„Kind, man kann doch im Leben nicht alles haben!“ - wie oft hat man in frühen Lebensjahren eben jenen, zwar gut gemeinten, jedoch nicht selten als ernüchternd empfundenen Lebenshinweis gehört. Und jetzt, zig Jahre später? Nahezu jede Fahrsituation, in die es ein Mountainbiker zu bringen im Stande ist, wollen diese E-MTBs spielerisch bewältigen, dabei stets unfassbar viel Spaß machen.
Potente MTB-Alleskönner und aufgebohrte Tourenbikes also, die dank kletterfreundlicher Geometrie mit Zutaten wie einem rund 74° steilen Sitzwinkel effizient klettern, so zu intensiven Touren per E-MTB motivieren.
Wie viel Geld muss man für ein gutes E-Mountainbike tatsächlich ausgeben? Müssen es immer gleich 10.000 € oder noch mehr sein? Und worauf muss man beim Kauf von günstigen E-MTBs achten?
Nicht jeder kann und will sich ein E-MTB für bis zu 15.000 € leisten, wie aus dem Testfeld unseres High-End-Vergleichstest mit 27 spannenden Bikes. Daher haben wir uns der Sache angenommen und 5 E-MTBs bis zu einer Preisgrenze von 7.000 € für euch getestet. Für uns die vernünftige Obergrenze, unter der einige spannende Bikes auf dem Markt zu finden sind.
Ohne Frage, das ist immer noch sehr viel Geld. Darum ist es umso wichtiger, dass es an der richtigen Stelle eingesetzt wird und man nicht unüberlegt oder falsch informiert eine Fehlentscheidung trifft. Ein E-Mountainbike ist eine langfristige Investition und soll euch auch über eine lange Zeit in vielen Bereichen Freude bereiten - Frust ist hier fehl am Platz.
Deshalb erfahrt ihr nicht nur, welches das beste E-Mountainbike bis 7.000 € ist, sondern auch worauf man beim Kauf achten sollte, was die Zutaten für ein gutes E-MTB sind und welches Bike am besten zu euch passt.
Größter Akku, vermeintlich stärkster oder bester Motor, verführerische Werbeslogans. Überall lauern Gefahren und gefährliches Halbwissen. Doch es kommt auf eure persönlichen Bedürfnisse an! Was braucht ihr?
Das beste E-MTB bis 7.000 € muss nicht zwingend in allen Disziplinen die Nase vorn haben. Vielmehr muss es das überzeugendste Gesamtpaket bieten. Wie bei einem Fußballmatch kann ein Sieg nur gelingen, wenn das Team perfekt harmoniert und nicht durch Alleingänger ausgebremst wird.
Der stärkste Motor - was für viele mit maximalem Drehmoment assoziiert wird - bringt einem nix, wenn er unkontrolliert einsetzt oder eine schlechte Softwareabstimmung hat. Das edelste Fahrwerk ist nutzlos, wenn die misslungene Kinematik des Hinterbaus die Performance nicht ausnutzen kann.
Worauf man beim Kauf achten sollte
Bei der Entwicklung eines E-Mountainbikes werden alle nötigen Anforderungen in einen Topf geworfen. Die größte Herausforderung der Entwickler ist es, die oft gegensätzlichen Eigenschaften und Anforderungen in Einklang zu bringen. Hohe Laufruhe will mit der richtigen Dosis an Agilität vereint werden und ein hohes Sicherheitsempfinden sowie maximaler Fahrspaß dürfen auch nicht zu kurz kommen.
Bergauf sollte genug Motorpower zur Verfügung stehen - fein dosierbar versteht sich -, die gleichzeitig aber zuverlässig durch einen fein ansprechenden Hinterbau auf den Boden gebracht wird. Für lange Touren und anstrengende Tage im Sattel sollte das beste E-Mountainbike natürlich auch noch eine bequeme Sitzposition und ein komfortables Fahrwerk mitbringen.
Auch abseits vom Trail muss das E-MTB seinen Anforderungen gerecht werden: Praktische Features wie integrierte Lichter oder versteckte Tools machen einem das Alltagsleben leichter. Obendrauf kommen noch clevere Connectivity-Lösungen, wie Navi-Funktion, Diebstahlsicherung oder eine praktische Setup-Hilfe. Am besten lassen die sich dann noch übersichtlich und intuitiv bedienen.
Die Bikes in diesem E-MTB-Test spielen preislich in der gleichen Liga und weisen auf dem Papier viele ähnliche Parameter auf. Der Gewichtsunterschied vom leichtesten E-MTB mit 23,7 kg zum schwersten mit 26,1 kg beträgt gerade mal 2,4 kg. Bei den Akkugrößen und den Motoren verhält es sich in puncto Spannbreite ähnlich. Der kleinste Akku speichert 626 Wh, während der größte Stromspeicher 750 Wh aufnimmt.
