E-Bike Akku richtig entsorgen: Eine umfassende Anleitung

Mülleimer auf, Akku rein, Entsorgung erledigt? Von wegen! Leere Lithium-Ionen-Akkus und alte Batterien dürfen auf keinen Fall in den Hausmüll wandern. Sie sind eine Gefahr für die Umwelt, die Sicherheit und die Gesundheit.

Warum E-Bike Akkus nicht in den Hausmüll gehören

Elektrogeräte wie E-Bike-Akkus darf man keinesfalls über den Hausabfall oder den Metallschrott entsorgen. So würden sie auf Mülldeponien landen, wo sie die Umwelt nachhaltig schädigen.

Damit Akkus und Batterien funktionieren, laufen in ihrem Inneren elektrochemische Reaktionen ab. Diese Bestandteile sind giftig, teilweise stark ätzend und besonders reaktionsfreudig - das ist schließlich ihr Job in einer Batterie. Vermischen sich diese Bestandteile unkontrolliert mit Luft oder Wasser, kann es zu Bränden und Explosionen kommen. Zwar schützt ein Gehäuse Akkus und Batterien vor dem Auslaufen. Doch bei falscher Lagerung, extremen Umgebungsfaktoren oder durch Materialermüdung verliert diese Hülle an Stabilität.

Lithium-Ionen-Akkus und Co. sind jedoch nicht nur gefährlich, sondern auch wertvoll. Lithium etwa lässt sich nur mühsam abbauen. Als recycelter Rohstoff ist es günstiger und ressourcenschonender. Die wertvollen Rohstoffe aus Batterien werden nicht nur zu neuen Akkus für Tablet und Co. verarbeitet. Nickel aus Batterien ist beispielsweise als Rostschutz oder bei der Herstellung von Edelstahl im Einsatz.

Ganz gleich, welcher Typ: Das Kreislaufwirtschaftsgesetz zählt Akkus und Batterien zu den gefährlichen Abfällen und macht damit deutlich, dass es für diese Abfälle besondere Richtlinien und Vorschriften geben muss.

Gesetzliche Grundlagen und Pflichten

Gemäß den europäischen Richtlinien 2012/19/EU und 2006/66/EG müssen nicht mehr gebrauchsfähige Elektrogeräte oder defekte oder verbrauchte Akkus/Batterien getrennt gesammelt und einer umweltgerechten Wiederverwertung zugeführt werden. Das bedeutet: Vertreiber von Industriebatterien nehmen ausgediente Akkus von Elektrorädern und Pedelecs kostenfrei zurück.

Jeder Händler, der Akkus oder Batterien verkauft, muss sie kostenlos zurücknehmen und ist für die fachgerechte Entsorgung verantwortlich. Händler müssen nur Akkus annehmen, die sie selbst verkaufen. Jeder Verbraucher ist verpflichtet, diese Möglichkeiten zur Rückgabe zu nutzen oder sich selbst um eine geeignete Entsorgung zu kümmern.

Wo und wie kann ich meinen alten E-Bike-Akku entsorgen?

Egal, wie und egal wann: Eines Tages wird dein E-Bike-Akku seinen letzten Ladezyklus durchmachen. An dieser Stelle kommt dann die Frage auf, wie du ihn umweltgerecht entsorgen kannst.

In Deutschland gibt es zahlreiche Möglichkeiten, alte E-Bike-Akkus umweltgerecht zu entsorgen. Der Fahrradfachhändler sowie andere Händler, die E-Bikes verkaufen und Wertstoffhöfe nehmen zum Beispiel alte Fahrrad-Akkus zurück. Auch viele Baumärkte und Fachhändler nehmen diese ausgedienten Akkus zurück. Elektrofachgeschäfte sind ebenfalls Rücknahmestellen. Darüber hinaus akzeptieren einige Supermärkte und Discounter die Rückgabe alter Akkus, wenn sie selbst E-Bikes verkaufen. Lokale Recyclinghöfe sind ebenfalls eine gute Anlaufstelle. Zudem gibt es spezialisierte Rücknahmesysteme, die sich auf die Sammlung und das Recycling von ausgedienten Akkus konzentrieren. Durch das „Gemeinsame Rücknahmesystem Batterien“, kurz GRS, gelangen wertvolle Stoffe zurück in den Rohstoffkreislauf. Das schont unsere Ressourcen.

