Der Markt für E-Bike-Antriebe ist in den letzten Jahren unübersichtlich geworden. Neben den etablierten Größen wie Bosch und Shimano drängen auch andere Marken auf den Markt. Dieser Artikel soll Licht ins Dunkel bringen und einen Überblick über die verschiedenen Hersteller von E-Bike-Heckmotoren geben.
Der Pedelec-Motor kann sowohl an der Nabe des Vorder- oder Hinterrads installiert werden, als auch am Tretlager in der Mitte des E-Bikes. Somit ergeben sich 3 Typen von Pedelec-Antrieben: Frontantrieb, Heckantrieb und Mittelmotor. Die Unterschiede dieser Antriebstypen sind besonders in der Fahrdynamik und der Gewichtsverteilung beim Lenken spürbar.
Vor- und Nachteile von Heckmotoren
Neben dem Mittelmotor ist es auch möglich, das E-Bike mit einem Nabenmotor bzw. Heckmotor auszustatten. Wie der Name verrät, sitzt dieser an der Nabe des hinteren Laufrads. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt des Pedelecs weiter nach hinten und der Motor gibt die Kraft unmittelbar an das Hinterrad ab, weshalb dieser Antrieb besonders gut für sportliche E-Bikes geeignet ist.
Der Heckmotor wird mit einer Kettenschaltung kombiniert, welche besonders bei sportlichen Fahrten beispielsweise gegenüber einer Nabenschaltung überzeugen kann. Eine Nabenschaltung ist mit dieser Form des Motors nicht kombinierbar. Auch E-Mountainbikes und Hinterradmotoren verstehen sich nicht so gut. Auf langen und steilen Steigungen können sie schnell überhitzen.
Ab etwa zehn Stundenkilometern spüren Fahrer die geballte Power der Heckmotoren - und die reißt dann auch bis zur Unterstützungsschwelle nicht mehr ab. Sie entfaltet sich harmonisch, bei schnellen Pedelecs ohne Verluste bis 45 km/h. Der vergleichsweise einfache Aufbau der Hinterradantriebe hat weitere Vorzüge: Nur der äußere Magnetring und die Verkleidung des Motors drehen sich, die meisten Bauteile im Innern des Motors bleiben starr. So ergibt sich eine enorme Laufruhe in gleich zweierlei Hinsicht. Zum einen sind Heckmotoren deutlich leiser als andere Antriebe. Zum zweiten entstehen so wesentlich weniger Vibrationen als beim Mittelmotor mit seinen zahlreichen mechanischen Bauteilen.
Die Gewichtsverteilung bei Heckmotoren-Pedelecs wird oft als ungünstig kritisiert. Das sieht Lemm anders. Ein mehr in der Bikemitte zentriertes Antriebsgewicht sei ohnehin vor allem für E-Mountainbikes relevant, die etwa bei Sprüngen öfter den Bodenkontakt verlieren. „Bei unseren S-Pedelecs, Stadt- und Tourenrädern spielt das keine Rolle. Ähnlich argumentiert auch Mathieu Rauzier von Rayvolt. Bei dem stark vom Motorrad inspirierten Design der Katalanen spiele die Gewichtsverteilung ohnehin kaum eine Rolle - die langgestreckten Bikes mit sehr breiten Reifen liegen sehr satt auf der Straße.
Vorteile von Heckmotoren:
- Direkte Kraftübertragung auf das Hinterrad
- Besonders gut für sportliche E-Bikes geeignet
- Leiser als Mittelmotoren
- Weniger Vibrationen
Nachteile von Heckmotoren:
- Schwerpunkt des Pedelecs verlagert sich nach hinten
- Kann auf langen und steilen Steigungen überhitzen
Bekannte Hersteller von E-Bike-Heckmotoren
Im Folgenden werden einige der bekanntesten Hersteller von E-Bike-Heckmotoren vorgestellt:
- Neodrives: Die Radmotor-Sparte von Alber aus Baden-Württemberg hat die Go SwissDrive-Lücke gefüllt.
- Mahle: Ist mit seinem X35 vor allem im sportiven Urban- und Gravelbike- sowie Rennrad-Segment zuhause.
