für die Hülsen, Käppchen und Dichtungen bist Du selbst auch ca. 50 DM los und an diesem Schrauberwochenende kommst Du sicherlich nicht zum fahren.
Wer hier selber schraubt tut es aus Hobby und Freude am Schrauben, aus falschen Ehrgeiz oder weil er so blank ist, daß er das Motorradfahren aufgeben sollte oder Zweitakter fahren muß. sehr zeitaufwendig und damit sehr teuer war.
Als ich relativ viel gefahren bin (15.000 - 20.000 km im Jahr) habe ich die Excenterverstellung von Jakobeit (damals 1300 DM) eingebaut und die Ventileinstellung geht so schnell wie an zwei alten 860 GT oder zwei SR 500 (also ca. 2 Stunden mit allen Arbeiten). Bei der Excenterverstellung muß nur nach ca. 50.000 - 100.000 km grob die eine oder andere Hülse oder Käppchen getauscht werden weil dann der Einstellbereich aufgebraucht sein könnte.
Wer wenig fährt, also wie ich jetzt mit Familie nur 7500 km im Jahr, ist sicherlich besser bedient wenn er die Karre einmal im Jahr zum Händler gibt (z.B. Händler Winterrabatte an und man bekommt eine große Inspektion mit allen Ölen für ca 450 DM). Mein zweiter Motor, der zur Zeit eingebaut ist hat normale Desmodromik und den gebe ich zur Ventileinstellung auch zum Händler. Die wenige Zeit die durch Familie und Beruf noch für mein Hobby bleibt nutze ich lieber mit fahren. Meine Schrauberlust stille ich noch immer mit dem alten Pröddel der in der Garage steht. Denn bei den Königswellen ist mir der Händler immer noch zu teuer.
Ducati Kämna bietet ein paar mal im Jahr eintägige (Samstags) Schrauberkurse für wenig Geld an. Die sind bestimmt nicht schlecht und kosten mit Verpflegung um die 200 DM.
Wer sein Ventilspiel selber einstellt hat neben den paar gesparten DM immerhin einen weiteren Vorteil. Er kann vielleicht schädliche Veränderungen am Ventiltrieb feststellen. Man notiert sich bei jeder Sitzung das Spiel und die Maße der eingebauten Hülsen und Käppchen und hat vielleicht das Glück einen nahenden Motorschaden zu erkennen, ob sich der Ventilsitz gesetzt oder gelockert, ober das Ventil sich gelängt hat. Die Notiererei ist jedenfalls nicht zu empfehlen um nach dem Messen erstmal neue Käppchen und Hülsen zu besorgen und evt.
Es empfiehlt sich auch den Brennraum mit z.b. Epoxi Harz zu füllen um ein formschlüssiges Teil gegen die Ventilteller stemmen zu können. Und ja, ein Häufchen Shims ist schon gut zu haben.
Erfahrungen und Empfehlungen
Im Lauf der Zeit verkleinert sich das Öffnerspiel und das Schließerspiel wird durch das Einlaufen der Teile aufeinander größer. Die von Ducati angegebenen Werte sind sicher so gewählt, dass innerhalb der Garantiezeit nichts gemacht werden muss. Bei grösserem Schliesserspiel können die Halbringe sicher eher verschleissen als bei knappem Spiel. Wird das Öffnerspiel zu gross wird man aus dem Bereich der Anlauframpe des Nockens rauskommen.
Ich tendiere das Schliesserspiel eher klein zu halten, das Öffner eher auf der oberen Toleranz.
Benötigtes Material
- Drehmomentschlüssel für die Nockenwellenlagerböcke und Ventildeckelschrauben.
- Etwas Dirko oder 3Bond für die Ecken an der Deckeldichtung.
- Werkzeug zum Vermessen der Shims.
- Ölabflussbohrungen blockieren, damit kein Halbring reinpurzelt.
- Ein Alurohr für den Schließerhebel zum Entspannen des Ventils.
- Ein Set Shims.
Wenn du die Shims vorliegend hast, die die Dicke angeschrieben haben, dann ist das mit dem Messwerkzeug für die Schliesser nicht unbedingt nötig. Für die Öffner ist es aber einfacher eine 8mm Lagerrolle o.ä. griffbereit zu haben.
