Auf der Eurobike 2022 präsentierte Shimano der Weltöffentlichkeit den neuen EP801. Optisch kaum vom Vorgänger zu unterscheiden, sollte das Update vor allem mehr Konnektivität bringen und Features wie die automatischen Schaltfunktionen Free- und Autoshift möglich machen. Dazu hat sich im Inneren eine Menge getan: Eine komplett überholte Elektronik soll den Antrieb für die Zukunft neu aufstellen und über einen Can-Bus eine direkte Kommunikation mit dem Akku erlauben. Alte Akkus können daher nicht mehr mit dem neuen Antrieb genutzt werden.
Leistungssteigerung des Shimano EP801
Viele Fragen blieben aber lange offen. Ist der Neuling stärker geworden? Klappert der Motor noch? Wegen des neuen Innenlebens wurde über mehr Leistung gemutmaßt, Shimano selbst gab hierzu aber nur recht kryptisch Auskunft. Typisch japanisches Understatement, wie wir jetzt wissen. Denn nun steht uns das erste Test-Bike mit einem Serienmodell des Shimano EP801 Motors zur Verfügung und das überrascht in der Praxis mit unerwartet starkem Schub. Wo es mit dem EP8 noch schwerfiel, mit Bosch-Bikes in vollem Galopp mitzuhalten, fährt unser Testbike von Liteville mit dem neuen EP801 E-Bike-Motor jetzt recht locker nebenher.
Der Shimano EP801 E-Bike-Motor auf dem Prüfstand
Wir wollten es genau wissen und haben den Shimano EP801 Antrieb auf dem Rollenprüfstand des Prüflabors PT Labs zum direkten Vergleich gegen den Vorgänger EP8 und den Bosch Performance Line CX gebeten. Das Ergebnis: Mit bis zu 544 Watt am Hinterrad sticht der EP801 E-Motor seinen Vorgänger im relevanten Kadenzbereich von 60 bis 110 Kurbelumdrehungen pro Minute deutlich aus. Das ist ein spürbares Plus von 80 Watt gegenüber dem Vorgänger, die Leistung liegt jetzt nah an der von Boschs Performance Line CX.
Der Vorteil des Shimano-Motors: Wie der Vorgänger gibt auch der neue E-Motor die volle Leistung schon bei niedriger Pedalkraft frei. Rund 100 Watt reichen aus, um das Maximum aus dem Antrieb herauszuholen. Bei Bosch muss man dafür mindestens 180 Watt treten. In der Praxis heißt das: Wer nur locker die Beine fallen lässt, der dürfte mit dem Shimano-Motor deutlich schneller unterwegs sein. Selbst in unserem standardisierten Reichweiten-Test, wo mit 150 Watt getreten wird, hat der neue Shimano EP801 gegenüber dem Bosch noch die Nase vorne (siehe unten).
Echte 84 Newtonmeter auf der Messwelle sind ebenfalls stattlich. Das Fahrgefühl des EP801 gleicht dem Vorgänger. Die Leistung wird dosiert und gleichmäßig abgegeben, der Motor hängt gut am Fuß und tut sich - dank gestiegenem Punch - in technischen Schlüsselstellen oder beim Anfahren jetzt auch etwas leichter.
Geräuschentwicklung und Reichweite
Die Geräuschkulisse gleicht stark der des Vorgängers und leider klappert auch der neue Shimano EP801 bergab hörbar. Verbreiteten Spekulationen, dass dieses Phänomen mit dem EP801 der Vergangenheit angehört, müssen wir, so leid es uns tut, widersprechen. Shimano-Bikes rappeln also künftig auf dem Trail weiter mit Bosch-E-MTBs um die Wette.