Vor der Abgabe ist es ratsam, sich online oder telefonisch zu informieren, ob und zu welchen Öffnungszeiten die jeweilige Stelle aktuell alte Akkus annimmt, und ob du besondere Vorschriften, beispielsweise zur Verpackung, beachten musst.

Für die Rückgabe leerer Batterien und Akkus stehen bei stationären Händlern verschiedene Entsorgungsboxen bereit. Grüne Boxen sind für alle Akkus und Batterien außer Lithium-Ionen-Akkus gedacht. Diese müssen gesondert in gelben Boxen gelagert werden. Diese gibt es jedoch meist nur bei „qualifizierten Rückgabestellen“, zu denen etwa Baumärkte oder Elektrohändler gehören. Auch die städtische Abfallentsorgung nimmt alte Akkus auf Wertstoffhöfen an.

Hier ist eine Liste mit potenziellen Rücknahmestellen für alte E-Bike-Akkus in Deutschland:

  • Baumärkte und Fachhändler:
    • Obi
    • Bauhaus
    • Hornbach
    • Toom
    • Hagebau
  • Fahrradgeschäfte:
    • Little John Bikes (Diamant-Händler)
    • Fahrrad XXL (Diamant-Händler)
    • Lucky Bike (Diamant-Händler)
    • B.O.C. Bike & Outdoor Company
    • Radwelt
    • Stadler - Zweirad-Center
  • Elektrofachgeschäfte:
    • MediaMarkt
    • Saturn
    • Conrad Electronic
    • Euronics
    • Expert
  • Supermärkte und Discounter:
    • Aldi
    • Lidl
    • Rewe
    • Edeka
    • Kaufland
  • Recyclinghöfe:
    • Lokale städtische Recyclinghöfe (z. B. Berliner Stadtreinigungsbetriebe BSR, Hamburger Stadtreinigung SRH etc.)
  • Spezialisierte Rücknahmesysteme:
    • GRS Batterien (Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien)
    • Call2Recycle
    • ERP Deutschland GmbH (European Recycling Platform)

Wichtig: Du musst den alten E-Bike-Akku nicht zwingend wieder dort abgeben, wo du ihn gekauft hast!

Wann ist es Zeit, meinen E-Bike-Akku zu entsorgen?

E-Bike-Akkus können einige Hundert Zyklen (Lade-/Entladevorgänge) aushalten. Je nach Nutzung kann es also sein, dass du ihn nur alle paar Jahre wechseln musst. Es ist Zeit für einen Austausch, wenn dein Akku anfängt, schwächer zu werden oder du ihn häufig aufladen musst. Nach jeglichen (mechanischen) Beschädigungen solltest du deinen Fahrrad-Akku ebenfalls entsorgen.

Fasse stark beschädigte Akkus nicht mit bloßen Händen an, da Elektrolyt austreten und zu Hautreizungen führen kann. Wenn du dir unsicher bist, ob dein Akku defekt ist, empfehlen wir dir einen schnellen Besuch bei einem Fachhändler.

Was passiert mit alten Fahrrad-Akkus?

Für das Recycling von E-Bike-Akkus gibt es zwei Verfahren: das hydrometallurgische und das pyrometallurgische Verfahren.

  • Beim hydrometallurgischen Verfahren geht es zunächst um das Äußere der Akkus, das häufig aus Aluminium oder Kunststoff besteht. Die Stoffe werden dem normalen Recycling dieser Materialien zugeführt. Für die Akkuzellen selbst geht es in einen Schredder. Dabei entsteht ein Pulver, aus dem sich Batterierohstoffe wie Nickel, Kupfer und Kobalt zurückgewinnen lassen.
  • Beim pyrometallurgischen Verfahren entsteht kein Pulver. Stattdessen werden die Akkuzellen geschmolzen. Dadurch lässt sich ebenfalls Kobalt, Kupfer und Nickel gewinnen. Dieses Verfahren ist allerdings wesentlich energieintensiver.

