Vorschriften für E-Bike-Fernlicht in Deutschland

Die Beleuchtung an Ihrem E-Bike ist ein wesentlicher Faktor für Ihre Sicherheit im Straßenverkehr und stellt sicher, dass Sie in der Dunkelheit sehen, wohin Sie fahren. Ebenso wie ein herkömmliches Fahrrad ist ein E-Bike - je nach Modell und Typ - mit einem Frontscheinwerfer und einem Rückstrahler ausgestattet.

Gesetzliche Grundlagen und Vorschriften

Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) regelt in Deutschland die Anforderungen an die Fahrradbeleuchtung. § 67 StVZO schreibt vor, dass jedes Fahrrad mit einer funktionierenden Beleuchtung ausgestattet sein muss, sobald es bei Dunkelheit oder schlechten Sichtverhältnissen genutzt wird. Jede Fahrradbeleuchtung muss StVZO-konform sein, was durch die sogenannte K-Nummer auf dem Gehäuse bestätigt wird.

Die Gesetzeslage lässt aber noch lange nicht jede Art von Beleuchtungsapparatur zu. Egal ob an einem Fahrrad eine LED-Beleuchtung oder eine handelsübliche Fahrradbeleuchtung vorhanden ist, an folgende Vorgaben des Gesetzgebers müssen sich nach § 67 StVZO alle Radfahrer halten:

  • Die Energiequelle: Die Lichtmaschine bzw. die Energiequelle muss mit der Spannung der verwendeten lichttechnischen Einrichtung kompatibel sein, konkrete Watt- oder Voltwerte sind nicht mehr festgelegt. Ein Lux-Wert ist ebenfalls nicht vorgeschrieben.
  • Die angebrachten Einrichtungen: Nur vorgeschriebene und zulässige lichttechnische Einrichtungen dürfen am Bike montiert werden. Leuchtstoffe und rückstrahlende Mittel zählen dazu. Egal ob Lampe, Dynamo oder Reflektor, alles muss fest angebracht werden und darf nicht verdeckt sein.
  • Der Scheinwerfer und der Rückstrahler vorne: Der Scheinwerfer vorne am Rad muss weißes Licht abgeben. Der Lichtkegel dieser Fahrradlampe muss eine Neigung besitzen, die dafür sorgt, dass die Lichtmitte in 5 m Entfernung nur noch halb so hoch wie die Austrittshöhe ist. Auch muss ein nach vorn gerichteter weißer Rückstrahler angebracht sein.
  • Das Fahrrad-Rücklicht und der hintere Rückstrahler: Das Rücklicht vom Bike muss rotes Licht aufweisen und darf sich nicht weniger als 250 mm über der Fahrbahn befinden. Weiterhin ist ein roter Rückstrahler vorgeschrieben, der, gemessen am höchsten Punkt er leuchtenden Fläche, sich nicht höher als 1.200 mm über die Fahrbahn befinden darf.
  • Der Z-Strahler: Einen mit einem großen Z markierten Großflächen-Rückstrahler muss jedes Fahrrad aufweisen.

Dynamo-Pflicht und Alternativen

Bis zum Jahr 2013 war jeder Radfahrer verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass ein Dynamo an seinem Fahrrad für Licht sorgt. Seit der Gesetzesänderung zur Fahrradbeleuchtung sind auch Fahrradlichter zulässig, die auf akku- und batteriebetriebenen Lichtanlagen basieren. Seit einer weiteren Anpassung des Paragraphen von 2017 sind zudem auch keine Vorschriften zur Spannung oder Nennleistung bezüglich der Energiequellen mehr zu beachten.

Ab sofort ist die Speisung der Beleuchtung über Akkus, Batterien, Dynamos und E-Bike-Systeme gleichberechtigt. E-Bikes, die ab dem 01. Januar 2019 verkauft werden, müssen eine Nutzung der Lichtanlage bis zu zwei Stunden nach Motor-Aus gewährleisten.

