E-Bike Bergauf: Tipps für ein müheloses Fahrerlebnis

Das E-Mountainbike-Fahren hat in den letzten Jahren stark an Beliebtheit gewonnen. Große Steigungen stellen keine unbezwingbare Herausforderung mehr dar, weite Streckenabschnitte können fast mühelos bewältigt werden und ihr genießt die Landschaft in vollen Zügen. Eines der Hauptgründe, sich ein E-Bike zuzulegen, ist, dass man durch die Motorunterstützung leichter bergauf kommt. Doch wie meistert man Anstiege mit dem E-Bike am besten? Dieser Artikel gibt Ihnen wertvolle Tipps und Techniken, um sicher und effizient bergauf zu fahren.

Grundlagen für das Bergauffahren mit dem E-Bike

Wer sich in schwierigerem Gelände bewegt, dem raten wir zu einem Fahrtechniktraining. Als kleinen Vorgeschmack, was man bei einem solchen Kurs alles lernt, haben wir euch diesen Blogbeitrag zusammengestellt.

Die richtige Technik

  1. Fußstellung finden: Um sicher technische Passagen wie Kurven oder Hindernisse auch beim bergauf fahren zu meistern, ist es wichtig herauszufinden, welcher Fuß vorne und welcher hinten steht. Wie beim Snowboard fahren oder Surfen (Regular/Goofy) gibt es auch beim Radfahren eine Schokoladenseite. Man spricht dabei auch gerne vom „guten“ oder „schlechten“ Fuß. Der gute Fuß steht beim Radfahren vorne. Welcher nun aber der „gute“ Fuß ist, könnt ihr ganz leicht in der Ebene ausprobieren, indem ihr das Fahrrad rollen lasst und einen Kreis fahrt.
  2. Gangwahl üben: Um die E-Mountainbike-Fahrtechnik zu üben, wählt ihr einen Gang, bei dem mit einer halben Pedalumdrehung eine Fahrradlänge zurückgelegt wird. Ein Fixpunkt am Boden wie zum Beispiel ein Rucksack kann euch dabei helfen, den richtigen Gang zu finden. Generell kann durch den Antrieb beim E-MTB ein höherer Gang gewählt werden als beim regulären Fahrrad.
  3. Sattelstütze anpassen: Stellt die Sattelstütze zum bergauf Fahren ungefähr zwei Finger breit tiefer als gewöhnlich - dadurch bietet das E-Mountainbike mehr Flexibilität auf dem Trail.

Tipps für mehr Traktion und Kontrolle

  1. Gewichtsverteilung: Der Motor erlaubt dem Fahrer zwar, ganz andere Steigungen zu bewältigen, jedoch wird das Hinterrad zum limitierenden Faktor und dreht schnell mal bei zu wenig Belastung durch.
  2. Bremsen: Wer bergauf bremst, gewinnt. Das klingt erstmal seltsam, ist jedoch ein nützliches Mittel, um die Traktion des Hinterrads auch in steileren Passagen nicht zu verlieren.
  3. Anfahren am Hang: Beim Berganfahren mit dem E-MTB steht euer Fuß, der zum Hang zeigt, auf dem Boden. Der andere Fuß ist auf dem Pedal. Beim E-MTB könnt ihr sowohl einen niedrigen Gang einstellen, als auch einen höheren, da ihr die Unterstützung des Motors habt. Wichtig ist beim Anfahren, den „Hangfuß“ erst auf das Pedal zu stellen und dann loszufahren, anstatt mit dem Fuß Schwung zu holen und dann krampfhaft versuchen, irgendwie das Pedal zu treffen.
  4. Pedalmanagement in Kurven: Bei der Anfahrt einer engen Kurve ist das richtige Pedalmanagement wichtig. Der „schlechte“ Fuß ist im Scheitelpunkt der Kurve vorne. Nur so wird gewährleistet, dass der „gute“ Fuß beim Beschleunigen am Kurvenausgang wieder vorne ist. Der Körperschwerpunkt liegt dabei im Kurvenäußeren und das E-MTB wird leicht in die Kurve gedrückt. Das Schwierigste dabei ist, das Gleichgewicht zu halten.