Vergleicht man nur die reinen Zahlen, könnte man meinen, dass die E-Mountainbikes sich stark ähneln. Doch falsch gedacht. Das Testfeld in unserem E-MTB Test spiegelt eine große Bandbreite an verschiedenen Konzepten wider und der Fahrcharakter könnte nicht unterschiedlicher sein.
Vorstellung einiger E-MTB Modelle
Das BULLS SONIC EVO AM 3 ABS hat mit seinen 150 mm Federweg (v/h) zwar auf dem Papier die wenigsten Reserven, kommt aber mit cleveren Sicherheits-Features, die einem das Leben erleichtern sollen. Neben integrierten Lichtern ist auch das Bosch ABS-System an Bord, das ein blockierendes Vorderrad verhindern soll.
Wie das BULLS kommt das Canyon Strive:ON CFR mit einem Bosch Performance Line CX-Motor mit 85 Nm Drehmoment und 750-Wh-Akku. Mit 6.999 € ist es das teuerste Bike im E-MTB Test, verspricht dafür aber ein Maximum an Performance, verpackt in einen Carbonrahmen mit hochwertiger Ausstattung.
Das MERIDA eONE-SIXTY 875 rollt mit einem spannenden Geometrie- und Größenkonzept daher. Angetrieben wird es von einem Shimano EP801 mit 85 Nm Drehmoment und großem 750-Wh-Akku. Es will maximale Reichweite und erstklassiges Handling vereinen.
Das Propain Sresh CF setzt ebenfalls auf ein Shimano-Motorsystem. Der Shimano EP6-Motor wird vom kleinsten Akku im E-MTB Test mit 626 Wh gespeist. Durch den Konfigurator soll sich das E-MTB zu einem Traum-Bike zusammenstellen lassen.
Das Specialized Turbo Levo Comp Alloy ist ein alter Bekannter. Es schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe und will nicht nur mit einem eigenen Motorsystem überzeugen, sondern auch mit dem stärksten Motor im Test mit 90 Nm Drehmoment.
Motoren im Vergleich
Wenn ihr euch ein neues E-Mountainbike zulegt, dann kauft ihr nicht nur das Bike, sondern auch das Motorsystem, das in ihm steckt. Doch bei der schieren Masse an unterschiedlichsten Konzepten auf dem Markt ist es gar nicht so einfach, das passende Motorsystem für sich zu finden. Wie beim E-Mountainbike selbst gibt es hier zahlreiche Faktoren, die ein gutes Motorsystem ausmachen. Anhand reiner Zahlenwerte sind die jedoch nicht vergleichbar.
Die Bike-Hersteller setzen in den günstigen Modellen oft auf das gleiche Motorsystem wie in den Top-Modellen. Daher hat man in Sachen Connectivity die gleichen Funktionen und Möglichkeiten - egal ob High-End-Modell oder nicht. Schaut man genauer hin, gibt es dennoch Unterschiede bei der Software und Hardware.
Propain verbaut im Sresh CF in der Base-Variante den Shimano EP6-Motor. Mit dem Konfigurator lässt sich gegen Aufpreis auch auf den Shimano EP801-Motor upgraden, der auch im MERIDA eONE-SIXTY zum Einsatz kommt. Optisch sieht man den Motoren keinen Unterschied an, nur das Gehäuse des EP6 ist aus Aluminium und ca. 300 g schwerer. In Sachen Power kommen beide mit 85 Nm Drehmoment, lediglich die Maximalleistung des Shimano EP6 ist etwas geringer.
Die vier Unterstützungsniveaus des Conti-Antriebs am Rose und Storck ließen sich nur an den Drucktasten des Akkus aktivieren; die dafür primär vorgesehene Lenker-Fernbedienung funktionierte nicht und nervte durch Verrutschen.
Die Testergebnisse
Am erfolgreichsten setzt Rotwild das E-All-Mountain-Konzept um. Selbstverständlich erklimmt der Biker im Sattel des R.X+ Anstiege, prima unterstützt vom zugstarken Brose-Motor, der auch bei Volllast an Rampen geräuscharm bleibt. Rotwild gelingt es mit diesem Rad, die Balance zwischen Up- sowie Downhillfahrfertigkeiten genau zu treffen und fährt so die meisten Testpunkte ein.
Dem Rotwild-27.5“-Zöller dicht auf den Fersen ist das schwerere Rocky, dessen top Hinterbau aus Wurzelteppichen Daunenkissen macht.
Das BULLS SONIC EVO AM 3 bringt viele sinnvolle und clever integrierte Alltags-Features mit, wie die schön versteckten Lichter im Hinterbau oder das Bosch ABS-System. Seine Stärken spielt es vor allem auf gemütlichen Touren und flowigen bis moderaten Trails aus. Auf technischen Trails will das BULLS von einer erfahrenen Hand gelenkt werden und kommt im anspruchsvollen Terrain schnell ans Limit.