Reflektoren

Auch Reflektoren gehören zur Fahrradbeleuchtung und unterliegen strengen Auflagen. An der E-Bike Front ist ein weißer Reflektor vorgeschrieben, am Heck ein roter Reflektor. Die Pflicht zu einem zweiten Heckreflektor wurde aufgehoben. An den Pedalen müssen nach vorne und nach hinten gerichtete gelbe Reflektoren montiert sein (also zwei Reflektoren pro Pedal). Mit den Seitenreflektoren ist die Beleuchtungsausstattung komplett.

Es lohnt sich, das eigene Velo daraufhin zu überprüfen. Schwierigkeiten gibt es vor allem bei den Pedalen. Sind die gelben Reflektoren bei Plastikpedalen in der Regel integriert, fehlen sie bei Metallpedalen häufig oder sind nur aufgesetzt montiert, wodurch sie leicht abfallen können.

Aktive und passive Beleuchtung

Zunächst ist zwischen der aktiven und passiven Beleuchtung zu unterscheiden. Der vordere Scheinwerfer muss mindestens 10 Lux (Beleuchtungsstärke) in 10 m Entfernung ausstrahlen, zudem muss es eine klare Grenze zwischen hell und dunkel geben, sodass der Gegenverkehr nicht geblendet wird. Das Rücklicht sollte einen Abstrahlwinkel von mindestens 220° besitzen und in einer Höhe von 250 mm bis 1200 mm am E-Bike angebracht sein.

Lumen vs. Lux

Beim Kauf einer Fahrradbeleuchtung LED stolpert man über zwei Begriffe:

  • Lumen (lm): Misst, wie viel Licht die Lampe insgesamt erzeugt.
  • Lux (lx): Misst, wie viel Licht tatsächlich auf einen fokussierten Bereich trifft.

Ein Fahrrad Licht Set mit vielen Lumen kann viel Licht abgeben, aber ohne Fokussierung bleibt es ineffektiv. Achte auf die richtige Lux-Zahl, eine StVZO-Zulassung und eine sinnvolle Lichtverteilung.

Bedeutung des Lichtkegels

Ein guter Fahrrad-Scheinwerfer sollte das Licht auf die Fahrbahn lenken, nicht in den Gegenverkehr. Ein Dynamo gehört zu den zuverlässigsten Methoden, um dein Fahrradlicht zu betreiben. Akkubetriebene Fahrradlichter werden per USB- oder Netzstecker aufgeladen. Bei einem E-Bike kann die Beleuchtung direkt über den Fahrrad-Akku betrieben werden.

Fernlicht und weitere Innovationen

Je mehr Licht am E-Bike desto besser - sollte man meinen. Der Staat hat das aber lange Zeit nicht so gesehen und neue Lichtsysteme, die durch die Akkuspeisung am Elektrofahrrad erst praktikabel wurden, lange Zeit nicht erlaubt. Dies hat sich nun geändert!

Tagfahrlicht, Fernlicht sowie Akkuleuchten sind neuerdings gestattet, und dürfen ab sofort genutzt und verbaut werden. Auch das in vielen E-Bikes bereits verbaute Bremslicht ist nun per Gesetz erlaubt. Das gleiche gilt für Fahrtrichtungsanzeiger - also Blinker. Diese sind allerdings nur bei mehrspurigen E-Bikes erlaubt oder wenn das Handzeichen eingeschränkt sichtbar ist. Vergleichbare blinkende Lichter sind weiterhin von der Nutzung im Straßenverkehr ausgeschlossen.

Funktion des Fernlichts

Das Abblendlicht ist so konstruiert, dass es eine klare Hell-Dunkel-Grenze hat. Die Neigung des Scheinwerfers wird so eingestellt, dass die Hell-Dunkel-Grenze nach unten abfällt, was eine Blendung anderer Verkehrsteilnehmer verhindert. Ein Fernlicht leuchtet dagegen auch weiter nach oben. Die Sichtweite nimmt so deutlich zu. Allerdings blendet man damit auch andere Verkehrsteilnehmer. Umgesetzt wird ein Fernlicht bei Fahrradscheinwerfern meist, indem noch zusätzliche LEDs im Gehäuse integriert werden.