- Bafang: Baut neben Mittelmotoren in großer Stückzahl Heckantriebe.
Weitere Hersteller von E-Bikes mit Heckantrieb
Neben den reinen Motorenherstellern gibt es auch einige E-Bike-Hersteller, die ihre eigenen Heckantriebe entwickeln und verbauen:
- Klever: Baut auch die Fahrräder zum hauseigenen Biactron-Antrieb.
- Rayvolt: Spanisches Start-up mit einem vom Motorrad inspirierten Design.
- Coboc: Heidelberger Urban-Bike-Pionier, der mit sehr leichten Motoren arbeitet.
Die Renaissance des Heckmotors
Vor drei Jahren erschütterte ein Beben die E-Bike-Szene. Binnen weniger Wochen verkündeten die Platzhirsche im Heckmotoren-Segment - Go SwissDrive aus der Schweiz und BionX aus Kanada - fast zeitgleich ihr Aus. Der Trend zu immer kraftvolleren Mittelmotoren und der anhaltende E-Mountainbike-Boom, ergänzt durch offroad-taugliche E-SUVs, setzte dem Hinterrad-Nabenmotor zusätzlich zu. Inzwischen aber holt er wieder auf.
Anders als Rayvolt und Coboc verstehen sich die Kölner vor allem als S-Pedelec-Produzenten. Vor allem in Belgien und der Schweiz verkauft Klever die schnellen E-Bikes mit Unterstützung bis 45 km/h in großer Zahl. „Bei diesen Geschwindigkeiten sind Heckmotoren den Tretlagermotoren klar überlegen“, so Lemm. Mehr noch. „Wir setzen darauf, dass in Zukunft die 45-km/h-Obergrenze nach oben hin verschoben wird.“ Denn aktuell sind S-Pedelecs trotz ihres Tempos dem typischen „Überholzwang“ von Autofahrern unterworfen. „Der ist leicht erklärt: Fährt ein S-Pedelec auf einer Hauptverkehrsstraße die erlaubten 45 Stundenkilometer, empfinden ihn viele Autofahrer als zu langsam - obwohl es um nur wenige km/h Unterschied geht.“ Darum versuchten Autofahrer oft, S-Pedelecs zu überholen. So komme es zu gefährlichen Situationen.
Der Ausweg, so Niklas Lemm: „S-Pedelecs sollte es erlaubt sein, ebenfalls etwa 50 km/h zu fahren. Um dann aber die Geschwindigkeit auch konstant halten zu können, braucht es einen gerade bei hohem Tempo gleichmäßig unterstützenden Antrieb. Nur der äußerste Metallring und die Verkleidung des Motors bewegen sich. Da Heckmotoren ohne interne Übersetzung arbeiten, dreht der Motor immer nur so schnell wie das Hinterrad. Daher reagieren sie beim Anfahren etwas träger als Mittelmotoren, die wegen dieser internen Übersetzung schnell höhere Drehzahlen erreichen. Sie haben zudem auf dem Papier weniger Drehmoment als Mittelmotoren. Deren Power wird aber über Kette oder Riemen und die Gangschaltung ans Hinterrad abgegeben. In der Praxis sind Heckmotoren deshalb dem Mittelmotor ebenbürtig - auch wenn die Charakteristiken der beiden Antriebsarten recht unterschiedlich sind.
Bei der Entwicklung seiner Motoren greift Klever auf die Erfahrung und das Wissen der Konzernmutter Kymco zurück. „Etwa 75 Leute sind in Taiwan für Klever angestellt“, erklärt Lemm. Ein Teil davon kümmert sich um die Entwicklung, der andere Teil ist für die Produktion zuständig. Ganz genau ließe sich das nicht beziffern. „Die Teams bei Kymco wechseln regelmäßig. Und da Klever insbesondere bei schnellen Pedelecs in Zukunft einen deutlich wachsenden Markt in Europa sieht, sei eine erneute Heckmotoren-Krise nicht zu erwarten. Oder wie Niklas Lemm sagt: „Wir wissen, was der Antrieb kann.
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