E-Bikes aus Heidelberg: Coboc definiert urbane Mobilität neu

Klischee, olé! Aber anders als bei manch anderem Senkrechtstarter ist dieses Klischee nicht erdacht und reines Marketing-Blabla. Ihr Ursprung liegt in der Fahrradkurier-Szene, der beide Gründer zu Studententagen in Heidelberg angehören. Ein Fahrradkurier fährt kein Pedelec. Klar gibt es aus der Hardcore-Szene Gegenwind. Das aber entmutigt das Startup nicht.

Denn es finden sich genug Menschen, die genau auf solch ein Rad gewartet haben und die das Potenzial der Heidelberger erkennen. Was nach einem klaren Businessplan klingt, entwickelt sich aber erst Schritt für Schritt. „Zuerst einmal haben wir Räder gebaut, wie wir sie wollten. „Seitdem geht es vorwärts. Immer nach dem Rezept: Nische besetzen, dann langsam in die Breite gehen.“

Die Philosophie von Coboc: Schlank, einfach, elegant

Bald aber merkt Horsch, dass Coboc-Fahrer immer die Optik loben, zuhause aber Steckschutzbleche und Akku-Lichter ans Rad schrauben. „Das fand ich anfangs furchtbar.“ Dann aber entwickelt er die Coboc-DNA einfach weiter. Inzwischen ist sie in ein klares Konzept geflossen: slim, simple, sleek - schlank, einfach, glatt. „Die E-Bikes 2011 waren nicht slim.

Auf die Spitze treibt Coboc diesen Anspruch mit dem eCycle F1: Gerade einmal 10,8 Kilogramm bringt das voll alltagstaugliche Bike auf die Waage. Das aber ist nicht alles. Hier kommt „simple“ ins Spiel: „Wir wollen das Rad so einfach wie möglich bedienen. Ein Knopf.“ Wie Apple das Mobiltelefon mit dem Home-Button revolutioniert, so vereinfacht Coboc seine E-Bikes mit einem einzigen Schalter.

Einschalten, ausschalten, Licht bedienen - alles lässt sich mit dem unscheinbaren Taster steuern. „Er ist selbsterklärend, intuitiv und bietet alle nötigen Funktionen. Genau so laufen auch Updates für die Coboc-Software: Der Cobox-Programmer, eine unscheinbare schwarze Box für Coboc Händler, übermittelt eine neue Firmware automatisch ans Rad. „Das ist selbsterklärend. Dafür braucht es keine Schulung, keine gesonderte Software und keinen externen Rechner.“

Für alle, die doch mehr wollen, gibt es die Coboc-App. Dort lässt sich die Motorabstimmung verändern und die Laufleistung anzeigen. Auch Navigieren ist damit möglich. Als David Horsch versteht, warum seine Kunden Schutzbleche und Lichter wollen, baut er sie selbst. „Das haben wir immer so gemacht. Bevor es nur halb gut ist, machen wir es selbst. Und dann richtig.“

Nachhaltigkeit und Langlebigkeit im Fokus

David Horsch hält nicht viel vom branchenüblichen Jahresrhythmus, in dem neue Modelle auf den Markt geworfen werden. Er will raus aus diesem Hamsterrad, wie er es nennt. „Wir wollen langlebige Produkte bauen mit langen Produktionszyklen. Das ist zum einen nachhaltiger und ökologischer. Das bekomme auch der Endkunde zu spüren. Denn so könne Coboc die Preise möglichst stabil halten. Denn auch von einer Preisspirale nach oben hält der Coboc-Mitgründer nichts.

Lieber sollen die bestehenden Modelle - derzeit die Reihen One, Seven und Ten - stetig fortentwickelt werden. Für letzteres ist das Modell Seven Kallio mit tiefem Einstieg und deutlich unter der „kritischen“ Schwelle von 18 Kilogramm konzipiert. Den Puls der Zeit hört Horsch derzeit im Trekking- und Tiefeinsteiger-Segment schlagen. „Wir haben lange diskutiert, ob Coboc ein solches Rad bauen darf. Letztlich ergibt sich die Antwort aber schon aus der Frage: Natürlich“, so Horsch.

Innovation und Ausblick

Trotzdem ist auch das erste Tourenrad der Marke eine Revolution. Denn aufs Touren-Parkett hat sich Coboc bis dato nicht gewagt. Da wirkt das Ten Merano auf den ersten Blick schon weniger radikal. Dieser Bereich aber habe Zukunft im Unternehmen. „Wir werden sie definitiv ausbauen. Das ist eines unserer Ziele für die nahe Zukunft.“

Einfach - das beherzigt Coboc auch beim Antrieb. Denn letztlich funktioniert ein E-Bike-Unternehmen nur dann, wenn es zuverlässig ist. Coboc vertraut daher beim Motor und den Akkuzellen auf ihre bewährten Lieferanten. „Es sind die einzigen Teile am Bike, die wir nicht selbst entwickelt haben.“ Die Akkuzellen selbst werden aber exklusiv für Coboc zusammengesetzt und im Rahmen integriert. Schon das Batteriemanagement-System ist wieder 100 Prozent Coboc.

Auch der Hecknabenmotor läuft mit einer Coboc-eigenen Software. Er ist kompakt an der Hinterradnabe verbaut. Da er ohne Unterstützung keinen Tretwiderstand bietet, fährt sich das Coboc auch ausgeschaltet leicht und spielerisch. Das Ergebnis: ein sanfter, natürlicher Schub. War das erste Coboc noch als Fixie ohne Bremsen und Schaltung aufgebaut, statten die Heidelberger ihre aktuellen Bikes mit Kettenschaltung und Scheibenbremsen aus.

Mit Blick auf die Anfänge der Marke ist das schon fast wieder revolutionär. Binnen zehn Jahren ist Coboc so im breiten Fahrradmarkt angekommen. Das Kallio und das Merano läuten zwar keine Zeitenwende in der Fahrradbranche ein. Für das Unternehmen aber auf jeden Fall. Sie zeigt: Mit Coboc ist auch weiter zu rechnen.

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