Auch die Idee der MBP-Halbringe gefällt mir. Diese machen einen zuverlässigen und einbauklaren Eindruck. Aber davon abgesehen reicht vielleicht ein Set gar nicht. Selbst wenn in den gebräuchlichsten Größen zwei vorhanden sind und fleißig getauscht wird, könnten, bei insgesamt acht Ventilen, schnell welche vergriffen sein.
Einige Anbieter bieten den Service an, ungebräuchliche gegen gebräuchliche zu tauschen. Diese Idee finde ich toll... funktioniert das?
Als Bezugsquelle habe ich Desmotimes ausmachen können. Das sieht nach einem umfangreichen Sortiment aus und auch die Kommunikation stimmt. Die haben im Set italienische Shims und welche, die in den USA hergestellt wurden.... sitzen allerdings auch in den USA.
Das richtige Werkzeug zum Messen habe ich, nur sollte dann der Laden, wo ich einzelne Shims kaufen möchte, am besten dasselbe oder zumindest das gleiche haben, sonst geht die Aktion nach hinten los.
Steuerzeiten einstellen
Bei den neueren 2-Ventilern sind die Nockenwellenräder von Hause aus einstellbar. Nun ist es so, dass bei diesem Kopf das Riemenrad welches der Ventilsteuerung dient, vom Kopf demontiert war und von mir wieder angebracht werden musste. Nun kann man das natürlich so grob machen, aber richtiger ist natürlich die Steuerzeiten einzustellen. Sonst machen die Ventile zu falschen Zeit auf oder zu.
Es gibt dann prinzipiell zwei Möglichkeiten den wahren OT zu finden. Beiden liegt eine Gradscheibe an der Kurbelwelle und die Kunst des Mittelns zugrunde. Das macht man einmal in Motordrehrichtung und einmal entgegen der Motordrehrichtung. Bei beiden Stellen liest man jeweils auf der Gradscheibe die Gradzahl ab und bildet den Mittelwert.
Beispiel: Anschlag 14° vor OT in Drehrichtung, Anschlag 20° nach OT gegen Motordrehrichtung. (14+20)/2=17. Ergo muss man die Gradscheibe bei Anschlag auf 17° vor bzw. nach OT stellen, ohne die Kurbelwelle zu drehen!
Genauso funktioniert das mit der Messuhr im Kerzenloch, nur wählt man dort einen beliebigen Kolbenhub bei dem man die Gradzahl abliest. Also zB. Jetzt kann es losgehen mit dem Messen der Steuerzeiten. Dazu muss man die Messuhr auf dem Ventil platzieren und dort den Hub, ausgehend von komplett geschlossenem Ventil, messen.
Also zB. Einlassventil öffnet um 1mm Ventilhub bei 14° vor OT. Gleiches Ventil beim schliessen, kommt auf 1mm Ventilhub dann bei 73° nach UT, entspricht einer Ventilöffnungsdauer von 267° (14+90+90+73). Ist beim 2-Ventiler aber relativ egal, denn es gibt nur eine Nockenwelle im Kopf! Auch kann man die zweite Gradzahl eigentlich weg lassen, sie dient eher nur der Kontrolle.
Zum Messen selbst muss man das Ventilspiel egalisieren, heisst zwischen Öffnerarm und Ventil das Spiel mit einer geeigneten Fühlerlehre auf 0,0 bringen.
Ein Hilfreiches vorgehen hierbei ist übrigens die Kurbelwelle auf den zu erreichenden Gradwert zu drehen, dann die Nockenwellenriemenscheibe lösen und die Nockenwelle so weit drehen das man 1mm Hub an der Messuhr hat, ohne das sich die Nockenwellenriemenscheibe mit dreht. Jetzt die Nockenwellenriemenscheibe wieder fest machen, schauen das die Kurbelwelle noch auf dem Gradwert steht, Motor mehrmals durchdrehen und noch einmal kontrollieren.
Ventilspielwerte für die Ducati 796
Laut den Werkstattunterlagen die ich für die 1100er habe sind alle Öffner auf 0,10-0,15 (Kontrollwert 0,05-0,15) und alle Schliesser auf 0,00-0,05 (Kontrollwert 0,00-0,20) einzustellen, kein Unterschied zw. Einlass/Auslass bzw. steheneder/liegender Zylinder, das sollte auch für die 796 gelten.
Einstellblätter Vordrucke haben meist andere Werte, ich nehme an die sind für andere Modelle. Eine Umgebungstemperatur von 10°C ist OK und keinen großen Unterschied zu z.B.
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