Dass die gesteigerte Leistung auch mit einem klaren Verlust der Effizienz einhergeht, konnten wir bei den ersten Tests zum Glück nicht feststellen. In unserem Standard-Reichweitentest bei 89 Kilogramm Fahrergewicht und 150 Watt Tretleistung auf unserer Asphalt-Teststrecke mit durchschnittlich 12 Prozent Steigung spulte unser Testbike, das brandneue Liteville 301 CE MK2, mit dem Shimano EP801 und einem 725-Wattstunden-Akku von BMZ 1672 Höhenmeter bei maximaler Unterstützung ab. Ein normaler Wert für ein Shimano-Bike mit dieser Akkugröße. Zumal die Ladearbeit von nur 712 Wattstunden dafür spricht, dass der Akku nicht ganz die vollen 725 Wattstunden liefert.
Bemerkenswert: Passend zu unseren Ergebnissen vom Prüfstandstest marschierte das Liteville mit EP801-Antrieb sehr zügig vorwärts und spulte die Teststrecke mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 15,6 km/h ab. E-Bikes mit Shimanos altem EP8 oder Boschs Performance Line CX liegen bei gleichen Test-Parametern üblicherweise bei etwas über 14 km/h. Das zeigt klar, dass auch im Prüfprozedere mit 150 Watt Fahrerleistung der EP801 E-Motor noch mess- und spürbar mehr Leistung auf die Welle drückt, als die beiden anderen Antriebe.
Neue Displays und Akkustandanzeige
Shimano hat für die neue Generation auch eine Reihe von Produkten neu aufgelegt, in puncto Design bleibt aber vieles beim Alten. So gibt es die sehr sportlichen, eher minimalistischen Shifter und Displays, die wir vom EP8 kennen, weiterhin.
Neu hinzugekommen sind die eigentlich für den günstigeren Shimano EP6 gedachten EN600-Parts. Sie könnten aber auch für Nutzer des EP801 interessant sein. So bietet die EN600 Funktionen wie einen dezidierten Licht-, sowie einen Ein-Aus-Schalter, außerdem zeigt sie per farbiger LEDs grob den Akkustand und die U-Stufe an, kann also auch einzeln ohne Display genutzt werden. Noch aufgeräumter wird’s mit dem Ein-Aus-Schalter EW-SW-310. Der findet auf dem Oberrohr Platz, da auch hier farbige LEDs Akkustand und Unterstützungs-Stufe anzeigen, kann er ganz ohne Remote und Display auskommen. Das EN600-Display bietet statt einem bis zu vier Informationsfelder. Besonders praktisch: Die Anzeige des Akkustandes hat jetzt 10 statt 5 Balken. Gerade auf langen Touren lässt sich so besser mit dem Akku haushalten.
Unterstützungsstufen und E-Tube-App
Die E-Tube-App bleibt wie beim Vorgänger, nur dass sich hier ggf. auch die neuen Funktionen wie Free- und Auto-Shift einstellen lassen. Allerdings hat Shimano hier schon im letzten Jahr ein großes Update gebracht. Statt jeweils drei 3 U-Stufen in zwei Profilen lassen sich hier im zweiten Profil nun bis zu 15 U-Stufen freischalten und individuell feintunen. So kann die Unterstützung besonders fein geregelt werden. Auch die Logik der App selbst und die der Feineinstellung der Unterstützung wurde seit dem Update noch einmal verbessert.
Vergleich: Shimano EP801 vs. Orbea EP8 RS
Das Orbea Rise ist vermutlich eines der erfolgreichsten Light-E-MTBs am Markt. Dabei setzt das Bike der Spanier auf ein spezielles Konzept. Denn für Schub sorgt kein eigens entwickelter Leicht-Motor, sondern ein modifizierter Shimano EP8. Das hat einige Vorteile, bringt aber auch Nachteile mit sich. Für unseren großen Vergleichstest leichter E-Bike-Antriebe konnten wir den EP8 RS ausführlich in Labor und Praxis testen. Eines ist von vorneherein klar: In Sachen Reichweite und Standfestigkeit macht dem System keiner etwas vor. Damit spricht das Orbea-Konzept eine große Zielgruppe an. Übrigens: Auf der Eurobike hatte Shimano mit dem EP801 einen Nachfolger des EP8 vorgestellt. Noch ist dieser Antrieb allerdings nicht auf dem Markt, und es ist unklar, inwieweit sich der Motor und seine Charakteristik verändert. So oder so: Es ist davon auszugehen, dass auch Orbea seinen EP8 RS auf die neue 801-Technologie aufrüstet.