Meist wird das Fernlicht dann über einen Lenkertaster zugeschaltet. Sollte man einen Scheinwerfer mit Fernlicht für sein Fahrrad oder E-Bike zum Nachrüsten kaufen, wenn man noch keinen hat? Zunächst einmal sollte man sich klarmachen, dass ein Fernlicht je nach den Strecken, auf denen man sich üblicherweise bewegt, eventuell kaum einsetzbar ist.

Hinweise zur Nutzung des Fernlichts

  • Ein Fernlicht blendet andere extrem und darf daher nur zugeschaltet werden, wenn eine Blendung ausgeschlossen werden kann.
  • Wenn man sich vor allem in der Stadt mit dem Fahrrad oder E-Bike bewegt, ist ein Fernlicht eher nutzlos.
  • Fährt man viel außerhalb der Stadt, kann schon anders aussehen. Die Verkehrsdichte ist hier meist geringer, was den Einsatz des Fernlichtes häufiger möglich macht.
  • Wenn der Weg mit Straßenbeleuchtung ohnehin gut ausgeleuchtet ist, macht ein Fernlicht keinen Sinn.
  • Wenn man recht gemütlich unterwegs ist, ist der Nutzen eines Fernlichts deutlich geringer, als wenn man zügig unterwegs ist.

Auswahl von Scheinwerfern mit Fernlicht

Falls jemand einen Fahrradscheinwerfer mit Fernlicht kaufen möchte, hier eine Übersicht, welche Exemplare mit StVZO-Zulassung es hier gibt:

  • Lupine SL X, SL F und SL Nano
  • Supernova M99 Mini Pro-25
  • Busch & Müller IQ-XM
  • Supernova Mini 2 Pro
  • Lezyne E-Bike Power HB Stvzo E550
  • Busch & Müller IQ-XS High Beam

Bei Dynamoscheinwerfern gibt es bisher leider keine guten Lösungen mit einem zuschaltbaren Fernlicht.

Beleuchtung von E-Bike-Anhängern

Die Richtlinien für die Lichtsysteme von E-Bike Anhängern haben sich ebenfalls geändert. Wie auch für das E-Bike gilt, dass alle Lichtsysteme frei erkennbar sein müssen und diese auch miteinander kombiniert werden dürfen (außer die Fahrtrichtungsanzeiger). Ist der Anhänger breiter als 1000 mm, muss vorne links eine weiße Leuchte am E-Bike Anhänger angebracht werden. Bei schmaleren Anhängern ist diese Leuchte freiwillig.

Beleuchtung am E-Mountainbike

Serienmäßig finden Lichtsysteme bei E-Mountainbikes keinen Einzug. Schließlich sind E-MTBs für den Einsatz im Gelände und nicht im Straßenverkehr entwickelt. Da viele Fahrer Ihr geliebtes E-Mountainbike aber auch außerhalb der Offroadtrails nutzen wollen, können diese E-Bike natürlich einfach mit einem Lichtsystem nachgerüstet werden.

Bußgelder

Der Bußgeldkatalog sieht für eine defekte Fahrradbeleuchtung mindestens ein Verwarnungsgeld in Höhe von 20 Euro vor. Im Falle einer Gefährdung sind es 25 Euro oder bei einem Unfall 35 Euro. Im Fall eines Unfalls drohen auch versicherungsrechtliche Konsequenzen wie z.B. die Kürzung etwaiger Schadensersatz- bzw. Schmerzensgeldansprüchen.

Die 6 getesteten E-Bike-Scheinwerfer im Vergleich

Sechs E-Bike-Lenkerlampen mit dem entsprechenden Prüfzeichen haben wir in Labor und Praxis getestet.

Scheinwerfer Fernlicht (Lumen) Abblendlicht (Lumen) Preis (ca.)
Busch & Müller IQ-XM 770 308 199 €
Lezyne ebike power hb StVZO 691 336 150 €
Lupine SL X 1230 691 400 €
Supernova M99 Mini Pro 1244 416 260 €
Cube Pro-E 110 - 270 99 €
Litemove SE-150 - 388 110 €

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