Kurvenfahren bergauf

  1. Die richtige Körperhaltung: Fahrt mit gebeugten Armen und Beinen auf die Kurve zu. In der Kurve ist der innere Arm etwas mehr gestreckt als der äußere. Das Rad neigt sich in die Kurve. Eventuell habt ihr sogar einen fünften Kontaktpunkt, wenn das Oberrohr oder der Sattel die Innenseite eures Oberschenkels berühren. Die Knie sind parallel und zeigen leicht nach innen, die Hüfte wandert leicht nach außen.
  2. Blickführung: Wichtig bei der Kurve ist der Blick, er scannt schon vor der Einfahrt die Kurve und spätestens ab dem Scheitelmittelpunkt geht der Blick weit voraus zum Kurvenausgang. Vor der Kurve solltet ihr eure Geschwindigkeit verringern, je nach Gelände bis auf Schrittgeschwindigkeit. Enge Kurven versucht ihr möglichst weit auszufahren und weit außen anzufahren.

Hindernisse überwinden

  1. Körperschwerpunkt verlagern: Ihr rollt langsam auf eine Stufe zu, erkennt die Höhe der Stufe und senkt euren Körperschwerpunkt entsprechend noch tiefer ab. Arme und Beine beugen sich noch weiter, der Oberkörper ist recht flach auf dem Rad. Kurz vor der Stufe öffnet ihr die Vorderradbremse.
  2. Arme und Beine einsetzen: Sobald das Vorderrad über die Kante fährt, führt ihr die Arme mit, dazu nutzt ihr die Beugung der Arme. Beim Bewältigen der Stufe strecken sich die Arme, um die Höhendifferenz auszugleichen. So fällt der Oberkörper nicht dem Vorderrad hinterher. Der Po schiebt sich über das Hinterrad, der Schwerpunkt bleibt jedoch zentriert. Wenn das Hinterrad über die Kante fährt, gleichen die Beine durch Streckung den Fall des Oberkörpers aus. Sobald das Hinterrad den Boden berührt, solltet ihr wieder in der Aktivposition sein. Arme und Beine sind wieder ausgefedert, der Körper über dem Rad zentriert.

Weitere Tipps für das E-Bike-Fahren bergauf

Neben den fahrtechnischen Aspekten gibt es noch weitere Faktoren, die beim Bergauffahren mit dem E-Bike eine Rolle spielen.

Akkuleistung optimieren

  • Unterstützungsstufe wählen: Bergauf benötigt es nicht zwingend die höchste Unterstützungsstufe.
  • Gleichmäßig treten: Durch ein gleichmäßiges Treten bergauf mit hoher Trittfrequenz erweitert man die Akkureichweite.
  • Niedriger Gang: Man sollte immer mit einem etwas niedrigeren Gang als gewohnt bergauf fahren.

Durch ein gleichmäßiges Treten bergauf mit hoher Trittfrequenz erweitert man die Akkureichweite und somit ganz leicht die Akkureichweite erhöhen. Kette, Ritzel, Schaltwerk und Kettenblatt halten länger und die Wartungskosten bleiben dadurch überschaubar. Zuletzt ist es auch für das eigene Herzkreislaufsystem eine perfekte Grundlage, um den Pulsschlag durch leichtes Treten auf einem entspannten Niveau zu halten.

Die richtige Vorbereitung

  • Sich langsam vortasten: Mit einem E-Bike lassen sich die Höhenmeter auch ohne Monsterkondition zurücklegen. Trotzdem sollten es Anfänger langsam angehen lassen. Schließlich ist man am Berg auf sich gestellt und Hilfe ist nicht so schnell verfügbar wie im Tal. An das E-Bike mit all seinen Eigenheiten muss man sich erst gewöhnen, deshalb beginnt man am besten mit kurzen Touren. Wer sich sicher fühlt, kann dann Schwierigkeit und Länge immer weiter steigern. Außerdem sollte man sich bereits vor einer Bergtour im Flachen mit dem Sportgerät vertraut machen und Ausstattung und Funktionsweise des Bikes gut kennen.
  • Gute Planung: Touren mit dem E-Bike sollten noch akribischer geplant werden als solche mit dem Bio-Bike. Schließlich legst du damit größere Distanzen zurück und ein Irrweg hat mehr Konsequenzen. Außerdem kommt als weiterer limitierender Faktor die Akkureichweite dazu. Eine sorgfältige Berechnung der Route ist also unerlässlich, nutze dafür am besten einen der zahlreichen Online-Routenplaner.