Technische Daten des Orbea EP8 RS (Shimano)
- Gewicht Motor: 2,65 kg
- Gewicht Akku: 2,78 kg (540 Wh)
- Akku-Optionen: 360 Wh, 540 Wh; optionaler Range Extender: 250 Wh (1,5 kg)
- Fahrstufen: Eco, Trail, Turbo
- Dichtigkeit: k. A.
- Connectivity: Bluetooth, ANT, Garmin-App
Akku-Konzept des EP8 RS
Aktuell hat Orbea drei E-Mountainbikes mit EP8 RS im Portfolio. Alle setzen dabei auf einen fest verbauten Akku im Unterrohr, der durch einen Range Extender im Trinkflaschenformat aufgestockt werden kann. Das Top-Fully Rise M mit Carbonrahmen ist auf Gewicht getrimmt, drum sitzt hier ein 360-Wattstunden-Akku drin. Das günstigere Alu-Modell Rise H kommt mit größerem 540er-Akku und damit beachtlicher Reichweite. Dieses Bike diente auch als Test-Bike für unseren Vergleich. Auf das gleiche Batteriekonzept setzt auch das Hardtail Orbea Urrun. Alle Bikes sind mit dem externen Zusatz-Akku um 250 Wattstunden erweiterbar. Die internen Akkus lassen sich zum Laden oder Wechseln auf Tour nicht herausnehmen.
Fahrgefühl und Kraftentfaltung zum Orbea E-Bike-Motor
Seine volle Leistung ruft der EP8 RS beim Orbea im Grund-Setup des Turbo-Modus schon bei geringem Fahrer-Input ab. Dadurch fühlt sich der Motor in der Praxis sogar noch etwas kräftiger an, als es die Laborwerte vermuten lassen. Im Vergleich der Leicht-Klasse ist die Kraftentfaltung schon bei niedriger Trittfrequenz gut. Das erleichtert technische Anstiege und Schlüsselstellen. Im Turbo-Modus fehlt dem EP8 RS allerdings, ähnlich wie dem klassischen EP8, die Spritzigkeit. Denn bei sehr hohen Kadenzen bricht die Power etwas ein. Das fällt besonders beim sportlichen Beschleunigen oder beim Schwung holen für kurze Steilstücke negativ auf. Im Trail-Modus wird das Fahrgefühl deutlich harmonischer. Über die E-Tube-App kann man auch den Turbo-Modus dynamischer einstellen und so die Motor-Power besser an den Fahrer-Input koppeln. Aus unserer Sicht macht das bei einem sportlichen Light-Bike absolut Sinn.
Labortest des Orbea EP8 RS
Unsere Labormessungen auf dem Rollenprüfstand von PT Labs bescheinigen dem Orbea EP8 RS eine maximale Leistung von 339 Watt und ein Drehmoment von 56 Newtonmetern. Im Light-Vergleich steht der Motor damit gut im Saft. In der Praxis fühlt sich der Antrieb sogar noch etwas kräftiger an. Zum Beispiel haben wir bei direkten Vergleichsfahrten mit dem klassischen EP8 (rund 100 bis 150 Watt mehr!) eine kleinere Leistungsdifferenz vermutet. Seine volle Leistung ruft der EP8 RS schon bei geringen Trittfrequenzen ab und hält sie über ein großes Drehzahlband konstant. Bei sehr hohen Kadenzen über 100 bricht die Leistung allerdings ein. Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur im Labortest, sondern ist auch in der Praxis spürbar - wenn auch nicht gar so drastisch wie beim klassischen EP8.
