Zahnriemenspannung bei Ducati prüfen: Eine umfassende Anleitung

Der Zahnriemenwechsel an einer Ducati ist eine wichtige Wartungsarbeit, die regelmäßig durchgeführt werden muss, um Motorschäden zu vermeiden. Die Vorgehensweise ist unabhängig vom Baujahr oder Hubraum, beschrieben ist hier der Wechsel an einem Zweiventil Motor bei den Vierventilern ist es prinzipiell gleich. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die korrekte Spannung der Zahnriemen. In diesem Artikel werden verschiedene Methoden zur Überprüfung und Einstellung der Zahnriemenspannung bei Ducati-Motorrädern erläutert.

Wann müssen die Zahnriemen gewechselt werden?

Laut Werkstattbuch sollen die Zahnriemen alle 5000 Km gewechselt werden, Ducati hat den Intervall zwischenzeitlich auf 7500 Km angehoben, nach Rücksprache mit einem Ducati Techniker wurde mir versichert das der Wechsel alle 10000 Km ausreichen würde, jedoch spätestens nach zwei Jahren sei dies zwingend erforderlich, da eine Versprödung der Zahnriemen eintritt. Eine Sichtontrolle der Zahnriemen sollte bei jeder Inspektion erfolgen, spätestens jedoch nach 5000 Km.

Werkzeuge und Vorbereitung

Bevor mit dem Wechsel der Zahnriemen begonnen werden kann, heißt es erst einmal die Verkleidung abbauen, eine Anleitung dazu erspare ich mir das sollte jeder der sich an die Zahnriemen ran wagt können. Als nächstes müssen die Zahnriemenabdeckungen abgeschraubt werden, bei meiner Ducati muss man mit dem stehenden Zylinder anfangen, da die Abdeckung des liegenden Zylinders an einer Stelle mit der des stehenden Zylinders gemeinsam verschraubt ist, ob das bei jedem Motor so ist, entzieht sich in diesem Fall meiner Kenntnis. Wenn die Vorarbeiten erledigt sind, haben wir freien Blick auf die Zahnriemen.

Unkonventionelle Methode mit Inbusschlüsseln

Ducati schreibt in seinen Werkstattbüchern zum spannen der Zahnriemen Werkzeuge vor, meine Vorgehensweise ist ein wenig unkonventionell, ich habe Sie von einem alten Ducati-Schrauber gelernt und sie wird meines Wissens recht häufig praktiziert, auch bei Youtube findet man dazu ein Video von Ducatitech.com, ich bin damit bisher ohne Probleme gut gefahren.

Als nächstes müssen wir die Spannrollen der Zahnriemen lösen, ich baue sie immer komplett aus, da ich so am einfachsten die Freigängigkeit prüfen kann und sich die Laufflächen auf denen sich gerne auch Gummiabrieb festsetzt, reinigen kann. Die Spannrollen sind einfache Standardkugellager von denen auf einer Achse zwei Stück hintereinander sitzen bei der 750ss kann man die Lager, sollten sie defekt sein auch wechseln, was nicht bei allen Motoren möglich sein soll. Auch sollte man die feststehenden Laufrollen einmal auf Freigängigkeit prüfen und auch hier die Laufflächen auf Gummiabrieb kontrollieren und gegebenenfalls reinigen. Die Pfeile zeigen die Spannrollen sowie die Spann- bzw. Befestigungsschrauben. Sind die Spannrollen ausgebaut, können die alten Zahnriemen von den Laufrollen entfernt werden.

Da sich im Gehäuse und den Deckeln gerne Gummiabrieb anlagert, reinige ich dieses gerne mit einem herkömmlichen Motorradreiniger bei hartnäckigen Verschmutzungen kann man auch ein wenig Waschbenzin hinzunehmen. Nun kommt der schwierige Teil der Aktion, die Nockenwellen und auch die Kurbelwelle müssen in OT gedreht werden, dieser Punkt ist ganz wichtig und muss mit großer Sorgfalt ausgeführt werden, da es ansonsten zu Schäden am Motor kommt. Dazu sind auf den Laufrollen, dem Motorgehäuse und den Zahnriemengehäusen Markierungen angebracht, die aufeinander stehen müssen. Die Laufrollen der Nockenwellen kann man per Hand in die entsprechende Stellung drehen, bei der Kurbelwelle wird mehr Kraft benötigt, deshalb gehe ich dort wie folgt vor, den zweiten Gang einlegen und das Motorrad ohne gezogener Kupplung soweit rollen bis auch hier die Markierungen übereinander stehen, Keine Angst die Nockenwellen können sich nicht verdrehen, da keine Zahnriemen aufgelegt sind.