Checkliste für die Tourenplanung

Faktor Bedeutung
Höhenmeter Bestimmt den Energieverbrauch des Akkus
Akkureichweite Muss ausreichend sein für die geplante Strecke
Kondition der Teilnehmer Sollte der Schwierigkeit der Tour entsprechen
Wetter Kann die Sicherheit und den Komfort beeinträchtigen
Dämmerungseinbruch Sollte bei der Planung berücksichtigt werden

Neben einem leistungsfähigen E-Bike, das an deine Bedürfnisse angepasst ist, benötigst du auf jeden Fall noch wetterfeste Kleidung, ausreichend Wasser, Notfallproviant, Wanderkarte und Smartphone.

Weitere nützliche Tipps

  • Pannen selbst beheben können: Es ist ratsam, auf kleinere Radpannen vorbereitet zu sein und die wichtigsten Reparaturen selbst durchführen zu können. Denn im Gebirge ist kein Pannendienst zur Stelle und wer schiebt schon gern sein kaputtes E-Bike den Berg hinunter? Wer sich mit seinem Bike beschäftigt und im Vorfeld die wichtigsten Kniffe lernt, weiß sich dann am Berg schnell zu helfen. Mit dem richtigen Werkzeug im Gepäck lassen sich Kettenriss, Platten oder sogar Bremsenprobleme unterwegs selbst beheben.
  • Immer sitzend fahren: Auf dem E-Bike solltest du jedoch immer sitzen bleiben: Wenn man im Stehen fährt, schiebt der Motor unregelmäßig und es kommt zu ineffizienter Kraftübersetzung.
  • Steile Passagen meistern: Gehe mit dem Oberkörper tiefer in Richtung des Lenkers und lege die Ellbogen seitlich am Körper an. Gleichzeitig kannst du versuchen, den Lenker ein wenig nach hinten unten zu ziehen. So bleibt dein Vorderrad am Boden und dein E-Bike schön stabil.
  • Bergauf anfahren trainieren: Das Anfahren im steilen Gelände benötigt deshalb ein wenig Übung. Trainiere das also am besten vor deiner großen Bergtour.
  • Rücksichtsvoll sein: Als E-Biker solltest du immer Rücksicht auf Wanderer und Spaziergänger nehmen. Denn nur wenn das Zusammenleben mit anderen Sportlern positiv und friedlich ist, können alle mit Freude die Berge genießen.

Sicher Anfahren und Anhalten mit dem E-Bike am Berg

Der Genuss von Fahrtwind und das sorglose Dahinrollen ist beim Radfahren etwas wirklich Schönes. Ab und an kommt man ins Träumen und lässt den Alltag hinter sich. Doch dann passiert ein Schaltfehler bergauf oder man muss abrupt anhalten und den Fuß auf den Boden setzten. Genau darum dreht es sich in der zweiten Ausgabe der E-Bike Fahrsicherheits-Tipps mit Trainer Andy Rieger - sicheres Anfahren und Anhalten mit dem E-Bike.

Sicher Anhalten am Berg

  1. Haltepunkt wählen: Der Haltepunkt sollte gut gewählt werden. Ein fester Untergrund, idealerweise am Weges- bzw. Damit man seitlich vom Rad absteigen kann, hilft es, das Vorderrad zum Wegrand einzuschlagen. Man fährt somit eine kleine Kurve.

Sicher Anfahren am Berg

  1. Startposition finden: Idealweise startet man am Wegrand und setzt sich auf das Rad. Wählen Sie eine leichte bis mittlere Unterstützungsstufe und legen Sie einen leichten Gang ein. Des Weiteren ziehen Sie beide Bremsen, damit das Rad nicht wegrollt. Setzten Sie sich auf das Rad und lassen Sie ihr Balancebein am Boden.
  2. Antrittspedal positionieren: Nun stellen Sie Ihr Antrittspedal auf die Höhe vom Unterrohr und positionieren dort Ihren Schokoladenfuß. Somit haben Sie beim Antritt die nötige Pedalumdrehung, um zügig loszukommen. Sie fahren im Sitzen und ohne zu schalten los. Sie blicken weiterhin weit nach vorne, um die das Rad in der Spur zu halten.

Wenn Sie diese Tipps befolgen, kommen Sie spielerisch den Berg hinauf.

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