Dauerlast-Betrieb des Orbea Motors
Steile Anstiege, schwere Fahrer, lange Touren? Wenn ein Light-Antrieb dafür prädestiniert ist, dann ist es definitiv der EP8 RS. Logisch, schließlich ist das Aggregat hardwareseitig auf deutlich höhere Belastungen (nämlich die 85 Nm des EP8) ausgelegt. Entsprechend unbeeindruckt zeigt sich der Orbea-Antrieb von harten Dauerbelastungen. Auch Dauer-Turbo-Fahrer werden mit diesem Motor keine Probleme bekommen. Weiterer Pluspunkt: Mit 540 Wattstunden bietet Orbea den größten Akku im Light-Segment. Bei unseren standardisierten Messfahrten schob uns der EP8 RS im Turbo-Modus 1386 Höhenmeter den Berg hinauf und lieferte 63 Minuten Turbo-Schub. Die Fahrerdaten dazu: Fahrergewicht 89 Kilo, 150 Watt Tretleistung, Kadenz 80 U/min. Zum Vergleich: Ein Bosch Performance CX Motor mit 750er-Akku kommt im Turbo-Modus unter identischen Bedingungen auf 71 Minuten Fahrzeit.
Geräuschentwicklung des Orbea EP8 RS (Shimano)
Die gute Nachricht vorne weg: Der Motor-Sound des EP8 RS ist klar leiser als der des klassischen EP8. Diese Erkenntnis haben wir bei jedem Orbea-Testbike erlangt, das wir bisher mit dem RS-Antrieb gefahren sind. Das Antriebsgeräusch ist zudem eher tieffrequent und gleichmäßig, dadurch wird es von den meisten Testern als wenig unangenehm beschrieben. Im Vergleich der Light-Motoren landet der EP8 RS im Mittelfeld. Die schlechte Nachricht: Das Getriebeklappern, das alle EP8-Motoren haben, konnte auch Orbea dem RS nicht austreiben. Heißt: Beim Überrollen von Hindernissen klappert das Getriebe metallisch. Trail-Abfahrten werden von einem permanenten Klackern begleitet. Ein wirklich leises Bike mit EP8 RS gibt es also leider nicht.
Bedienelemente des Orbea E-Bike-Motors
Die Bedienelemente des Orbea-Antriebs stammen komplett aus Shimanos Steps-Linie und sind altbekannt. Wahlweise gibt’s die Bikes der Spanier mit gut geschütztem, unauffälligem Display hinter dem Lenker oder minimalistischer Drahtloseinheit. Das können Kunden über den guten MyO-Konfigurator auf der Orbea-Homepage selbst wählen. Die minimalistische Drahtloseinheit liefert nicht mal eine Balkenanzeige für den Akku-Stand, das hat uns auf so mancher Testfahrt mit dem Orbea E-Bike-Motor schon vor böse Überraschungen gestellt. Sie eignet sich eher für absolute Puristen oder alle, die ohnehin lieber einen Bike-Computer à la Garmin nutzen. Der Steps-Bedienhebel ist schlicht und top-funktional und deswegen in der EMTB-Testredaktion beliebt.
Bedienelemente und Apps des EP8 RS
Shimanos E-Tube-App war eine der ersten Apps, die die individuelle Justierung der Fahrmodi ermöglichte. Beim Orbea EP8 RS funktioniert alles genauso wie beim klassischen EP8. Die Logik hinter den Einstellungen und der Einfluss auf die Unterstützung ist allerdings nicht so klar wie bei anderen Apps. Es können zwei Profile bzw. Pre-Sets eingestellt werden, die dann direkt am Display auch ohne App aktiviert werden können. Das ist super. So lassen sich etwa eine sanfte, Akku-sparende Einstellung für lange Touren und eine Power-Einstellung für kurze Feierabendrunden abspeichern.
EMTB-Bewertung und Messwerte
- max. Drehmoment: 56 Nm
- Spitzenleistung: 339 W
- Power: 5/6 Punkte
- Durchzug hohe Kadenz: 4/6 Punkte
- Fahrt um 25 km/h: 4,5/6 Punkte
- Motor-Sound: 3,5/6 Punkte
- Bedienelemente: 4,5/6 Punkte
Die Mitbewerber: Was können Brose, Fazua, Pinion, Yamaha Co.?