Auf dem Trail überzeugt das Propain Sresh CF mit einem intuitiven Handling, bergauf mit guten Klettereigenschaften und Tourenqualitäten und muss sich vor den besten Bikes im Test nicht verstecken. Die hochwertige Ausstattung und die Optik lassen sich dank dem umfangreichen Konfigurator an viele verschiedene Fahrertypen und Geschmäcker anpassen.
Das Specialized Turbo Levo muss sich auch nach all den Jahren nicht vor der Konkurrenz verstecken und punktet mit einem ausgewogenen Handling und dem typischen Specialized-Wohlfühlfaktor. Auf dem Trail kann es jedoch nicht ganz mit dem Gegenhalt des MERIDA eONE-SIXTY und des Canyon Strive:ON CFR mithalten.
Das MERIDA eONE-SIXTY ist ein E-MTB für jedermann und ist super einfach zu fahren. Es verbindet hohe Laufruhe gekonnt mit Agilität und bringt durch den hohen Komfort und vielen cleveren Features gute Alltags- und Tourenqualitäten mit.
Jetzt hat sich das Strive:ON CFR für 6.999 € gegen alle Bikes in unserem E-MTB Test bis 7.000 € durchgesetzt. Es kommt mit einem erstklassigen Fahrwerk und starker Performance auf dem Trail. Das super intuitive Handling holt Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen ab. Auch im Uphill oder auf gemütlichen Touren kann es punkten und kommt mit nahezu jeder Situation spielend zurecht.
Zusammenfassung der Testergebnisse
Die Topseller werden ihrem Namen gerecht: Das Niveau in der Testgruppe ist hoch. Die Unterschiede der E-Bikes zeigen sich vor allem im Charakter. Cube setzt sich in der Punktewertung an die Spitze und sichert sich den Testsieg, obwohl es versierte Trail-Piloten nicht zu 100 % abholen wird. Dafür spricht es mit seinem komfortablen und unkomplizierten Auftreten eine breite Zielgruppe an.
Auf Trails und Abfahrten stechen Canyon, Marin und Flyer heraus. Wer gerne sportlich durchs Gelände schießt, findet hier drei starke Konzepte mit ganz unterschiedlichen Charakteren.
Tabelle: E-MTB Modelle im Vergleich
| Modell | Motor | Akku | Federweg (v/h) | Gewicht | Preis |
|---|---|---|---|---|---|
| BULLS SONIC EVO AM 3 ABS | Bosch Performance Line CX | k.A. | 150 mm | k.A. | k.A. |
| Canyon Strive:ON CFR | Bosch Performance Line CX | 750 Wh | k.A. | k.A. | 6.999 € |
| MERIDA eONE-SIXTY 875 | Shimano EP801 | 750 Wh | k.A. | k.A. | k.A. |
| Propain Sresh CF | Shimano EP6 | 626 Wh | k.A. | k.A. | k.A. |
| Specialized Turbo Levo Comp Alloy | Specialized | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. |
Dass ein top ausgestattetes E-All-Mountain nicht erst für 6000 Euro zu haben ist, beweist Radon mit dem Slide Hybrid 9.0 500, dem Top-Modell seiner E-AM-Linie. Und obwohl das Design des Slide Hybrid mit dem auf dem Unterrohr platzierten Akku ein wenig wuchtig anmutet: Zum Laden ist der 500-Wh-Akku flugs demontiert, muss das Bike nicht in die Wohnung im vierten Stock getragen werden.
Die übrigen Hersteller integrieren ihn ins Unterrohr, wobei er bei Rocky Mountain und Rotwild fest im Unterrohr installiert ist und vom Fahrer nicht entnommen werden kann.
Begrüßenswert: der Trend zu leistungsfähigeren Akkus mit über 500 Wh Kapazität. Rose und Storck arbeiten mit einem 612-Wh-, respektive 636-Wh-Akku, das Rocky mit einem 632-Wh-Akku.
Focus- und Rotwild-Spezialität: Der 378-Wh- (Focus) und 518-Wh-Standardakku (Rotwild) lassen sich gegen Aufpreis jeweils vergrößern. Per Montage des optionalen Zweitakkus auf dem Unterrohr erhöht sich die Akkukapazität am Focus auf 756 Wh.
Die Spitze in punkto Akkuleistung markiert der BH-Akku, der propere 720 Wh bereitstellt, im Unterrohr sitzt und zum Laden entnommen werden kann. Dazu entsperrt der Fahrer per Smart-Key-Armband eine Akkuverschlussklappe - innovativ!
Corratecs RS150 etwa ist mit 24,9 Kilo schwer, womit mehr Kraft nötig ist, um das Rad auf Flachpassagen durch die Kurven zu treiben.
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