Mit Blick auf die Zukunft ist es wichtig, den Anteil an recyceltem Kobalt und Lithium zu erhöhen. Beides sind Problemstoffe, weil sie oft mit enormem Ressourcenverbrauch abgebaut oder gewonnen werden. Auch eine saubere, ethisch vertretbare Produktion ist nicht immer gewährleistet. Deshalb ist das umweltgerechte Entsorgen von Akkus so wichtig.

Lagerung von Altakkus vor der Entsorgung

Ist ein leerer Akku intakt, sollte er dennoch nicht in irgendeiner Schublade auf die Entsorgung warten. Schon gar nicht, wenn es sich um Lithium-Ionen-Akkus aus Smartphone und Laptop handelt.

  • Auf getrennte Aufbewahrung achten: Li-Ionen-Akkus sollten stets getrennt von anderen Akkus und Batterien gelagert werden.
  • Kontakte abkleben: Die elektrochemischen Reaktionen in Akkus und Batterien können auch ablaufen, wenn keine Spannung anliegt. Darum sollte man den Plus- und Minuspol abkleben.
  • Li-Ionen-Akkus schichten: Die typischen Handy Akkus sollten flach und ordentlich gestapelt lagern.
  • Sand hilft: Ein Gefäß mit Sand ist ein hervorragender Puffer gegen mögliche Spontanreaktionen in alten Batterien.
  • Korrekt gekennzeichnet verschicken: Werden Akkus per Paket zurückgesendet, muss dieses Paket entsprechend gekennzeichnet sein.

Umgang mit beschädigten Akkus

Ein aufgeblähter Akku ist ein klares Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Die Blähung entsteht durch Gasbildung in der Akkuzelle, in der ungewollte chemische Prozesse ablaufen. Dieser Akku muss sofort aus dem Gerät entfernt und fachgerecht entsorgt werden. Der Akku sollte nicht mit bloßen Händen berührt werden - es besteht akute Verätzungsgefahr! Beschädigte oder aufgeblähte Akkus sollten immer in ein Gefäß mit Sand gegeben und darin zur Sammelstelle gebracht werden.

Die Rolle des neuen Batterierechts ab 2025

Ab dem Sommer 2025 soll die Entsorgung von E-Bike-Akkus in Deutschland noch einfacher werden. Dann nämlich werden Akkus von E-Bikes in Bezug auf die Entsorgung den Altbatterien von Elektrogeräten in Teilen gleichgestellt. Voraussichtlich ab August 2025 könnt ihr sie in Deutschland auch an jedem Wertstoff abgeben. Das Erweitern der Rücknahmestellen auf die Wertstoffhöfe vereinfacht die Rückgabe und erhöht den Anteil lithiumhaltiger Batterien, aus dem wichtige Rohstoffe zurückgewonnen und wiederverwertet werden können.

Anfang November hat die Bundesregierung per Kabinettsbeschluss den Gesetzentwurf zum neuen Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG) verabschiedet. Ausgangspunkt dafür ist die seit Februar 2024 gültige EU-Batterieverordnung (EU-BattVO). Sie regelt unter anderem die Entsorgung von E-Bike-Akkus im gesamten Binnenraum der Europäischen Union.

Wie bislang könnt ihr euren E-Bike-Akku auch unter dem neuen Batterierecht-Durchführungsgesetz kostenfrei abgeben.

Recycling und Kreislaufwirtschaft

Die Liste der Rohstoffe, die aus alten Akkus von E-Bikes wiedergewonnen werden kann, ist lang. Nach einem fachgerechten Recycling lassen sich Wertstoffe wie Stahl, Aluminium und Kunststoffe, Batterierohstoffe wie Nickel, Grafit, Kupfer und Cobalt sowie elektronische Bauteile für neue Akkus oder andere Produkte nutzen. Diese Form der Kreislaufwirtschaft schont bestehende Ressourcen, verhindert in Teilen den Abbau neuer Ressourcen und reduziert die Abhängigkeit gegenüber anderen Ländern.

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