Der Markt an E-Bike-Mittelmotoren ist in den letzten Jahren recht unübersichtlich geworden. Neben den beiden großen Playern Bosch und Shimano buhlen auch andere Marken um die Gunst der Käuferschaft - was die Anzahl der reinen Motorenhersteller ganz locker hoch zweistellig werden lässt. Für uns ein guter Anlass, hier einmal Licht ins Dunkel zu bringen - und auch die Verfolger, Newcomer und Exoten kurz vorzustellen.
Bosch-Motoren
Direkt mit der ersten Bosch "Drive Unit" 2011 wurden die Schwaben zu einem der beiden Marktführer im E-Bike-Sektor. Mittlerweile hat Bosch für jeden Einsatzzweck ein geeignetes Aggregat, eine Fülle an großen wie kleinen Akkus und sinnvolle Peripherie in petto. Unterschieden wird dabei zwischen drei Modellreihen: Bosch Active Line, Bosch Cargo Line und Bosch Performance Line - diese werden jeweils wiederum in eigene Unterkategorien eingeteilt.
Yamaha
Ohne viel Aufsehen zu erregen, krempelt Yamaha sein gesamtes E-Bike-Motorenprogramm auf links - und zielt mit einem Dreigestirn aus Full-Power-, Alleskönner- und Light-Motor voll auf Mitbewerber Bosch. Drei Mittelmotoren gibt es nun, von E-MTB bis Light, von 100 Nm (PW-X4) bis 60 Nm (PW-L1).
Welcher Mittelmotor: Bosch, Shimano oder Yamaha?
Der Motor ist das Herzstück von E-MTBs und Top-Kaufkriterium bei E-Mountainbikes. Wir vergleichen die wichtigsten E-MTB Motoren, gehen auf Details der Elektromotoren ein und helfen, damit du den passenden Antrieb für dein E-MTB findest.
Ein E-MTB besteht aus mehr als 100 Komponenten, aber meist wird nur über eine einzige gesprochen: den E-MTB Motor. Deshalb macht es Sinn, sich vor dem E-Mountainbike Kauf ein paar grundlegende Fragen zu stellen: Wie leistungsstark soll der Antrieb sein? Baut Bosch, Shimano oder ein anderer Hersteller den besten E-MTB Motor für meine Bedürfnisse?
Die maximal zulässige Nenndauerleistung beträgt 250 Watt und der E-MTB Motor darf nur bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h unterstützen. Warum? Weil nur diese E-Antriebe in sportlichen E-Mountainbikes sinnvoll sind und man weder einen Führerschein noch eine Versicherung braucht, um sie fahren zu dürfen.
Mittelmotor vs. Heckmotor
Sitzt der Elektromotor in der Mitte oder hinten? Bei sportlichen E-MTBs haben sich diese zwei Varianten von Motorpositionen durchgesetzt. Sitzt der Motor dagegen hinten am Fahrrad in der Hinterradnabe, spricht man von einem E-MTB mit Heckmotor.
- Da E-MTB-Motoren etwa 2,5-4,2 Kilo wiegen, garantiert der Mittelmotor eine optimale Gewichtverteilung (sehr zentral) und sorgt dafür, dass das Bike einen niedrigen Schwerpunkt hat. Das kommt dem Handling des Bikes zugute. Ein weiterer Vorteil von Mittelmotoren: Motoreinheit und Akku sitzen nah beisammen, was die Verbindung und Verkabelung vereinfacht. Durch seine bauartbedingten Vorteile werden bei sportlichen E-Mountainbikes fast nur Mittelmotoren verbaut.
- Den Hinterradmotor findet man häufig bei 45 km/h schnellen S-Pedelecs und sportlichen E-Rennrädern und E-Gravelbikes. Für sportliche E-MTBs wiegt allerdings ein Nachteil zu schwer: Motorgewicht ist sehr hecklastig verteilt und der Schwerpunkt des Bikes wandert dadurch nach hinten. Deshalb findet man Heckmotoren nur bei sehr günstigen E-Mountainbike Hardtails für Einsteiger oder E-Rennrädern.