Nachdem Nockenwellen und Kurbelwelle in OT gedreht wurden und dies mehrfach geprüft wurde, sicher ist sicher können die neuen Zahnriemen beginnend mit dem für den stehenden Zylinder vorsichtig aufgelegt werden, dabei sind Knicke und scharfkantige Werkzeuge tabu da ansonsten der Zahnriemen unwiederbringlich beschädigt und ein Motorschaden durch einen gerissenen Zahnriemen vorprogrammiert ist. Sind beide Zahnriemen montiert, sollte man noch einmal die Stellung der Laufrollen zu den Markierungen am Gehäuse kontrollieren, um sicher zu stellen das sich nichts verstellt hat, ansonsten heißt es noch einmal von vorne beginnen.

Nun können auch die Spannrollen wieder eingebaut werden, dazu schraube ich die Träger der Spannrollen erst einmal lose im Gehäuse fest (Loctite mittelfest nicht vergessen!). Anschließend drücke ich die Spannrollen gegen den Zahnriemen und kontrolliere die Spannung wie folgt, ein 5 mm Inbusschlüssel muss sich zwischen feststehender Laufrolle und Zahnriemen "satt" vorbeiführen lassen. Ist dem so, kann man die Befestigungsschraube sowie die Spannschraube der Spannrolle mit dem vorgeschriebenen Drehmoment von 29 Nm anziehen. Sollte sich der Inbus-schlüssel nur mit erheblichen Kraftaufwand oder ganz leicht vorbeiführen lassen so muss der Spannvorgang wiederholt werden.

Stimmt nun alles, kann man eigentlich alles wieder zusammen bauen, um ganz sicher zu gehen, schraube ich die Zündkerzen raus und drehe den Motor einmal per Hand durch, blockiert und scheppert nichts ist alles ok.

Eine gängige Methode zur Überprüfung der Zahnriemenspannung ist die Verwendung von Inbusschlüsseln. Dabei wird ein Inbusschlüssel zwischen die feststehende Laufrolle und den Zahnriemen geschoben. Ein 5 mm Inbusschlüssel sollte sich "satt" vorbeiführen lassen. Es wird auch immer wieder zu Lesen "Stehend 6er, Liegend 5er Inbus" wegen schlechterer Kühlung des Stehenden Zylinders.

Professionelle Methode mit Frequenzmessgerät

Bei Ducati wurde früher mittels einer Federwaage die Spannung der Zahnriemen kontrolliert, heute wird dazu ein Messgerät eingesetzt welches die Schwingungsfrequenz der Zahnriemen misst, wobei die Frequenzen zwischen stehenden und liegenden Zylinder unterschiedlich sind. Als Hobbyschrauber, auch wenn man gut ausgerüstet ist wird man ein solches Messgerät wohl kaum besitzen.

Alternativ zur Inbusschlüssel-Methode kann ein Frequenzmessgerät verwendet werden. Dabei wird die Schwingungsfrequenz des Zahnriemens gemessen. Die korrekten Frequenzwerte sind im Werkstatthandbuch angegeben. Die Frequenzen können zwischen stehendem und liegendem Zylinder variieren.

Um die Frequenz zu messen, versetzt man den Riemen in Schwingung und misst die Frequenz mit einem Mikrofon und einer entsprechenden Software.

Frequenzwerte für verschiedene Ducati-Modelle

Die korrekten Frequenzwerte für die Zahnriemenspannung sind modellabhängig. Hier sind einige Beispiele für die Ducati Multistrada 1200 (2010-2014):

ZustandMessrichtungMontagewert (Hz)Rücksetzwert (Hz)Unterster Grenzwert (Hz)
KaltzustandWaagerecht110 ± 580 ± 570
KaltzustandSenkrecht110 ± 580 ± 570
MotorrevisionWaagerecht80 - 100--
MotorrevisionSenkrecht88 - 108--

Es ist wichtig, die spezifischen Werte für das jeweilige Ducati-Modell im Werkstatthandbuch nachzuschlagen.

Wichtige Hinweise

  • Ganz wichtig ist man sollte sich im darüber im klaren sein, was passiert wenn die Steuerzeiten nicht stimmen oder der Zahnriemen reißt, dann heißt es Motorschaden!. Also im Zweifelsfall die geliebte Ducati in die Werkstatt bringen.
  • Beim Auflegen der neuen Zahnriemen sind Knicke und scharfkantige Werkzeuge tabu, da ansonsten der Zahnriemen unwiederbringlich beschädigt wird.
  • Nach dem Einbau sollte der Motor per Hand durchgedreht werden, um sicherzustellen, dass nichts blockiert oder scheppert.
  • Für eine perfekte Steuerzeiteneinstellung müssen die Befestigungsschrauben der Steuerriemenscheiben an den Naben locker sein und sich in Schlitzmitte befinden.

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