Weitere Faktoren
Der Motor beeinflusst die Fahreigenschaften eines Bikes nicht nur wenn er kräftig unterstützt. Die Nenndauerleistung von E-MTB Motoren ist beim E-MTB Kauf omnipräsent. Der Bosch Performnce CX Motor oder Shimanos EP werden beispielsweise mit 250 Watt Nenndauerleistung angegeben.
Die Herstellerangabe der Nenndauerleistung ist mehr oder weniger ein formaler Wert, damit Hersteller problemlos die Zulassung nach europäischer Prüfnorm erreichen. Die genauen Prüfregularien sind üppig, wenige realitätsnah und lassen den Herstellern sehr viel Spielraum in der Auslegung.
Eine sinnvolle Angabe der Leistungsfähigkeit eines Motors wäre die prozentuale Vervielfachung der menschlichen Tretleistung. Manche Hersteller wie Bosch geben an, dass ihr Motor z.B. Dass heißt: Tritt man mit 100 Watt in die Pedale, hilft der Motor zusätzlich mit maximal 340 Watt nach.
Neben der Nenndauerleistung wird eigentlich auch immer das maximale Drehmoment eines Motors mit angegeben. Das maximale Drehmoment lässt aber sehr gute Rückschlüsse über die Motor - oder besser gesagt - Unterstützungscharakteristig des E-Mountainbikes zu. Das Drehmoment steht für die Kraft der Drehbewegung des Motors. Ein hohes Drehmoment sorgt dafür, dass Motoren auch bei niedrigen Kadenzen, also z.B. Das vermittelt oft einen sportlichen Charakter des E-Mountainbikes.
Auch bei Autos gilt, je höher das Drehmoment des Motors, umso sportlicher lässt sich das Auto beschleunigen. Vor allem beim Anfahren und durch die Gänge schalten prägt dieser Wert das Fahrverhalten deutlich.
Gute E-MTB Motoren wiegen zwischen 2,9 und 3,5 Kilo. Große Gewichtsunterschiede gibt es also nicht. Prozentual zum Gewicht des Komplettbikes, schlägt dieser Gewichtsunterschied aber dennoch mit fast 5% zu Buche.
Bei E-MTB Motoren wird die Unterstützung immer in Prozent angegeben. Die meisten Hersteller geben die maximale Antriebsunterstützung ihrer Motoren an. Damit ist die Unterstützung in Prozent zur Eigenleistung gemeint.
Akku
Jeder E-MTB-Motor bezieht seine Energie aus dem Akku. Die E-MTB Akkus kommen meist von den Motorenherstellern selbst und lassen sich nicht mit anderen E-MTB Motoren oder Modellen kombinieren. E-MTB Akkus gibt es in diversen Größen und Formen. Außen am Rahmen aufgesteckte Akkus findet man nur noch in günstig E-MTBs. Mittlerweile setzen fast alle Hersteller auf teil- oder vollintegrierte Akkus bei ihren E-MTBs.
Die Kapazität der E-MTB Akkus ist entscheidend, welche Distanz man mit dem E-MTB mit einer Akkuladung schafft. Die Kapazität der Lithium-Ionen-Akkus wird in Wattstunden (Wh) angegeben. Es gilt: Je größer (also mehr Kapazität) der E-MTB Akku, desto schwerer ist er.
Als guter Richtwert für hochwertige E-MTBs gilt eine Kapazität von ca. Display / Fernbedienung: Neben Motor und Akku gehört auch ein Display sowie (teils) eine Lenker-Fernbedienung zum E-MTB Antriebssystem.
Es gibt deutliche Unterschiede, wie laut oder leise ein E-MTB Motor ist. Bei den klassischen Mittelmotoren gehört der Brose Drive S Mag zu den leisesten. Vor allem die Shimano Motoren bieten eine App zur üppigen Konfiguration der Motorcharakteristik.
Der Shimano EP801 im Detail
Auch wenn man Shimano-Motoren in zahlreichen E-MTBs findet, so ist es um die E-Entwicklungen der Japaner etwas stiller geworden. Mit dem EP801 löst Shimano nun den bewährten Vorgänger EP8 ab. Der Shimano EP801 soll mit einem breiteren Einsatzgebiet, mehr Power und vielen cleveren Funktionen punkten.
Shimano ist aus der Bike-Welt nicht mehr wegzudenken. Egal, ob Bremsen, Schaltungen oder andere Anbauteile, die Japaner gehören zu den größten Komponenten-Herstellern weltweit. Shimano zählt aber auch zu den E-Bike-Pionieren und mischt schon seit den Anfängen im E-Bike-Segment mit. Shimano-Motoren sind stark im Markt vertreten und kommen an einer Vielzahl von Bikes zum Einsatz.
Wie sein Vorgänger reiht sich der Shimano EP801 als Spitzenmodell in das Portfolio ein und siedelt sich über dem etwas günstigeren, aber fast baugleichen und ebenso drehmomentstarken Shimano EP6 an, der durch ein günstigeres Alu-Gehäuse etwas mehr Gewicht auf die Waage bringt.
Das neue Modell basiert zwar auf dem bewährten Shimano EP8, wurde aber sowohl in Soft- als auch Hardware nochmals überarbeitet. So soll er nicht nur mehr Maximalleistung bieten, sondern auch über einen breiteren Trittfrequenzbereich mit hoher Leistung unterstützen. Das Update auf EP801 erlaubt auch erstmals die Verbindung mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe, die mit cleveren Funktionen aufwarten kann.
Ein weiteres Feature ist das Shimano-ABS, das in Zusammenarbeit mit Blubrake entwickelt wurde. Ein weiterer Ableger des Shimano Motor EP801 ist der EP801 RS. Die Hardware basiert auf einem normalen EP801 und unterscheidet sich mit Ausnahme des RS-Stickers nicht von den herkömmlichen Shimano-Motoren in anderen Bikes. Die Software hingegen drosselt das maximale Drehmoment von 85 auf 60 Nm - auch wenn man beim RS-Emblem im ersten Moment mehr Power erwarten würde. Der EP801 RS kommt nur am Light-E-MTB Orbea Rise zum Einsatz.
Auch wenn man beim Shimano Motor EP801 rein äußerlich keinen Unterschied zum Vorgänger namens EP8 erkennt, hat sich im Inneren viel getan. Nicht nur die komplette Elektronik wurde überarbeitet, auch die Maximalleistung steigt von 500 auf 600 Watt. Damit und mit seinen 85 Nm Drehmoment liegt er zumindest auf dem Papier mit dem Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) gleichauf. In Sachen Gewicht ist der Shimano EP801 mit 2,7 kg genauso schwer wie sein Vorgänger und gehört damit zu den leichteren Full-Power-Motoren.
Mit Strom versorgt wird der Shimano Motor EP801 entweder durch einen 504-Wh- oder einen 630-Wh-Akku aus dem Hause Shimano, alternativ lassen die Japaner den Bike-Herstellern die Freiheit, Akkus von Drittanbietern zu verbauen. Auch wenn wir die 630-Wh-Akkus als goldene Mitte für viele Anwendungsbereiche ansehen, so wäre eine größere Akku-Option aus dem Hause Shimano wünschenswert. An einigen Bikes mit Shimano Motor EP801 sind größere Akkus von Drittanbietern mit Kapazitäten jenseits der 700 Wh zu finden.
Wer von einem EP8-Bike auf ein EP801-Bike umsteigt und den alten Akku im neuen Bike weiter verwenden will, sollte bedenken, dass diese nicht mehr kompatibel sind. Durch die überarbeitete Elektronik und ein Update bei den Battery-Management-Systemen sind Akkus mit altem BMS nicht mehr nutzbar.
Die Displays und Remotes des Shimano EP8 kommen auch am neuen EP801-Modell zum Einsatz. Das am Lenker neben dem Vorbau geschützt angebrachte Farbdisplay zeigt den Akkusta...
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